HZRKQKHLWXQGLKUH XVZLUNXQJHQ
DXIGDV9HUVWlQGQLVYRQ :LUNOLFKNHLW
Christian Ritter
Inhalt :
1. Einleitung - Methode der Herangehensweisee
1.1. Habit - Sicherheit der Gewohnheitt
1.2. Das furchterregende Außergewöhnlichee
1.3. Die Reduzierungg
1.4. Gewohnheit elementarr
1. 5. Die Gewohnheit als grundlegende erkenntnistheoretische Gegebenheit.
1.6. Die soziale Komponente oder "die induktive Falle""
2. Gewohnheitt
2.1. Gewohnheiten etablieren sichh
2.2. Gewohnheiten ändern sichh
dfsdafds
(LQOHLWXQJ 0HWKRGHGHU+HUDQJHKHQVZHLVH :LHNDQQGDV3KlQRPHQ*HZRKQKHLWEHVFKULHEHQZHUGHQ"
Im folgenden soll versucht werden, eine Beschreibung der Gewohnheit zu liefern. Gewohnheit als sich teils offen, teils verdeckt zeigende Eigenart menschlichen Begreifens und Handelns ist behaftet mit Eigenschaften, die jede für sich vielfältig interpretiert werden können, hier werden diese Eigenschaften als Verweis auf unbewußte psychoökonomische Mechanismen verstanden. Übergreifende einer jeden Gewohnheit anhaftende Eigenschaften sind dabei von nebenrangigen zu scheiden. Um ein Wesen von Gewohnheit beschreiben zu können, soll hier im Besonderen dem Verweischarakter der wahrgenommenen Eigenschaften Rechnung getragen werden. Das heißt, daß dem wahrnehmbaren Eindruck nachgegangen werden soll, ohne ihn zu rechtfertigen oder zu verneinen und, daß sich anbietendende Interpretationsformen zur Artikulation kommen können. Die verschiedenen Deutungsmuster für das Vorhandene sollten als jede IU VLFK verständliche Zugangsart zum Phänomen wahrgenommen werden, ohne jedoch dabei der Illusion anheimzufallen, damit eine erschöpfende Beschreibung bewerkstelligt zu haben. Das der Wirklichkeit anhaftende Bild des Wirklichseins muß nicht mit rethorischen Stilmitteln untermauert werden. Es geht darum, den Eigenschaften inclusive der ihnen anhaftenden Interpretationsmöglichkeiten gerecht zu werden, ohne sich ihren suggestiven, versichernden Wirkungen auszuliefern. Z.B. soll, um beim Thema zu bleiben, der sich dem aufmerksamen Betrachter eventuell aufdrängende Eindruck von Verdrängungsmechanismen der Gewohnheit hier nebensächlich bleiben. Diese Eigenschaft steht bei der Identifikation der Problematik sicherlich im Vordergrund, man weiß, wovon man redet, wenn ein mit solchen Assoziationen behafteter Begriff auch als solcher der Kommunikation wegen identifiziert wird, jedoch sollte das eine eingehendere Betrachtung desselben nicht unmöglich machen. Gewohnheit besteht ja nicht nur aus Verdrängung und die zur Identifikation eines Gegenstandes herangezogenen Konstituierenden beschreiben nicht immer das Wesen dieser Sache, sondern das der Kommunikation dienliche Wesen dieser Sache, obwohl das immer wieder in Vergessenheit gerät und das eine für das andere gehalten wird. Deshalb will der Autor sich dabei nicht darauf beschränken, den verdrängenden Effekt von Gewohnheit als GHQSchlüssel zu ihrem Wesen zu beschreiben und davon ausgehend Rückschlüsse auf ihre Beschaffenheit zuzulassen. Wenn
realisiert wird, daß das Phänomen sich dem Bewußtsein gegenüber auf eine von diesem wahrnehmbare Art manifestieren muß, also der Unterschied zwischen geschautem und angenommenem Wesen eines Gegenstandes realisiert wird, kann es gelingen, eine unbewußte Identifikation des Gegenstandes mit den ihm zugordneten Konstituierenden zu vermeiden, wie Kant in seiner Beschreibung synthetischer und analytischer Urteile anschaulich erläuterte. Gerardus van der Leeuw, ein holländischer Religionsphilosoph, beschreibt das in seiner Religionsphänomenologie so: ”Das Phänomen wird vom Subjekt nicht produziert; noch weniger wird es von ihm erhärtet oder erwiesen. Sein ganzes Wesen ist darin gegeben, daß es sich zeigt, sich ”jemandem” zeigt. (. . . )Das Unmittelbare ist nie und nirgends gegeben, man muß es rekonstruieren. Zu ”uns selbst”, d.h. zu unserem eigensten Leben haben wir keinen 1 Den Menschen drängt es zwar, sich seine Umwelt in ihm plausibel erscheinenden
Zutritt.”
