Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 3
1. Die direkte Rede. 4
1.1 Kurze Übersicht über Form, auftreten und grammatische Besonderheiten 4
1.2 Direkte Rede im „Berlin Alexanderplatz“ 4
1.2.1 Das Berlinische 5
1.2.2 Der Ganovenjargon 6
2. Die indirekte Rede. 7
2.1 Kurze Übersicht über Form, Auftreten und grammatische Besonderheiten 7
2.2 Die indirekte Rede in „Berlin Alexanderplatz“ 8
3. Die erlebte Rede 10
3.1 Kurze Übersicht über Form, Auftreten und grammatische Besonderheiten 10
3.2 Die erlebte Rede in „Berlin Alexanderplatz“ 11
4. Der innere Monolog 13
4.1 Vorgeschichte, Entstehung und Bedeutung für die Literatur 13
4.2 Das Begriffschaos um den inneren Monolog und die Technik des „stream of
consciousness “ 14
4.3 Form und grammatische Besonderheiten 16
4.3.1 Der nicht-assoziativ hervorgerufene innere Monolog. 17
5. Fazit. 19
Literaturverzeichnis. 20
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0. Einleitung
In der folgenden Hausarbeit werde ich versuchen die vier verschiedenen Formen von Rede- und Gedankenwidergabe, die Döblin in „Berlin Alexanderplatz“ verwendet näher zu beschreiben und ihr Vorkommen im Roman zu untersuchen. Die Arbeit ist in vier größere Abschnitte unterteilt, die den entsprechenden Wiedergabeformen zugeordnet sind. Die ersten drei Abschnitte, die die direkte, indirekte und erlebte Rede behandeln, sind jeweils in zwei Punkte unterteilt, wobei der erste eine kurze Zusammenfassung über Form, Auftreten und grammatische Besonderheiten der jeweiligen Personenrede bietet und der zweite ihr Vorkommen im Werk untersucht. Der vierte Abschnitt, der sich mit dem inneren Monolog beschäftigt, ist ein wenig umfangreicher. Da in der Literaturwissenschaft mehrere Meinungen, über Definition, Klassifikation und genauen Gebrauch, vertreten sind, habe ich einen kurzen Exkurs über dieses Begriffschaos gemacht. Die Beispiele für erlebte und indirekte Rede sind nicht sehr umfangreich, da der Autor die direkte Rede der indirekten und den inneren Monolog der erlebten Rede vorgezogen hat um den schnellen Rhythmus und die größere Lebendigkeit der Großstadt unvermittelt wiederzugeben.
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1. Die direkte Rede
1.1 Kurze Übersicht über Form, auftreten und grammatische Besonderheiten Indirekte und direkte Personenrede zählen durch die Jahrhunderte zum Grundbestand
erzählerischer Technik. Nach allgemeiner Auffassung ist die direkte Rede die ursprüngliche, „primitive“, „einfachste“ und „universelle“ Möglichkeit der Redewiedergabe ( vgl. Roncador 1988:27).
(1) „Und er sagt: „Dann hab ich nicht gewollt und dann haben sie mir aus dem Auto geschmissen, weil ein Auto hinterherkam.“ “(s. Döblin 2000:227) (2) „Hat Franz schon die Faust auf dem Tisch, öffnet sie, grinst stolz: „Also wie viel?“ Lüders, das jämmerliche Männchen, hat sich vorgebeugt, zirpt an einem hohlen Zahn: „Zwei Zehner, Deibel.“ Franz schmeißt die Lappen auf den Tisch: „Wie stehn wir nun da. Haben wir geschafft, in fuffzehn, in zwanzich Minuten. Länger nicht, Wette.“ „Menschenskind.“ „Nee, was du denkst, […]“. “(s. Döblin 2000:108) Meistens steht die direkte Rede vor oder hinter (1) einer so genannte inquit-Formel (von lat. inquit, er sagt), ein verbum dicendi (von lat. dicere, sagen). Im „Berlin Alexanderplatz“ ist nur die zweite Möglichkeit anzutreffen, aber dafür steht die direkte Rede sehr oft, ohne jegliche Redekennzeichnung, direkt hinter einen Erzählerbericht (2), womit der Autor erreichen will, dass der Redefluss nicht dauernd unterbrochen wird. Die direkte Rede hat die gleichen Möglichkeiten wie ein unabhängiger Satz. Inhaltlich präsentiert sie das Gesagte völlig unverändert und wirkt somit unmittelbar, „der Leser vernimmt wie im Drama die Figur selbst“ (vgl. Vogt 1990:151). Sie tritt in der ersten, beziehungsweise zweiten Person Singular auf, im Indikativ und im Präsens. Innensicht ist nicht möglich und der Erzähler ist nicht spürbar. Üblicherweise, aber nicht immer, sind inquit-Formel und Personenrede durch Satzzeichen (Doppelpunkt, Komma) getrennt. Die Rede selbst erscheint in Anführungszeichen.
