Wie kein anderer Terminus stand der Marktplatzbegriff zur Jahrtausendwende für erfolgskritische Engagements von Unternehmen im eBusiness (electronic business). Der radikale Shakeout-Prozess der letzten 2-3 Jahre hat gezeigt, dass viele Marktplatzgeschäftsmodelle ökonomisch nicht darstellbar sind. Gleichsam ist auch das euphorische Engagement von Unternehmen auf Marktplätzen stark zurückgegangen. Übrig geblieben sind vielerorts relativ orientierungslose eBusiness Strategen und Berater, die auf der Suche nach tragfähigen eBusiness Strategien Marktplätze gegen inhouse Lösungen abzuwägen haben.
Mitten in diese Verunsicherung trifft nun der von Gartner propagierte Begriff des ERP II, quasi die zweite Generation von ERP Systemen. Standen beim ursprünglichen ERP Konzept unternehmensinterne Funktionen und Geschäftsprozesse im Fokus der Betrachtung, betont ERP II kollaborative Aspekte von Geschäftsprozessen. Aspekte, die während des Dot-Com Hypes als integrales Betätigungsfeld für virtuelle Marktplätze galten. Dementsprechend könnte man vermuten, dass das ERP II Konzept die Daseinsberechtigung von Marktplätzen weiter in Frage stellt. Doch diese Betrachtungsweise ist zu simpel. In den letzten Jahren hat sich einerseits gezeigt, dass B2B (Business-to-Business) Marktplätze durchaus in der Lage sind, kollaborative Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen erfolgreich abzubilden. Andererseits hat sich eine funktionierende Backendintegration mit Kunden ERP Systemen als wichtiger Erfolgsfaktor für virtuelle Marktplätze herauskristallisiert.
Diese Beobachtung deutet mindestens auf ein komplementäres, wenn nicht symbiotisches Verhältnis von Marktplätzen und ERP Systemen hin. Doch wie stellt sich dieses Verhältnis unter Einbeziehung des ERP II Konzepts dar? Die vorliegende Arbeit analysiert entsprechend, ob das Verhältnis zwischen ERP II Systemen und Marktplätzen kompetitiver oder symbiotischer Natur ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit
2 Begriffsdefinition
2.1 Elektronische Marktplätze
2.2 Das ERP II Konzept
2.2.1 ERP Systeme
2.2.2 Das ERP II Konzept
2.2.3 Technische Treiber des ERP II Konzepts
2.3 Fazit
3 Spannungsverhältnis
3.1 Technische Aspekte
3.2 Funktionale Aspekte
3.2.1 Standardisierungspotential
3.2.2 Komplexität der Geschäftslogik
3.2.3 Dynamik der Kommunikationsbeziehungen
3.2.4 Sicherheitsanforderungen
3.3 Kostenaspekte
3.4 Bewertung
4 Ein Beispiel aus der Automobilindustrie
4.1 SupplyOn und SAP
4.2 Symbiose – ein Kooperationsansatz
4.2.1 Technisch kompatible Komponenten
4.2.2 Komplementäre Komponenten
4.3 Kostenaspekte
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen ERP-II-Systemen und elektronischen Marktplätzen, um zu klären, ob deren Beziehung primär als Wettbewerb oder als Symbiose zu interpretieren ist. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse von Beschaffungsprozessen in der Automobilindustrie unter Einbeziehung der marktführenden Standardsoftware der SAP AG.
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen Unternehmenssoftware (ERP II) und B2B-Marktplätzen.
- Untersuchung technischer, funktionaler und wirtschaftlicher Kriterien für die Einordnung von Geschäftsprozessen.
- Erforschung von Integrationsmöglichkeiten zwischen Marktplatzfunktionalitäten und ERP-Backendsystemen.
- Praxisorientierte Fallstudie zur Kooperation von SupplyOn AG und SAP AG.
- Ableitung eines Modells für ein symbiotisches Zusammenwirken im ERP-II-Umfeld.
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Dynamik der Kommunikationsbeziehungen
These 3: Je höher die Dynamik der Geschäftsbeziehungen in einem Prozess ist, desto eher ist er zur Abbildung über Marktplätze geeignet.
