1. Einleitung
In meiner wissenschaftlichen Arbeit möchte ich mich mit den Möglichkeiten und Grenzen der Arbeitsanpassung an die individuelle Situation des einzelnen Behinderten unter Betrachtung des wirtschaftlichen und pädagogischen Aspektes auseinandersetzen. Meine Motivation zu dieser Arbeit begründet sich darin, dass ich selber im Werkstattbereich tätig war und aufgrund der Diskrepanz zwischen den ökonomischen und pädagogischen Zielen diese Arbeit nicht mehr weiter ausführen wollte.
Ich werde versuchen in meiner Arbeit zuerst darauf einzugehen, welche Bedeutung Arbeit hat. Danach werde ich versuchen einen Einblick in die Arbeit behinderter Menschen zu geben. Hierbei werde ich mich auf die Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen beziehen, wobei es mir wichtig ist, ganz persönlich Eindrücke und Gedanken mitzuverarbeiten.
Weiterhin werde ich versuchen deutlich zu machen, in wie weit sich die wirtschaftliche Situation auch auf die Werkstätten auswirkt und welche Folgen dies für die Beschäftigten haben kann.
2. Bedeutung von Arbeit für den erwachsenen Menschen
Mit der Definition Arbeit muss man vorsichtig umgehen, da Arbeit für jeden Menschen etwas anderes bedeuten kann. Für den einen ist es Arbeit ein Buch zu lesen, da er die Informationen daraus braucht, für den anderen ist das Lesen dieses Buches reines Vergnügen. Dennoch wird Arbeit z.B. wie folgt definiert:
„Volkswirtschaftlich gesehen, ist jede Arbeit eine auf ein wirtschaftliches Ziel gerichtete menschliche Tätigkeit; neben Boden und Kapital wichtigster elementarer Produktionsfaktor; nach den Merkmalen der Arbeit unterscheidet man freie und unfreie, gelernte und ungelernte, körperliche und geistige, dispositive (leitende) und exekutive (ausführende) Arbeit. Die spezifische Arbeit des Individuums bildet den Inhalt seines Berufes.“ (Vgl. Knaurs Lexikon, München 1991)
Eine weitere Definition von Arbeit wäre folgende:
„Arbeit hat einen hohen sozialen und politischen Stellenwert. Sie sichert Lebensunterhalt und schafft Produktivität. Arbeit folgt dem Gesetz von Leistung und Gegenleistung. Sie kann
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belastend sein. Arbeit bedeutet aber auch gesellschaftliche Anerkennung und Integratio n. Sie eröffnet individuelle Entfaltungsmöglichkeiten, den Weg zu Mitmenschen, zur Teilnahme an der Gemeinschaft.“ ( Zitat: Geistige Behinderung, S. 7 ff., 2000) Somit ist zu sagen, dass Arbeit ein wichtiger Bestandteil des Lebens ist, an dem jeder teilhaben sollte. Arbeit sichert das Überleben. Sowohl in materieller, als auch in emotionaler, sozialer und physischer Hinsicht. Arbeit ist demzufolge sehr wichtig für den Menschen, egal was ihr für verschiedene Bedeutungen zugeordnet werden.
Arbeit macht einen großen Teil unseres gesellschaftlichen Lebens aus und lässt uns einen Teil davon sein.
3. Bedeutung von Arbeit für den geistig behinderten Erwachsenen
Am Anfang ist zu erwähnen, dass Arbeit für den geistig behinderten Erwachsenen erst einmal die gleiche Bedeutung hat, wie für einen nicht behinderten Erwachsenen. Allerdings wird in einer Werkstatt für behinderte Menschen zwischen „Arbeitsplätzen“ einerseits und „Plätzen zur Ausübung einer geeigneten Tätigkeit“ unterschieden, wodurch auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der behinderten Menschen aufmerksam gemacht werden soll. Wo liegt also der Unterschied? • Arbeiten Menschen mit Behinderungen anders? • Leisten sie weniger? • Ist ihre Arbeit weniger wert?
• Was genau kennzeichnet die Arbeit von geistig behinderten Menschen? .
Laut Experten, u.a.U. Wilken, kennzeichnet sich Arbeit für Behinderte durch 3. Merkmale: 1. Arbeit dient der „Lebensfristung“ und orientiert sich am Gehalt. Die Leistungsfähigkeit steht im Vordergrund. In der WfbM wird Arbeit durch Hilfsmittel und Vorrichtungen der aktuellen Leistungsfähigkeit angepasst. 2. Arbeit dient der „Lebensbereicherung“ und orientiert sich am Lebenssinn. Die Entwicklung der Persönlichkeit sollte im Vordergrund stehen. In der Werkstatt wird Arbeit pädagogisch aufgearbeitet und kann als angemessene Arbeit bezeichnet werden.
