Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort ---------------------------------------------------------------------------- 3
2. Modelle der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
(von Sindhu Makil)
2.1. Die drei Wohlfahrtsregime nach Gøsta Esping-Andersen --- S.4
2.1.1. Operationalisierung des Modells anhand von drei
Kategorien ----------------------------------------------------------- 4
2.1.2. Die drei Wohlfahrtsregime in Detail --------------------------- 5
2.2. Das Geschlechterkulturelle Modell nach Birgit Pfau-
Effinger
2.2.1. Die Grundbegriffe der geschlechterkulturellen
Theorien ------------------------------------------------------------- 7
2.2.2. Die Geschlechter-Arrangements in West-Europa --------- 9
3. Das Erwerbsverhalten von Frauen im internationalen Vergleich -
(West-) Deutschland - USA (von Annette Lohny)
3.1. Die historischen Veränderungen im Erwerbsverhalten
und Erwerbsverläufen ------------------------------------------- 11
3.2. Familienpolitik - Transferzahlungen - Steuergesetze ------ 13
3.3. Mutterschutzgesetzgebung und Erziehungsurlaub ---------- 16
3.4. Außerhäusige Kinderbetreuung im Vergleich ----------------- 18
3.5. Diskriminierung von Fraue n? ------------------------------------- 20
3.6. Zusammenfassung der Ergebnisse dieses Vergleichs ----- 22
4. Daten zur öffentlichen Kinderbetreuung (von Sindhu Makil)
4.1. Außerhäusige Kinderbetreuung in der DDR ------------------ 23
4.2. Gegenwärtige Situationsbeschreibung der außerhäusigen
Kinderbetreuung in der BRD ---------------------------------------
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5. Warum ist eine außerhäusige Kinderbetreuung sinnvoll?
(von Elisabeth Chrobok)
5.1. Ziele --------------------------------------------------------------------- 28
1
5.2. Zukünftige Bedeutung der außerhäusigen
Kinderbetreuung ------------------------------------------------------ S. 31
6. Das aktuelle System in Detail und Reformvorschläge (von Elisabeth Chrobok) 6.1. Aktuelles System
6.2. Demonstration zweier Modelle für eine Verbesserung in
7. Nachwort ------------------------------------------------------------------------ S. 42
8. Literaturverzeichnis ----------------------------------------------------------- S. 43
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1. Vorwort
Unsere Arbeit ‚Wohlfahrtsstaat und Kinderbetreuung’ beginnt mit einer allgemeinen theoretischen Grundlage zum Wohlfahrtsstaat nach Gøsta Esping-Andersens A usführungen und Birgit Pfau-Effingers Geschlechtskultureller Theorie. Danach wollen wir in einem Ländervergleich das Erwerbsverhalten von Frauen in den USA und der BRD untersuchen, um zu überprüfen inwiefern unterschiedliche kulturelle Hintergründe zu unte rschiedlichen Zielsetzungen in der Familienpolitik führen.
Anschließend wollen wir uns auf die Situation der außerhäusigen Kinderbetreuung in Deutschland konzentrieren, indem wir den Status quo bezüglich dieses Themas darstellen. Unserer Meinung nach ist es auch wichtig, die positiven Effekte der Kinderbetreuung - sowohl auf die Entwicklung des Kindes als auch auf die Allgemeinheit - herauszustellen. Was bewirkt die öffentliche Kinderbetreuung auf die Kinder? Was bedeutet die außerhäusige Kinderbetreuung f ür Mütter, Väter und die Gesellschaft?
Es ist allgemein bekannt, dass das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen zu gering ist und dass es nicht den Bedürfnissen der Eltern entspricht. Wir werden also versuchen, verschiedenen Reformmodelle dem aktuellen System in Deutschland gegenüberzustellen.
