Gliederung
1. Einleitung S. 3
2. Die Entwicklung zum Selbstmord Werthers innerhalb der Handlung S. 3
2.1 Das erste Buch S. 3
2.2 Das Zweite Buch S. 5
2.3 Der Herausgeber an den Leser S. 6
3. Die Hintergründe zu Werthers Selbstmord S. 8
3.1 Eine Charakterisierung Werthers
3.2 Werthers „Krankheit zum Tode“
3.3 Werther und die Religion
3.4 Werther und die Gesellschaft
3.5 Der Bezug zu „Emilia Galotti“
3.6 Der biographische Hintergrund S. 13
4. Anschließender Kommentar S. 14
5. Literaturverzeichnis S. 16
1. Einleitung
Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werther“ handelt „vom Konflikt zwischen den Erwartungen des Individuums und den Konventionen der Gesellschaft, von der Tragik unglücklicher Liebe und dem Recht auf Freitod.“ (Rumpf 1997, S. 4) Gerade das Motiv „Freitod“ erregte Skandal in der Öffentlichkeit. Goethe erkannte in seinem Werk das Recht des Individuums an, „einem als Qual empfundenen Leben ein Ende zu setzen.“ (Rumpf 1997, S. 4) Der Selbstmord widerspricht der christlichen Lehre, in der Gott Leben schenkt und nimmt, Selbstmord also als Sünde angesehen wird. Dieses Tabu brachte Goethe in seinem ersten Briefroman ein und ließ es unkommentiert stehen. Damit stellt Goethe Grundlagen der Gesellschaft in Frage.
Der Aspekt des Selbstmordes ist äußerst wichtig und bleibt auch immer aktuell. Es stellt sich die Frage, warum ein Mensch sich überhaupt das Leben nimmt und ob man ihn hätte „retten“ können. In Bezug auf den Werther versuche ich in dieser Hausarbeit die Entwicklung Werthers zum Selbstmord hin zu beschreiben und schließlich die Beweggründe zu verdeutlichen.
2. Die Entwicklung zum Selbstmord Werthers innerhalb der Handlung
Der Roman beginnt mit einer Aussage Werthers, die den Wunsch nach Flucht beinhaltet: „Wie froh bin ich, daß ich weg bin!“ (Goethe 1948/1986, S. 5) Einige Literaturwissenschaftler sehen diesen Satz schon als ersten Hinweis auf Werthers Schicksal und seinen Suizid. Die gesamte Handlung ist mit Hinweisen auf Werthers Wunsch nach dem Tod durchzogen, der sich im zweiten Buch schließlich vollstreckt.
2.1 Das erste Buch
Schon zu Anfang wird deutlich, dass Werther unter der Eingeschränktheit der menschlichen Existenz und der Einschränkung durch die bürgerlichen Konventionen leidet. Er fühlt sich in seinem Dasein und Tun eingeschränkt, was ihn dazu treibt seinen Heimatort zu verlassen und einen Neuanfang zu suchen.
Der Brief vom 22. Mai endet mit dem Satz: „Und dann, so eingeschränkt er ist, hält er doch im Herzen das süße Gefühl der Freiheit, und daß er diesen Kerker verlassen kann, wann er will.“ Werther spricht hier zwar allgemein, bezieht dies jedoch auf sich. Hier steht der Begriff Ganzheit gegenüber Einschränkung, und der Selbstmord als Weg zur Befreiung. So rechtfertigt er einen möglichen Selbstmord für sich. Der Kerker ist für Werther der Punkt, an dem er nicht mehr zurückkehren kann, nicht mehr glücklich werden kann. Als letzten Ausweg der Einschränkung zu entkommen, sieht er den Selbstmord, und dieser steht jedem Menschen offen.
„W. sieht die menschliche Existenz nicht im Zusammenhang mit den
konventionellen religiösen Vorstellungen seiner Zeit. Ein persönlicher Gott als letzte Instanz spielt in seinen Überlegungen keine Rolle. Und der Selbstmord ist losgelöst von jedem Zusammenhang mit Schuld.
