Kapitel Titel Seite
1. Einleitung 3
2. Melancholie 3
2.1 Entwicklung und Bedeutung des Melancholiebegriffes 3
3. „La confession d’un enfant du siècle“ 10
3.1 Inhaltsangabe 10
3.2 Octaves Persönlichkeitsstörung 12
3.3 Anzeichen psychischer und physischer Melancholie 15
3.3.1 Psychische Melancholie 15
3.3.1.1 Innerer Widerspruch 15
3.3.1.2 Daseinsmonotonie oder Melancholie der Erfüllung 16
3.3.1.3 Das Tantalusmotiv oder Melancholie der Nicht-Erfüllung 18
3.3.2 Physische Melancholie 21
3.4 Die Bedeutung von Frauen für Octave 23
3.4.1 „La maîtresse“ 23
3.4.2 Die namenlose Prostituierte 25
3.4.3 Brigitte 26
3.5 Die Bedeutung des Verlustes für Octave 27
3.6 Die Bedeutung der Natur für Octave 29
3.7 Die Bedeutung des Reisens für Octave 31
3.8 Zusammenfassung 31
4. Quellenverzeichnis 34
4.1 Literaturquellen 34
4.2 Internetquellen 35
2
1. Einleitung
In meiner Hausarbeit „Melancholie in Mussets ‚La Confession d’un enfant du siècle’“ werde ich mich mit dem Thema der Melancholie, das für sich genommen bereits ein sehr umfangreiches Phänomen darstellt, auseinandersetzen, hierbei zunächst auf die historische Entwicklung seit der Antike eingehen und daraufhin versuchen Symptome der Melancholie direkt am Roman zu untersuchen. Hierzu zählen nicht nur die psychischen und körperlichen Merkmale, sondern auch bestimmte Einstellungen, wie etwa gegenüber Frauen, der Natur oder dem Reisen, auf die ich ebenfalls kurz mein Augenmerk richten möchte.
Vorab sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass ich mich bei der Analyse des melancholischen Subjekts überwiegend auf die Hauptperson Octave bezogen habe, obwohl eine tiefere Analyse Brigittes, so wie eine Erwähnung Desgenais’, Henri Smiths oder auch Marcos durchaus Sinn gemacht hätte, durch die aber auch der Rahmen der Hausarbeit erheblich gesprengt worden wäre. Auch wäre ich gerne auf Parallelen zu Mussets Biografie eingegangen, was aber ebenfalls zu viel geworden wäre.
2. Melancholie
2.1 Entwicklung und Bedeutung des Melancholiebegriffes
Wenn man sich romantische Romane wie etwa Chateaubriands „René“ (1802), Constants „Adolphe“ (1806) oder aber Mussets „La Confession d’un enfant du siècle“ (1836) anschaut, so fällt auf, dass gerade die Protagonisten, die immer auch ein paar autobiographische Züge des jeweiligen Autors aufweisen, Figuren sind, die sich überwiegend als „melancholisch oder gar wahnsinnig“ 1 erweisen, was nicht unbedingt
verwundert, da schließlich die Romantik, in der diese Werke verfasst wurden, als „das Zeitalter des Ernsten, der Melancholie [und] der Sentimentalität“ 2 begriffen wird und, wie Goethe bemerkt, im Gegensatz zum Klassizismus eine Krankheit ist. 3 Die Gründe
dieser Krankheit kann man sowohl in der damaligen politischen wie auch in der gesellschaftlichen Situation finden und werden im folgenden für den speziellen Fall von
1 Loquai, Franz. Künstler und Melancholie in der Romantik. Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang GmbH, 1984. S. 1
2 Lafargue, Paul. Die Anfänge der Romantik. http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lafargue/1896/07/ romantik2.htm. Letzte Aktualisierung: 9.2.2004
3 Lavergne, Philippe. Le romantisme. http://www.site-magister.com/romantis.htm. 2004
3
