Unsere Arbeit ‚Wohlfahrtsstaat und Kinderbetreuung’ beginnt mit einer allgemeinen theoretischen Grundlage zum Wohlfahrtsstaat nach Gøsta Esping-Andersens Ausführungen und Birgit Pfau-Effingers Geschlechtskultureller Theorie. Danach wollen wir in einem Ländervergleich das Erwerbsverhalten von Frauen in den USA und der BRD untersuchen, um zu überprüfen inwiefern unterschiedliche kulturelle Hintergründe zu unterschiedlichen Zielsetzungen in der Familienpolitik führen.
Anschließend wollen wir uns auf die Situation der außerhäusigen Kinderbetreuung in Deutschland konzentrieren, indem wir den Status quo bezüglich dieses Themas darstellen. Unserer Meinung nach ist es auch wichtig, die positiven Effekte der Kinderbetreuung - sowohl auf die Entwicklung des Kindes als auch auf die Allgemeinheit – herauszustellen.
Was bewirkt die öffentliche Kinderbetreuung auf die Kinder?
Was bedeutet die außerhäusige Kinderbetreuung für Mütter, Väter und die Gesellschaft?
Es ist allgemein bekannt, dass das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen zu gering ist und dass es nicht den Bedürfnissen der Eltern entspricht. Wir werden also versuchen, verschiedenen Reformmodelle dem aktuellen System in Deutschland gegenüberzustellen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Modelle der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
2.1. Die drei Wohlfahrtsregime nach Gøsta Esping-Andersen
2.1.1. Operationalisierung des Modells anhand von drei Kategorien
2.1.2. Die drei Wohlfahrtsregime in Detail
2.2. Das Geschlechterkulturelle Modell nach Birgit Pfau-Effinger
2.2.1. Die Grundbegriffe der geschlechterkulturellen Theorien
2.2.2. Die Geschlechter-Arrangements in West-Europa
3. Das Erwerbsverhalten von Frauen im internationalen Vergleich – (West-) Deutschland – USA
3.1. Die historischen Veränderungen im Erwerbsverhalten und Erwerbsverläufen
3.2. Familienpolitik – Transferzahlungen – Steuergesetze
3.3. Mutterschutzgesetzgebung und Erziehungsurlaub
3.4. Außerhäusige Kinderbetreuung im Vergleich
3.5. Diskriminierung von Frauen?
3.6. Zusammenfassung der Ergebnisse dieses Vergleichs
4. Daten zur öffentlichen Kinderbetreuung
4.1. Außerhäusige Kinderbetreuung in der DDR
4.2. Gegenwärtige Situationsbeschreibung der außerhäusigen Kinderbetreuung in der BRD
5. Warum ist eine außerhäusige Kinderbetreuung sinnvoll?
5.1. Ziele
5.2. Zukünftige Bedeutung der außerhäusigen Kinderbetreuung
6. Das aktuelle System in Detail und Reformvorschläge
6.1. Aktuelles System
6.1.1. Begriffsbestimmungen und Aufträge
6.1.2. Das gegenwärtige Kinderbetreuungs- und Finanzierungssystem
6.2. Demonstration zweier Modelle für eine Verbesserung in der Kinderbetreuung
6.2.1. Modell: Gutscheinsystem
6.2.2. Modell: Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung
6.2.2.1. Vorteile einer betrieblich unterstützten Kinderbetreuung
6.2.2.2. Verschiedenen Vorschläge für betrieblich unterstützte Kinderbetreuung
7. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Wohlfahrtsstaat und Kinderbetreuung, um zu klären, warum das gegenwärtige System in Deutschland nicht bedarfsgerecht arbeitet und wie alternative Reformmodelle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen können.
- Theoretische Grundlagen zum Wohlfahrtsstaat und geschlechterkulturellen Modellen
- Internationaler Vergleich des Erwerbsverhaltens von Frauen (Deutschland/USA)
- Analyse der historischen und gegenwärtigen Situation der Kinderbetreuung
- Wissenschaftliche Begründung der Sinnhaftigkeit außerhäusiger Kinderbetreuung
- Evaluation von Reformansätzen wie Gutscheinsystemen und betrieblicher Betreuung
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Die drei Wohlfahrtsregime in Detail
In diesem Abschnitt werde ich näher auf die verschiedenen Wohlfahrtsregime und ihre Eigenschaften eingehen. Dieses werde ich anhand von Abb.1 tun, die ich näher erläutern werde.
