Dichterische Schreibtechniken im Kreativen Schreiben und
ihre Bedeutung für den Schreibprozess - Am Beispiel der
Schreibtechniken von Georg Trakl
von: Marga Marczyk
1. EINLEITUNG 1
2. KREATIVES SCHREIBEN 1
2.1 Kreatives Schreiben 1
2.2 Analoges Schreiben 3
3. DER SCHREIBPROZESS IM KREATIVEN SCHREIBEN 4
3.1 Kreatives Schreiben und Schreibprozessforschung 4
3.2 Der Schreibprozess im Allgemeinen 5
3.3 Die Phasen des Schreibprozesses und die phasenbezogene Anwendung des kreativen Schreibens 6
3.3.1 Erste Phase des Schreibprozesses – Planen 6
3.3.2 Zweite Phase des Schreibprozesses – Formulieren 7
3.3.3 Dritte Phase des Schreibprozesses – Überarbeiten 8
4. TRAKLS SCHREIBTECHNIKEN IN BEZUG AUF DEN SCHREIBPROZESS 9
4.1 Trakls Person und Leben 9
4.2 Trakls Schreibtechniken 10
4.2.1 Der Schreibprozess in Trakls Schreibtechniken 10
4.2.2 Vor Beginn der Niederschrift ablaufende Prozesse 11
4.2.2.1 Motivation 11
4.2.2.2 Schreibstimuli 12
4.2.3 Phase 1 – Die Niederschrift anregende Schreibtechniken 14
a) Anfangsformel 14
b) Assoziation 14
c) Imagination 15
d) Farbmeditation 16
4.2.4 Phase 2 – Die Niederschrift strukturierende Schreibtechniken 16
a) Verschmelzung von Motiven 16
b) Klangästhetik 17
c) Kreis- und Zielkomposition 18
d) Abschlussformel 19
4.2.5 Phase 3 – Den Text überarbeitende Schreibtechniken 19
a) Reduktion 19
b) Szenische Darstellung von Motiven 20
c) Entsubjektivierung 20
5. ABSCHLIESSENDE BETRACHTUNG 21
Literaturverzeichnis
1. EINLEITUNG
In den letzten Jahren hat das kreative Schreiben große Popularität erlangt. Es wird in verschiedenen Bereichen mit den verschiedensten Erwartungen angewendet. Da es jetzt schon eine große Rolle in so vielen Bereichen spielt und es voraussichtlich in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird, ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Im Rahmen dieser Arbeit wird es nicht möglich sein, einen vollständigen und ausführlichen Überblick über das kreative Schreiben und seine Anwendungsmöglichkeiten zu bieten. Vielmehr wird nach einer kurzen, allgemeinen Einführung ins kreative Schreiben versucht, über ein spezielles Gebiet des kreativen Schreibens Zugang zu seiner Methodik und seinen Möglichkeiten zu finden. Bei diesem Gebiet handelt es sich um das analoge Schreiben, also Schreiben, das sich am Beispiel von Schriftstellern und Dichtern orientiert. An Georg Trakls Vorgehensweise beim Schreiben soll aufgezeigt werden, welche Rolle dichterischen Schreibtechniken im kreativen Schreiben zukommt. Insbesondere aber wird sich darüber hinaus bemüht, zu demonstrieren, inwieweit kreatives Schreiben und Schreibprozessforschung füreinander von Bedeutung sind und welche Rolle dichterische Schreibtechniken für den Austausch dieser beiden Konzepte spielen.
2. KREATIVES SCHREIBEN
2.1 KREATIVES SCHREIBEN
Der Terminus ‚kreatives Schreiben‘ setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: zum einen dem Begriff der Kreativität, zum anderen dem des Schreibens. Die Schwierigkeiten, den Ausdruck ‚kreatives Schreiben‘ eindeutig zu verwenden gehen unter anderen darauf zurück, dass es bisher nicht gelungen ist, den Begriff der Kreativität klar zu definieren. So wird Kreativität z. B. oft synonym mit folgenden Bezeichnungen verwendet: „Spontanität, Originalität, Innovativität, Generativität, Produktivität, Fantasie, Inspiration, Intuition, Sensibilität.“ [Böttcher 1999, 10]. Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen bemühen sich immer wieder, den Kreativitätsbegriff so zu definieren, dass seine Bedeutung möglichst genau erfasst wird. Doch bisher konnten sich die Wissenschaften nur auf wenige Merkmale einigen, an denen man Kreativität festmachen kann – das wesentlichste Merkmal ist die Neuartigkeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Produkt, der Prozess der zu dem Produkt führt oder die im Vorfeld erfolgten Wahrnehmungen, Überlegungen und Gefühle neuartig sind [Böttcher 1999, 11]. Ferner muss das Neuartige nicht grundsätzlich und allgemeingültig neu sein, entscheidend ist, dass es für das betreffende Individuum bzw. für die betreffende Gruppe von Individuen neuartig ist. [Werder 1993, 23]. Doch „Kreativität ist nur ein Element des kreativen Schreibens“ [Brenner 1990, 21] – auch wenn ihr darin eine sehr große Rolle zukommt.
