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Mediale Wirklichkeitskonstruktion am Beispiel des Trash-TV-Formats BIG BROTHER

Title: Mediale Wirklichkeitskonstruktion am Beispiel des Trash-TV-Formats BIG BROTHER

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 32 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sabine Braun (Author)

Communications - Movies and Television
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Summary Excerpt Details

Im heutigen so genannten „Medienzeitalter“ wird die für den Einzelnen erfahrbare Welt ständig komplexer und vielfältiger. Die individuelle Aneignung von Welt, sprich das Sammeln von Erfahrungen, geschieht zunehmend indirekt über mediale Vermittlungsinstanzen, allen voran das Fernsehen. Dadurch entsteht bei regelmäßigen Mediennutzern ein zum größten Teil auf Sekundärwissen basierendes Weltbild. Man erlebt nicht mehr selbst hautnah, sondern holt sich via TV- oder PC-Screen die Welt nach Hause. Medienvermitteltes Weltwissen entsteht in zwei Etappen: Im ersten Schritt wird Realität in Medienrealität überführt und im zweiten Schritt fließt diese Medienrealität in das subjektive Weltwissen des Publikums ein, sodass Mediennutzern letztlich nur ein Abbild des Abbilds der Realität zugänglich ist. Aus sozial agierenden Interaktanten werden somit lediglich noch reagierende Rezipienten von bereits gefilterter, formatierter und in schmalhirngerechte Häppchen zerlegter Infotainmentmasse. Durch dieses Ausbleiben von Primärerfahrungen entsteht bei vielen Mediennutzern ein regelrechtes Authentizitätsloch, das sie, meist mangels besseren Wissens beziehungsweise fehlender Alternativen für die Lebensgestaltung, wiederum mit vermehrtem Medienkonsum zu füllen suchen. Das führt im Extremfall leicht nachvollziehbar unweigerlich in einen Kreislauf aus medialer Realitätsflucht und mehr oder weniger stark ausgeprägten Überforderungserscheinungen bei direkter Konfrontation mit der wirklichen Realität. Oft findet deshalb eine permanente Überflutung vieler Menschen mit Medienangeboten verschiedenster Art statt. Ständige Informationsselektion wird somit zum Muss im ′struggle for existence′; the ′survival of the fittest′ im Darwin′schen Sinne erfolgt mittlerweile nach der Devise: nur der im Mediendschungel Bestangepasste überlebt. Was also macht der homo sapiens zur Erhaltung seiner Art? Er passt sich an, was in diesem Fall konkret bedeutet, dass er die Wirklichkeitsentwürfe, die ihm die Medien aufdrängen, annimmt und damit die ′Medienwelten′ in seine eigene Wirklichkeitskonstruktion mit einfließen lässt. Im Rahmen dieser Seminararbeit soll auf der Basis des Trash-TV-Formats „Big Brother“ analysiert werden, welche Konsequenzen diese Form von Wahrnehmung aus zweiter Hand für den Umgang mit und die eigene Lebensgestaltung in der wirklichen Realität haben kann, die immer noch jeden Mediennutzer zusätzlich direkt umgibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Realität und Massenmedien

1.1 Allgemeine Grundannahmen des Konstruktivismus

1.2 Niklas Luhmanns konstruktivistisches Wirklichkeitsmodell

1.2.1 "Ausdifferenzierung als Verdopplung der Realität"

1.2.2 "Selbstreferenz und Fremdreferenz"

1.2.3 "Die Funktion der Massenmedien"

2. Fernseh-Wirklichkeiten - Faszination Trash-TV

2.1 'Big Brother 3' (RTL / RTL 2) - Das 'wahre' Leben?

2.1.1 Das Konzept

2.1.1.1 Die Spielregeln

2.1.1.2 Technische Voraussetzungen

2.1.2 Die 'Macher'

2.1.3 'Echte-Leute-Fernsehen' als völlig neues Format: Wie funktioniert Trash-TV?

2.1.4 Was ist das Erfolgsrezept von 'Big Brother'?

2.2 Trash-Kultur: Wo hört die Realität auf und wo fängt Inszenierung an? - Die Gefahr eines drohenden Wirklichkeitsverlustes

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der Systemtheorie von Niklas Luhmann, wie mediale Wirklichkeitskonstruktionen – exemplifiziert am Reality-TV-Format "Big Brother" – die Wahrnehmung und Lebensgestaltung der Rezipienten beeinflussen. Ziel ist es, die Auswirkungen einer zunehmend medienvermittelten Weltwahrnehmung ("Wahrnehmung aus zweiter Hand") auf das Individuum zu analysieren.

