Inhaltsverzeichnis
1. Zum Begriff „Altes Aachener Steinkohlenrevier“ 1
2. Geographie und Geologie des Aachener Steinkohlenreviers. 1
2.1 Allgemeine Einordnung 1
2.2 Entstehung der Steinkohle 2
2.3 Besonderheiten des Inde- und Wurmreviers 3
2.4 Geologisch bedingte Schwierigkeiten des Steinkohlenabbaus 4
3. Geschichte des Aachener Steinkohlenreviers 7
Zusatzinfo : Das Grubenunglück auf Grube Anna 9
4. Bedeutung des Steinkohlenbergbaus für den Aachener Wirtschaftsraum 10
4.1 Geschichte des Eschweiler Bergwerks-Vereins (EBV) 10
4.2 Krisen des Steinkohlenbergbaus. 12
Zusatzinfo : Die Situation des deutschen Steinkohlenbergbaus im Vergleich zum
Ausland. 14
4.3 Der Steinkohlenbergbau im Zusammenhang mit der Beschäftigungsstruktur, dem
Siedlungswesen und dem Verkehrswesen in der Aachener Region 15
4.3.1 Beschäftigungsstruktur 15
4.3.2 Siedlungswesen. 18
4.3.3 Verkehrswesen 20
5. Nach der Kohlezeit: Nachfolgenutzung ehemaliger Bergbauflächen und
Umstrukturierung des Aachener Wirtschaftsraumes 21
5.1 Nachfolgenutzung ehemaliger Steinkohlenbergbauflächen 21
5.2 Umstrukturierung des Aachener Wirtschaftsraumes 23
6. Zusammenfassende Betrachtung 25
1. Zum Begriff „Altes Aachener Steinkohlenrevier“
Der Begriff „Altes Aachener Steinkohlenrevier“ wird in der Literatur zumeist auf bestimmte Teile des Aachener Steinkohlenreviers angewendet. Beispielsweise bezeichnet man damit das Inde-Revier oder auch den südlichen Teil des Wurm-Reviers. In der folgenden Arbeit wird der Begriff auf das gesamte Aachener Steinkohlenrevier angewendet. Diese Verwendung des Begriffs erscheint berechtigt, da der Steinkohlenbergbau um Aachen im Jahre 1997 endgültig eingestellt worden ist, somit das ganze Steinkohlenrevier als „altes“ Revier angesehen werden kann.
Ferner sollte festgehalten werden, dass das Aachener Steinkohlenrevier deswegen nach Aachen benannt ist, weil es sich bei dieser Stadt sowohl um das wirtschaftliche als auch geistige Zentrum des Reviers handelt. Der eigentliche Steinkohlenbergbau fand kaum in Aachen selbst statt, sondern vielmehr in seiner Umgebung. Vor allem um und in Alsdorf wurde viel Steinkohle abgebaut, deswegen findet sich in der Literatur gelegentlich auch die Bezeichnung „Alsdorfer Revier“ für das Aachener Revier [Voppel 1965, S. 52]. In dieser Arbeit jedoch wird lediglich der Begriff „Altes Aachener Steinkohlenrevier“, beziehungsweise „Aachener Revier“, benutzt.
2. Geographie und Geologie des Aachener Steinkohlenreviers
2.1 Allgemeine Einordnung
Das Aachener Revier liegt zwischen Aachen, Eschweiler und Übach-Palenberg. Außerdem gehört noch die Zeche Sophia-Jacoba in Hückelhoven zum Aachener Revier. Die Steinkohlenvorkommen im Aachener Revier sind dem flözführenden Karbon angehörig, das sich vom Ruhrrevier nach Westen erstreckt und sich nordwestlich von Aachen in zwei Zweige gliedert, die über die Becken der Maas-Sambre-Linie, über Nordfrankreich sowie das belgische Kempenland bis nach England führen [Voppel 1965, S. 53]. In der Nähe von Aachen wird dieses System durch den Aachener Sattel, eine Faltenstruktur, die sich nach Jülich hin verfolgen lässt, in zwei Zweige gespalten. Daraus folgt, dass auch das Aachener Revier in zwei Unterbereiche gegliedert ist: das Inde-Revier und das Wurm-Revier [Wrede & Zeller 1988, S. 10]. Die Zeche Sophia-Jacoba ist diesem System von Inde- und Wurmmulde nicht zugehörig, sie liegt auf dem Brüggener Horst. Das ist der Grund, warum einige
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Wissenschaftler sie als nicht zum Aachener Steinkohlenrevier angehörig ansehen [Voppel 1965, S. 52f.]. Diese Arbeit bezieht diese Zeche jedoch stets mit ein.
Abbildung 1: Übersichtskarte über das Aachener Revier [Lehrstuhl für Planungstheorie an der RWTH Aachen 1998]
2.2 Entstehung der Steinkohle
Bevor im Folgenden auf die geographischen und geologischen Einzelheiten des Aachener Steinkohlenreviers eingegangen wird, soll im Vorfeld geklärt werden, wie die Steinkohle im Aachener Raum entstanden ist und so zur Grundlage für den hier über Jahrzehnte betriebenen Steinkohlenbergbau werden konnte.