Mussets Werk „La Confession d’un enfant du siècle“, auf das ich mich in dieser Arbeit beziehen werde, noch einmal kurz aufgegriffen. Neben einer oftmals unsicheren, pessimistischen und verzweifelten Grundhaltung, einem Rückzug ins Ich und in den Traum, einer Faszination für das Düstere und Fantastische und einer Sehnsucht nach dem Unendlichen, dem Schönen und dem Anderswo, von denen die meisten in Mussets Roman auch auftauchen, war besonders eine Melancholie ohne offensichtlichen Grund und ohne eine Möglichkeit der Heilung die Folge der Unzufriedenheit vieler Romantiker. 4
Doch nun mehr zum Begriff der Melancholie an sich. Um den Ausdruck melancholia, der seit der Antike zahlreiche Metamorphosen durchlaufen hat, für die Epoche der Romantik entsprechend zu definieren, bietet es sich durchaus an, einen kleinen Ausflug in die Entstehungsgeschichte dieser Bezeichnung zu machen: Ursprünglich geht der Terminus Melancholie (griech: µe?a??o?ía), der sich aus dem griechischen melan (schwarz) und chole (Galle) ableitet und so wörtlich als „schwarze Galle“ bzw. genauer als „schwarzer Gallensaft“ zu übersetzen ist, auf den griechischen Arzt Hippokrates 5 zurück. Dieser definierte Melancholie „als einen Überschuss an schwarzer, verbrannter Galle, die sich ins Blut ergießt“ 6 und der letztendlich die Basis für jene „traurigen und bitteren Verstimmungen“ 7 bilde, die man auch heute noch als melancholisch bezeichnet, wenngleich dieser Begriff durch die naturwissenschaftliche Medizin bereits im 19. Jahrhundert zunehmend vom Ausdruck der Depression abgelöst worden ist, wobei diese Begriffe nicht vollkommen identisch sind, da die Depression als eine Krankheit betrachtet wird, die es zu kurieren gilt, während die Melancholie heute
4 Girard, Danielle. La mélancolie. http://www.ac-rouen.fr/pedagogie/equipes/lettres/romantik/ themes/lamelanc.html . Letzte Aktualisierung: 20.09.2004
5 Hippokrates (~ 460 v. Chr. bis ~375 v. Chr.) gilt als Begründer der Viersäftelehre (auch: Temperamentenlehre), die darauf basiert, dass neben der schwarzen Galle (melancholia) noch die drei Körpersäfte Blut (sanguis), Schleim (phlegma) und gelbe Galle (cholera) als im menschlichen Körper vorhandene Vierheiten zu finden sind. Lediglich durch ein Gleichgewicht dieser vier könne man gesund und ausgeglichen sein. Sobald ein Überfluss an Blut, Schleim, gelber oder schwarzer Galle vorherrschte, würde man entweder zum Sanguiniker, zum Phlegmatiker, zum Choleriker, oder aber eben zum Melancholiker werden. Im christlichen Verständnis der Viersäftelehre wird die Melancholie zur Sünde, und zwar genauer zur Acedia, der „Todsünde der Tücke, der Trauer, des Stumpfsinns und der Herzensträgheit [sowie] der Verhärtung gegenüber der Gnade“. Vgl. hierzu: Lambrecht, Roland. Melancholie: Vom Leiden an der Welt und den Schmerzen der Reflexion. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1994. S. 28ff.; Böhme, Hartmut. Kritik der Melancholie und Melancholie der Kritik. http://www.culture.hu-berlin.de/HB/volltexte/texte/natsub/melancho.html. Letzte Aktualisierung: 05.08.2004
6 Wikipedia. Melancholie . http://de.wikipedia.org/wiki/Melancholie . Letzte Aktualisierung: 11.09.2004
7 Vgl. Lambrecht. S. 28; Der griechische Arzt und Anatom Galen ging ebenfalls davon aus, dass die schwarze Galle das Gemüt des Melancholikers beeinflusste. Außerdem, so ergänzte er noch, korrespondierte sie mit dem „Element Erde, dem Herbst, dem Erwachsenenalter, dem Nachmittag und den Sternbildern Waage, Skorpion, Schütze“. Galen war auch einer der ersten, die, noch vor dem Mittelalter, den Melancholiker vom Saturn beeinflusst sah. Vgl. hierzu: Wikipedia. Melancholie.