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2. Modelle der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zu typisieren. Zuerst werde ich auf Gøsta Esping -Andersens idealtypische Differenzierung von Wohlfahrtsstaaten in drei Wohlfahrtsregime eingehen und anschließend werde ich Birgit Pfau-Effingers Geschlechtskulturelles Modell darstellen.
2.1. Die drei Wohlfahrtsregime nach Gøsta Esping-Andersen
2.1.1 Operationalisierung des Modells anhand von drei Kategorien Esping-Andersen unterscheidet in seinem Buch ‚Three worlds of Welfare Capitalism’ (1990) drei Wohlfahrtsregime: das konservativ-korporatistische Wohlfahrtsregime, das liberale Wohlfahrtsregime und das sozialdemokratische Wohlfahrtregime. Diese Kategorien hat er, nach Christoph Butterwegge, anhand von drei Kriterien operationalisiert: Zunächst hat er zwischen dem Grad der Dekommodifizierung unterschieden. Mit Dekommodifizierung meint er nach Butterwegge „... die Befreiung der Menschen von ihrer Marktabhä ngigkeit und der Notwendigkeit, ihr Auskommen durch Erwerbsarbeit zu verdienen,...“ (Butterwegge, 2001, S. 20). Der Grad der Dekommodifizierung ist nach Esping-Andersen im liberalen Wohlfahrtsregime am geringsten und im sozialdemokratischen Wohlfahrtsregime am stärksten ausgeprägt. Als zweites operationalisiert er die Wohlfahrtsregime mit der Frage welches Schichtungsmodell durch die staatliche Sozialpolitik gefördert wird. So vertritt Esping-Andersen die Ansicht, dass
Der Wohlfahrtsstaat [...] nicht allein ein Instrument zur Beeinflussung und
gegebenenfalls Korrektur der gesellschaftlichen Ungleichheitsstruktur [ist]. Er
stellt vielmehr ein eigenständiges System der Stratifizierung dar, indem er in
aktiver und direkter Weise soziale Beziehungsmuster ordnet. (Lesse-
nich/Ostner (Hg), 1998, S. 36, zitiert nach Butterwegge, 2001, S. 20)
Als letztes unterscheidet er die Wohlfahrtsregime noch durch das jeweilige Arrangement zwischen Staat, Markt und Familie. Auf diese Kategorie werde ich später noch einmal genauer eingehen.
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2.1.2. Die drei Wohlfahrtsregime in Detail
In diesem Abschnitt werde ich näher auf die verschiedenen Wohlfahrtsregime und ihre Eigenschaften eingehen. Dieses werde ich anhand von Abb.1 tun, die ich näher erläutern werde.
Tabelle 1: Welten der Wohlfahrt
22.08.2001)
Abbildung 1 beschreibt die wichtigsten Eigenschaften der drei Wohlfahrtswe lten anhand der Kriterien Prinzip, Ziel, Betriebsweise, zentrale Instanz, Regulierung und Policy.
Im konservativ-korporatistischen Wohlfahrtsstaat gilt das Prinzip des Paternalismus. Das bedeutet, dass der Staat seine Bürger in wichtigen Lebensbereichen in seiner Entscheidungsfähigkeit einschränkt oder zu bestimmten Vorsorgemaßnahmen verpflichtet. Das Ziel dieses Wohlfahrtsstaats ist der Statuserhalt des Einzelnen. Dieses wird in Deutschland durch das Sozialversicherungssystem, dessen Versicherungen Zwangscharakter haben, e rreicht. Diese Versicherungen (Gesetzliche Krankenversicherung, Gesetzliche Re ntenversicherung, Gesetzliche Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung) verwalten sich selbst, und haben einen vom Staat unabhängigen Haushalt. Politikinhalt der Sozialpolitik dieses Wohlfahrtstyps ist die Kompensation bei bedeutenden Lebensstandardminderungen der Bürger. Espen-Andersen zählt Deutschland, Österreich und Frankreich zu den konservativ-korporatistischen Wohlfahrtsregimen.