Die Steinkohle entstand vor ca. 300 Millionen Jahren im Oberkarbon. Grundlage für ihre Entstehung waren die mangrovenartigen Urwälder, die sich damals im Raum um Aachen ansiedelten. Sie lieferten die organische Substanz, die das Ausgangsmaterial der Steinkohle war. Aufgrund der variszischen Gebirgsbildung senkte sich damals der Untergrund um Aachen, während sich im Süden ein Gebirge heraushob. So kam es im Bereich der Urwälder zur Sedimentation von Sanden und Tonen, die aus dem Gebirge abgetragen wurden und die organische Substanz überdeckten. Diese Sand- und Tonschichten wurden von einem marinen
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Horizont überdeckt. Zu seiner Ausbildung kam es durch das Meer, das sich damals von Großbritannien bis in den Eifelraum erstreckte. Das Meer stieß periodisch in den Eifelraum vor und überdeckte die Pflanzen- sowie Sand- und Tonhorizonte. Unter Wasserbedeckung und unter Abschluss von Sauerstoff konnte die organische Substanz der Inkohlung unterliegen [Wiesemann 1997, S. 6]. Je länger die organische Substanz der Inkohlung unterlag, desto mehr ist sie mit Kohlenstoff angereichert worden und desto weniger flüchtige Bestandteile enthält sie, d. h. desto qualitativ wertvoller ist die Kohle. Bei der in Aachen geförderten Kohle handelt es sich um Fettkohle, die vor allem zur Koksherstellung genutzt wird, und um Magerkohle/Anthrazit, die für den Hausbrand, also das Beheizen von Häusern und das Kochen, verwendet wird [Voppel 1965, S. 55]. Wo diese beiden Steinkohlensorten in der Steinkohlenserie anzusiedeln sind, kann der Tabelle entnommen werden.
Tabelle 1: Steinkohle: Gehalt an flüchtigen Bestandteilen in Massenprozent [Bergbau-Handbuch 1994]
Gasflammkohle Gaskohle Fettkohle Esskohle Magerkohle Anthrazit
Die Prozesse der Ablagerung von organischer Substanz, Sand- und Tonschichten und marinen Horizonten wiederholten sich mehrmals, so dass mehrere flözführende Schichten, voneinander getrennt durch Sand- und Tonschichten, entstanden. Zunächst waren alle Horizonte waagerecht abgelagert, doch durch Falten- und Bruchtektonik änderte sich dies (auf Einzelheiten wird später eingegangen). [Wiesemann 1997, S. 6.]
2.3 Besonderheiten des Inde- und Wurmreviers
Das Inde-Revier, geologisch auch Inde-Mulde genannt, hat seinen Namen von dem Fluss, das es durchzieht: der Inde. Es zeichnet sich durch seinen regelmäßigen Aufbau aus. Das kann man sich in etwa so vorstellen, dass es wie ein Zwiebelviertel, das mit der Schnittseite nach oben liegt, geformt ist. Die flözführenden sowie die nicht-flözführenden Schichten treten abwechselnd an die Oberfläche [Wiesemann 1997, S. 7]. Schon früh unterschied man im Inde-Revier zwischen Außen- und Binnenwerken. Die Außenwerke lagen, wie der Name schon vermuten lässt, an der Außenseite des „Zwiebelviertels“. Ihre Ergiebigkeit war jedoch
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so gering, dass nur wenige Flöze bauwürdig waren. Der größte Teil des Steinkohlenabbaus im Inde-Revier vollzog sich daher auf den Binnenwerken, also auf den innen im Revier gelegenen Flözen. Die Mächtigkeit der Einzelflöze im Inde-Revier betrug zwischen 13 und 131 cm. Abgebaut wurde vor allem Fettkohle, aber auch Flamm- sowie Magerkohle fanden sich in geringen Anteilen.
Das Inde-Revier unterlag im Laufe der variszischen Gebirgsbildung aufgrund seiner südlichen Lage besonders stark der Faltentektonik, das hatte zur Folge, das die Schichten hier stark geneigt sind. Auch der Bruchtektonik unterlag das Inde-Revier, jedoch bei weitem nicht in so großem Ausmaß wie das Wurm-Revier. [Voppel 1965, S. 53f.]