4
kaum mehr als Krankhe it betrachtet wird. 8 Die Tatsache, dass die Galle schwarz ist,
also eine Nicht-Farbe, die Trauer, Tod und Dunkelheit bedeuten kann, ist sicherlich „als
Hinweis auf etwas Finsteres und zugleich Unheimliches“ 9 zu deuten. Weiterhin wurde
bereits damals davon ausgegangen, dass schwarze Galle etwas Kaltes ist, und dass sie,
wenn sie im Überfluss vorhanden ist, lebenshemmend wirkt und somit Depressionen
und Angstzustände hervorrufen kann. Außerdem wurde angenommen, dass schwarze
Galle, wenn sie sich stark abkühlt, zugleich trocken ist, was impliziert, dass eben dieser
kalten, trockenen, schwarzen Galle jegliche Eigenschaften fehlen, die das Leben erst
möglich machen. Ihr kann man „das lebensspendende warme und feuchte Blut
[entgegensetzen], während der Schleim kalt und feucht und die gelbe Galle warm und
trocken ist 10 .“ 11 Melancholie scheint also in der Antike von allen vier Temperamenten
die Verfassung zu sein, welche für den Menschen am „giftigsten“ ist. Heute jedoch ist
Hippokrates’ Hypothese, dass die schwarze Galle Ursache der Melancholie ist, durch
Erkenntnisse der modernen Forschung nicht mehr vertretbar.
Im astrologischen Weltbild des Mittelalters 12 dann, stellte man, wie ja schon
Galen in der Antike 13 , einen engen Zusammenhang zwischen der Melancholie und dem
zweitgrößten Planeten des Sonnensystems, dem Saturn 14 , her, der „als das
Unglücksgestirn“ 15 galt und dessen „Natur [als] kalt, trocken, bitter, schwarz, dunkel
[und] sehr rau“ 16 definiert wurde.
8 Vgl. Hell, Daniel. Allgemeines zur Depression. http://www.depression.unizh.ch/ueberblick/ klinikmain/allgemeines.html. Letzte Aktualisierung: 01.10.2003; Mackenthun, Gerald. Einführung in die Psychosomatik und Somatopsychologie. http://home.t-online.de/home/Mackenthun/lect/psysom/ psysom15.htm. 1999
9 Vgl. Bellebaum, Alfred. Langeweile, Überdruss und Lebenssinn – Eine geistesgeschichtliche und
kultur-soziologische Untersuchung. Opladen: Westdeutscher Verlag GmbH, 1990. S. 43
10 Hier wurde noch einmal Bezug genommen auf die Viersäftelehre. Siehe Fußnote 5.
11 Vgl. Bellebaum. S. 43
12 Im Mittelalter wurde der Zustand der Melancholie, wie bereits in Fußnote 5 erwähnt, zum Teil als
Acedia, also als Trägheit, bezeichnet und von der römisch-katholischen Kirche als Sünde verstanden. Weiterhin galten melancholische Menschen, die ihrer Natur nach viel nachdachten, als verdächtig. Vgl. hierzu: Schüler, Juliane. Oblomows (geistige) Gefährten - das Phänomen Melancholie. http://www.stura.uni-leipzig.de/~philog/eigensinn/ ausgabe_eins/8oblomowereiundmelancholie.htm.
2003
13 Siehe Fußnote 7
14 In diesem Weltbild entsprach dem Sanguiniker der Jupiter, dem Phlegmatiker der Mond und dem
Choleriker der Mars. Vgl. hierzu: Bellebaum. S. 44
15 Vgl. Böhme
16 Vgl. Be llebaum. S. 44
17 Vgl. Bellebaum. S. 44
5
Menschen, die unter dem Zeichen des Saturns geboren wurden, galten als Kinder des
Saturns und als gesellschaftliche Außenseiter 18 , denn sie neigten angeblich zu ständiger
Trauer, Verzweiflung und zum Kummer. 19 Erst in d er Renaissance verband man,
besonders aufgrund der Schrift „De vita libri tres“ des florentinischen Schriftstellers
Marsilio Ficino 20 , auch positive Konnotationen mit diesem Planeten, denn Künstler wie
Gelehrte, denen in besonderem Maß eine Beeinflussung durch den Saturn
zugeschrieben wurde, sahen in ihm nun „die notwendigen Voraussetzungen und
Eigenschaften für schöpferisches Denken sowie zur Schaffung großer Werke“ 21 .
