Gliederung
1. Einleitung 2
2. Der Begriff der Legitimation 3
2.1 input - Legitimation 4
2.2 output - Legitimation 4
2.3 Die Bedeut ung von Legitimation in der parlamentarischen Demokratie 5
3. Die Legitimation der Gesetzgebung des Deutschen Bundestages 7
3.1 Die input-Legitimation der Entscheidungen des Bundestages 7
3.2 Die output-Legitimation der Entscheidungen des Bundestages 8
4. Der Bundestag und sein Einfluss auf die europäische Gesetzgebung 9
4.1 Das Verhältnis der Bundesregierung zum Bundestag auf der europäischen Ebene. 9
4.2 Der Art.23 Grundgesetz. 10
4.3 Der Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union 11
4.4 Die Rolle des Bundestages im europäischen Gesetzgebungsprozess laut
Maastrichturteil 12
4.5 Die nationalen Parlamente im europäischen Verfassungsentwurf 12
5. Die Legitimation der Gesetzgebung der Europäischen Union 13
5.1 Das Europäische Parlament im Gesetzgebungsprozess der Europäischen Unio n 14
5.2 Die input-Legitimation der europäischen Entscheidungen 15
5.3 Die output-Legitimation der europäischen Entscheidungen 17
6. Fazit 18
7. Literaturliste 20
1
1. Einleitung
Die Gesetzgebung in der Bundesrepublik Deutschland kann man heutzutage nicht mehr ohne die Berücksichtigung des Einflusses der europäischen Ebene untersuchen. Im Zuge des Europäisierungsprozesses 1 kam es zu einem stetigen Ausbau der europäischen Institutionen und damit einhergehend zur Übernahme von inhaltlichen Aufgaben, die vormals allein dem nationalstaatlichen Kompetenzbereich unterlagen. Diese neue Verteilung der Zuständigkeiten tangiert besonders die parlamentarischen Funktionen und dabei am wesentlichsten die der Gesetzgebung.
Das geltende Gemeinschaftsrecht wurde auf immer mehr Politikbereiche ausgedehnt und schränkt damit die nationale Beschlussfassung erheblich ein. Als zentrales Problem muss dabei die Legitimität der europäischen Entscheidungen angesehen werden. Sobald es zu einer Übergabe von Kompetenzen aus dem demokratischen Nationalstaat auf eine höhere politische Ebene kommt, muss sichergestellt sein, dass diese in ausreichendem Maß legitimiert ist. Ob diese Vorraussetzung für die Europäische Union gilt, wird noch zu untersuchen sein. Daraus ergibt sich das dieser Hausarbeit zugrunde liegende Problem, inwieweit durch den Funktionswandel des Deutschen Bundestages Legitimationsprobleme im
Gesetzgebungsprozess entstehen?
Nahezu alle parlamentarischen Funktionen haben sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Dabei ist davon auszugehen, dass die Veränderung der G esetzgebung am folgenreichsten ausfiel. Diese Umgestaltung ist weiterhin nicht nur europäisch, sondern auch durch innerstaatliche Prozesse, wie die zunehmende Mitgestaltungsrolle des Bundesrates, beeinflusst. Der Rahmen dieser Hausarbeit ermöglicht es allerdings nicht umfassend, auf die einzelnen Faktoren einzugehen und konzentriert sich daher auf das Einwirken der europäischen Ebene auf den Bundestag im Bereich der Gesetzgebungsfunktion und die Legitimationsproblematik, die sich daraus entwickelt.
Vorerst soll daher geklärt werden, was Legitimation von Entscheidungen überhaupt meint, und in welche n Formen diese in politischen Systemen auftreten kann. Dies soll dazu dienen, untersuchen zu können, welchen Rechtmäßigkeitsanspruch sowohl die nationale, als auc h die europäische Gesetzgebung aufweisen können. Folglich wird erst analysiert, ob man von einer
1 Europäisierung wird hier als der Prozess verstanden, der die Organisation des Nationalstaates im Rahmen der Europäischen Union umschreibt. Hierbei werden vor allem der Institutionenausbau und dessen Einfluss auf die europäischen Mitgliedsstaaten fokussiert.
