1. EINLEITUNG 4
2. HINTERGRÜNDE 6
2.1. GEOGRAPHIE 6
2.2. GESCHICHTE 6
2.2.1. Exkurs - Ländervergleich 8
3. DIALEKT ELSÄSSISCH VS. NATIONALSPRACHE FRANZÖSISCH 9
4. ALTERNIERENDER SPRACHGEBRAUCH 11
4.1 CODE-SWITCHING 12
4.1.1 . code-mixing 13
4.2 TRANSFER 14
4.3. INTERFERENZ 14
4.3.1. Feste Integrate 15
4.4 ENTLEHNUNGEN 15
4.5 REDUNDANZ 16
5. WAHL DER SPRACHFORM 16
6. DIALEKT ELSÄSSISCH VS. URSPRUNGSSPRACHE DEUTSCH 17
6.1 EXKURS - SPRACHE UND IDENTITÄT 18
7. SCHLUSSBETRACHTUNG 19
7.1. VORHANDENSEIN EINER MISCHSPRACHE? 19
7.2. GEFAHR DER VERDRÄNGUNG DES DIALEKTS? 20
3
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit soll die sprachliche Situation der Region des Elsass untersucht werden. Dies erfolgt in erster Linie in Anlehnung an die Untersuchungen und Ausführungen Johanna Maurers in ihrer 2002 veröffentlichten Dissertation „Elsässisch und Französisch. Die Funktion ihrer Alternanz im Diskurs“.
Im Elsass stehen sich laut Wolfgang Ladin zwei Sprachen, aber drei Sprachformen gegenüber: Französisch, Deutsch und der elsässische Dialekt, der eine deutsche Mundart ist. 1 Hartweg formuliert dasselbe so: Der Elsässer sitzt noch immer zwischen drei Stühlen. Da aber das Hochdeutsche so gut wie wegfällt, „befinden wir uns in Wirklichkeit in einer asymmetrischen Diglossie - Situation, die eine expansive Komponente, das Französische, und eine in die Defensive gedrängte, die Mundart, aufweist, die noch für viele primäre Sprache bleibt, in der die Sozialisierungserfahrung geschieht.“ 2 Da das Hochdeutsche keine tragende Rolle mehr im Elsass spielt, handelt es sich bei dem zu untersuchenden Sprachkontakt im folegenden um das Französische oder genauer die französische Umgangssprache in Bezug auf den elsässischen Dialekt im alltäglichen mündlichen Sprachgebrauch und umgekehrt. 3 Zweisprachigkeit bedeutet, „dass Menschen zweier verschiedenen Sprach- und Kulturräume in mehr oder weniger engem Kontakt zueinander stehen und mit dieser Situation so oder so zurechtkommen müssen.“ 4 Zu untersuchen ist der Kontakt und dem elsässischen Dialekt hinsichtlich seiner Regelmäßigkeiten. Die Frage, von der sich Johanna Maurers Untersuchungshypothese ableitet, ist die nach der Regelmäßigkeit und Verselbständigung einer eigenständige Sprachmischung, d.h. eine hybride Sprachform der beiden in Kontakt zueinander stehenden Varietäten. Untersuchungsgegenstand ist also die Regionalsprache des Elsass: Ist sie das Elsässische, das Regionalfranzösische oder die hybride Sprachform? 5 „In den letzten Jahren zeigt sich eine Zunahme der Untersuchungen von Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt.“ 6 Johanna Maurer ist eine derjenigen Forscher/innen, die sich der sprachlichen Situation im Elsass widmen, sie führte von Januar bis März 1993 in Straßburg exemplarische Untersuchungen zum Sprachkontakt der Region des Elsass durch. Ihre Arbeit im B ereich der Sprachkontaktforschung sieht Maurer in der Beschreibung und Dokumentation eines Sprachzustands anhand von empirischen Untersuchungen 7 . In ihrem
1 Ladin, Wolfgang: Der Elsässische Dialekt. 1982. S.11.
2 Hartweg: Sprachkontakt und Sprachkonflikt im Elsass. 1981. S.109.
3 Maurer, Johanna: Elsässisch und Französisch. Die Funktion ihrer Alternanz im Diskurs. Westensee Verlag. Kiel, 2002. S.1.