Bildern zugänglich zu machen, er wird auch bemüht sein, sich der sich ihm gegenüber in phänomenalen Erscheinungen manifestierenden Welt zu bemächtigen, um so den Eindruck eines Sich-Selbst-Bemächtigen-Könnens aufrechterhalten zu können, jedoch handelt es sich bei diesem Bild um den Versuch, sich ein Abbild zu schaffen von jenem Gebilde unerhörter Komplexität, welches bestimmt ist vom Verhältnis zwischen der Vorstellungsfähigkeit des Individuums und den Welterscheinungen, es kann also nicht davon ausgegangen werden, daß das Bild welches er sich formt, das eigentlich Wirkliche ist. Der Drang nach ”Wirklichem” ist nichtssdestotrotz da, nur die Qualitäten seiner Befriedigung wandeln sich. Man mißtraut seinem Sehen, bemüht, eigene Prioritäten zu setzen, wird die unbewußte Eigendynamik des Sehens in Frage gestellt und kann so u.U. neue Ebenen erreichen. Es ist die Wirklichkeit seines Horizontes, auf die er immer wieder zurückgeworfen wird, und die ihn doch immer gleichzeitig fordert, darüber hinauszugehen. Bei dem kreirten Bild von Wirklichkeit handelt es sich doch letztendlich um eine Kreation oder Rekonstruktion von etwas Erlebtem. Dieses Erlebte soll wiederbelebt werden, wobei in nicht unerheblichem Maße auch gehabte Erfahrungen beitragen. Die Rekonstruktion soll eine Ahnung davon vermitteln, was erlebt worden ist, nicht das Erlebnis selbst.
So könnte auch eine Schau des Wesens Gewohnheit sich selbstbestätigend nur solche Bereiche beschreiben, welche durch die angewöhnte Art der Sicht auf das Phänomen und seine hinreichende Funktionalisierung im praktikablen Sinne begrenzt wäre.
1 Siehe hierzu auch G.van der Leeuw ”Phänomenologie der Religion” S.769
Der Systematik wegen wird im Folgenden die Gewohnheit als dem kognitiven Vermögen des Menschen angehörend betrachtet, wiewohl man sich bei einer solch willkürlichen Systemerschaffung ihres vorläufigen Charakters bewußt sein muß, denn man kann nicht eindeutig davon ausgehen, daß sie diesem Vermögen untergeordnet wäre und sie schlechterdings keine Auswirkungen auf dessen Beschaffenheit hätte. Wenn man also davon ausgeht, daß es zwischen dem Bewußtsein und der Wirklichkeit ein bestimmtes Verhältnis gibt, daß keine genaue Zuordnung und Trennung möglich ist, zwischen dem, was die Wirklichkeit ”hergibt” und dem was der kognitive Apparat daraus macht, vielmehr dieser für die grundlegende Einstellung gegenüber der Wirklichkeit verantwortlich zeichnet und, daß dieser bestrebt ist, sich selbst in der Welt widerzuspiegeln und fortzupflanzen, wird man in der weiteren Überlegung darauf stoßen, daß die Entwicklungen dieses Apparates, die dieser hierbei durchläuft, im Akt der Rekonstruktion nicht etwa hierarchisch einem fiktiven denkerischen letzten Schluß untergeordnet, sondern in Ganzheit erneut erlebt werden. Mittels einiger konstituierender Mittler zwischen Bewußtsein und Außenwelt, die Bestandteil des kognitiven Vermögens sind, wird eine Verbindung zwischen Innen und außen geschaffen. Es soll dabei gewollt offengelassen werden, ob nun vorwiegend das Innen oder das Außen die Struktur der Wahrnehmung konstituiert, vielmehr handelt es sich hier um ein Zusammenspiel der beiden. Vorstellbar wäre die Aktualisierung einer latent, sowohl im Außen als auch im Inneren vorhandenen Form, wobei das äußere