II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Darstellungsverzeichnis III
1 Einleitung 1
2 Zum Begriff der Importsubstitutionspolitik 2
2.1 Absolute und relative Importsubstitution im weiteren Sinn 2
2.2 Ursache und Erfassungsprobleme der Importsubstitution 3
3 Versagen der klassischen Außenhandelstheorie 3
3.1 Strukturelle Einwände 4
3.2 Infant industry Argument 4
4 Instrumente der Importsubstitutionspolitik 6
4.1 Indikative Maßnahmen 6
4.2 Politik der Investitionsanreize 6
4.3 Wechselkurspolitik 6
4.4 Protektionspolitik 7
4.4.1 Tarifäre Handelshemmnisse 7
4.4.2 Nicht tarifäre Handelshemmnisse 8
5 Importsubstitution industrieller Produkte
in Brasilien im Zeitraum 1947 - 1961 9
5.1 Zeit der Importlizenzen und Devisenbewirtschaftung
von 1947 bis 1953 9
5.2 System der multiplen Wechselkurse von 1953 - 1957 10
5.3 Zollregime von 1957 - 1961 11
5.4 Industrieförderung 12
5.5 Ergebnis der Importsubstitutionspolitik 13
5.6 Die Zeit nach 1961 im Kurzabriss 15
6 Ergebnisse 15
Literaturverzeichnis 17
Anhang 18
III
Darstellungsverzeichnis
Titel Seite
Darst.1 Klassische Erziehungszoll Argument 5
Darst.2 Klassische Kosten der Protektion 7
Darst.3 Importe als Prozentsatz am Gesamtbedarf 13
1. Einleitung
„Seine Uranvorkommen sind die sechstgrößten der Welt. Bisher wird brasilianisches Natur - Uran in Kanada und Europa aufgearbeitet und angereichert, bevor es als Brennstoff nach Brasilien zurückkommt. Diese Schritte in eigener Regie zu übernehmen würde dem Land jährlich elf Millionen Dollar Devisen sparen.“ 1
Die Eingliederung der unterentwickelten Länder in die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung wird entscheidend von der Außenhandelspolitik dieser Länder selbst und von jener der Industrieländer beeinflusst. Das Problem der unterentwickelten Länder besteht jedoch darin die geeignete Strategie zu finden. Die Politik der Importsubstitution ist dabei nur eines von zahlreichen Entwicklungskonzepten. Und, wie der Bericht in der Frankfurter Rundschau beweist, immer noch ein wichtiges wirtschaftspolitisches I nstrument zur Verbesserung der Handelsbilanz. Denn in vielen Ländern ist das größte Entwicklungshemmnis die Devisenknappheit. Nach Raul Prebisch, Direktor der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika (CEPAL) und Hans Singer war die weitgehende Abkopplung der unterentwickelten Länder vom Weltmarkt die aussichtsreichste Entwicklungsstrategie für Lateinamerika. In Zeiten sich verschlechternder Handelsbilanzen, war eine der Kernaussagen der Prebisch-Singer-These, dass aufgrund sich verschlechternder Austauschrelationen zwischen den Gütern der Entwicklungs- und Industrieländer, den sogenannten terms of trade, sich der Staat stärker vom Welthandel ausschließen und die Entwicklung des Binnenmarktes forcieren sollte. Hiervon erhoffte man sich vor allem eine Verbesserung der Zahlungsbilanz, eine Erhöhung des Volkseinkommen und eine Verbesserung der terms of trade. 2
Die als importsubstituierende Industrialisierung bezeichnete Strategie wurde in nahezu allen lateinamerikanischen Ländern angewandt und konnte in den Anfangsjahren auch einige Erfolge vorweisen. Langfristig jedoch führte sie oftmals zu schwerwiegenden Wirtschaftskrisen, geprägt von völliger Überschuldung, ineffizienter Versorgung der Märkte, übermäßig besteuertem Agrarmarkt, Missallokation der Ressourcen, Korruption und Klientelismus. 3 Dies verdeutlicht der Kommentar der Volkswirtin Anne O. Krueger: „The vicious circle, once started, thus had a number of built-in political and economic interactions which resulted in a cumulative deterioration of economic per-formance and increasing support for intensification of existing policies. Political sup-port of special interest for import substitution grew, while the market response i ncreasingly undermined general support.” 4 Ausgehend von der Betrachtung der theore-
1 W.Kunath, Die Atom- Kontrolleure müssen draußen bleiben, in: Frankfurter Rundschau , Nr.254/44, 30.10.04, S.1.
2 Vgl. R. Schröder, Mexiko - Entwicklung und Krise, Marburg 1992, S.24f.
3 Vgl. G. Buckes , Der Zusammenhang von wirtschaftlicher Entwicklung und Demokratisierung, Hamburg 2000, S.18f.
4 A. O. Krueger, Vituos and Vicious Circles in Economic, Development, 1993, S.351, zit. Nach G. Buckes, Der Zusam-
menhang von wirtschaftlicher Entwicklung und Demokratisierung, Hamburg 2000, S.20.
2
tischen Grundlage der Prebisch-Singer-These, dem infant industry Argument, nehme ich kurz Bezug auf die verwendeten Instrumente der Importsubstitutionspolitik und werde am Beispiel Brasiliens die Frage erläutern, welche Instrumente in der Frühphase von 1947 bis 1964 zum Einsatz kamen und ob bzw. warum die Strategie der Importsubstitution scheiterte.
