Jutta Staudte
Ökonomische Aspekte
im Werk des Aristoteles
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg / Alfred-Weber-Institut Wirtschaftstheoretisches Seminar: Wirtschaftsphilosophie Sommersemester 2001
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Einleitung Seite 2
1 Ethik als Lehre von der Glückseligkeit ( eudaimonia ) Seite 3
1.1 Theoretischer Teil der Ethik: Die Tugenden Seite 4
1.2 Praktischer Teil der Ethik: Die Staatslehre Seite 5
2 Die Wirtschaftssphäre bei Aristoteles Seite 6
2.1 Ökonomie als Lehre vom ganzen Haus Seite 7
2.1.1 Begründung des Sklavenwesens Seite 8
2.2 Die Unterscheidung von Ökonomie und Chrematistik Seite 9
3 Kritische Anmerkungen Seite 12
Literaturverzeichnis Seite 14
1
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Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Betrachtung der Ökonomie als Teil der praktischen Philosophie bei Aristoteles, basierend auf dem Buch I der 3ROLWLN.
Um die Ausführungen Aristoteles‘ über die Wirtschaft nachvollziehen zu kön- nen, behandele ich zunächst dessen Weltbild und stelle seine ethischen Grund- gedanken vor. Den Schwerpunkt lege ich dabei auf die Tugenden und die Staatslehre. Im zweiten Teil werde ich die Eigenschaften des Hauswesens (‚oi- konomia‘) bei Aristoteles näher beleuchten und die Begründung des Sklaven- tums erörtern sowie den Unterschied zwischen Ökonomie und Chrematistik (‚Kunst des Gelderwerbs‘) herausarbeiten. Abschließend gehe ich noch einmal auf einige zentrale Punkte des aristotelischen Werkes kritisch ein.
Der 322 v.Chr. in Makedonien geborene Aristoteles gilt, im Gegensatz zu sei- nem Lehrer Platon, der einen Idealstaat mit literarischer Qualität beschreibt, als kühler Analytiker. Aristoteles ist der erste Philosoph, der wie ein Professor schreibt; seine Abhandlungen sind systematisch in Kapitel eingeteilt. Ein echter Lehrer ist er auch während seiner zwölfjährigen Wanderzeit - sogar der Alexan- ders des Großen. Da ihn die Leiden der Menschheit scheinbar unberührt lassen, wird ihm Nüchternheit und Gefühlsarmut vorgeworfen.
Aristoteles ist in erster Linie Universalwissenschaftler, der die Vielfalt der Welt ergründen möchte. Neben der umfangreichen empirischen Forschung - im rein deskriptiven Teil seines Gesamtwerkes untersucht er 158 Verfassungen - er- kennt er auch im philosophischen Denken, dass sich alles Bestehende unter einheitliche Prinzipien ordnet. Anstoß für Aristoteles' philosophische Überlegun- gen ist die Frage nach dem ‚Warum‘ der Dinge und des menschlichen Verhal- tens.
Zu Aristoteles' Geistesschöpfungen zählen zahlreiche Werke philosophischer und einzelwissenschaftlicher Disziplinen: über die Metaphysik und die Logik 1 ,
ebenso wie über die Naturwissenschaften und Psychologie, über die praktische Philosophie (Schriften zur Politik samt Rhetorik, Ethik und Ökonomik), sowie his- 1 Aristoteles gilt als Begründer der formalen Logik (Lehre vom richtigen Denken). Sein ‚organon‘ (Werkzeug) handelt von den Kategorien, Topik sowie die Analytiken (Syllogistik, Beweisführung)
2
torische und poetische Arbeiten. Die Abhandlungen, welche Aristoteles’ Ansehen begründen, stützen sich hauptsächlich auf Unterrichtsnotizen, die von späteren Herausgebern gesammelt und geordnet wurden.
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Das Weltbild des Aristoteles verortet den Raum des Menschen zwischen Tier und Gott. Einerseits unterwirft ihn die Abhängigkeit von materiellen Bedingungen dem „Kreislauf von Geburt, Fortpflanzung und Tod“ 2 ; als vernunft- und sprach-
begabtes (mit ‚logos‘ ausgestattetes) Lebewesen, grenzt sich der Mensch jedoch vom Tierischen ab. 3
Aristoteles vertritt eine teleologische Weltauffassung: Er geht davon aus, dass der Sinn allen Daseins im Erstreben eines umfassenden Zieles bzw. eines Zwecks liegt. Dabei verwendet er den allgemeinen Begriff des ‚Gutes’: alles, was Gegenstand des Strebens - also ein Handlungsziel - ist, stellt ein Gut dar. 4
Das spezifisch menschliche höchste Ziel besteht in der Glückseligkeit (‚eudai- monia‘). Die Grundlage des Glücks ist die Ausübung der wertvollsten Anlagen und Vorzüge; eine Betätigung der Seele, wie es ihrem Wesen entspricht. Die Hauptaufgabe des Menschen ist demnach seine sittliche Vollkommenheit. Um diese zu erreichen, soll er alle seine Fähigkeiten und Möglichkeiten entfalten und in sich die entsprechende Eigenschaft - die Tugend - entwickeln. Bei diesem Prozess handelt es sich um einen immanenten Bewegungsdrang, der den „Cha- rakter der Selbstverwirklichung“ 5 aufweist. Wahrhaft glückselig ist der tugendhaft
Handelnde, der gleichzeitig mit einem Mindestmaß an äußeren Gütern (körperli- che Gesundheit, Besitz, Ansehen und anderen Lebensbequemlichkeiten) verse- hen ist. 6 Die Frage, warum Menschen nach ‚eudaimonia‘ suchen, stellt sich für
Aristoteles erst gar nicht.
Ethik beschäftigt sich mit dem Nachdenken über das Verhältnis des Menschen zu seiner Lebensführung. Die Absicht jeder ethischen Überlegung ist praktischer 2 Manstetten, Hottinger, Faber, 1998, Kapitel 4 3 vgl. Aristoteles, 1253 a, 8 - 18 4 vgl. ebd., 1252 a, 3 - 5 5 Höffe, Kapitel 4.1 6 vgl. Petersen, Seite 14
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Jutta Staudte, 2001, Ökonomische Aspekte im Werk des Aristoteles, Munich, GRIN Publishing GmbH
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