Hierzu: Börzel, Tanja: Demokratien im Wandel der Europäisierung, in: Katenhusen, Ines/Lamping, Wolfram (Hrsg.): Demokratien in Europa, Der Einfluss der europäischen Integration auf Institutionenwandel und neue Konturen des demokratischen Verfassungsstaates, Opladen 2003, S.183.
2
legitimen Gesetzgebung des Bundestages sprechen kann, um dann nachzuvollziehen, wie der Deutsche Bundestag in den Gesetzgebungsprozess der Europäischen Union integriert ist. Nur wenn man feststellt, welche Rolle der Bundestag auch europäisch noch wahrnimmt, kann man die Legitimationskette von Nationalstaat zur EU verfolgen. Schließlich folgt die Analyse der europäischen Gesetzgebung auf ihre Legitimität, wobei zuerst der Gesetzgebungsprozess an sich erörtert und dann das Europäische Parlament in diesem verortet wird. Da das Europäische Parlament theoretisch die gleiche Rolle im Entscheidungsprozess wie ein nationalstaatliches Parlament einnehmen könnte und dies n ur einer
Legitimationsverschiebung gleichkäme, wird seine Funktion im Gesetzgebungsprozess explizit erläutert. Daraus resultiert dann die Untersuchung der Legitimität der Beschlüsse auf europäischer Ebene. Es wird also versucht, anhand stufenweisen Vorgehe ns sich der komplexen Frage der Legitimitätsprobleme des Europäisierungsprozesses zu nähern. Dazu liegt der Hausarbeit eine Sekundärliteraturanalyse zugrunde unter Miteinbeziehung der europäischen Verfassungsentwurfes und des Maastrichturteils.
2. Der Begriff der Legitimation
Legitimation bezeichnet im Allgemeinen den Rechtmäßigkeitsanspruch von Herrschaft und den Glauben an diesen durch die Beherrschten. 2 Für den Nachweis der Legitimität eines demokratischen Systems kann man verschiedene Kriterien a nführen. Rechtmäßig ist ein System demnach, wenn seine Entscheidungsverfahren jedem, der durch sie berührt wird, die gleichen Möglichkeiten zur Beteiligung einräumen. Dies ist das demokratische Prinzip von politischer Gleichheit, das die authentische Einbringung von Interessen gewährleisten soll. Zwischen den Regierenden und den Regierten muss also ein ständiger Vermittlungsprozess stattfinden. Weiterhin müssen die politischen Prozesse und die aus ihnen hervorgehenden Entscheidungen eine Durchsichtigkeit aufweisen, die Nachvollziehbarkeit und damit auch Kontrollierbarkeit ermöglicht. Legitimität entsteht außerdem, wenn die hervorgebrachten Lösungen eine vom Bürger wahrnehmbare Effektivität aufweisen. 3 Die Differenzierung der Aspekte in zwei verschiedene Formen von Legitimation erfolgt vor allem für die nachstehende Untersuchung der Rechtmäßigkeit von politischen Prozessen im Nationalstaat und in der Europäischen Union.
2 Nohlen, Dieter: Legitimität, in: Ders. (Hrsg.): Kleines Lexikon der Politik, München 2001, S.275f.
3 Benz, Arthur: Postparlamentarische Demokratie?, Demokratische Legitimation im kooperativen Staat, in: Greven, Michael (Hrsg.): Demokratie - Eine Kultur des Westens?, Opladen 1998, S.202.