  • Konstruktivistische Erkenntnistheorie und Luhmanns Systemtheorie der Medien
  • Mechanismen der Wirklichkeitskonstruktion durch Massenmedien
  • Analyse des Formats "Big Brother" als inszeniertes "Echte-Leute-Fernsehen"
  • Die Sehnsucht nach Authentizität im "Medienzeitalter"
  • Die Gefahr des Wirklichkeitsverlustes durch mediale Überflutung

Auszug aus dem Buch

2.1.3 'Echte-Leute-Fernsehen' als völlig neues Format: Wie funktioniert Trash-TV?

Das 'Trash-TV' oder 'Echte-Leute-Fernsehen' unterscheidet sich in wichtigen Punkten von herkömmlichen Sende-Formaten.

Es weist keinerlei narrative Struktur auf, d.h., dass Trash-TV-Shows wie 'Girls Camp', 'House of Love' oder auch 'Big Brother' kein Handlungsschema zugrunde liegt. Gängige Plot-Strukturen wie sie in fiktionalen Fernseh-Formaten, wie z. B. Vorabendserien oder auch Spielfilmen erkennbar sind, fehlen charakteristischerweise bei Trash-TV-Formaten. Schließlich soll dieses Unterhaltungs-genre keine Geschichte erzählen, bzw. durch Schauspieler nachstellen, sondern 'echte Leute', d.h. Menschen wie Du und Ich, leben für eine gewisse Zeit im gläsernen Käfig dem Fernsehpublikum 'ganz normales Leben' vor.

So wird plötzlich alles (und nichts) erzählenswert. Jede kleinste Regung der Protagonisten, die ja einfach nur sie selbst sein sollen, wird mit einem Mal wahrnehmungswürdig. Szenen, welche die Kandidaten beim Zähneputzen, beim Frühstückmachen oder beim gelangweilten Herumsitzen zeigen, kämen in einem von Autorenhänden geschriebenen Drehbuch - zumindest in derartiger Ausführlich- und manchmal auch Ausnahmslosigkeit - sicher nicht vor.

Trash-TV dagegen basiert nicht auf einem Drehbuch; mit Hilfe von 'Spielregeln' und anhand äußerer Bedingungen, wie z. B. dem vorgeschriebenen Aufenthalt im 'Big Brother-Haus' oder im 'House of Love-Loft', wird lediglich ein vager Rahmen abgesteckt, innerhalb welchem den Kandidaten relativ viel Spielraum zur Gestaltung des Tagesablaufs - und somit auch zur inhaltlichen Gestaltung der gesamten Sendereihe - gelassen wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Realität und Massenmedien: Einführung in den Konstruktivismus und das systemtheoretische Modell Niklas Luhmanns, um die mediale Konstruktion von Wirklichkeit theoretisch zu fundieren.

1.1 Allgemeine Grundannahmen des Konstruktivismus: Erläuterung der Annahme, dass Wahrnehmung ausschließlich auf kognitiver Konstruktion beruht und keine objektive Außenwelt direkt zugänglich ist.

1.2 Niklas Luhmanns konstruktivistisches Wirklichkeitsmodell: Darlegung der systemtheoretischen Sichtweise, die Massenmedien als autopoietische, selbstreferentielle Systeme begreift.

1.2.1 "Ausdifferenzierung als Verdopplung der Realität": Analyse der Verdopplung von Realität durch das Mediensystem und die Funktion technischer Operationen als Strukturmerkmal.

1.2.2 "Selbstreferenz und Fremdreferenz": Untersuchung der Unterscheidung zwischen systeminterner Kommunikation und Umwelt sowie deren Bedeutung für den Erkenntnisgewinn.

1.2.3 "Die Funktion der Massenmedien": Beschreibung der Rolle der Medien bei der Steuerung der Selbstbeobachtung des Gesellschaftssystems und der Bereitstellung gemeinsamer Wirklichkeiten.

2. Fernseh-Wirklichkeiten - Faszination Trash-TV: Übertragung der theoretischen Erkenntnisse auf das Genre des Reality-TV und dessen Anziehungskraft auf das Publikum.

2.1 'Big Brother 3' (RTL / RTL 2) - Das 'wahre' Leben?: Fallstudie zur ersten deutschen Real-Life-Soap und ihrer Wirkung als Medium zur Simulation von Realität.

