1
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Hilfe zur Entwicklung? - Hilfe Entwicklungshilfe 3
1. Kontext 3
2. Interessen 4
3. Kritik 5
III. Wurzeln des Übels 5
1. Entwicklung? 6
2. Hilfe? 8
IV. Fazit 10
V. Literatur 12
2
I. Einleitung
Sowohl Befürworter als auch Gegner von ‘Entwicklungshilfe’ wollen nicht, dass die Welt so bleibt wie sie ist, sondern wollen dass sie bleibt - zumindest geben beide Seiten das so vor. Die einen sind davon überzeugt, mit ‘Entwicklungshilfe’ die Realität der Welt zu verändern, die anderen kritisieren, dass genau das Gegenteil eintritt. Doch von was ist eigentlich die Rede, was umfasst eigentlich der Begriff ‘Entwicklungshilfe’?
Wenn man dieser Frage ernsthaft nachgeht, muss genau das beleuchtet werden, was meist als gegeben hingenommen wird, was nicht unbedingt hinterfragt wirddie Begriffe und ihre vielschichtigen Bedeutungen. Denn in der Diskussion um ‘Entwicklungshilfe’ geht es meist um konkurrierende Handlungstheorien und Konzepte sowie deren Umsetzung in Projekten. Diese Fragen nach der Gestaltung der konkreten ‘Entwicklungshilfe’ sind ohne Zweifel von großer Bedeutung. Doch mindestens genauso wichtig sind die Fragen nach Grundhaltungen, nach Vorannahmen, nach Einstellungen, nach Menschen- und Weltbildern, die hinter ‘Entwicklungshilfe’ stehen. Dies führt konsequenterweise zum ‘Hinter-Fragen’ der Begriffe, aus denen sich das Wort zusammensetzt - Entwicklung und Hilfe. Was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen? Welche Bedeutungen schwingengleich ob man will oder nicht - mit, wenn man die Begriffe gebraucht? Welches sind die problematischen Aspekte dieser Begriffe?
Der erste Teil der vorliegenden Arbeit versteht sich als Hinführung zu diesen Fragen. Ich werde zunächst die Rahmenbedingungen vo n ‘Entwicklungshilfe’, die Problematik und Brisanz der hinter ihr stehenden Interessen und den Kern der Kritik an ihr darstellen. Im zweiten Teil durchleuchte ich die Begriffe Hilfe und Entwicklung anhand der oben genannten Leitfragen, um zu den problematischen Wurzeln zu gelangen. Im Fazit werde ich Wichtiges zusammenfassen sowie den Blick zurück und nach vorn lenken.
1 Fried zitiert in: von Bormann (Hg.) 1993, S. 28
3
II. Hilfe zur Entwicklung? - Hilfe! Entwicklungshilfe!
Aufgrund des begrenzten Umfangs der vorliegenden Arbeit kann ich in diesem Kapitel n icht auf die sogenannten ‘großen Theorien’ bzw. die verschiedenen Strömungen der offiziell deklarierten Entwicklungsdekaden eingehen. Stattdessen versuche ich anzudeuten, in welchem Rahmen sich ‘Entwicklungshilfe’ bewegt hat und noch bewegt. Außerdem werde ich einige der problematischen Eigeninteressen darstellen, die hinter ‘Hilfe zur Entwicklung’ ein deutliches Fragezeichen setzen. Und schließlich skizziere ich die Kritik, die im Aufschrei ‘Hilfe! Entwicklungshilfe!’ zum Ausdruck kommt.
1. Kontext
‘Entwicklungshilfe’, inzwischen aus vor allen Dingen ‘kosmetischen’ Gründen in ‘Entwicklungszusammenarbeit’ umbenannt, war und ist das Instrument zur Durchführung und Umsetzung von ‘Entwicklungspolitik’. 1 Bereits Ende der 70er Jahre wurde auf den bedeutenden Unterschied zwischen ‘Entwicklungshilfe’ und ‘Entwicklungspolitik’ aufmerksam gemacht.