3
2.1 input -Legitimation
Im Zentrum der Betrachtung steht bei einer Analyse der input-Legitimation immer, wie die Herrschaft durch das Volk durchgesetzt wird. Entscheidungen sind demnach als legitim anzusehen, sobald sie den Willen des Volkes widerspiegeln. Dabei wird die Zustimmung allerdings immer anhand des Mehrheitsprinzips festgemacht und verlangt nicht nach Einstimmigkeit. 4 Die Konzentration einer Untersuchung von input-Faktoren liegt auf der Partizipation des Volkes und dem Konsens der verschiedenen Interessen. Legitimation ist nach input-Kriterien am größten, je höher der Grad an Beteiligung ist, und umso mehr Interessen in der letztendlichen Entscheidung berücksichtigt wurden. Je weiter sich Herrscher und Beherrschte von einander entfernen, desto geringer ist die Möglichkeit Entscheidungsprozesse so zu gestalten, dass eine input-Legitimation in ausreichendem Maße erreicht werden kann. Vor allem der Konsens kann nicht unter gleicher Berücksichtigung aller Interessen getroffen werden, womit sich sofort ein Beschluss der Mehrheit zu Lasten einer Minderheit einstellt. Die Akzeptanz dieser Situation kann nur stattfinden, wenn die Minderheit den anderen Beteiligten einen guten Willen - im Sinne der Verbesserung des Allgemeinwohls - unterstellt. Solch ein Vertrauen hat seine Grundlage nach Max Weber im Gemeinsamkeitsglauben. Geschichtliche, ethnische, kulturelle und sprachliche
Gemeinsamkeiten formen eine kollektive Identität, die wiederum ein Vertrauen in die Entscheidungen einer Mehrheit ermöglicht. 5 Diese kollektive Identität ist bei der output-Legitimation nicht von Bedeutung, da es hier vorwiegend um den Ausdruck eines gemeinsamen Interesses geht.
2.2 output -Legitimation
Ausschlaggebend bei dieser Art der Legitimation ist die Ansicht, dass Herrschaft für das Volk gemacht wird. Rechtmäßigkeit ergibt sich aus der Wirksamkeit der Entscheidungen, das allgemeine Wohl und damit das Gemeinwesen zu fördern. Hier findet Legitimität seine Ableitung aus der Problemlösefähigkeit. 6 Sobald ein politisches System effektive Lösungen für gemeinsame Probleme hervorbringt, kann es als legitim angesehen werden. Output- Legitimation erlaubt das Nebeneinander von kollektiven Identitäten, da diese Art der Rechtmäßigkeit eines politischen Systems lediglich eine politische Einheit mit klar abgegrenzten Mitgliedern sowie einen Bestand an gemeinsamen Interessen, der e ine
4 Scharpf, Fritz W.: Demokratische Politik in der internationalisierten Ökonomie, in: Greven, Michael (Hrsg.): a.a.O., S.85.
5 Ders.: Regieren in Europa, Effektiv und demokratisch?, Frankfurt am Main 1999, S.17f.
6 ebd., S.20.
4
Institutionalisierung der Entscheidungsprozesse begünstigt (aufgrund von Größe und Dauerhaftigkeit), voraussetzt. An die Schaffung solcher Institutionen sind hohe
Anforderungen geknüpft. Da keine kollektive Identität die Regierten miteinander verbindet, ist das Misstrauen gegenüber den Regierenden umso größer. Deshalb verlangen durch output-orientierte Legitimation existierende Institutionen nach ihnen zugrunde liegenden Normen. Dadurch sollen der mögliche Machtmissbrauc h unterbunden und gleichzeitig a uch Problemlösungen erleichtert werden. 7
Die output-Legitimation wird außerdem gefördert durch die Einbeziehung von Verbänden, Gewerkschaften und anderen Interessengruppen, die in der Lage sind, sowohl Politiknetzwerke, als auch Kontrolleinrichtungen, wie zum Beispiel unabhängige Expertengremien aufzubauen. Allgemein dient die Verantwortlichkeit von
Entscheidungsträgern den Regierten gegenüber bereits zur Verbesserung der output-Legitimation. Demnach sind freie, allgemeine und gleiche Wahlen ebenfalls ein Kriterium zur Steigerung von Legitimität. 8
Hier zeigt sich bereits, dass sich input- und output-Legitimation gegenseitig ergänzen und zugleich auch stärken. Nationalstaatliche Gesetzgebungsprozesse in Europa bieten diese doppelte Legitimation, wohingegen in der Europäischen Union bestimmte legitimierende Faktoren hervortreten (z.B. Expertengremien) und andere wiederum kaum ihre Berechtigung finden (z.B. die Schaffung von legislativen Gegengewichten zu den europäischen Netzwerkstrukturen). 9 Nachfolgend wird nun darauf eingegangen, welche Schlussfolgerungen daraus für die parlamentarische Demokratie gezogen werden können.