1.2 Direkte Rede im „Berlin Alexanderplatz“
Die Dialogszenen nehmen im Roman einen breiten Raum ein. Mit der in ihnen durchgehend verwendeten direkten Rede und den kurzen eingeschobenen Regiebemerkungen nähern sie sich stark der dramatischen Dialogform an (vgl. Vogt 1990:147). Das
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Orientierungszentrum des Lesers liegt in den Gesprächsszenen selbst. Ihre häufige Verwendung erklärt sich aus dem Streben des Autors nach unmittelbarer Vergegenwärtigung des Geschehens, um den Leser zu beteiligen.
Die Figuren von „Berlin Alexanderplatz“ gehören fast ausschließlich einem Milieu an, das von Verbrecher, Huren und Zuhälter geprägt ist. Alfred Döblin verzichtet deshalb auf eine hochsprachliche Stilisierung und gibt in den Dialogszenen die verstümmelnde Sprechweise der Umgangssprache wieder, wodurch ein besonders dichtes Erfassen der Lebensatmosphäre der dargestellten Figuren erreicht wird.
Die auffallendste und bestimmendste Sprachschicht im Roman ist die Berliner Umgangssprache. Aber nicht zu vergessen sind natürlich der Ganovenjargon und die jiddischen Sprachelemente, die in der Sprache der Figuren einfließen. Helmut Schwimmer hat eine umfangreiche Untersuchung über die soziolinguistisch relevanten Sprachschichten in „Berlin Alexanderplatz“ durchgeführt. Da sie die bei weitem gründlichste und aufschlussreichste ist, die ich gefunden habe, möchte ich mehrere Ausschnitte aus ihr anführen, um die Eigenarten der Umgangssprache im Roman zu verdeutlichen (vgl. Schwimmer 1973:129ff):
1.2.1 Das Berlinische
„Sie lassen sich dort vom „Budiker“ einen „Schnabus“ einschenken oder sie möchten eine „Molle auslöffeln“, bis sie „bedudelt“ sind; man ißt seine „Stullen“, bis man die „Plautze“ voll hat. […] Da beschimpft man sich dann mit Ausdrücken wie „Kruke“, was noch ziemlich harmlos ist; Verbalinjurien wie „Triene“ oder „Töle“ sind Damen vorbehalten; Männer können als ein „Schlappjeh“, ein „Pimperling“ oder ein „Hahnepampen“ tituliert werden;“(s. Schwimmer 1973:131f)
Für den Lautstand der Berliner Mundart, nach Helmut Schwimmer, ist kennzeichnend, dass die 2. Lautverschiebung nur teilweise durchgeführt wurde. Typische und immer wiederkehrende Beispiele für einen noch niederdeutschen Lautbestand sind: „wat“, „det“, „et“, „dat“, „Töppchen“, „Kopp“, „Strümpe“, „ankloppen“ usw. (vgl. Schwimmer 1973:133). Außerdem wird eine Halbvokalisierung eines anlautenden g zu einem j sichtbar: „jeht“, „jleich“, „Jott“, „jieb“, „janz“, „jehabt“, „Jeschäft“ usw. (vgl. Schwimmer 1973:133).
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Diphthonge werden, wie Schwimmer anführt, meist zu langen, seltener zu kurzen Vokalen entdiphthongisiert: „gloobe“, „ooch“ „loofen“, „eenen“, „Beene“ usw. (Schwimmer 1973:133f). Schwimmer gibt in seiner Untersuchung noch Beispiele für zahlreiche Kontraktionen, die durch Abschleifung entwickelt sind und das Sprechen erleichtern („sone“ für „so eine“), Beispiele für die Unfähigkeit der Berliner den Dativ und den Akkusativ auseinander zuhalten („Laß mir doch los“) und Beispiele dafür, dass nach einer bestimmten Präposition meist der richtige Kasus fehlt („von die Füße“) (vgl. Schwimmer 1973:134f).
1.2.2 Der Ganovenjargon
Neben dem Berlinischen ist, nach Schwimmers Meinung und dem vorherrschenden Milieus entsprechend, die soziolinguistisch am meisten relevante Sprachschicht der Ganovenjargon, der sehr stark vom Jiddischen geprägt ist (vgl. Schwimmer 1973:135). „Biberkopf hatte in Tegel „ein paar Jährchen abgerissen“ oder „abgemacht“, er hatte im „Knast“ (erst seit dem 19. Jahrhunderts bezeugt, aus jiddisch ‚knas’ = Geldstrafe, ‚kansen’ = mit einer Geldbuße bestrafen, zurückgehend auf hebräisch ‚kanas’ = bestrafen) „gebrummt, da ihn seine damalige Freundin Ida unter anderem mit „Nuttenjäger“ („Nutte“ ist von der Herkunft her echt berlinerisch: abgeleitet von ‚Nute’ = Ritze, Spalte, dann weibliche Scham) […] tituliert hatte […]“ usw. (vgl. Schwimmer 1973:135f)
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Arbeit zitieren:
Petia Trojca, 2004, Wiedergabeformen in Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, München, GRIN Verlag GmbH
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