Als zweiten Idealtypus benennt Espen-Andersen den liberalen Wohlfahrtsstaat. Dieser arbeitet nach dem Prinzip der Selbstverantwortung und als Ziel
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ist nur eine residuale Versorgung der Bürger angestrebt. Diese residuale Versorgung soll vor allen durch Fürsorge abgedeckt werden. Diese soll/kann durch private Hilfsorganisationen (wie z.B. das Rote Kreuz) geleistet werden. Der Staat soll sich möglichst aus diesem Bereich zurückziehen und die Wohlfahrt des einzelnen Bürgers dem Individuum selbst oder dem Markt überlassen. Damit der Markt dieser Aufgabe gerecht werden kann, muss dieser soweit wie möglich entreguliert und sich selbst überlassen werden. Als letztes Wohlfahrtsregime benennt Espen-Andersen den sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat. Hier gilt das Solidarprinzip und angestrebt wird die soziale Gleichheit aller Bürger. Der Staat ist die Zentralinstanz, die auf dieses Ziel hinarbeitet. Er hat dem Staatsbürger gegenüber eine sorgende Funktion. Der Arbeitsmarkt wird als Mittel der Regulierung eingesetzt, welcher durch den Staat beeinflusst wird, wenn die sozialpolitische Zielsetzung nicht erreicht wird. Das bedeutet, dass der Staat in solchen Situationen interveniert. Wie schon vorher erwähnt ist der Grad der Dekommodifizierung hier am geringsten. Beispiele für diesen Typus von Wohlfahrtsstaat sind Schweden, Norwegen und Dänemark.
Wie ich schon vorher angekündigt habe, möchte ich nun auf das dritte Kriterium bei der Operationalisierung eingehen: dem Arrangement zwischen Staat, Markt und Familie. Hierbei beziehe ich mich auf Ausführungen von Birgit Pfau-Effinger (vgl. Pfau-Effinger, 1996, S. 465). Bezüglich der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung sind diese drei Wohlfahrtregime ebenfalls unterschiedlich:
Im konservativ-korporatistischen Wohlfahrtregime wird die Erwerbstätigkeit der Männer vorrangig gefördert. Das Bestreben des Staates ist es, die Erwerbstätigkeit der Frauen einzuschränken. Diese Einschränkung von Frauen kann z.B. durch fehlende öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen eintreten oder durch bestimmte einschränkende familienpolitische Maßnahmen her-vorgerufen werden.
Im liberalen Wohlfahrtsregime wird die Regulierung der Erwerbstätigkeit dem Markt überlassen.
Im sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat sollen Frauen und Männer gleichwertig in die Erwerbstätigkeit einbezogen werden. Der Wohlfahrtsstaat stellt ein umfassendes Angebot an sozialen Dienstleistungen bereit, so dass er ein
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wichtiger Arbeitgeber im Bereich der Frauenbeschäftigung wird. Als Konsequenz kann man feststellen dass skandinavische Länder einen weit höheren Betreuungsgrad von Kinder in öffentlichen Kinderbetreuungseinrichtungen haben als Länder die zu dem konservativen Typus von Wohlfahrtsstaat gehören. So wird in Dänemark ein Betreuungsgrad von 62% bei Kindern der Altersgruppe von 6-10 Jahren erreicht, während es in den alten Bundeslä ndern Deutschlands nur ein Betreuungsgrad von 6% ist (vgl. WSI-FrauenDatenReport, 2000, S. 339).
2.2. Das geschlechtskulturelle Modell nach Birgit Pfau-Effinger Birgit Pfau-Effinger versucht mit ihrer Theorie, die sozio-kulturelle Aspekte berücksichtigt, die Unterschiede des Erwerbsverhalten von Frauen zu erkl ären.