2. Zum Begriff der Importsubstitutionspolitik
Unter Importsubstitutionspolitik versteht man den gezielten Einsatz von entwicklungspolitischen Instrumenten auf eine Ersetzung von Importen durch Inlandserzeugnisse. 5 Sie umfasst neben der Protektionspolitik verschiedene weitere wirtschaftspolitische Instrumente, deren Wirkungsmechanismen in Kapitel 4 dargestellt werden. Der Begriff der Importsubstitution wird als wissenschaftlicher Terminus in der Literatur insbesondere hinsichtlich der erzielten empirischen Messergebnisse unterschiedlich verwendet. 6 Allgemein bezeichnet die Importsubstitution einen Prozess, in dem bisher importierte Güter durch Inlandsprodukte ersetzt werden. 7 Folglich wird die inländische Produktion diversifiziert und die Spezialisierung auf wenige Güter aufgegeben, wobei Importsubstitution keineswegs Autarkie bedeutet. Generell unterscheidet man zwischen:
2.1 Absolute und relative Importsubstitution im weiteren Sinn
Bei der absoluten Importsubstitution ersetzt die inländische Produktion bestimmte bisher importierte Güter, so dass das Importvolumen absolut zurückgeht. 8 Während bei der relativen Importsubstitution das Importvolumen unter Umständen auch steigen kann, „...jedoch mit einer niedrigeren Rate als die inländische Produktion, d.h. der Importanteil am inländischen Angebot fällt.“ 9 In anderen Worten: Der Importkoeffizient aus Importvolumen/(Bruttosozialprodukt + Importvolumen) sinkt, das heißt, erst ein überproportionales Wachstum eines international konkurrierenden Sektors b ezeichnet man als Importsubstitution.
2.2 Ursache und Erfassungsprobleme der Importsubstitution
Importsubstitution kommt durch zwei verschiedene Ursachen zustande: Zum einen eine in Folge des entwicklungsbedingten Strukturwandels hervorgerufene natürliche Importsubstitution. So führt z.B. ein Anstieg des durchschnittlichen E r-
5 Vgl. T.Stauch, Verzögerung des Übergangs von Importsubstitution zu Exportdiversifizierung, Hamburg 1998, S.13.
6 Vgl. H.-R. Hemmer, Wirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer, München 1978, S342.
7 Vgl. T. An Chen , Zum Problem der Importsubstitution und der Exportdiversifikation, Diss. Münster 1969, S.49.
8 Vgl. T. An Chen , Zum Problem der Importsubstitution und der Exportdiversifikation, Diss. Münster 1969, S.49.
9 J.-Y. Bae, Importsubstitution im weltmarktorientierten Entwicklungsland, Berlin 1990, S.12.
3
werbseinkommen normalerweise zu einer gestiegenen Binnenmarktnachfrage wodurch sich potenzielle Investoren veranlasst sehen könnten, in diesen Markt zu integrieren und mit ausländischen Produzenten in einen Wettbewerb zu treten. Bzw. führte die Weltwirtschaftskrise 1929 zu einer sinkenden Nachfrage nach Primä rgütern, wodurch sich zahlreiche unterentwickelte Länder aufgrund von verstärkt auftretenden Zahlungskrisen veranlasst sahen, den Aufbau der heimischen Industrie voranzutreiben. 10
Zum anderen eine durch wirtschaftliche Maßnahmen induzierte Importsubstitution, aufgrund z.B. eines gestiegenen Bedürfnisses nach wirtschaftlicher Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Hieraus ergibt sich eine klare Trennung von Importsubstitution und Importsubstitutionspolitik.
Zu beachten ist, dass der Prozess der Importsubstitution empirisch relativ schwierig zu erfassen ist, da die gesamte Zunahme der Inlandsproduktion nicht zwangsläufig der Importsubstitution zuzurechnen ist. So können z.B. Produkte aus dem importkonkurrierenden Sektor auch exportiert werden. Auch haben unter anderem Strukturveränderungen der Binnennachfrage, Veränderungen des Volkseinkommen, Bevölkerungswachstum oder Segmentwachstum, Auswirkungen auf den Importanteil ausländischer Produkte. 11
3. Versagen der klassischen Außenhandelstheorie
Trotz der bereits in der Einleitung genannten negativen Erfahrungen zahlreicher unterentwickelter Länder mit der Importsubstitutionsstrategie bleibt die Frage, wieso diese Staaten eben diese Strategie wählten bzw. wieso die Strategie der importsubstituierenden Industrialisierung freiem Außenhandel vorgezogen wurde. Oder anders formuliert: Unter welchen Bedingungen ist freier Außenhandel nicht optimal? Ricardos Theorie der „komparativen Kostenunterschiede“, erweitert um die Arbeiten von Heckscher und Ohlin, besagt, dass unter den strengen Annahmen der vollkommenen Konkurrenz Außenhandel eine effiz iente Allokation der Ressourcen sicherstellt und stets zu Wohlfahrtsverbesserungen führt. 12 Gegenüber dieser Theorie bestehen zahlreiche Einwände, von denen im Folgenden zwei vorgestellt werden.
3.1 Strukturelle Einwände
Oftmals ist die zentrale Bedingung der vollkommenen Konkurrenz Freihandelstheorie in den unterentwickelte Ländern nicht oder nur geringfügig erfüllt. So können Monopole bzw. Verzerrungen auf dem Arbeitsmarkt zu suboptimalen Allokationen führen. Auf- 10 Vgl. R.Thorp, Progress, Poverty and Exclusion, Baltimore 1998, S. 133.
11 Vgl. T. An Chen , Zum Problem der Importsubstitution und der Exportdiversifikation, Diss. Münster 1969, S.50.
12 Vgl. W. Maennig, Außenwirtschaft, München 1998, S.117.
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Nils Kompe, 2004, Importsubstitution als binnenmarktorientierte Entwicklungsstrategie am Beispiel Brasiliens, München, GRIN Verlag GmbH
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