Inhalt
1. Einleitung 3
2. Der Wolfenden Report und seine Vorgeschichte 4
3. Patrick Devlin: The Enforcement of Morals 5
3.1 Die Rolle der Moral für die Gesellschaft 5
3.2 Die Festlegung von Moral und Unmoral 7
4. H L A. Hart: 8
5. Devlin und Hart, gemessen am Schadensprinzip von John Stuart Mill 10
6. Schlussgedanken 11
2
1. Einleitung
Die stetige Veränderung der Gesellschaft ist untrennbar verbunden mit einer Anpassung und Modifizierung ihrer Werte und Normen. Tendenziell ist die Entwicklung von moralischen Prinzipien von Generation zu Generation auf stärkere Liberalisierung ihrer Inhalte ausgerichtet. Sie bietet somit Anlass zur Frage, ob sie der Integrität der Gesellschaft zum Schaden sei und Moral demzufolge durch das Recht gestärkt, bzw. durchgesetzt werden dürfe. Diese Frage zieht in ihrem Umfang eine Fülle anderer rechtsethischer Konflikte mit sich, wie zum Beispiel jene über die Grenzen des Machtbereichs von staatlich gesetztem Recht, die Trennung von privater und öffentlicher Moral oder die Begrenzung der Rechte des Individuums zum Schutz der Gesellschaft. Die wohl berühmteste Kontroverse zum Einfluss von Recht auf Moral entbrannte in den 1950er bzw. 60er Jahren zwischen dem Rechtspositivisten und Richter des Obersten Gerichts Großbritanniens Lord Patrick Devlin und dem Rechtsphilosophen Herbert Lionel Adolphus Hart anlässlich eines umstrittenen Berichts des 1954 vom britischen Parlament eingesetzten Wolfenden- Komitees. Seine Aufgabe war die Prüfung einiger skandalöser Rechtsurteile gegen Homosexuelle und Prostituierte. Konklusion seiner Arbeit und Kernaussage des Berichts war die Forderung, Homosexualität nicht länger als Verbrechen zu betrachten und einen gewissen Privatraum dem Einwirken des Rechts vorzuenthalten. Letztere gab den Ausschlag für eine Auseinandersetzung zwischen Befürwortern, allen voran Patrick Devlin und Gegnern, insbesondere H.L.A. Hart, der rechtsgestützten Moral, deren Gegenstand weniger die normative Beurteilung von Homosexualität als das Verhältnis von Moral, Recht und Gesellschaft war. Der wesentliche Streitpunkt dieser Debatte ist der Umgang mit moralisch strittigen Handlungen, die sich nicht unmittelbar auf andere auswirken und ihnen keinen ersichtlichen Schaden zufügen, so genannte victimless immoralities. Ihre Klassifizierung als Straftat ist auf den ersten Blick nicht zureichend begründbar, soll aber in der nachfolgenden Darstellung zweier ausgeprägter rechtsethischer Positionen näher betrachtet werden.
3
2. Der Wolfenden Report und seine Vorgeschichte
Im Winter 1953 erreichte die Zahl der Verhaftungen von Homosexuellen aufgrund strafrechtlich verfolgbarer „Notzucht“ mit 3087 Arresten ihren Höhepunkt in der Geschichte Englands, oft zusammengefasst unter dem Begriff The Great Purge („Die große Säuberung“). Unter den Angeklagten befanden sich auch Novellist Rupert Croft-Cooke, Journalist Peter Wildblood und der als Lord Montagu bekannte Edward Douglas-Scott-Montagu, deren Präsens in der Öffentlichkeit auch die Medien auf diese Prozesse aufmerksam machte. Am 26. August 1954 berief das Britische Unterhaus ein Abteilungskomitee, bestehend aus 15 Männern und Frauen zur Untersuchung von Gesetzen gegen homosexuelle Vergehen. Unter der Leitung von John Frederick Wolfenden, dem Vize-Kanzler der Universität Uppingham, beriet sich das Komitee über drei Jahre und veröffentlichte am 3. September 1957 als Resultat seiner Überlegungen den Report of the Departmental Committee on Homosexual Offences and Prostitution („Bericht des Abteilungskomitees über homosexuelle Vergehen und Prostitution“). Diese Studie enthielt die Empfehlung, homosexuelles Verhalten zwischen Erwachsenen bei gegenseitigem Einverständnis nicht länger als eine Straftat zu betrachten: "…homosexual behavior between consenting adults in private should no longer be a criminal offence." 1 , Gesellschaft und Gesetz die individuelle moralische Freiheit von privaten Handlungen respektieren sollten: "… the importance which society and the law ought to give to individual freedom of choice and action in matters of private morality 2 , und jene private Moral nicht zum Einflussbereichs des Gesetzes gehöre: “there must remain a realm of private morality and
3 . Diese liberalen Empfehlungen trugen 1967 immorality which is … not the law’s business”
wesentlich zur Einführung des Sexual Offences Act bei, ein Gesetz, das dem Privatleben von homosexuellen Erwachsenen ein Maß an Freiheit einräumte und als Wendepunkt in der Legalisierung von Homosexualität im westlichen Kulturraum gilt.
1 Vgl. The Wolfenden Report: Report of the Committee on Homosexual Offences and Prostitution, Paragraph 62.
2 Vgl. ebd.
3 Vgl. ebd.
4
Quote paper:
Christiane Burmeister, 2004, Die Devlin-Hart-Kontroverse. Ein rechtsethischer Konflikt zum Thema "Darf das Recht die Moral beeinflussen?", Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Zu: John Stuart Mill 'Über die Freiheit'
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Termpaper, 22 Pages
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Christiane Burmeister's text Die Devlin-Hart-Kontroverse. Ein rechtsethischer Konflikt zum Thema "Darf das Recht die Moral beeinflussen?" is now available as a printed book
Christiane Burmeister has published the text Die Devlin-Hart-Kontroverse. Ein rechtsethischer Konflikt zum Thema "Darf das Recht die Moral beeinflussen?"
Christiane Burmeister has uploaded a new text
Die Grundlagen politischer Gem...
Tine Stein, Hubertus Buchstein, Claus Offe
Jahrbuch für Recht und Ethik / Annual Review of Law and Ethics 14/2006
Recht und Sittlichkeit bei Kan...
B. Sharon Byrd, Joachim Hruschka, Jan C. Joerden
Einführung in die Anglo-Amerikanische Rechtssprache (Introduction to A...
Introduction to Anglo-American...
B. Sharon Byrd
Alan Wildblood
Peter Wildeblood mit E.
Ich habe alle Artikel aus der Times über den Fall und als Wildblood-Ahnenforscher kann ich versichern, dass Peter Wildeblood seinen Nachnamen mit E geschrieben hat. Ich besitze auch sein Buch, "Against the Law."
on Wednesday, December 05, 2007-