Tugend und Moral kommen in seinem Wortschatz nicht vor. Das war damals revolutionär.“ (Husmann 1990, S. 24-25)
In den nächsten Briefen spielt Werthers Liebe zu Lotte die Hauptrolle, die auch einen erheblichen Beitrag zu seinem späteren Selbstmord leistet. In dem Brief vom 12. August wird das Pistolenmotiv eingeführt. Werther bittet Albert um seine Pistolen und hält sich den Lauf einer ungeladenen Waffe an die Stirn, woraufhin Albert ihm sagt, er solle das lassen und dass er sich nicht vorstellen könne, dass ein Mensch so töricht sein könne, sich zu erschießen. Weiterhin hält er Selbstmord für lasterhaft. Somit vertritt er zum einen die gesellschaftlich sanktionierte Position und zum anderen die geltenden Moralvorstellungen. Im weiteren Gespräch erklärt Albert Selbstmord als Schwäche: „Denn freilich ist es leichter zu sterben, als ein qualvolles Leben zu ertragen..“ (Goethe 1948/1986, S. 55) In diesem Brief redet Werther das erste Mal von der „Krankheit zum Tode". Schon im Brief vom 8. August deutet er diese Krankheit an: „Und kannst du von dem Unglücklichen, dessen Leben unter einer schleichenden Krankheit unaufhaltsam allmählich abstirbt [...]“ (Goethe 1948/1986, S. 50) Das Motiv der „Krankheit zum Tode“ kehrt bis zum Schluss immer wieder.
In den Briefen vom 21. August und 30. August erreicht Werthers Zustand einen Höhepunkt. Er ist vom Bewusstsein der Krankheit, die nicht mehr zu heilen ist, beherrscht. Er entdeckt die Sinnlosigkeit seiner Liebe zu Lotte: „Unglücklicher! Bist du nicht ein Tor? betriegst du dich nicht selbst? Was soll diese tobende endlose Leidenschaft?“ (Goethe 1948/1986, S. 64) Werther sieht „dieses Elendes kein Ende als das Grab“. (Goethe 1948/1986, S. 65) Doch er wählt dieses Ende noch nicht gleich.
„W. ist Gefangener seiner Leidenschaft. Nun schlägt seine Sicht ins Gegenteil um. Er sieht nur noch den Gegenpol. Die Natur, einstmals Ursprung seines Glückes, wird ‚die Quelle seines Elendes.‘“ (Husmann 1990, S. 50) Werther nimmt nun die Zerstörungskraft der Natur wahr, weiß aber, dass er selbst sich verändert hat. Mit der Zeit verändert sich alles, an dem Werther festgehalten hat, was ihn am „Leben erhalten hat“. In dem letzten Brief des ersten Buches wird deutlich, dass der Tod sowohl für Lotte als auch für Werther nichts Endgültiges ist, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, in dem die beiden sich wieder treffen.
2.2 Das zweite Buch
Werther verstößt schnell gegen die gesellschaftlichen Konventionen und wird aus der Adelsgesellschaft verwiesen. Das Fräulein von B., das ihn zunächst an Lotte erinnerte, verdeutlicht ihm sein falsches Verhalten und verweist ihn in seine bürgerliche Stellung. Werther ist daraufhin sehr enttäuscht und denkt an Selbstmord. Er bricht seine Karriere ab und verlangt seine Entlassung vom Hofe. Nun wird deutlich, dass Werther bereits die Freude an dem neuen Leben in der Öffentlichkeit verloren hat. „In der Zeit zwischen Ende April 1772 und Ende Juli, wo er wieder bei Lotte angekommen ist, treibt W. sich gewissermaßen ziellos umher.“ (Husmann 1990, S. 60) Er ist beruflich am Ende und finanziell von dem Geld des Erbprinzen und seiner Mutter abhängig. Die Briefe zeigen seine Loslösung und den vollständigen Rückzug aus der Welt.
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Fee Krausse, 2003, "Die Leiden des jungen Werther": Werthers Selbstmord, Munich, GRIN Publishing GmbH
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