Seminararbeit von Sven Meyer Seite I
INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 1
1.1 EINFÜHRUNG IN DEN POSTKOLONIALEN DISKURS IN LATEINAMERIKA 1
1.2 ZIEL DER SEMINARARBEIT UND GANG DER UNTERSUCHUNG. 2
2 ERLÄUTERUNGEN ZUM POSTKOLONIALEN DISKURS UND ZUR PERSON
OCTAVIO PAZ. 3
2.1 POSTMODERNE UND POSTKOLONIALITÄT 3
2.2 OCTAVIO PAZ. 6
3 DAS BILD MEXIKOS IN EL OGRO FILANTRÓPICO 8
3.1 DIE IDENTITÄTSSUCHE MEXIKOS 8
3.1.1 Der Begriff „Identität“ 8
3.1.2 Die Identität Mexikos in El ogro filantrópico 9
3.2 MEXIKO IM SPANNUNGSFELD ZWISCHEN ARCHAISMUS UND MODERNE 11
4 ZUSAMMENFASSENDE ÜBERLEGUNGEN. 14
BIBLIOGRAPHIE. A
ANHANG. C
PROTOKOLL DER VORLESUNG VOM 28.07.2004 C
Seminar Postkolonialität SS 2004
Seminararbeit von Sven Meyer Seite 1
1 Einleitung
1.1 Einführung in den postkolonialen Diskurs in Lateinamerika
Lateinamerika fristete - ähnlich der meisten anderen ehemaligen kolonialen Gebiete - im Bewusstsein Intellektueller lange Zeit ein vergleichsweise trübes Dasein. Menschen, Kunst, Geschichte, sowie ökonomische, politische und soziale Verhältnisse Lateinamerikas wurden nahezu ausschließlich von Außen her erforscht. Europa und Nordamerika waren die Zentren der intellektuellen Lateinamerika- (bzw. Kolonial-) Forschung. Dies ist sicherlich historisch bedingt. Die europäischen Kolonisatoren sahen sich zu Beginn der Kolonisation als zivilisiert, dynamisch, fortschrittlich, ethisch, rational an 1 , während der Charakter der Kolonisierten als sanftmütig, trieblos, demütig und unterwürfig gegenüber den Europäern beschrieben wurde. 2 Hieraus hat sich eine Dichotomie aus Peripherie und Zentrum 3 entwickelt, welche bis heute aktuell ist. So ist es auch zu erklären, dass es beispielsweise kaum eigenständige Lateinamerika-Institute an Universitäten gibt und Lateinamerika lange als transatlantische Fortsetzungsgeschichte Spaniens behandelt wurde. 4 Mit Beginn der Entkolonisierungsprozesse der sechziger Jahre fand jedoch eine Umstrukturierung statt, die eine Auflockerung der gerade genannten Dichotomie mit sich brachte. Die ehemaligen Kolonien werden nun weniger als Teil der europäischen Geschichte aufgefasst, sondern als eigenständige Kulturen mit eigenem spezifischen Charakter. 5 Auch wenn Lateinamerika schon vor längerer Zeit entkolonialisiert wurde, so wird sein gesamtkultureller Status im Zuge dieser neuen postkolonialen Denkweise neu untersucht. Der Kulturbegriff wird weiter aufgefasst
1 Vgl. Alfonso de Toro (2003). Jenseits von Postmoderne und Postkolonialität. Materialien zu einem Modell der Hybridität und des Körpers als transrelationalem, transversalem und transmedialem
Wissenskonzept, S. 21
2 Vgl. G. W. F. Hegel (1985). Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, S. 108
3 s. hierzu Enrique Dussel (1989). Philosophie der Befreiung, S.15 - 28
4 Vgl. Birgit Scharlau (1994). Lateinamerika denken. Kulturtheoretische Grenzgänge zwischen Moderne und Postmoderne, S. xiii
5 Vgl. ebenda, S. xii
Seminar Postkolonialität SS 2004
Seminararbeit von Sven Meyer Seite 2
als zuvor, so dass beispielsweise auch die Massenmedien und der Indigenismo thematisiert werden. Allgemein werden angenommene Selbstverständlichkeiten neu hinterfragt. Es findet ein Aufbrechen von Grenzen statt, welche mit einer Dezentralisierung des Wissens einhergeht. Die Andersartigkeit Lateinamerikas rückt im Zuge von Alteritätsdenken in das Zentrum des Interesses. In diesem Zusammenhang werden auch die Werke lateinamerikanischer Intellektueller mit größerem Interesse wahrgenommen. Ihre Werke erweitern das Lateinamerikawissen um eine neue wichtige Perspektive.
