INHALT
Seite
1. Einleitung 1
1.1 Zielsetzung 1
1.2 Gliederung der Arbeit 1
2. Hauptteil 3
2.1 Bauernparodie 3
2.2 Adelsparodie 9
2.3 Parodiefreier Schlussteil 13
3. Fazit und Zusammenfassung 14
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1. Einleitung
Zuallererst muss gesagt werden, dass nur bekannte Texte parodiert werden können. Wobei ein Text auch eine Sozialform sein kann. Parodie ist eine Art Hyperbel. Es findet eine Übersemiotisierung statt. Der „Witz“, bei dem ein unerwarteter, unüberbrückbarer Zusammenprall heterogener Strukturen, welche nicht vereinbar sind, zusammentreffen, folgt ein Widerspruch, der wiederum durch Lachen ausgelöst wird. Die Parodie möchte Vorbilder nachahmen ( „imitatio“ ). Es werden meist Evangelien oder Messen parodiert. Die Ziele der Parodie sind moralischer, politischer oder religiöser Art. Teilweise werden Bibelzitate verfremdet, welche dann als Seitenhieb dienen. Ebenso wie „Ironie, Satire, literarische Komik und literarischer Humor ist die Parodie nicht nur an die individuelle Anlage des Dichtenden, sondern auch an den Zustand des kollektiven reflektorischen Vermögens gebunden“ 1 . Da eine Dechiffrierung von Parodiesignalen eines Textes vom jeweiligen literarischen Bewusstsein der Rezipienten abhängt, ist die Einordnung von Texten als Parodien oft umstritten, die Annahme parodistischer Elemente im Kontext eines „ernst“ gemeinten Werkes lässt sich hingegen meist besser absichern
1.1 Zielsetzung
Die Intension der vorliegenden Arbeit soll es sein, parodistische Elemente in der Schrift Helmbrecht aufzuzeigen, sie gemäß anerkannter Kategorien zu klassifizieren und die Symbolik, die der Ironie dienen, zu erläutern.
Die Interpretation stützt dabei sowohl auf beschriebene signifikante Merkmale und Gegenstände als auch auf die Untersuchung der Umgangsformen und Sitten.
1.2 Gliederung der Arbeit
Die Arbeit besteht im Hauptteil aus der Erörterung von Elementen der Bauernparodie, der Adelsparodie sowie des parodiefreien Schlussteiles.
1 Fromm, Hans: Komik und Humor in der Dichtung des deutschen Mittelalters. München, 1961.
2
Beide werden, sofern sie sich in eindeutiger Art und Weise der einen oder anderen Kategorie zuordnen lassen, aufgegriffen und anhand ihrer eigentümlichen Charakteristik mit Textbeispielen belegt.
Abschließend findet sich ein zusammenfassender Überblick, der resümierend auf die Arbeit sowie dem ihr zugrundeliegenden Werk fußt.
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2. Hauptteil
2.1 Bauernparodie
Wernher der Gärtner eröffnet mit einer „grotesk- parodistischen Übersteigerung“ 2 sofort den prologus ante rem, als er vom Helden der Geschichte ( Helmbrecht, der Bauernsohn; V. 10 ) zu berichten beginnt. Dieser habe lockig herabfallendes Haar getragen und in eine Kappe ( V. 10 - 15 ) zusammengefasst. Hierbei muss man hinzufügen, dass dies beides zu der Zeit für Bauern nach den Sitten- und Kleiderordnungen verboten war. Die gerade erwähnte Haube war reichlich bestickt mit Vögeln, unter ihnen sogar die Taube ( V. 18, wieder aufgenommen V. 1887 ), welche als „Vogel der Unschuld“ 3 galt. Und gerade die Unschuld ist Helmbrecht im Begriff zu verlieren. Ebenso waren Episoden aus Heinrichs von Veldeke Eneide, dem Rolandslied und der dem Kreis der Dietrichepik angehörenden Rabenschlacht auf der Haube versehen, welche „zu höfischem Zeitvertreib in ritterlicher Gesellschaft vorgelesen wurden“ 4 , und mit einer höfischen Tanzszene eben aus der Welt also, in die der Bauernsohn mit aller Macht hineinstrebt. Dies weist die Unvereinbarkeit seiner Wunschvorstellungen mit der Realität des sozialen Standes auf, dem seine Familie ( vgl. V. 914 ) angehört. Die breite Darstellung der Haube dient als Spannungssteigerung. Ebenso ist sie ein Element, welches als Parodie der langatmigen Schilderung von Prunkstücken in der höfischen Dichtung diente.
Der Schreiber, welcher in seinem Vorspruch den jungen Bauernsohn als „Narren und Gaukler“ 5 titulierte, brauchte in der Dichtung nicht lange nach der Bestätigung seines Urteils zu suchen. Wernher der Gärtner selbst bietet ihm eine Reihe ähnlicher Urteile über den jungen Helmbrecht an, welcher den bäurischen Stand verlassen möchte und Ritter werden wollte.
Schon in V. 41 bezichtigt er ihn als einen geutôren. Dieser Ausdruck steht im Zusammenhang mit der vorangegangen Feststellung ûf gebûren swarte kom nie bezzer houbetdach, dan man ûf Helmbrehte sach ( V. 38 - 40 ). Hiermit wird Helmbrechts
2 Tschirch, F., Einführung. In: Wernher der Gärtner. Helmbrecht. Stuttgart 1978.
3 Ibid.
4 Ibid.
5 Nar und gaukelaere sind im Vorspruch wohl als Synonyme zu verstehen; vgl. M. Lexer, Mhd. Handwb.
I, 1059. goukelaere ist hier wohl als Ableitung von mhd. Goukel = „närrisches Treiben“ aufzufassen.
Arbeit zitieren:
Tobias Schwarzwälder, 2002, Die Parodie in Wernher der Gaertners Helmbrecht, München, GRIN Verlag GmbH
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