Den anderen entscheidenden Beitrag steuert das Schreiben bei, besonders das Schreiben im Sinne von Textproduktion, die einen bewußten Zugang zum Schreiben – das Planen, Formulieren und Überarbeiten von Texten – in den Vordergrund stellt. Aufgrund dieses Schwerpunkts führt das Schreiben zur Ausbildung von Fähigkeiten wie Planen einer komplexen Handlung, Anzipationsfähigkeit bezüglich der Wirkungsintention, selektive Bereitstellung und Strukturierung von Wissen ..., Kritikfähigkeit bei der Revision des Geschriebenen und schließlich Identitätsbildung. [Böttcher 1999, 7 nach Antos 1988] Das Schreiben kann auch als „Problemlösestrategie“ [Molitor 1989, 281] angesehen werden. Dadurch dass es im Schreiben möglich ist, Gedanken zu speichern, zu wiederholen und zu korrigieren ermöglicht es den „sukzessiven Aufbau von Denk- bzw. Wissenstrukturen [Molitor 1989, 281]. Die schriftliche Ausarbeitung von Gedanken hat zudem zur Folge, dass die gedanklichen Inhalte besser erkannt und behalten werden, da sie bei der schriftlichen Fixierung zwangsläufig einer logischen Strukturierung unterzogen werden. Dies ist bei der mündlichen Ausformulierung von Gedanken nicht der Fall [Werder 1993, 39 nach Aebli 1983].
Das kreative Schreiben soll sowohl die Kreativität fördern als auch einen leichteren Zugang zum Schreiben ermöglichen, indem es z. B. Schreibblockaden abbauen hilft. Um diese Ziele zu erreichen, werden verschiedene Methoden angewandt: Zum einen setzt das kreative Schreiben auf einen „intuitiv gesteuerten Schreibfluß“ [Spinner 1998], der durch assoziative Verfahren ausgelöst werden soll, zum anderen arbeitet das kreative Schreiben mit einer „Vielzahl von arrangierten Zugängen zum Schreiben“, die sich oft durch „feste[ ] Spielregeln“ [Spinner 1996, 82-83] auszeichnen. Wichtig festzuhalten ist, dass das kreative Schreiben nicht nur „programmatisches Spontanschreiben“ [Ortner 1998] ist, wie es Ortner in seinem Aufsatz „Das kreative Schreiben – halbierte Kreativität und halbierte Schriftlichkeit“ behauptet. Auch dort, wo der kreative Schreibfluss durch assoziative Verfahren in Gang gesetzt wird, folgt eine Über- bzw. Bearbeitung des Textes, die den Text strukturiert und die nach Gesichtspunkten, die in der Schreib- oder Schreibprozessforschung erarbeitet worden sind, geordnet ist. [Spinner 1998]. Die Tatsache, dass immer ein geordneter Zugang zum Schreiben erfolgt – unabhängig davon in welcher Phase des Schreibens dies geschieht – unterscheidet das kreative Schreiben auch wesentlich vom freien Schreiben. Das freie Schreiben lässt im Gegensatz zum kreativen Schreiben dem Schreiber bei der Auswahl seiner Themen, bei der Wahl der Textform und des Zeitpunktes des Schreibens freie Wahl [Spinner 1996, 82- 83].
Das kreative Schreiben wird in vielen verschiedenen Bereichen angewendet und dementsprechend breit gestreut sind auch die Erwartungen die mit ihm verbunden sind. So arbeitet man beispielsweise in der Poesie- und Schreibtherapie mit dem kreativen Schreiben [Böttcher 1999, 12], auch wird dem kreativen Schreiben eine „gesellschaftsbezogene, politische Funktion zugesprochen“ [Spinner 1993, 18]. Die Schreibprozessforschung erhofft sich weitere Erkenntnisse vom kreativen Schreiben und die Anwender des kreativen Schreibens vertrauen selbstverständlich auf eine qualitative Verbesserung ihrer schriftlichen Produkte [Böttcher 1999, 12]. Zusammenfassend kann man sagen, dass das kreative Schreiben als „Methode der Kommunikation als Technik der Selbststeuerung und Selbstevaluation als Spiel, Spaß, Unterhaltung als Psychotherapie als Forschungsmethode“ und als „Weg des kritischen Denkens“ [Werder 1993, 14] angesehen werden kann. Dieser Abschnitt hat nur einen kurzen, einführenden Überblick über das kreative Schreiben geboten. Im Folgenden soll das analoge Schreiben – ein spezieller Bereich des kreativen Schreibens – vorgestellt werden.
2.2 ANALOGES SCHREIBEN
Das kreative Schreiben greift bei der Erarbeitung neuer Schreibspiele und besonders neuer Schreibtechniken auf das literarische Schreiben zurück. Denn bekanntlich verfügte „Jeder Dichter und jede Dichtungsepoche“ über ein „eigenes Arsenal von Schreibtechniken“ [Werder 1992, 13], die sich grob in „spontane und gelenkte Schreibtechniken“ [Werder 1993, 80] gliedern. So stellt Werder in seinem Buch „Kreative Literaturgeschichte“ die Schreibtechniken von Goethe, Novalis, Zola, Benn und Breton vor [vgl. Werder 1992, 15].
[...]
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M.A. Marga Marczyk, 1999, Dichterische Schreibtechniken im Kreativen Schreiben und ihre Bedeutung für den Schreibprozess - Am Beispiel der Schreibtechniken von Georg Trakl, Munich, GRIN Publishing GmbH
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