Neben Erziehungswissenschaft, Gesellschaftswissenschaft und Politikwissenschaft gehört zu den unentbehrlichen Bezugswissenschaften der Literaturdidaktik die germanistische Fachwissenschaft der aufklärenden Literaturwissenschaft, deren Analyse literarischer Phänomene die literaturdidaktischen Aspekte inhaltlich unterbauen und absichern. Insgesamt geht es in dieser Arbeit um das Spektrum Holocaustliteratur im Unterricht und deren erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliche Funktion. Anders formuliert, stellt sich die Frage in wieweit uns das vorliegende Buch "Sternkinder" im Unterricht eine erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliche Lehrfunktion vermitteln kann. Ferner stellt sich die Frage, ob dieses Buch im allgemeinen für den Einsatz im Unterricht geeignet ist. Der im Seminar erstellte Fragenkatalog, dient hierbei als erste "Kontrollinstanz", der vom Lehrkörper aufmerksam bearbeitet werden sollte. Zudem sind mehrere Faktoren bei der Bearbeitung oder schon bei der Überlegung des möglichen Einsatzes bei der Auswahl eines Buches für den Unterricht zu beachten. Der Dialektik der Aufklärung kommt hierbei eine wesentliche Rolle zu. "Die Erwachsenen und die Halbwüchsigen müssen es lesen. Da hilft keine Ausrede." So begründet Erich Kästner den Einsatz diese Buches im Unterricht, bzw. die Lesenotwendigkeit für den Themenbereich Holocaust insgesamt. Die dabei zu überwältigenden Elemente sind beispielsweise Desinteresse aus Geschichtsmüdigkeit, Konsumablenkung, Anonymität der Grausamkeit und dessen Abstraktion u.v.m.. Die Grausamkeiten in ihrer ganzen Bandbreite aufzuzeigen und mitfühlen zu lassen kann dabei nicht Thema sein. Die Grausamkeiten des Holocausts sind ein Faß ohne Boden, was aus heutiger Sichtweise glücklicherweise für mitteleuropäer nicht zu erfassen möglich ist. Aber "Wer sich daran begeistert, wie schnell und wie hoch der Mensch zu fliegen imstande ist, der muß auch wissen, wie rasch und wie abgrundtief er sinken kann." Ich kann Erich Kästner nur zustimmen. Es wird in dieser Arbeit der Versuch unternommen, Asscher- Pinkhof`s eindrucksvolles Buch unter didaktischer Berücksichtigung zu sehen und schrittweise zu versuchen es kritisch zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. ZUR AUTORIN UND
DER BIOGRAPHISCHE HINTERGRUND FÜR DIE ENTSTEHUNG DES BUCHES
3. BUCHGLIEDERUNG UND TEXT
4. DIDAKTISCHE METHODE
4.1. MERKMALE DES BUCHES
4.2. HISTORISCHER KONTEXT ALS SINNSTIFTENDES MERKMAL DER KJL
4.3. DIDAKTISCHE VORZÜGE DES BUCHES
5. BESONDERHEITEN EINES KINDER- UND JUGENDBUCHES
5.1. EIN ZIONISTISCHER ABSCHLUß?/ WAS BEDEUTET DER BEGRIFF ZION?
5.2. IST EIN ZIONISTISCHER ABSCHLUß FÜR EIN KINDER- UND JUGENDBUCH GEEIGNET?
6. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliche Funktion von Holocaustliteratur im Unterricht am Beispiel des Buches "Sternkinder" von Clara Asscher-Pinkhof und prüft dessen didaktische Eignung für den schulischen Einsatz.
- Analyse der Holocaustliteratur als Medium für den Unterricht
- Didaktische Einordnung und Bewertung des Buches "Sternkinder"
- Reflexion über biographische Hintergründe und ihre literarische Verarbeitung
- Untersuchung von historischen Kontexten im Spiegel der Erzählung
- Auseinandersetzung mit der Darstellung von Zionismus in der Kinder- und Jugendliteratur
Auszug aus dem Buch
Der biographische Hintergrund für die Entstehung des Buches
Clara Asscher -Pinkhof wurde 1896 als Kind einer Großfamilie geboren. Ihre pädagogische Ausbildung zur Lehrerin machte sie in Groningen und lebte dort bis zur Besetzung Hollands 1941. Sodann mußte sie nach Amsterdam übersiedeln. Schon mit vierzehn Jahren schrieb sie für diverse Kinderzeitschriften einzelne Geschichten. Als junge Lehrerin veröffentlichte sie verschiedene pädagogische Schriften. 1935 erschien ihr erster Roman " Der Weg allein". Zuvor wurde 1932 ihr Mädchenbuch "Am Ufer" in einem regionalen Wettbewerb ausgezeichnet. Ihr hier zum Thema gemachtes Buches "Sternkinder" erschien schon 1946 in Holland und erst 1961 übersetzt von W. Niemeyer in Deutschland.
