„Die Kirche bekennt ihren Glauben an den Heiligen Geist als den, „der Herr ist und lebendig macht“. So spricht sie im sogenannten nizäno-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis, das nach den beiden Konzilien - dem von Nizäa (325) und dem von Konstantinopel (381) - benannt ist, auf denen es formuliert oder verkündet worden ist. Darin fügt man noch hinzu, dass der Heilige Geist „durch die Propheten gesprochen hat“.“
Mit diesen Worten beginnt die Enzyklika „Dominum et vivificantem“, die Johannes Paul II. am Pfingstfest 1986 veröffentlichte. In einem eigenen Kapitel befasst sie sich mit dem Thema „Der Heilige Geist und die Zeit der Kirche“. In diesem Kapitel zeigt der Heilige Vater die Abhängigkeit der Kirche vom Heiligen Geist, der die Kirche in alle Wahrheit einführen wird. Diese Abhängigkeit strahlt auch auf in den Schriften J. A. Möhlers, die sich mit der Kirche beschäftigen. Hier soll nun der Versuch gemacht werden diese Verbindung von Kirche und göttlichem Pneuma herauszuarbeiten, anhand von zwei ausgewählten Schriften - zum einen „Die Einheit der Kirche“, zum anderen die „Symbolik“, wobei dort insbesondere das fünfte Kapitel des ersten Buches, das sich mit der Kirche beschäftigt, behandelt wird.
Inhaltsverzeichnis
0 Allgemeines
0.1 Vorwort
0.2 Lebensdaten Möhlers
1 Die Einheit in der Kirche
1.1 Erste Abteilung: Einheit des Geistes der Kirche
1.1.1 Die mystische Einheit
1.1.2 Die verständige Einheit
1.1.3 Die Vielheit ohne Einheit
1.1.4 Die Einheit in der Vielheit
1.2 Zweite Abteilung: Einheit des Körpers der Kirche
1.2.1 Die Einheit im Bischof
1.2.2 Die Einheit im Metropoliten
1.2.3 Die Einheit des gesamten Episkopats
1.2.4 Die Einheit des Primas
2 Symbolik
3 Vergleichender Schluß
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die fundamentale Verbindung zwischen der Kirche und dem göttlichen Pneuma in den Schriften von Johann Adam Möhler. Ziel ist es, die Rolle des Heiligen Geistes als einheitsstiftendes und lebendiges Prinzip der Kirche anhand der zwei Hauptwerke "Die Einheit der Kirche" und "Symbolik" systematisch herauszuarbeiten.
- Die pneumatologische Begründung der kirchlichen Einheit.
- Der Übergang von einer rein pneumatozentrischen zu einer christozentrischen Sichtweise bei Möhler.
- Das Spannungsfeld zwischen innerer, geistgewirkter Gemeinschaft und äußerer, sichtbarer Kirchenstruktur.
- Die Rolle des Amtes als Werk des Heiligen Geistes und als Garant der apostolischen Lehre.
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Die mystische Einheit
Bereits in dem kurzen Vorspann, den Möhler wie eine Zusammenfassung vor die einzelnen Kapitel stellt, taucht die Verbindung von Hl. Geist und Kirche auf. Für Möhler ist „...[d]ie Mitteilung des Heiligen Geistes ...Bedingung der Aufnahme des Christentums in uns.“ Der Hl. Geist ist es, der die Gläubigen zu einer Gemeinschaft vereint und sich durch diese Gemeinschaft den noch nicht Gläubigen mitteilt.
Im Kapitel selbst führt er dann aus, wie sich das Wirken des Hl. Geistes mit der Gründung der Kirche änderte. Nach Möhlers Verständnis ließ sich der Geist in vorchristlicher Zeit „...gleichsam zuckend nur und abgebrochen da und dort auf einzelne...“ herab. Nun, nachdem der göttliche Erlöser seinen Beistand verheißen hatte, kam dieser auch tatsächlich auf die „...Apostel und die gesamte christliche Gemeinde...“ nieder, bewirkte damit im Grunde erst die wahre Gemeinschaft und soll von nun an „...stets da sein...“ und die christliche Gemeinde gleichsam als Lebensprinzip erhalten. Mit einem Zitat von Irenäus zeigt er die bleibende Verbindung , wenn dieser sagt: „Wo die Kirche ist, da ist der Geist Gottes, und wo Gottes Geist, da die Kirche und die Gesamtheit der Gnade.“
Zusammenfassung der Kapitel
0 Allgemeines: Einführung in die Thematik der Abhängigkeit der Kirche vom Heiligen Geist und biographischer Abriss zu Johann Adam Möhler.
1 Die Einheit in der Kirche: Untersuchung der pneumatologischen Grundlagen der Kirche, unterteilt in die Einheit des Geistes und die Einheit des Körpers der Kirche.
2 Symbolik: Analyse der ekklesiologischen Lehre im Werk "Symbolik", wobei die stärkere Christozentrik gegenüber dem Frühwerk hervorgehoben wird.
3 Vergleichender Schluß: Synthese und Gegenüberstellung der pneumatologischen Entwicklung in Möhlers Schriften.
Schlüsselwörter
Johann Adam Möhler, Ekklesiologie, Pneuma, Heiliger Geist, Einheit der Kirche, Symbolik, Pneumatozentrik, Christozentrik, Episkopat, Tradition, Apostelamt, christliche Lehre, mystische Einheit, sichtbare Kirche, Theologiegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Verständnis der Kirche und deren fundamentale Abhängigkeit vom göttlichen Pneuma (Heiligen Geist) im Werk des Theologen Johann Adam Möhler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Einheit der Kirche, das Wirken des Heiligen Geistes in der Gemeinschaft der Gläubigen, das Wesen der Tradition und die Bedeutung der äußeren Kirchenstruktur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Aufarbeitung der Verbindung von Kirche und göttlichem Geist, wie sie in Möhlers Schriften "Die Einheit der Kirche" und "Symbolik" dargelegt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theologiegeschichtliche Analyse ausgewählter Schriften Möhlers, die deren Aussagen zur Kirche in den Kontext der neueren Theologie einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die mystische und die verständige Einheit der Kirche sowie der Umgang mit Häresien analysiert, gefolgt von einer Untersuchung der sichtbaren Gestalt der Kirche durch das Amt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pneumatozentrik, Christozentrik, mystische Einheit, Apostolat und die innere sowie äußere Verfassung der Kirche.
Welchen Wandel vollzieht Möhler laut dieser Arbeit zwischen seinen Schriften?
Möhler wandelt sich von einer stark pneumatisch orientierten Sichtweise in seinem Frühwerk hin zu einer stärkeren Christozentrik, in der das Menschliche und das Wirken Christi stärker in den Fokus rücken.
Warum spielt das Bischofsamt bei Möhler eine zentrale Rolle?
Das Bischofsamt gilt für Möhler nicht als menschliche Erfindung, sondern als ein Werk des Heiligen Geistes, welches die Apostelnachfolge sichert und die sichtbare Einheit der Kirche repräsentiert.
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- Dr. theol. Peter H. Görg (Author), 1999, Kirche und göttliches Pneuma in der Theologie Johann Adam Möhlers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33062