Im konservativ-korporatistischen Wohlfahrtsstaat gilt das Prinzip des Paternalismus. Das bedeutet, dass der Staat seine Bürger in wichtigen Lebensbereichen in seiner Entscheidungsfähigkeit einschränkt oder zu bestimmten Vorsorgemaßnahmen verpflichtet. Das Ziel dieses Wohlfahrtsstaats ist der Statuserhalt des Einzelnen. Dieses wird in Deutschland durch das Sozialversicherungssystem, dessen Versicherungen Zwangscharakter haben, erreicht. Diese Versicherungen (Gesetzliche Krankenversicherung, Gesetzliche Rentenversicherung, Gesetzliche Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung) verwalten sich selbst, und haben einen vom Staat unabhängigen Haushalt. Politikinhalt der Sozialpolitik dieses Wohlfahrtstyps ist die Kompensation bei bedeutenden Lebensstandardminderungen der Bürger. Espen-Andersen zählt Deutschland, Österreich und Frankreich zu den konservativ-korporatistischen Wohlfahrtsregimen.
Als zweiten Idealtypus benennt Espen-Andersen den liberalen Wohlfahrtsstaat. Dieser arbeitet nach dem Prinzip der Selbstverantwortung und als Ziel ist nur eine residuale Versorgung der Bürger angestrebt. Diese residuale Versorgung soll vor allen durch Fürsorge abgedeckt werden. Diese soll/kann durch private Hilfsorganisationen (wie z.B. das Rote Kreuz) geleistet werden. Der Staat soll sich möglichst aus diesem Bereich zurückziehen und die Wohlfahrt des einzelnen Bürgers dem Individuum selbst oder dem Markt überlassen. Damit der Markt dieser Aufgabe gerecht werden kann, muss dieser so weit wie möglich entreguliert und sich selbst überlassen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einführung in die theoretische Basis und die Forschungsfragen der Arbeit bezüglich des Zusammenhangs von Wohlfahrtsstaat und Kinderbetreuung.
2. Modelle der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung: Theoretische Herleitung der Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen und des geschlechterkulturellen Modells nach Pfau-Effinger.
3. Das Erwerbsverhalten von Frauen im internationalen Vergleich – (West-) Deutschland – USA: Historischer und aktueller Vergleich der Erwerbsbiografien von Frauen und den jeweiligen familienpolitischen Rahmenbedingungen.
4. Daten zur öffentlichen Kinderbetreuung: Statistische Analyse der Entwicklung von Betreuungsangeboten in der ehemaligen DDR sowie in der Bundesrepublik Deutschland.
5. Warum ist eine außerhäusige Kinderbetreuung sinnvoll?: Darstellung der bildungspolitischen und ökonomischen Vorteile vorschulischer Einrichtungen auf Mikro- und Makroebene.
6. Das aktuelle System in Detail und Reformvorschläge: Analyse des bestehenden Finanzierungssystems und Demonstration konkreter Reformansätze wie Gutscheinsystemen und betrieblicher Betreuung.
7. Nachwort: Zusammenfassende Schlussfolgerung über die Reformbedürftigkeit des deutschen Systems zur Erreichung der Chancengleichheit.
Schlüsselwörter
Wohlfahrtsstaat, Kinderbetreuung, Erwerbsverhalten, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Familienpolitik, Vereinbarkeit, Erziehungsurlaub, Diskriminierung, Gutscheinsystem, Betriebskindergarten, Chancengleichheit, Bildungsdefizite, Sozioökonomie, Betreuungsquote, Reformmodelle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Strukturen von Wohlfahrtsstaaten und deren Einfluss auf die Kinderbetreuung sowie das Erwerbsverhalten von Frauen im internationalen Vergleich.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Familienpolitik, die historische Entwicklung der Kinderbetreuung in Ost- und Westdeutschland sowie Reformkonzepte für das aktuelle Betreuungssystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, warum das gegenwärtige Kinderbetreuungssystem in Deutschland reformbedürftig ist, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Chancengleichheit zu fördern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Einordnung mittels soziologischer Modelle, kombiniert mit einer empirischen Datenanalyse und einem Ländervergleich zwischen Deutschland und den USA.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse, den internationalen Ländervergleich, eine Auswertung aktueller Betreuungsdaten sowie die Demonstration konkreter Verbesserungsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wohlfahrtsstaat, Familienpolitik, Erwerbsverhalten, Chancengleichheit, Reformmodelle und Kinderbetreuung.
Warum schneidet die Bundesrepublik im Vergleich zu den USA bei der Erwerbstätigkeit von Müttern schlechter ab?
Die Arbeit identifiziert hierbei vor allem die fehlende Flexibilität des Betreuungssystems, mangelnde Ganztagsangebote und strukturelle Hindernisse als Ursachen, während in den USA ein höherer Wettbewerbsdruck herrscht.
Inwieweit unterschied sich die Kinderbetreuung in der DDR von der in der alten BRD?
Die DDR verfolgte eine aktive Mütterpolitik mit einer massiven staatlichen Bereitstellung von Betreuungseinrichtungen, um Frauen schnell wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern, was zu deutlich höheren Betreuungsquoten führte.
- Quote paper
- Sindhu Makil (Author), 2001, Kinderbetreuung im Wohlfahrtsstaat, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3335