Nachdem sie gezwungen war nach Amsterdam überzusiedeln, unterrichtete sie dort jüdische Kinder, denen es verboten wurde öffentliche Schulen zu besuchen. Mit einer Gruppe jüdischer Familien , dann nur mit deren Kindern teilte Asscher- Pinkhof den Weg durch die nationalsozialistischen Konzentrationslager bei Drenste, Westerbork, zuletzt Bergen-Belsen. Durch einen Austausch am 29.6.1944 gelangte die Autorin nach Palästina. Wie die Clara Asscher- Pinkhof auf die rettende "Pälastina-Liste" gelangte bleibt unklar, zu vermuten ist jedoch, daß es eine willkürliche Auswahl der Nationalsozialisten gewesen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Einleitung in die Bedeutung der Literaturdidaktik im Kontext des Holocaust und Begründung der Relevanz des Buches "Sternkinder" für den Unterricht.
2. ZUR AUTORIN UND DER BIOGRAPHISCHE HINTERGRUND FÜR DIE ENTSTEHUNG DES BUCHES: Darstellung des Lebensweges von Clara Asscher-Pinkhof, ihrer Tätigkeit als Lehrerin und ihrer eigenen Erfahrungen in verschiedenen Konzentrationslagern.
3. BUCHGLIEDERUNG UND TEXT: Analyse der Erzählform, der Perspektive der Sternkinder sowie des formalen Aufbaus des Buches in fünf thematische Kapitel.
4. DIDAKTISCHE METHODE: Untersuchung der methodischen Ansätze, wie das Buch als geschichtlich-literarischer Text die Erfahrbarkeit des Holocaust ermöglichen kann.
5. BESONDERHEITEN EINES KINDER- UND JUGENDBUCHES: Kritische Reflexion über den zionistischen Schluss des Werkes und dessen Bedeutung im Kontext der Holocaustvermittlung.
6. RESÜMEE: Abschließende Würdigung des Buches als Appell, Geschichte durch die Perspektive von Kindern begreifbar zu machen und zukünftiges Unheil zu verhindern.
Schlüsselwörter
Holocaustliteratur, Sternkinder, Clara Asscher-Pinkhof, Literaturdidaktik, Holocaust, Erziehungswissenschaft, Zeitgeschichte, Kinder- und Jugendliteratur, Zionismus, Bergen-Belsen, historischer Kontext, Erinnerungskultur, pädagogische Vermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Eignung des Buches "Sternkinder" für den Literaturunterricht und analysiert dessen Potenzial, Schülern das Thema Holocaust unter pädagogischen Gesichtspunkten näherzubringen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Holocaustliteratur, der historische Kontext der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg, die didaktische Aufarbeitung von Leidenserfahrungen sowie die Rolle des Zionismus als Motiv.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwiefern das Buch "Sternkinder" eine erziehungs- und gesellschaftswissenschaftliche Lehrfunktion im Unterricht erfüllen kann und ob es für den Einsatz im schulischen Kontext geeignet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Die Arbeit nutzt eine fachdidaktische und literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sowohl der historische Hintergrund als auch die biographischen Bezüge der Autorin für eine kritische Betrachtung herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil des Werkes behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Autorin, die Analyse der Buchstruktur, die Reflexion didaktischer Methoden und eine kritische Auseinandersetzung mit der zionistischen Thematik am Ende des Buches.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Holocaustliteratur, Literaturdidaktik, Sternkinder, pädagogische Vermittlung und historische Erinnerungskultur definieren.
Wie geht die Autorin mit dem Fehlen von Eigennamen und Ortsangaben um?
Die Analyse zeigt, dass diese bewusste Anonymisierung den Effekt der Abstraktion verstärkt und den kindlichen Lesern eine Identifikation mit dem Schicksal der Opfer auf allgemeinerer Ebene ermöglicht.
Warum ist die Unterscheidung zwischen historischer Historiographie und literarischer Darstellung wichtig?
Die Arbeit betont, dass für den Literaturunterricht nicht die exakte historiographische Genauigkeit entscheidend ist, sondern die Sinnstiftung und die Vermittlung gesellschaftlich wertvoller Themen durch das Erzählte.
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- Nesrin Taskiran (Author), 1999, Holocaustliteratur im Unterricht am Beispiel von Clara Ascher-Pinkoffs "Sternkinder", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33020