Übereinstimmend stellte auch der Philosoph, Theologe und Arzt Agrippa (eigentlich
Heinrich Cornelius) 22 folgendes fest:
Somit werden nicht nur die zwei Seiten des saturnischen Charakters 24 deutlich, sondern
auch die der Melancholie, die durch Kummer, Stimmungsschwankungen und Wahnsinn
auf der einen Seite, und durch göttliche Erkenntnis auf der anderen Seite geprägt sind. 25
Diese Ambiguität, dass Saturn sowohl als Ursprung des Leides (Saturn intensiviert
Gefühle von Isolation, Traurigkeit und Depression 26 ) wie auch als Ursprung des Segens
(er kann einem göttliche Einsichten bescheren, hat eine schöpferische Kraft und kann
einen somit zu kreativen Höchstleistungen antreiben) gelten und auch dass ein Kind des
Saturns von unvorhergesehenen Stimmungsschwankungen geplagt werden kann, wird
18 Vgl. Lichtenberger, Peter. Antike Religion – Saturnus. http://imperiumromanum.com/religion/
antikereligion/saturnus_01.htm. 2004
19 Shadowlight. Hela and Saturnian Melancholy. www.geocities.com/rokkrx/melancholy.html . 2003
20 Das vermutlich von Theophrast verfasste Fragment „Problem XXX,1“ weist zwar bereits in der Antike
auf eine positive Seite der Melancholie hin, die dort als Vorraussetzung für die „ergriffene Hingabe“ bzw. für den göttlichen Wahnsinn, die mania, betrachtet wurde, aber erst im Renaissance-Neuplatonismus erreichten die dort geäußerten Theorien eine größere Masse. Für Platon war die mania die Quelle jeglicher Inspiration und eine positive Macht für Künstler mit melancholischem Temperament. Vgl. hierzu: Shadowlight.; Wikipedia. Melancholie; Jünger, Hans-Dieter. Dionysos - inständig aufständig und http://www.interment.de/kairosundkaos/Essays_L/dionysos.htm, 2003
21 Vgl. Lichtenberger.
22 Vgl. Baitinger, Gerhard. Agrippa von Nettesheim (1486 – 1535). http://www.philos-website.de/
index_g.htm?autoren/agrippa_von_nettesheim_g.htm~main2. 2003
23 Vgl. Shadowlight.
24 Heute wird etwa im Englischen ein dunkler melancholischer Charakter als „saturnine“ bezeichnet, der
„saturday“ eben aufgrund des Planeten und Gottes der Melancholie so benannt und im Portugiesischen „saturno“ für einen düsteren, trübseligen Gesichtsausdruck verwendet. Auch wenn heute sicherlich der Zusammenhang zwischen dem Saturn und der Melancholie nicht mehr im Bewusstsein ist, so gehen doch diese Bezeichnungen durchaus auf diesen Planeten zurück. Vgl. hierzu: Lambrecht, Roland. Der Geist der Melancholie – Eine Herausforderung philosophischer Reflexion. München: Fink, 1996. S. 23
25 Vgl. Böhme
26 Avalon Enterprises. The Mythology of Saturn. members.tripod.com/~Avalon100/Saturn.html. 2003
6
auf den Einfluss des griechischen Gottes Kronos zurückgeführt, der im 9. Jahrhundert
mit dem römischen Gott Saturn, der Namensgeber eben dieses Planeten, gleichgesetzt
wurde, und bei dem „ der Dualismus stärker als in allen anderen Göttern angelegt
[war].“ 27 Einerseits wird er in der griechischen Mythologie als der Urvater, der Gott des
Ackerbaus und der Herrscher des goldenen Zeitalters angesehen, aber auf der anderen
Seite ist er auch der unglückliche, einsame Gott, der Entmachtete und Entmannte, der
seine eigenen Kinder frisst. 28
In der Romantik dann, wird Melancholie mit diversen Begriffen praktisch
synonym verwendet, zu denen als wichtigste „Hysterie, Grillenkrankheit, Milzsucht,
Spleen, Acedia, Langeweile, Misanthropie, Schwermut, Krankheit zum Tode,
Weltschmerz, mal du siècle“ 29 und Ennui 30 gehören. Sehr häufig wurde zu der Zeit auch
die Hypochondrie, die damals weit verbreitet war, als eine Variante der Melancholie
betrachtet, sofern „körperliches Missbehagen mit psychischen Belastungen wie Furcht,
Angst, anhaltender besorgter Selbstbeobachtung, Ermattung, Traurigkeit usw.“ 31
auftraten. Insbesondere war von dieser melancholischen Hypochondrie eine
„kulturtragende[...] Schicht von Wissenschaftlern und Schriftstellern 32 “ 33 betroffen.