Das Wurm-Revier, dessen Name auch auf einen Fluss zurückzuführen ist - und zwar die Wurm -, ist im Gegensatz zum Inde-Revier unregelmäßig gebaut. Es unterlag sehr stark der Bruchtektonik der Niederrheinischen Bucht und ist dadurch in einige große und viele kleinere Schollen zerbrochen. Auch die Faltentektonik hat sich hier ausgewirkt, was auch hier zu einer Neigung der Schichten führt. Anders als im Inde-Revier wurde hier vor allem Anthrazit und Magerkohle abgebaut, es liegen aber auch Fettkohlevorkommen vor. Die Mächtigkeit der Einzelflöze beträgt im Wurm-Revier bis maximal ca. 140 cm. [Voppel 1965, S. 54]
2.4 Geologisch bedinge Schwierigkeiten des Steinkohlenbergbaus
Die im Aachener Revier besonders ausgeprägte Falten- und Bruchtektonik hatte erhebliche Auswirkungen auf den Kohleabbau. Die durch die Faltentektonik verursachte steile Neigung der flözführenden Schichten hat zur Folge, dass diese Schichten sowohl durch den Menschen als auch durch Maschinen nur schwer abgebaut werden konnten, da beide nur unter erheblichem Aufwand die steile Neigung überwinden konnten. [Voppel 1965, S. 53] Die Bruchtektonik, die zum Zerbrechen der Schichten in Schollen geführt hat, erschwert den Bergbau besonders stark. Als bedeutendste Störungen im Aachener Revier sind die Sandgewand, die sowohl das Inde- als auch das Wurm-Revier durchzieht, und der Feldbiss, der sich durch das Wurm-Revier erstreckt, anzuführen. An den einzelnen Verwerfungen rutschen die Kohleflöze bis zu 100 m in die Tiefe ab, diese Flöze wieder aufzufinden und weiter abzubauen ist mit großen Schwierigkeiten und mit hohen Kosten verbunden [Wiesemann 1997, S . 6f.]. Zum einen müsste immer tiefer gefördert werden, was aufwendig ist, zum anderen wäre ein maschineller Abbau nicht effizient, da die Flözlänge durch die Verwerfungen nicht sehr groß ist.
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Weiterhin wurde der Bergbau durch die Verwerfungen insofern behindert, als dass sie wasserführend sind und so die Wasserhaltung in den Stollen erschweren. Die Wasserhaltung ist notwendig, um den Eintritt von Wasser in Stollen und Gruben zu verhindern, da sie sonst voll Wasser laufen und „ersaufen“ - der Bergbau wird dadurch unmöglich. Die Wasserhaltung im Aachener Revier gestaltet sich ohnehin schwierig, da sie im Inde-Revier durch das unterliegende Gestein, im Wurm-Revier durch das aufliegende Gestein erschwert wird. [Wiesemann 1997, S. 7]
Abbildung 2: Geologische Gliederung des Aachener Reviers mit den Hauptstörungen Sandgewand und Feldbiss [Schaetzke 1992]
Aber nicht nur die Tektonik des Aachener Reviers erschwerte den Steinkohlenbergbau. Auch die im Vergleich zu anderen Revieren Deutschlands sowie vor allem den Revieren im Ausland geringe Mächtigkeit der Flöze führte zu Schwierigkeiten und zur Unwirtschaftlichkeit des Steinkohlenbergbaus im Aachener Revier [Voppel 1965, S. 53]. Betrug die durchschnittliche Einzelflözmächtigkeit im Aachener Revier ungefähr einen Meter, ist sie beispielsweise im Ruhrrevier viel höher. Die maximale Mächtigkeit eines Einzelflözes im Ruhrrevier liegt bei 3,22 m, also wesentlich höher als die maximale Einzelflözmächtigkeit im Aachener Revier (ca. 1,40 m). Insgesamt stehen im Aachener Revier Flöze in einer Mächtigkeit von 13,5 m an (in 110 Flözen), im Ruhrrevier sind es 70-85
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m Gesamtflözmächtigkeit (in 180 Flözen). Je geringer die Mächtigkeit eines Flözes ist, desto unwirtschaftlicher ist sein Abbau. [Voppel 1993, S. 90] Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Kohleflöze im Aachener Revier einer stärkeren Verunreinigung unterliegen, als die Kohleflöze anderer Steinkohlengebiete [Voppel 1965, S. 53]. Die Benachteiligung des Aachener Reviers durch die geologischen Gegebenheiten wird besonders deutlich, wenn man die Arbeitsleistung eines Arbeiters unter Tage pro Schicht in Kilogramm im Vergleich zu der Arbeitsleistung in anderen Revieren betrachtet (siehe Tabelle 2). 1938 lag diese Arbeitsleistung um 507 kg unter der durchschnittlichen Arbeitsleistung in den deutschen Steinkohlenrevieren , das heißt, sie war um etwa ¼ geringer als die bundesdurchschnittliche. In den fünfziger Jahren lag sie etwa um 250 kg pro Schicht pro Mann unter dem Bundesdurchschnitt. Danach stieg die Differenz zwischen der Arbeitsleitung im Aachener Revier und der in den anderen Revieren kontinuierlich an, bis sie im Jahre 1962 eine neue Spitze mit 443 kg unter dem Bundesdurchschnitt erreichte, also etwa um 1/5 geringer war als in den sonstigen Revieren Deutschlands. Bedenkt man, dass diese Zahlen pro Mann und Schicht gelten, dann wird schnell klar, dass es sich um enorme Mengen handelt, die dem Aachener Revier geringe Chancen einräumten, auf dem Steinkohlenabsatzmarkt zu bestehen. (Angaben für spätere Zeiträume liegen leider nicht vor.)
Tabelle 2: Arbeitsleistung pro Mann und Schicht in kg [Voppel 1965]
Arbeit zitieren:
M.A. Marga Marczyk, 2001, Altes Aachener Steinkohlerevier, München, GRIN Verlag GmbH
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