Zunächst werde ich die Grundbegriffe dieser Theorie erläutern, damit das Modell Pfau-Effingers verständlich wird. Anschließend werde ich im darauffolgenden Kapitel die Geschlechterarrangements in West-Europa darstellen.
2.2.1 Die Grundbegriffe der geschlechtskulturellen Theorie In Birgit Pfau-Effingers Modell tauchen drei Grundbegriffe auf: die Geschlechterkultur, die Geschlechterordnung und das Geschlechterarrangement.
Bezüglich der Geschlechterkultur geht sie davon aus, dass es in jeder Gesellschaft
....einheitliche Werte und Leitbilder in bezug auf die Geschlechterbeziehun-
gen und die Formen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung gibt, welche
auch in der Form von Normen in institutionellen System verankert und des-
halb relativ stabil sind. [...] Solche Leitbilder bezeichne ich als „Geschlechter-kultur“ (Pfau-Effinger, 1996, S. 467)
Männer und Frauen orientieren sich an diesen Normen, Werten und Leitbildern.
Dahingegen beinhalte ‚Geschlechterordnung’, laut Pfau-Effinger, die wirklichen existierenden Strukturen des Geschlechterverhältnisses sowie das Verhältnis zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen in Hinblick auf die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung (vgl. Pfau-Effi nger, 1996, S. 467). Dabei ließen sich Gesellschaften in Hinblick auf geschlechtskulturelle Grundlagen anhand folgender Dimensionen und Fragen, die sich
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auf die Strukturen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung beziehen, klassifizieren:
1. Welche soziale Sphäre stellt - nach der gesamtgesellschaftlichen Vorstellung - die zentrale Arbeitssphäre von Frauen beziehungsweise Männern dar? Und wie sind diese Sphären zueinander beschaffen (besteht eine Symmetrie oder eine Komplementarität)? 2. Wie werden diese gesellschaftlichen Sphären gewertet? Besteht eine Gleichwertigkeit oder eine Hierarchie zwischen ihnen? 3. Wie ist die soziale Konstruktion der Generationsbeziehungen von Kindheit, Mutterschaft und Vaterschaft? Welche gesellschaftliche Sphäre ist verantwortlich für die Kindererziehung (=intermediärer Sek-tor)?
4. Inwiefern bestehen Abhängigkeiten zwischen Männern und Frauen? Sind die Geschlechter autonom oder gegenseitig bzw. einseitig vo n-einander abhängig?
Das Geschlechterarrangement bildet „eine Klammer um die Geschlechterkultur und die Geschlechterordnung“ (Pfau-Effinger, 1996. S. 468). Es kann als eine Art Aushandlungsprozess angesehen werden, der eine Basis dafür bietet, dass letztendlich bestimmte kulturelle Leitbilder gesellschaftlich dominieren. Diese Leitbilder bilden wiederum die Grundlage für die Gestaltungspri nzipien der gesellschaftlichen Institutionen bezüglich der Geschlechterbeziehungen. Das Geschlechterarrangement bildet eine Art der „Machtbalance“ (Pfau-Effinger, 1996, S, 468) zwischen den zwei Geschlechtern, die selbst bei einer grundlegenden Asymmetrie der Machtbeziehungen stabil sein kann. Wichtig ist noch anzumerken, dass wenn sich im Zuge eines gesellschaftlichen Wandels Geschlechterkultur und Geschlechterordnung ändern, sich das Geschlechterarrangement dieser Veränderung anpasst. Diese drei Begriffe sind also nicht starre Faktoren einer Gesellschaft, sondern sich wa ndelnde Größen.
2.2.2. Die Geschlechter-Arrangements in Westeuropa
Birgit Pfau-Effinger unterscheidet vier Geschlechtskulturelle Modelle in den westeuropäischen Gesellschaften: das familien-ökonomische Modell, die
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Arbeit zitieren:
Sindhu Makil, 2001, Kinderbetreuung im Wohlfahrtsstaat, München, GRIN Verlag GmbH
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