1.2 Ziel der Seminararbeit und Gang der Untersuchung
Ziel dieser Arbeit ist es nun ein Beispiel für die eben genannte Perspektiverweiterung zu liefern. An Hand eines lateinamerikanischen Werkes soll Mexiko (der Archetypus eines lateinamerikanischen Landes) näher betrachtet werden. Hierzu eignet sich El ogro filantrópico von Octavio Paz in besonderem Maße, da Octavio Paz als Gründervater der mexikanischen Nationalliteratur 6 gilt und in seiner Essaysammlung El ogro filantrópico eine vielschichtige Innenansicht von Mexiko liefert. Diese Arbeit versucht das von Octavio Paz gestaltete Bild darzustellen, zu charakterisieren und im Rahmen des postkolonialen Diskurses zu kritisieren. Dazu sollen im folgenden Kapitel Grundlagen des postkolonialen Diskurses vorgestellt werden, indem die Begriffe Postmoderne und Postkolonialität näher erläutert werden, und zudem wichtige biographische Informationen zur Person Octavio Paz gegeben werden. Im dritten Kapitel wird das von Octavio Paz beschriebene Mexiko näher untersucht. Das letzte Kapitel dient schließlich dazu, Hauptaussagen der Arbeit zusammenzufassen und einen Ausblick des postkolonialen Diskurses zu geben.
6 Vgl. Thomas Brons (1992). Octavio Paz : Dichterfürst im mexikanischen Korporativismus, S. 77
Seminar Postkolonialität SS 2004
Seminararbeit von Sven Meyer Seite 3
2 Erläuterungen zum postkolonialen Diskurs und zur
Person Octavio Paz
2.1 Postmoderne und Postkolonialität
Die postmodernen Ansätze bilden die Grundlage der postkolonialen Theoriebildung. Daher soll hier zunächst der Begriff der Postmoderne näher betrachtet werden. Jedoch ist der Postmodernismus schwer zu definieren, da er in vielen unterschiedlichen Disziplinen auftaucht, wie z. B. Kunst, Architektur, Musik, Film, Mode und Literatur. Auch ist er kaum zeitlich oder historisch festzulegen, da der Beginn der Postmoderne nicht eindeutig auszumachen ist. 7 Somit erscheint es sinnvoll, sich dem Begriff der Postmoderne gedanklich zu nähern. Obwohl mit dem Begriff zunächst ein Verfall der modernen Literatur Ende der 1950er Jahre in Nordamerika bezeichnet wurde, wurde der Begriff bald positiv umgewertet. Er verband zum ersten Mal die verschiedenen sozialen Schichten, indem Grenzen, welche elitäre Zirkel der Moderne geschaffen hatten, überschritten wurden - postmoderne Literatur diente fortan als Verbindung von Elite- und Massenkultur. Die Grundideen der postmodernen Strömung wurden kurz darauf auch von einigen europäischen Intellektuellen (Derrida, Foucault, Deleuze, Baudrillard...) übernommen und weitergeführt, was in neuen Strategien, wie fragmentiertes, nomadisches und rhizomatisches Denken und Wissen, Ausdruck fand. 8 Ziel der daraus resultierenden (postmodernen) philosophischen Strömung war es, vorherrschende Denkstrukturen (Einheitsobsessionen) aufzubrechen und zu dekonstruieren, um so eine veränderte Wahrnehmung der Umwelt, Gesellschaft, Kunst und Literatur zu erreichen. Existierendes sollte umgedacht, neugedacht, neugelesen und neugeschrieben und die Pluralität der Dinge erkannt und akzeptiert werden. Als eine zusammenfassende inhaltliche Definition des Begriffs „Postmoderne“ kann daher der folgende Satz in Anlehnung an Annegret Thiem dienen: Postmoderne ist die Grundlage des
7 Vgl. Mary Klages (2003). Postmodernismus
8 Vgl. Alfonso de Toro (2003). Jenseits von Postmoderne und Postkolonialität, S. 16
Seminar Postkolonialität SS 2004
Seminararbeit von Sven Meyer Seite 4
kulturellen Denkens, dessen Ansatz ein Denk- und Lebensmodell ermöglicht, das zum Infragestellen traditioneller Denkgewohnheiten anregt. 9