„Menschen zu helfen ist nicht falsch. Ein Irrtum aber ist es, zu meinen, Entwicklungshilfe sei dasselbe wie Entwicklungspolitik. (...) Der weltweite Verteilungskampf findet nicht auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe statt. Es geht nicht um ‘schmale deutsche Kost’ für die armen Länder, sondern um die Erkenntnis, daß die Methode der Entwicklungshilfe seit anderthalb Jahrzehnten nicht erreichen konnte, was sie sollte: die Kluft zwischen den Armen und den Reichen zu überbrücken.“ 2
„Julius Nyerere, der Präsident von Tansania, zog bei seinem Staatsbesuch in Bonn eine bittere Bilanz. Aus Erfahrung ist er zu der Auffassung gelangt, ‘daß das ganze Konzept der Hilfe falsch ist. Es ist ein nützliches Linderungsmittel. Aber es ist keine Lösung des Armutsproblems in der Welt.“ 3
An der Richtigkeit und Aktualität dieser Aussagen hat sich nichts geändert. Im Zeitalter von Globalisierung und Neoliberalismus kann selbst positive aber kaum ins Gewicht fallende ‘Entwicklungshilfe’ nicht die massiven Ungerechtigkeiten aufwiegen, die in globalen Strukturen - insbesondere der Weltwirtschaftbegründet liegen.
1 vgl. Passon 1999, S. 13
2 Skriver 1977, S. 7
3 ebd., S. 97
4
„‘Entwicklungsländer’ ist der Expertenname für die Länder, deren Entwicklung von der der entwickelten Länder überrollt worden ist. Den Vereinten Nationen zufolge schicken die Entwicklungsländer in die entwickelten Länder wegen der ungleichen finanziellen und kommerziellen Austauschbedingungen zehnmal mehr Geld, als sie als Entwicklungshilfe erhalten. ‘Entwicklungshilfe’ nennt man die kleine Steuer, die in den internationalen Beziehungen die Sünde an die Tugend zahlt. Diese Hilfe wird auf eine Weise verteilt, die im Regelfall die Ungerechtigkeit noch bestätigt und ihr nur äußerst selten widerspricht.“ 1
2. Interessen
‘Entwicklungshilfe’ bewegt sich stets in einem komplexen Geflecht von oft gegenläufigen Interessen und meist einseitigen Abhängigkeiten zwischen Akteuren verschiedener Ebenen (regional, national, bilateral, etc.) und Bereiche (Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Kultur, etc.). In diesem Kontext wird die Wahrung und Durchsetzung ‘gesunder und notwendiger’ Eigeninteressen zwar als ein offizielles Ziel von ‘Entwicklungshilfe’ kommuniziert. Dennoch dient sie nicht immer (nur) vordergründigen Zwecken und verfolgt eben nicht immer (nur) offizielle Ziele.
„(...) Industrieruinen, die heute (...) als gespenstische Denkmäler eines Irrwegs herumstehen, (...) sind (...) Symbole einer ‘Hilfe’, die auf internationaler Ebene alles andere als selbstlos gewesen ist. ‘Geholfen’ haben sie nämlich vor allem im Norden: Sie haben ‘Wiedergutmachung’ des Kolonialismus demonstriert und Schuldgefühle abgebaut; sie haben den Zugang zu Rohstoffen erleichtert und Exportziffern gesteigert, und sie haben Märkte dort und Arbeitsplätze hier gesichert (...).“ 2
‘Entwicklungshilfe’ war immer auch geostrategisches und machtpolitisches Instrument. Sie wird denen gewährt, die entweder schon auf der selben ideologischen Linie wie die Geber sind oder eben dazu bereit, sich anzupassen. So wurde beispielsweise ‘Entwicklungshilfe’ als Hilfe gegen Kommunismus und Sozialismus missbraucht. 3
Und selbst grundsätzlich sinnvolle Ansätze wie beispielsweise Selbsthilfe und Partizipation werden im Dienste diverser Interessen instrumentalisiert und deformiert. Hierbei stellt auch die begriffliche Unschärfe der Konzepte eine Einladung zum Missbrauch dar. 4
1 Galeano 2000, S. 45
2 Schilling 1996, S. 13
3 vgl. Gronemeyer 1993, S. 182 ff
4 vgl. Passon 1999, S. 63 ff
Arbeit zitieren:
Thomas Haug, 2003, Entwicklung? Hilfe? Hinter den Kulissen von Entwicklungshilfe, München, GRIN Verlag GmbH
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