4 Ladin: Der Elsässische Dialekt. 1982. S.11.
5 Maurer: Elsässisch und Französisch. 2002. S.29.
6 Hartig, Matthias: Angewandte Linguistik des Deutschen I: Soziolinguistik. 1985. S.111.
7 Maurer: Elsässisch und Französisch. 2002. S.3.
4
Vorgehen ist Maurer der dokumentarische Forschungsanspruch wichtig, ihr Bestreben ist nach eigenen Angaben eine wertfreie, objektive Darstellung des Sprachzustandes. Die linguistischen Aspekte sieht sie in einem engen Zusammenhang mit einer Soziolinguistik, da Sprache und Handeln stets in einer Wechselbeziehung zueinander stehen, und in Bezug auf Sprache auch soziale Strukturen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. 8 Das erklärte Ziel der Untersuchungen Maurers ist die Analyse der Rede Zweisprachiger im erwähnten geographischen Raum, wobei sie sich auf die lexikalische Ebene des Sprechverhaltens der Untersuchungsperson konzentrierte. 9
Es sind 13 Gespräche in Form von Sprachaufnahmen und rund 11 Aufnahmestunden, die Maurer als Korpus, d.h. als Untersuchungsmaterial dienten. Maurer führte gelenkte wie freie Gespräche mit ihren Informanten durch und bearbeitete mit diesen zusammen Fragebögen., die eine die Untersuchung unterstützende Funktion haben. 10 Maurer, wie ebenfalls die anderen für diese Arbeit hinzugezogenen Autoren sehen eine Gefahr der Überinterpretation seitens des Forschers, die es bei empiris chen Untersuchungen stets mitzubedenken gibt. 11 Die Forscherin ist sich stets im Klaren darüber, dass sich ihre Anwesenheit hemmend auf die Entwicklung von spontanen sprachlichen Äußerungen auswirkt. Sie ist diejenige, die im Rahmen der Untersuchungen am ehesten zur Wahl des Französischen seitens der Informanten veranlasst, außer im Falle von tatsächlich rein frankophonen Sprechern, was im Rahmen der Untersuchungen Maurers selten der Fall war. 12 Hinsichtlich der technischen Hilfsmittel, die nicht vor den Informanten versteckt wurden, gibt Mauer zu bedenken, dass die „Verzerrung durch die Aufnahmesituation“ alle übrigen Kriterien, die bei der Sprachwahl ausschlaggebend sein könnten, neutralisiert. Immer wieder sah sich die Forscherin während ihrer arbeiten mit der Schwierigkeit konfrontiert, die Informanten davon zu überzeugen, dass es sich nicht um die inhaltliche Bewertung deren Äußerungen handelte. 13
Ein weiteres Untersuchungsanliegen Maurers, abgesehen von der Lexik der Sprachverwendung, war die Ermittlung des Verhaltens und der Einstellung der Sprecher selbst zu den beiden Varietäten, zum Sprachkontakt und den daraus resultierenden
8 Ebenda. S.3ff.
9 Ebenda. S.118.
10 Ebenda. S. 66f.
11 Ebenda. S.111 u. S.121.
12 Maurer: Elsässisch und Französisch. 2002. S.115ff.
13 Ebenda. S.120.
5
Phänomenen. Dies war der Forscherin mit Hilfe der metasprachlichen Äußerungen und den Angaben im Fragebogen möglich. 14
2. Hintergründe
Das Elsass ist ein zweisprachiges Gebiet, geprägt von der politischen, kulturellen und sprachlichen Zugehörigkeit zum französischen Staatswesen einerseits und von der historischen Bindung an die deutsche Sprache andererseits.
Die elsässische Identität beruht auf ihrer besonderen geographischen Lage sowie auf ihrem geschichtlichen Werdegang, beides Faktoren, die zum Identitätsmerkmal der Sprache in entscheidendem Maße beitrugen. 15
2.1. Geographie
Das Elsass ist ein geographischer Raum, der in zwei Departements aufgeteilt ist, den Bas-Rhin, das Unterelsass und den Haut-Rhin, das Oberelsass. Das Elsass ist ein rheinisches Land, mit dem Rheintal als Verbindung zwischen dem Norden und dem Süden Europas. Das Elsass befindet sich an einem der großen Verkehrsknotenpunkten im Herzen Europas. 16 Das Elsass ist die einzige französische Region, die durch ihre Sprache und ihre Kultur mehr als tausend Jahre an der Geschichte der deutschen Welt teilnahm. Und das Elsass ist das einzige ehemals deutsche Territorium, das nach seiner Eroberung durch Frankreich nicht mehr in seinen ursprünglichen politischen Rahmen zurückkehrte, trotz den vom preußischen Deutschland 1870 und den vom Nazideutschland 1940 unternommenen Versuchen. 17
2.2. Geschichte
„Die Geschichte der Sprachen ist eng verbunden mit der Geschichte der Völker, die sie sprechen. Die sprachliche Identität der heutigen Elsässer ist die logische Folge des geschichtlichen Schicksals des Elsass.“ 18
Die deutschen Dialekte wurden in der 2. Hälfte des 4.Jhr. mit dem Zusammenbruch des Römischen Reichs im Elsass eingeführt. Im Zuge der Völkerwanderung gelangten die Alemannen an den Rhein, eroberten die Schweiz und das bis dahin von Römern und Kelten dünn besiedelte Elsass. Etwa 100 Jahre später wurden die Alemannen dann von den Franken
