Gliederung
1. Einleitung
2. Demographische Veränderungen
2.1. Geburtenrückgang
2.2. Abnahme der Eheschließungen und verändertes
Eheverhalten
2.3 Zunahme von Scheidungen
2.4 Veränderungen in der Familiengröße
3. Binnenfamiliale Veränderungen
4. Veränderungen im Familienzyklus
5. Differenzierung privater Lebensformen
5.1. Alleinlebende
5.2. Alleinerziehende
5.3. Nichteheliche Lebensgemeinschaften
5.4. Kinderlose Ehen
6. Abbildungen und Graphiken
7. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Eine genauere Analyse der Struktur und eines möglichen Wandels der Familie beruht zunächst auf eine r klaren Definition des Begriffes. Lange Zeit wurde diese gekennzeichnet durch den Typus der modernen Klein- oder Kernfamilie nach Parsons (Parsons, S.128). Im Vordergrund der typischen Familienform in modernen Industriegesellschaften steht dabei das Zusammenleben von Vater, Mutter und einem oder mehreren leiblichen Kindern. Ein weiteres Merkmal der so genannten „Normalfamilie“ ist die klare Aufgaben- und Rollenverteilung zwischen den Ehepartnern. Dem Vater werden vor allem die externen Aufgaben wie zum Beispiel ökonomische Sicherheit zugeschrieben. Erwünscht ist ein instrumentelles Verhalten des männlichen Familienmitgliedes, das dadurch die Bezeichnung als „Haupt“ oder „Ernährer“ der Familie erhält (Geißler, S.403). Die Mutter übernimmt im Gegensatz dazu eine innerhäusliche Stellung ein. Mit ihrem expressiven Verhalten ist sie an erster Stelle dem Haushalt, der Familie und damit der Erziehung der Kinder zugewiesen. Nach 1950 verbreitete sich dieses bürgerliche Ehe- und Familienideal durch alle Schichten der Bevölkerung und wird zu einer „kulturellen Selbstverständlichkeit“ (Geißler, S.403). Dies führte im Weiteren zu einer Abwertung von Ledigen und zur Aufwertung von Verheirateten, weil die Mehrheit der Bevölkerung diese Lebensform „als die einzig gesellschaftlich richtige und rechtlich legitimierte“ ansah (Geißler, S.403). Es ergaben sich aus dieser Entwicklung aber auch eine zunehmende Emotionalisierung und Intimisierung der Familienmitglieder untereinander. Die Anerkennung der romantischen Liebe als einziger Heiratsgrund zeigt dies sehr deutlich.
Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts war das Modell der Klein- bzw. Kernfamilie unumstritten. Der stetige Wandel verdeutlicht jedoch, dass dieser enge Familienbegriff der aktuellen Situation nicht mehr gerecht wird. „Da gibt es schockierende Entwicklungen: Wilde Ehen, Ehen ohne Trauschein, Zunahme der Einpersone nhaushalte im Quadrat, Alleinerziehende, allein herumirrende Elternteile…“, erklärte Beck in seinem Eröffnungsvortrag auf dem 25. deutschen Soziologentag (Nave-Herz 1997, S.13). Spätestens hier wird klar, dass eine breitere Definition des Begriffs ‚Familie’ zum Tragen kommen muss. Nave- Herz zeigt auf, dass die Institution Familie vor allem durch folgende drei Merkmale und Funktionen gekennzeichnet wird:
a) Eine biologisch- soziale Doppelnatur, die durch die Reproduktions- und Sozialisationsfunktion zum Ausdruck kommt.
b) Ein besonderes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis mit spezifischen Rollenstrukturen, -definitionen und -bezeichnungen.
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c) Die Generationsdifferenzierung wie zum Beispiel Vater- Kind- Verhältnis, Mutter-Kind- Verhältnis und Eltern- Kind- Verhä ltnis. (Nave-Herz 1997, S.15) Fragt man nun nach der aktuellen Situation der Familien in Deutschland kommen zunächst demographische und binnenfamiliale Veränderungen, sowie Veränderungen im Familienzyklus zum Tragen, die in den folgenden Abschnitten näher erläutern werden. In den Erklärungen zur Struktur der Familie setzt sich die Theorie der Differenzierung privater Lebensformen immer mehr durch. Dies soll anhand von Beispielen näher erklärt und beleuchtet werden.
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2. Demographische Veränderungen
2.1. Geburtenrückgang
Der Rückgang der Geburten in Deutschland kann in der heutigen Zeit nicht mehr übersehen werden. Fakt ist, dass die Zahl der Lebendgeborenen vor allem in den letzten 50 Jahren drastisch gesunken ist. Aber schon seit 130 Jahren ist die Anzahl der Kinder pro Frau rückläufig. Von 1875 bis zum ersten Weltkrieg hat sich die Zahl von knapp fünf Kindern pro Frau auf zwei Kinder reduziert. 1 Und auch nach dem „Nachkriegsboom“ des zweiten Weltkrieges verringerte sich die Anzahl von 2,5 auf 1,4 Kinder pro Frau in zehn Jahren. 1964 hatte die Zahl der Lebendgeborenen mit 1,36 Millionen einen hohen Stand erreicht. Ab 1965 ist jedoch eine kontinuierliche Geburtenflaute zu beobachten, seit 1972 sterben sogar mehr Menschen als Kinder geboren werden. 2
Die Entwicklung der Geburten in der DDR verläuft zwischen 1958 und 1974 parallel zur BRD. Ab 1975 zeigt sich dann ein Anstieg der Zahlen, der auf bevölkerungspolitisch motivierte Maßnahmen zurück zuführen ist. Mit der deutschen Einheit sanken die Geburten drastisch, erst allmählich nähern sie sich dem westdeutschen Niveau an. 3 Weiterhin ist die Anzahl an nichtehelichen Geburten überproportional gestiegen: in dem Zeitraum zwischen 1970 und 1998 von 22% auf 47% aller Geburten. Im Gegensatz dazu stehen die Zahlen aus der BRD und den alten Bundesländern, bei denen im selben Abschnitt ein Anstieg von 9% auf 16% aufzuweisen ist.