Die postmodernen Strömungen stellen erstmalig Instrumente zur Verfügung, welche eine neue postkoloniale Debatte - hervorgehend aus den Cultural Studies der 50er Jahre - ermöglichen. Die postkoloniale Debatte kann sich so kritisch mit dem Abhängigkeitsverhältnis zwischen Peripherie und Zentrum auseinandersetzen, den Rand und das Zentrum in einen Dialog treten lassen und versuchen dieses Machtverhältnis zu hinterfragen und unter Umständen zu ändern. 10 Dabei fokussiert die Debatte zunehmend auf die Entwicklung europäischer Kolonien seit ihrer Unabhängigkeit. 11 Als Pionier im Bereich der postmodernen postkolonialen Debatte gilt Edward W. Said, da er mit der 1978 erschienenen Arbeit Orientalism zum ersten Mal allgemeines Forschungsinteresse auf den orientalistischen bzw. kolonialen Diskurs lenkt. Said beschreibt am Beispiel des Orients eindrücklich, dass eine Kultur nicht genetisch, national oder historisch determiniert ist, sondern eine Konstruktion darstellt, welche sich nach der Subjektivität des Betrachters richtet. 12 Der ‚Orient’ ist demnach ein Konstrukt, welches Wissen und Unwissen der europäischen Kolonisatoren reflektiert und dazu dient, die eigene (europäische) Identität von der anderen abzugrenzen. Said will mit seiner Darstellung zu einer Relektüre anregen, welche das Hegemonie-behaftete Wissen über eine andere Kultur hinterfragt und bestehende Stereotypen, sowie Oppositionsdenken bekämpft. Hier wird auch die Nähe zu den postmodernen Strategien deutlich, denn Said bedient sich in seiner Ausarbeitung dem Machtkonzept und der Diskurstheorie von Michel Foucault. Neben Said gelten Gayatri C. Spivak und Homi K. Bhabha als Wortführer des postkolonialen Diskurses. 13 Auch sie machen Gebrauch von postmodernen Strategien wie dem
9 Vgl. Annegret Thiem (2003). Repräsentationsformen von Subjektivität und Objektivität in Zeitgenössischen Texten lateinamerikanischer Autorinnen, S. 33 - 34
10 Vgl. Alfonso de Toro (2003). Jenseits von Postmoderne und Postkolonialität, S. 19
11 Vgl. Amelang, Katrin/Schupp, Oliver. Postkoloniale Theorie und die »Spurensuche« nach Widerstand
12 Vgl. Alfonso de Toro (2003). Jenseits von Postmoderne und Postkolonialität, S. 19
13 Said, Spivak und Bhabha werden zusammen auch häufig ‚holy trinity’ genannt.
Seminar Postkolonialität SS 2004
Arbeit zitieren:
Sven Meyer, 2004, Das Bild Mexikos in El Ogro Filantrópico von Octavio Paz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Auf der Suche nach der Mejicanidad
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 14 Seiten
Das Selbstverständnis des Dichters. Über die politische Funktion und V...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Kontakt- und Soziolinguistik der spanischen Kreolsprache Papiamentu
Romanistik - Allgemeines u. Fächerübergreifendes
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Heines Deutschland-Bilder und das Leiden an der deutschen Misere
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 25 Seiten
Grammatikalisierung in den Kreolsprachen
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Die spanisch basierten Kreolsprachen: Verbreitung, Sprachgenese und he...
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Wortbildung im Deutschunterricht – Wortschatzarbeit und Sprachreflexio...
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Der mexikanische PRI: Klientelismus als Strategie zum Machterhalt!?
Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 22 Seiten
Modalpartikeln im Deutschen und ihre mögliche Wiedergabe im Italienisc...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Unnatural Emotions? Catherine A. Lutz' - Forschungen zu Emotionsk...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Drawing rings around the world - The acquisition of meaning
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Heideggers Dekonstruktion des weltlosen Subjekts
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Seminararbeit, 19 Seiten
Analyse eines Prosatextes aus der Perspektive der Narrativik
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit, 10 Seiten
Prähispanische Kulturen in mexikanischen Schulgeschichtsbüchern: Glorr...
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Hausarbeit, 27 Seiten
Interpretation des Romans La muerte de Artemio Cruz von Carlos Fuentes
Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Sven Meyer hat den Text Das Bild Mexikos in El Ogro Filantrópico von Octavio Paz veröffentlicht
Sven Meyer hat einen neuen Text hochgeladen
De Abdías a Zacarías : temas del Antiguo Testamento en la religión, la...
Aloysius Bernardus Josef Maria Goosen, María Felisa Lorda Alaiz
La Jrefiyye Palestina: Literatura, Mujer y Maravilla: El Cuento Maravi...
Montserrat Rabadan Carrascosa
0 Kommentare