2.3 Die Bedeutung von Legitimation in der parlamentarischen Demokratie
Im System parlamentarischer Demokratie gibt es wesentliche Merkmale, die eng verknüpft sind mit der oben aufgezeigten Begrifflichkeit von Legitimität. Die staatliche Steuerung gründet sich auf erlassenen Gesetzen des Parlaments, welches wiederum durch das Volk gewählt wurde. Dabei entstammen die Gewählten immer dem Kreis der Wähler. Man kann also von einer Interessengemeinsamkeit ausgehen und teilweise auch eine gemeinsame Identität vermuten (innerhalb des Nationalstaates ist diese definitiv gegeben). Allerdings entwickeln sich immer mehr außerstaatliche politische Problemfelder, die Entscheidungen fordern, welche auch internationalen Einfluss haben können. Die output-Legitimation ist dann
7 ebd., S.21f.
8 ebd., S.26f.
9 Scharpf, Fritz W.: Regieren in Europa, S.21.
5
Arbeit zitieren:
Claudia Felber, 2004, Der Wandel der Gesetzgebungsfunktion des Deutschen Bundestages im Zuge der Kompetenzabgabe an die Europäische Union, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Sozialdemokratie und Burgfrieden - Illusion oder politisches Kalkül?
Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Seminararbeit, 18 Seiten
Die Spaltung der deutschen Sozialdemokratie im Ersten Weltkrieg. Vom 4...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 20 Seiten
Napoleon - Vom Soldaten zum französischen Kaiser
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 20 Seiten
Wirtschaftgeographische Strukturanalyse und Entwicklungsperspektiven v...
Seminararbeit, 24 Seiten
Der Wilde im Zettelkasten: Quellen, Einflüsse und Methode in Sigmund F...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Bedeutung des Nationalstaates im Zeitalter der Globalisierung
Das transnationale Unternehmen...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Illegitimität in Spanisch-Amerika
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Presse und Zensur um das Jahr 1800
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Seminararbeit, 33 Seiten
Kriegskredite, Burgfrieden und...
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Millenniumsentwicklungsziele und ihr Bezug zu Wasser
Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges
Seminararbeit, 15 Seiten
Der sozialdemokratische Burgfriedensschluss 1914
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Bedeutung des Evian Wasser–G8 Aktionsplans für die Wasserpolitik i...
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Hausarbeit (Hauptseminar), 41 Seiten
Wasserpolitik als Teil der globalen Entwicklungspolitik
Die Suche nach einem Weg aus d...
Geowissenschaften / Geographie - Politische Geographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Claudia Felber's Text Der Wandel der Gesetzgebungsfunktion des Deutschen Bundestages im Zuge der Kompetenzabgabe an die Europäische Union ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Claudia Felber hat den Text Der Wandel der Gesetzgebungsfunktion des Deutschen Bundestages im Zuge der Kompetenzabgabe an die Europäische Union veröffentlicht
Claudia Felber hat einen neuen Text hochgeladen
Die Europäische Union: Geschichte, Institutionen, Recht, Politiken.
The European Union: History, I...
Martin Helmuth Ruelling, Karin Ioannou-Naoum-Wokoun
Die demokratische Legitimation der Europäischen Union aus gemeinschaft...
Eine Analyse der These vom Dem...
Winfried Kluth
Die Bedeutung der deutschen Sprache im Recht der Europäischen Union.
Eine Untersuchung der aktuelle...
Markus A Kürten
Vertrag über die Europäische Union und Vertrag zur Gründung der Europä...
Artikel 98 - 188 EGV
Hans von der Groeben, Jürgen Schwarze
Europäische Verkehrspolitik. Von den Anfängen bis zur Osterweiterung d...
Politisch-ökonomische Rahmenbe...
Johannes Frerich, Gernot Müller
Die offene Methode der Koordinierung (OMK) - Chance oder Risiko für In...
Beiträge zur europäischen Inte...
Udo Langhoff
0 Kommentare