Aber auch in anderen Bereichen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den neuen und den alten Bundesländern. Westdeutschland ist zum Beispiel dadurch gekennzeichnet, dass sich in den letzten Jahren die so genannte „späte Mutterschaft“ durchgesetzt hat (Geißler, S.404). Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes lag 1970 bei 24,3 Jahren und 1999 b ei 28,8 Jahren. Obwohl eine Angleichung nach der Wende 1989/90 stattgefunden hat, liegt das durchschnittliche Alter in den neuen Bundesländern und Ostberlin sieben Jahre darunter. Dieses Phänomen wird grundsätzlich auf die verlängerten Bildungs-und Ausbildungszeiten und auf das gestiegene Bildungsniveau von Frauen zurückgeführt. Die Ursachen für den starken Geburtenrückgang sind jedoch zunächst in der Abnahme der Mehrkindfamilie zu suchen. 1940 hatten 27% aller Mütter drei und mehr Kinder, hingegen es 1955 nur noch 18% sind. Hier wird deutlich, dass sich das Idealbild der Familie geändert hat. Entgegen der weitläufigen Meinung, dass heute die Einkindfamilie die bedeutendste
1 siehe Abbildung 1
2 siehe Abbildung 2
3 siehe Abbildung 3
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Lebensform darstellt, sind die Zahlen rückläufig. 70% der westdeutschen Mütter bekommen nach der Geburt des ersten Kindes ein weiteres. „Das typische Muster lautet also, entweder ganz auf Kinder verzichten oder mindestens zwei Kinder zu bekommen.“ (Geißler, S.404) Seit 1980 ergibt sich die Abnahme der Geburtenquote zudem aus der wachsenden Kinderlosigkeit. Der Anstieg der kinderlosen Ehen in Deutschland wird zunehmend bedeutender. So werden von allen Frauen einer Geburtskohorte ungefähr 20-25% in den alten und ca. 11% in den neuen Bundesländern ohne Kinder leben. Kaufmann sieht eine weitere Ursache in der „verantworteten Elternschaft“ (Kaufmann, S.42). Ob und wann man heutzutage ein Kind bekommt, ist zumeist die eigene Entscheidung. Dabei wollen Eltern der gestiegenen Verantwortung gerecht werden. Ökonomische, psychische und zeitliche Bela stungen werden abgeschätzt, und nur bei hundertprozentiger Gewährleistung fällt die Entscheidung für ein Kind positiv aus.
2.2. Abnahme der Eheschließungen und verändertes Eheverhalten In den Jahren 1946 bis 1950 sind die Zahlen der Eheschließungen in beiden Teilen Deutschlands gestiegen, doch seitdem nehmen diese kontinuierlich ab. Bis in die 70er Jahre war eine Hochzeit in der BRD meist eine ökonomische, rechtliche und wohnungsbezogene Entscheidung. Diese Aspekte haben jedoch in der heutigen Zeit an Bedeutung verloren. Die Ehe stellt demnach auch keine Versorgungsinstitution für Frauen mehr dar. Obwohl man in der DDR ehefreudiger war als im Westen, ist auch hier ein Anstieg der Nichtverheirateten zu verzeichnen. Die Wende 1989/90 ist durch einen drastischen Einbruch der Heiratswilligen gekennzeichnet, der 1992 seinen Tiefstand erreichte. 1991 gaben sich hier nur noch halb so viele Paare das Jawort wie in dem Jahr zuvor. Im Laufe der 90er Jahre erholten sich die Zahlen allmählich wieder und glichen sich z usehends dem westlichen Niveau an. 4
Das veränderte Eheverhalten zeigt sich zudem in dem Anstieg des Heiratsalters. Seit Mitte der 70er Jahre ist das Hochzeitsalter der Ledigen in den alten Bundesländern bei Männern und Frauen um sechs Jahre gestiegen. Das durchschnittliche Alter liegt damit bei den weiblichen Ledigen bei 28 Jahren und bei den männlichen Ledigen bei 31 Lebensjahren. 5 Diese Werte liegen im V ergleich zu anderen europäischen Ländern sehr hoch. Der Anstieg des Erstheiratsalters wird im Allgemeinen auf das „Nesthockerphänomen“ zurückgeführt (Nave-Herz 1997, S.81). Dieses zeigt auf, dass die Jugendlichen immer länger in der
4 siehe Abbildung 4
5 siehe Abbildung 5
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Arbeit zitieren:
Andrea Anschütz, 2003, Struktur und Wandel der Familie in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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