Seit dem Jahr 2003 ist französischen Beamten, die in behördlichem Auftrag durch die Weiten des Cyberspace surfen, die Benutzung der E-Mail – untersagt: „Sprachlich gesehen, versteht sich. Statt des englischen, respektive amerikanischen Ausdrucks haben die Staatsdiener nunmehr das Kunstwort ‚courriel’ zu verwenden, wie das Amtsblatt ‚Journal officiel’ schreibt“. Die elektronische Post heißt in Frankreich nach den Anordnungen der Académie Française jetzt Courriel. Auch andere Termini des Multimedia- und Computerjargons, wie beispielsweise Computer, Software und sogar das @-Zeichen wurden von staatlicher Seite in die französischen Äquivalente ordinateur, logiciel und arrobe umbenannt. Im Zuge der Globalisierung und des rasanten Fortschritts der Computertechnologie, wie des Internets, hat die englische Sprache längst weltweit ihren Siegeszug als lingua franca angetreten. Der massive Einfluss des Englischen wird besonders an der immer stärkeren Verwendung von Anglizismen deutlich, die sich auf viele Bereiche des Lebens erstrecken und uns im Alltag fast überall begegnen: „Ob wir am Service-Point eine Bahn-Card kaufen oder Brötchen im Back-Shop, überall treffen wir auf das Englische - oder auf eine Art Englisch“.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Einfluss der englischen Sprache auf Deutschland und Frankreich
2.1 Der Status des Englischen
2.2 Der Einfluss auf Deutschland und Frankreich
3 Sprachpolitik in Frankreich
3.1 Geschichte der Sprachpolitik
3.1.1 Die Anfänge
3.1.2 Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert
3.1.3 Das 20. Jahrhundert
3.2 Sprachpolitische Institutionen und Sprachgesetzgebung
3.2.1 Die verschiedenen Institutionen
3.2.2 Die Sprachgesetze - ‚Loi Bas-Lauriol’ und ‚Loi Toubon’
4 Vergleich – Sprachpflege und Sprachpolitik in Deutschland
4.1 Historisches
4.2 Deutsche Sprachpflegeinstitutionen heute
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die unterschiedliche Sprachpolitik Frankreichs und Deutschlands unter besonderer Berücksichtigung des zunehmenden Einflusses von Anglizismen. Dabei wird analysiert, ob das französische Modell einer restriktiven Sprachgesetzgebung als Vorbild für die sprachpolitische Situation in der Bundesrepublik dienen kann.
- Historische Entwicklung der Sprachpolitik in Frankreich und Deutschland
- Rolle staatlicher Institutionen bei der Sprachpflege
- Einfluss der englischen Sprache und Umgang mit Anglizismen
- Vergleich der Wirksamkeit von Sprachgesetzen gegenüber privaten Sprachpflegeinitiativen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Anfänge
Die Anfänge der Sprachpolitik und Sprachgesetzgebung in Frankreich reichen bis in das 15. und 16. Jahrhundert zurück, die durch wichtige königliche Erlässe begründet wurden und auf „die Einführung des Französischen als Gerichtsbarkeit und Verwaltungssprache im gesamten domaine royal abzielten.“ (Kubarth 2002: 181; Hervorhebungen im Original) Seit dem 12. Jahrhundert hatte die ursprüngliche Sprachform des ‚franceis’ zunehmende Bedeutung gewonnen und sich als Sprache des königlichen Zentrums ‚Ile de France’ fest etabliert. Die Zentralisierung des französischen Königtums wurde mit dem Jahr 1515, dem Beginn der Regierungszeit Franz I., eingeleitet.