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3. Arbeit dient der „Lebenserweiterung“ und orientiert sich am Normalisierungsprinzip. Arbeit ist ein fester Teil des Alltags und kann als strukturierte Arbeit bezeichnet werden. Dieser Gesichtspunkt gilt vor allem für Menschen mit schwerster Behinderung.
Gerade für Behinderte bedeutet das Arbeiten in einer Werkstatt vor allem soziale Kontakte und Anerkennung.
Sie kommen aus ihrem „behütetem“ Umfeld heraus und müssen sich in eine Gemeinschaft (Arbeitsgemeinschaft) eingliedern. Arbeit wird mit „Erwachsensein“ in Verbindung gebracht. Arbeiten bedeutet für sie, dass sie ernst genommen werden, sie von „Nutzen“ sind. Arbeiten bedeutet Normalität. Und viele Behinderte wünschen sich, dass sie als „Normal“ angesehen werden, bzw. dass sie nicht wie Kleinkinder behandelt werden. Arbeit ermöglicht ihnen Selbstbestimmung. So sollen diese Menschen lernen, Handlungen möglichst selbstbestimmt zu planen, durchzuführen und zu bewerten. Sie sollen mit anderen zusammenarbeiten und sich austauschen. Sie sollen sich ihrer selbst bewusster werden und einen Sinn im eigenen Handeln finden.
Durch Arbeit hat man die Möglichkeit viele Fähigkeiten zu erwerben, wie z.B. Flexibilität, Selbsteinschätzung, Teamfähigkeit, Denken in Zusammenhängen, Verantwortung, Qualitätsbewusstsein, Lernbereitschaft, Toleranz, Rücksichtnahme, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit usw.
Es ist darauf zu achten, dass man gerade in einer WfbM adäquate Arbeitsangebote macht, die vor allen den sozialen, personalen und materiellen Aspekt von Arbeit abdecken und individuell auf den Einzelnen zugeschnitten sind.
Wichtig ist jedoch auch, wenn man über die Bedeutung von Arbeit für geistig Behinderte spricht, die zu fragen, die Arbeiten sollen, wollen oder dür fen.
U. Wilken hat den Beschäftigten einer Werkstatt für behinderte Menschen die Frage gestellt, was ihnen am Arbeitsplatz besonders wichtig ist.
Die 16 Antworten hat er in seinem Buch „Arbeit + Lebenserfüllung in WfB...“ veröffentlicht. Sie wurden in folgender Reihenfolge gegeben:
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1. Freunde haben 2. anderen helfen 3. gelobt werden 4. Geld haben 6. lernen 8. mitbestimmen (Vergl. U. Wilken, 1999)
4. Definition Werkstatt für behinderte Menschen
Laut §136 des neunten Sozialgesetzbuches vom 10. Dezember 2001 heißt es: „Die Werkstatt für behinderte Menschen ist eine Einrichtung zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben im Sinne des Kapitel 5 des Teils 1 und zur Eingliederung in das Arbeitsleben. Sie hat denjenigen behinderten Menschen, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht, noch nicht oder noch nicht wieder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beschäftigt werden können,
(1) 1. eine angemessene berufliche Bildung und eine Beschäftigung zu einem ihrer Leistungen angemessenen Arbeitsentge lt aus dem Arbeitsergebnis anzubieten und 2. zu ermöglichen, ihre Leistungs- und Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu entwickeln, zu erhöhen oder wiederzugewinnen und dabei ihre Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Sie fördert den Übergang geeigneter Personen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durch geeignete Maßnahmen. Sie verfügt über ein möglichst breites Angebot an Berufsbildungs-und Arbeitsplätzen sowie über qualifiziertes Personal und einen begleitenden Dienst. (2) Die Werkstatt steht allen behinderten Menschen im Sinne des Absatz 1 unabhängig von Art oder Schwere der Behinderung offen, sofern erwartet werden kann, dass sie spätestens nach Teilnahme an Maßnahmen im Berufsbildungsbereich wenigstens ein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung erbringen werden. Dies ist nicht der Fall bei behinderten Menschen, bei denen trotz einer der Behinderung angemessenen Βetreuung eine erhebliche Selbst- oder
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Arbeit zitieren:
Saskia Schumann, 2004, Die Konzeption einer Werkstatt für behinderte Menschen, München, GRIN Verlag GmbH
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