2.1.1 Das Konzept: Beschreibung des Container-Experiments und des spartanischen Settings des Formats.

2.1.1.1 Die Spielregeln: Darstellung der Regelsysteme, die das Leben im Container strukturieren und zur Steuerung der Gruppendynamik dienen.

2.1.1.2 Technische Voraussetzungen: Auflistung des enormen apparativen Aufwands, der notwendig ist, um die Bewohner lückenlos zu überwachen.

2.1.2 Die 'Macher': Betrachtung der ökonomischen Interessen hinter Endemol Entertainment und der kommerziellen Nutzung des Erfolgs.

2.1.3 'Echte-Leute-Fernsehen' als völlig neues Format: Wie funktioniert Trash-TV?: Analyse der spezifischen Funktionsweise von Reality-TV, das ohne narrative Skripte auskommt und durch die Inszenierung des Alltäglichen besticht.

2.1.4 Was ist das Erfolgsrezept von 'Big Brother'?: Erörterung der Faszination für das Private und die Befriedigung eines kollektiven Voyeurismus.

2.2 Trash-Kultur: Wo hört die Realität auf und wo fängt Inszenierung an? - Die Gefahr eines drohenden Wirklichkeitsverlustes: Kritische Reflexion über den Trend zur "Echtheit" und die zunehmende Unfähigkeit zur Differenzierung zwischen Realität und medialer Inszenierung.

Schlüsselwörter

Konstruktivismus, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Massenmedien, Reality-TV, Trash-TV, Big Brother, Wirklichkeitskonstruktion, Medialität, Selbstreferenz, Authentizität, Fernseh-Wirklichkeit, Zuschauer, Mediennutzung, Inszenierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das mediale Phänomen des "Trash-TV" auf Basis der Systemtheorie, um zu verstehen, wie mediale Konstruktionen unsere Wahrnehmung der Realität beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die konstruktivistische Erkenntnistheorie, die Funktionsweise von Massenmedien als autopoietische Systeme und die soziologischen Aspekte der Reality-TV-Rezeption.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, die Konsequenzen der Wahrnehmung aus "zweiter Hand" zu beleuchten und zu klären, wie Mediennutzer zwischen fiktionaler Medienrealität und ihrer persönlichen Lebenswelt unterscheiden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein systemtheoretischer Ansatz gewählt, primär basierend auf den Modellen von Niklas Luhmann, um das Verhältnis von Medien, Kommunikation und Wirklichkeit zu analysieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich intensiv der Fallstudie "Big Brother", analysiert das Konzept, die technische Umsetzung, die ökonomischen Interessen der Produzenten und die soziologische Faszination des Formats.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konstruktivismus, Systemtheorie, Wirklichkeitskonstruktion, Reality-TV, Authentizität und Medialität bestimmt.

Wie unterscheidet sich das Format "Big Brother" von fiktionalen Serien?

Im Gegensatz zu Spielfilmen oder Serien basiert Trash-TV nicht auf einem festen Drehbuch oder einer narrativen Struktur; das "Handlungsgeschehen" ergibt sich stattdessen aus Spielregeln und dem Zusammenleben der Protagonisten in einem begrenzten Raum.

Warum stellt laut der Arbeit das Streben nach "Echtheit" eine Gefahr dar?

Die Arbeit argumentiert, dass die Suche nach "echter" Wirklichkeit im Medium zu einer paradoxen Situation führt: Da alles im Medium inszeniert ist, droht beim Zuschauer ein Verlust der Bodenhaftung und die Unfähigkeit, zwischen der medialen Scheinwelt und der eigenen Realität zu unterscheiden.

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Details

Title
Mediale Wirklichkeitskonstruktion am Beispiel des Trash-TV-Formats BIG BROTHER
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Course
Hauptseminar Programmstrukturen im öffentl.-rechtl. und privaten Fernsehen
Grade
1,7
Author
Sabine Braun (Author)
Publication Year
2001
Pages
32
Catalog Number
V3295
ISBN (eBook)
9783638120067
ISBN (Book)
9783640202478
Language
German
Tags
Mediale Wirklichkeitskonstruktion Beispiel Trash-TV-Formats BROTHER Hauptseminar Programmstrukturen Fernsehen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Braun (Author), 2001, Mediale Wirklichkeitskonstruktion am Beispiel des Trash-TV-Formats BIG BROTHER, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3295
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