1. Einleitung
Seit der Entstehung von Johann Wolfgang von Goethes Ballade im Jahre 1781/ 82 sind zahlreiche Vertonungen entwickelt worden, von denen drei aus neuerer Zeit in dieser Hausarbeit untersucht werden sollen. Bei der Auswahl der Vertonungen von Achim Reichel, Hypnotic grooves feat. Jo van Nelsen und Jesseye Norman spielte gerade deren unterschiedliche musikalische Auslegung eine Rolle. Die Analyse soll vor allem unter Berücksichtigung intermedialer Aspekte erfolgen. Folgende Punkte werden eine Rolle spielen: Die Gesamtstruktur der Vertonung, der Rhythmus, Stimme und Text, die verwendeten Instrumente, eventuelle Geräusche und Effekte sowie abschließend intermediale Bezugspunkte (Dominanz, Quantität, Genese Qualität und Funktion). Zum besseren Verständnis werden der Text der Ballade und eine kurze Einführung in die Grundlagen der Intermedialität mit eingebracht.
Als Sekundärliteratur dient u.a. Werner-Joachim Düring, Erlkönig-Vertonungen. Eine kurze Textanalyse der Ballade soll Aufschluss über den Inhalt des Gedichtes geben. Darauf folgt der Vergleich der drei Vertonungen und im letzten Teil der Hausarbeit wird ein Fazit der vorangegangenen Analyse dargestellt.
2. ´ Erlkönig ` (1815), J.W. v. Goethe
Wer reitet so spät durch nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er fasst ihn sicher , er hält ihn warm. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht ?-Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Kron´ und Schweif ?-Mein Sohn; es ist ein Nebelstreif.-
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„Du liebes Kind, komm, geh mit mir! Gar schöne Spiele spiel´ ich mit dir; Manch ´bunte Blumen sind an dem Strand; Meine Mutter hat manch´ gülden Gewand.“ Mein Vater, mein Vater , und hörest du nicht, Was Erlenkönig mir leise verspricht?-Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind; In dürren Asten säuselt der Wind.„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehen? Meine Töchter sollen dich warten schön; Meine Töchter führen den nächtlichen Rhe in, Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düstern Ort?-Mein Sohn, mein Sohn, ich seh´ es genau: Es scheinen die alten Weiden so grau.„ Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt, Und bist du nicht willig, so brauch´ ich Gewalt .“ Mein Vater, mein Vater ,jetzt fasst er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan!-Dem Vater grauset´s er reitet geschwind, Er hält in den Armen das ächzende Kind, Erreicht den Hof mit Müh´ und Not; In seinen Armen das Kind war tot.
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2.1 Kurze Textanalyse der Ballade ´ Erlkönig ` J. W. v. Goethes Ballade ´Erlkönig` wurde in Goethes Singspiel ´Die Fischerin` 1782 das erste Mal uraufgeführt. Sie besteht aus acht Strophen mit jeweils vier Zeilen, die durch Paarreime mit dem Schema aabb gekennzeichnet sind. Das Metrum dieser Ballade ist der Trochäus. In dieser naturmagischen Ballade stehen sich düstere Mächte in Gestalt des Erlkönigs und Vater und Sohn gegenüber. Übertragen wird diese Situation in einen Dialog zwischen Vater und Sohn. Er reitet mit ihm durch die Nacht und erkennt, dass sein Sohn Angst vor etwas Übernatürlichem hat. Während der Sohn irrational seinem Vater von den Versprechungen des Erlkönigs erzählt, wirkt der Vater zunächst beschwichtigend und beruhigend auf seinen Sohn ein und erklärt die Phantasien mit natürlichen Begebenheiten des Weges oder der Natur. Dabei wechseln sich der Dialog zwischen Vater und Sohn ab. Zudem gibt der Erlkönig verheißungsvolle Vorstellungen an den Sohn weiter und steigert seine Verlockungen bis zur Androhung von Gewalt, die er an dem Sohn verüben will.
Die Versprechungen werden von Strophe zu Strophe gesteigert und dämonisieren den Sohn zunehmend. Zunächst nimmt der Sohn den Erlkönig wahr, der ihn mit Spielen am Strand (Strophe drei) und seinen Töchtern (Strophe fünf) lockt. Gleichzeitig sieht der Vater diese Phänomene immer wieder als natürlichen gegeben an (´Nebelstreif`, Strophe zwei ,Zeile zwei; ´in dürren Blättern säuselt der Wind`, Strophe vier , Zeile vier; ´es scheinen die alten Weiden so grau`, Strophe sechs, Zeile vier). Am Ende der Ballade hat der dämonisierende Charakter des Erlkönigs auch den Vater ergriffen: es `grauset ´ihn.
In einer Interpretation von v. Wilpert sind die Gedanken des Sohnes als Fieberphantasien zu sehen, aber auch als Einwirkung magischer Elementarmächte im Sinne des Volksglauben möglich. 1
1 Vgl. von Wilpert: Goethe Lexikon , Kröner Ve rlag, S. 281
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Der Vater kann jedenfalls den Sohn nicht mehr lebend nach Hause bringen, auch wenn er verzweifelt versucht das Zuhause schne ll zu erreichen und dem Erlkönig zu entkommen (Strophe acht).
Im Kampf zwischen den Mächten der Natur und letztendlich der Hilflosigkeit des Vaters stirbt der Sohn noch während des Rittes. Die Stimmung der Ballade wirkt dementsprechend dämonisch und ergreifend.
3. Grundlagen der Intermedialität
Der heutige Forschungsgegenstand der Intermedialität umfasst ein breites Feld von Untersuchungsmöglichkeiten. In diesem Fall ist Intermedialität zwischen Text und Musik gemeint. Dazu gibt Werner Wolf folge nde Definition: „Intermedialität ist das innerhalb eines Kontaktnehmers fassliche Resultat der Inszenierung eines fremdmedialen Kontaktgebers ( in Form von Imitation oder Kombination), wobei Kontaktgeber und -nehmer verschiedenen Medien in einem weiten Sinn zugehören, d.h. unterschiedlichen Kommunikationsmitteln, die sowohl durch technische und institutionelle Übertragungskanäle als auch durch bestimmte Zeichensysteme charakterisiert werden können.“ 2 Dabei werden zur Untersuchung von Intermedialität zwischen Text und Musik unterschiedliche typologische Mittel eingesetzt. Grundsätzlich werden die beteiligten Medien analysiert, d.h. hier Literatur und Musik. Als weiteres Kriterium dient die Dominanzbildung, bei der entweder keine klare Dominanz erkennbar ist, wie Musik und Lyrik im Kunstlied oder ein Medium über das andere dominiert, z.B. einem gesprochenen Text mit Hintergrundmusik. Als drittes Analysekriterium gilt die Quantität der intermedialen Bezugnahmen. Unterschieden wird zwischen Partieller und Totaler Intermedialität. Unter Partieller Intermedialität versteht man die Verbindung verschiedener Teile von Medien, z.B. Liedeinlagen in einem Roman. Dem gegenüber unterscheidet man Totale Intermedialität bei der Text und Musik vollkommen verschmelzen, z. B. in einer Oper.
2 Vgl. Wolf, Werner: Intermedialität als neues Paradigma der Literaturwissenschaft? S.86, In: AAA
21(1996),H.I.S. 85-116
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Arbeit zitieren:
Alexander von Fenner, 2002, Intermedialität - Vergleich dreier Vertonungen von J. W. v. Goethes "Erlkönig", München, GRIN Verlag GmbH
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