Neben einer umfassenden Reform des Verwaltungsapparats sollte auch das Französische als langage maternel françois nicht nur Verwaltungs- , sondern zugleich Nationalsprache werden. In der ‚Ordonnance de Villers-Cotterêts’, die als wichtigster Erlass in der frühen Sprachpolitik Frankreichs gilt, bestimmte Franz I. „alle Urteile, Akten, Verträge, Testamente und amtliche Schriftstücke auf Französisch“ (ebd.: 182) abzufassen. Jenes Sprachgesetz hatte zur Folge, dass andere ‚konkurrierende’ Dialekte im Staatsgebiet verdrängt und ebenso das Lateinische als dominierende Sprache der Justiz und Verwaltung abgelöst wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des sprachlichen Einflusses durch Globalisierung und Anglizismen ein und definiert das Ziel der Arbeit, das französische Modell der Sprachpolitik auf seine Übertragbarkeit auf Deutschland zu prüfen.
2 Der Einfluss der englischen Sprache auf Deutschland und Frankreich: Dieses Kapitel erläutert den weltweiten Status des Englischen als Lingua Franca und beleuchtet die historischen Ursachen für den zunehmenden englischen Spracheinfluss in beiden Ländern.
3 Sprachpolitik in Frankreich: Hier wird die historische Genese der französischen Sprachpolitik von den Anfängen bis zum 20. Jahrhundert sowie die Etablierung mächtiger Institutionen und Sprachgesetze detailliert analysiert.
4 Vergleich – Sprachpflege und Sprachpolitik in Deutschland: Dieses Kapitel kontrastiert die französische staatliche Regulierung mit der eher institutionell-beratenden Sprachpflegekultur in Deutschland und beleuchtet historische sowie zeitgenössische Besonderheiten.
5 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Unterschiede in der sprachpolitischen Tradition zusammen und bewertet die Sinnhaftigkeit einer möglichen deutschen Sprachgesetzgebung nach französischem Vorbild.
Schlüsselwörter
Sprachpolitik, Sprachpflege, Anglizismen, Frankreich, Deutschland, Sprachgesetzgebung, Académie Française, Loi Toubon, Sprachwandel, Sprachreinigung, Globalisierung, Institutionen, Sprachbewusstsein, Fremdwörter, Kulturerhalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die unterschiedlichen Ansätze zur Sprachpolitik in Frankreich und Deutschland, insbesondere im Hinblick auf den Umgang mit dem wachsenden Einfluss englischer Sprachbegriffe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die historische Entwicklung staatlicher Sprachlenkung, die Rolle nationaler Sprachpflegeinstitutionen sowie die Wirksamkeit von Sprachgesetzen gegenüber informellen Sprachwandelprozessen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die französische Sprachpolitik zu untersuchen und zu klären, ob deren Modell der gesetzlichen Sprachregulierung als Lösung für die sprachpolitische Situation in Deutschland dienen könnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende wissenschaftliche Untersuchung, die auf der Analyse historischer Dokumente, Fachliteratur und der Auswertung bestehender Sprachgesetze sowie institutioneller Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der internationale Status des Englischen analysiert, anschließend die tiefgreifende Geschichte der französischen Sprachpolitik beleuchtet und schließlich die deutsche Tradition sowie aktuelle Institutionen der Sprachpflege gegenübergestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sprachpolitik, Sprachpflege, Anglizismen, Sprachgesetzgebung, nationale Identität und die Rolle von Sprachakademien.
Was unterscheidet das französische vom deutschen Sprachverständnis?
In Frankreich ist Sprachpolitik eng mit der Idee der staatlichen Souveränität und einer fixierten Norm (bon usage) verbunden, während in Deutschland staatlich verordnete Eingriffe in die Sprache aufgrund historischer Erfahrungen eher skeptisch betrachtet werden.
Was sagt die Arbeit über den Erfolg des 'Loi Toubon' aus?
Die Arbeit stellt fest, dass die restriktiven gesetzlichen Maßnahmen zwar ein starkes Symbol darstellen, ihre praktische Wirksamkeit im alltäglichen Sprachgebrauch jedoch oft gering ist und teilweise sogar den kreativen Sprachgebrauch behindert.
- Arbeit zitieren
- Florian Hoffarth (Autor:in), 2004, "Bitte mailen Sie mir doch ein Courriel" - Ein Vergleich der Sprachpolitik in Frankreich und Deutschland am Beispiel von Anglizismen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33349