Die elektronische Kommunikation mit Geschäftspartnern erzeugt, genauso wie die konventionelle Kommunikation, Aufwände, die tendenziell mit der Anzahl der Kommunikationspartner wachsen. Wickelt ein Unternehmen einen hohen Prozentsatz seines Geschäfts konstant mit einem oder wenigen Geschäftspartnern ab, halten sich diese Kosten i.d.R. in wirtschaftlich erträglichen Grenzen. Müssen jedoch Geschäftsbeziehungen zu einer großen und heterogenen Anzahl von Geschäftspartnern hergestellt und implementiert werden, steigen diese Kosten stark an. Diese Aussage ist weniger von der letztendlich mit einem Geschäftspartner ausgeführten Anzahl von Transaktionen abhängig, als eher durch die fixen Kosten der Herstellung und Aufrechterhaltung der Kommunikationsbeziehung.
Ein Beispiel aus der Beschaffungsbereich soll dies verdeutlichen. Fährt ein Unternehmen keine Single Sourcing Strategie, wird es, wie die Robert Bosch GmbH im Rahmen der Jahrespreisanfrage, ständig neue, zusätzliche Lieferanten in den Anfrageprozess einbeziehen und ständig neue Geschäftsbeziehungen etablieren. Hier können Marktplätze durch ihre m:n Ausrichtung einen entscheidenden Mehrwert bringen. Ist ein Unternehmen an den Marktplatz angeschlossen, können durch seine Einkäufer alle registrierten Lieferanten elektronisch angefragt und nach positivem Abschluss über eine Web-EDI Funktionalität in die Logistikkette integriert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in das Marktplatz-Thema und Formulierung der Forschungsfrage zur Abgrenzung zwischen ERP-Systemen und Marktplätzen.
2 Begriffsdefinition: Definition und Kategorisierung von elektronischen Marktplätzen sowie Erläuterung des ERP-II-Konzepts als kollaborativer Ansatz.
3 Spannungsverhältnis: Analyse des Verhältnisses von ERP-Systemen und Marktplätzen anhand technischer, funktionaler und wirtschaftlicher Aspekte.
4 Ein Beispiel aus der Automobilindustrie: Praxisnahe Untersuchung des Kooperationsmodells zwischen SupplyOn und SAP als Beispiel für eine gelungene Symbiose.
Schlüsselwörter
ERP II, Elektronische Marktplätze, B2B, Supply Chain Management, Automobilindustrie, SAP, SupplyOn, Kollaborative Geschäftsprozesse, Standardisierung, Web Services, XML, SOAP, Beschaffung, Systemintegration, Symbiose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die funktionale und strategische Beziehung zwischen ERP-II-Systemen und B2B-Marktplätzen im Kontext der digitalen Geschäftsprozessabwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von ERP-II-Funktionalitäten zu Marktplatzdiensten, die Rolle technischer Standards wie Web-Services und die Optimierung von Beschaffungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, ob ERP-II-Systeme und Marktplätze eher konkurrierende Konzepte sind oder ob sie eine symbiotische Koexistenz eingehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Herleitung von Kriterien zur Prozessbewertung, die anschließend in einer praxisorientierten Fallstudie (SupplyOn & SAP) angewendet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Gegenüberstellung technischer, funktionaler und ökonomischer Aspekte sowie der Analyse konkreter Schnittstellentechnologien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie ERP II, Kollaboration, Standardisierungspotential, Systemintegration, Web Services und Prozessautomatisierung.
Warum ist das Beispiel der Automobilindustrie so relevant für diese Untersuchung?
Die Automobilindustrie weist eine hochgradige Arbeitsteilung und komplexe Lieferketten auf, was sie zum idealen Feld für die Anwendung von Marktplatz- und ERP-Lösungen macht.
Wie trägt das beschriebene Kooperationsmodell zur Lösung von Investitionsunsicherheiten bei?
Durch den Einsatz identischer Standards und komplementärer Dienstleistungen von SAP und SupplyOn werden Schnittstellen vereinheitlicht und redundante Aufwände minimiert.
- Citar trabajo
- Martin Schädler (Autor), 2004, ERP II und Marktplätze - Konkurrenz oder Symbiose ?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33186