27 Weyrauch, Charlotte. Formen der Melancholie in Germaine Dulacs ‚La coquille et le clergyman‘.
www.complit.fu-berlin.de/veranstaltungen/seminararbeiten/pdf/text_ cweyrauch.pdf. 2004
28 Vgl. Weyrauch
29 Bellebaum. S. 48; Im Melancholiebegriff „schwingt […] [also] eine Bandbreite von Bedeutungen mit,
die über die Jahrhunderte im Spannungsfeld von Philosophie, Medizin, Psychologie, Religion, Literatur, Kunst und Musik entstanden sind.“ Zu den bereits erwähnten Konnotationen gehört noch die der Philosophie zuzuordnende Melancholie als Muse, die in Fußnote 32 kurz aufgegriffen wird. Vgl. hierzu: Wikipedia. Melancholie.
30 Der Ennui war ursprünglich eine Erscheinung die im 17. Jahrhundert eine breite Schicht von Adeligen
betraf. Vgl. hierzu: Schüler.
31 Vgl. Bellebaum. S. 49
32 Um die Ambivalenz des Melancholiekonzeptes noch einmal ausdrücklich hervorzuheben, bietet es sich
an, einen kleinen Blick auf die Dichter von damals zu werfen. Grundsätzlich nämlich herrschte in der Romantik, wie schon in der Antike, die Vorstellung, dass gerade Künstler „ihrem Wesen und ihrer Tätigkeit nach eine besondere Neigung zur Melancholie haben“, die für ihn zwei Seiten hat. „In ihrer edlen Form [...] stimuliert sie den inspirierten Künstler und begnadet ihn mit genialer Kreativität“, doch wenn es ihm nicht gelingt seine Phantasie zu kontrollieren, dann kann Melancholie im schlimmsten Falle dazu führen, dass der Künstler, der Träumereien in wesentlich extremerer Weise nachhängt als andere Menschen, dem Wahnsinn verfällt. Künstler haben das zweifelhafte Glück eine außergewöhnliche Kreativität und eine ausgeprägte Einbildungskraft zu besitzen, wodurch sie sich aber wiederum auch von anderen absetzen, was die Integration in die Gesellschaft so problematisch macht. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass der „Dichter [...] in einer Welt [lebt], die nur seine Schöpfung ist [und er wird] sich umso öfter und anhaltender aus der wirklichen Welt entfernen je mehr ihn selbst die Ideenwelt durch ihren Zauber anzieht“. Eben dadurch, dass der Künstler sich von anderen abgrenzt, wird er in Situationen, wo ein persönliches Unglück erfahren wird, leichter melancholisch, als andere. Doch auch wenn er von Melancholie und einer Untergangsstimmung heimgesucht wird, beginnt er doch „nie sich in Resignation zurückzuziehen, sondern glaubt an die Möglichkeiten, die ihm seine Gedichte bieten. Auch dann, wenn in seinen Gedanken den letzte Zufluchtsort vor der unerträglich erscheinenden Realität oft nur noch der Tod bietet“. Vgl. hierzu: Loquai. S. 1, 63, 64; Freilinger, Claudia. Der Schriftsteller Charles Baudelaire und die Moderne. http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/lie/13562.html . 2001
33 Vgl. Bellebaum. S. 49
7
Quote paper:
Hanna M. Stoll, 2004, Melancholie in Mussets "La Confession d'un enfant du siècle", Munich, GRIN Publishing GmbH
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