14 Ebenda. S.250.
15 Ladin: Der Elsässische Dialekt. 1982. S.39.
16 Philipps, Eugène: Schicksal Elsass. Krise einer Kultur und einer Sprache. Verlag C. F. Müller. Karlsruhe,
1980. S.15.
17 Ebenda. S.20.
18 Ebenda. S.23.
6
besiegt, die sich in der Folge ebenfalls im Elsass und über das jetzige Lothringen hinaus über Jahrhunderte hinweg in galloromanisches Gebiet ausbreiteten. So kam es, „dass sich im Elsass schon früh zwei wichtige Sprachgrenzen zu formen begannen“ 19 , die eine, die die deutschsprachigen Franken von ihren romanisierten Stammesbrüdern und den romanischen Galliern trennte, und die andere, die die deutschsprachigen Alemannen von den deutschsprechenden Franken schied. „Wie schnell sich die Sprache der Alemannen und Franken im Elsas durchgesetzt hat, ist schwer zu sagen. Aufschlüsse könnten u.a. die Ortsnamen geben.“ 20 Abgeschlossen war dieser Vorgang mit der Konsolidierung der Herrschaftsverhältnisse. Das Elsass gehörte damit zum deutschen Sprachraum. Daraufhin vollzog sich die Geschichte des Deutschen im Elsass bis zur „Herausbildung der deutschen Hoch- und Schriftsprache“. Nach schließlich über 1000 Jahren Vorherrschaft der deutschen Sprache setzte dann im 17.Jhr. der Umschwung ein. Die Wende wurde durch den 30jährigen Krieg und dessen Ausgang herbeigeführt. Durch den westfälischen Frieden (1648) kam der größte Teil des Elsass an Frankreich. Französisch wurde zur Amtssprache erklärt. Die französische Kultur und Sprache drangen allerdings nur sehr langsam vor. Nur die elsässische Bourgeoisie begann bereits im 17.Jhr. sich in Wort und Schrift auch des Französischen zu bedienen. 21 Die Französische Revolution von 1789 und das Aufkommen des Nationalismus im 19.Jhr. brachten eine „Ära der sprachlichen Intoleranz“. Die Einheit der französischen Nation hatte die Grundidee dass alle Franzosen die gleiche Sprache sprechen sollten. Im Fall des Elsass wurde das Deutsche als „Idiom des außenpolitischen Feindes“ angesehen und war als solches zu bekämpfen, was langfristige Folgen mit sich zog. Nach der Französischen Revolution gewann also das Französische immer mehr an Verbreitung und Ansehen. Doch die breite Masse bleib noch unerreicht. Auch diejenigen Elsässer und Lothringer, die noch ausschließlich Dialekt sprachen, waren Frankreich zugehörig und empfanden sich damit auch als Franzosen. 1870 wurde Elsass-Lothringen im Frieden von Frankfurt wieder deutsch, und die französische Sprache wurde wieder aus den Grundschullehrplänen gestrichen. Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Einmarsch der französischen Truppen 1918 von den Elsässern freudig begrüßt. Doch die „Gleichschaltungstendenz des französischen Regimes“, so zeigte sich, ließ keinen Platz für „regionale Eigenständigkeit“ und so wurde Französisch wiederum als einzige Unterrichtssprache eingeführt und den Elsässern damit wieder vor den Kopf gestoßen. Das Naziregime brachte dann mit dem zweiten Weltkrieg einen „Sprachenterror“, der das Französische verbat und französisches Kulturgut in Elsass und Lothringen beseitigen
19 Ladin: Der Elsässische Dialekt. 1982. S.40.
20 Ebenda. S.41.
21 Ebenda. S.44ff.
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Arbeit zitieren:
Ann-Katrin Kutzner, 2004, Sprachkontakt im Elsass, München, GRIN Verlag GmbH
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