die vorhandenen Anhaltspunkte für die Kreation des Inneren zu bieten scheint. Das fremde Äußere zeigt einen Anschein von Assimilierbarkeit oder auch Gewohnheitsfähigkeit, was es dann für eine Bemächtigung zu prädestinieren scheint. Durch den Akt der Formverleihung wird dem Äußeren der Anschein einer gewissen Assimilierbarkeit verliehen, es wird zu einem Inneren gemacht. Nach welchen Kriterien hier nun eine Beurteilung des Äußeren hinsichtlich seiner Kompatibilisierbarkeit für das Innere stattfindet, ab wann die Kongruenzien zwischen Innen-und Außenwelt soweit greifen, daß Abbilderstellung plausibel wirkt, bliebe zu erörtern. Ein ”einfache”Kausalstruktur ”Hier Bewußtsein, da Wirklichkeit und hier die Gewohnheit, welche ausschließlich die vom Bewußtsein empfangenen Aussenbilder plausibel erscheinen lässt”, der Gewohnheit kann ebensowenig erstellt werden, da sie sich meist in (”Tat”-) Einheit mit anderen Motiven befindet, was ein Herauskristallisieren rein gewohnheitserzeugter Momente relativ schwierig gestaltet. Das kann auch heißen, daß, da eine Unterscheidung nach
gewohnheitserzeugten und anderen Motiven oft nur schwer durchführbar ist, ein vermutlich gewohnheitsmäßig motivierter Handlungskomplex nur schwer aufzuschlüsseln ist, so kann man zunächst nur versuchen, wiederkehrende Symptome ihres Vorhandenseins zu erkennen und weitestgehend zu deuten, ohne dabei davon auszugehen, bestätigt sehen zu müsssen, was man vorher dafür halten wollte ohne also irgendwelche vordergründigen Konstruktionen hineinzupflanzen.
Gewohnheit ist als solche eigentlich nicht wahrnehmbar, weil sie sich naturgemäß bewußter Wahrnehmung entzieht. Sie ist ein Handlungen in ihrer Motivation und Richtung mitgestaltendes und vielleicht manchmal dominierendes Moment, und manchmal auch nur eine Stilmittel, mittels dessen Handlungen oder Wahrnehmungsarten der praktikable Anschein einsehbarer Zweckmäßigkeit verliehen wird.
Gewohnheiten können auch Ursache für Handlungen sein, wobei erwähnt werden muß, daß oft einer vordergründig hergestellten Gewohnheitskausalität mehr Glauben geschenkt wird (werden kann) als einer tiefenpsychologisch angelegten Analyse. . . (siehe Hume die Gewohnheit zur Kausalität).
Es geht hier also darum, einerseits gewohnheitsmäßiges Verhalten zu beschreiben, ohne es künstlich zu diabolisieren oder auch zu verteidigen, da es bei einer solchen Beschreibung nicht um eine absolutes Verneinen oder Bejahen gehen kann. Gewissermaßen muß Gewohnheit als offener Begriff verstanden werden, um so ihrem Wesen näher zu kommen.
+DELW'LH6LFKHUKHLWGHU*HZRKQKHLW
Routine, verlässliches Funktionieren und Berechenbarkeit mittels dieser Stilmittel manifestiert sich Gewohnheit. Dies sind Eigenschaften, an denen sich zeigt, mehr oder weniger könnte Gewohnheit ein Motiv für die Handlung sein. Der Mensch möchte sich wohlfühlen mit seiner Gewohnheit, sie soll ihm Handlungsfreiheit für Lebensbereiche schaffen, für die er eine vorläufig praktikable Handlungsweise benötigt. Meist handelt es sich dabei um Lebensbereiche, bei denen ihm eine tiefgehendere Reflektion nicht notwendig erscheint oder nicht erscheinen will. (......Das sich dem ungewöhnten Auge ungewöhnlich Zeigende stellt für den daran Gewöhnten zu einem bestimmten Teil bereits einen Teil seiner Innenwelt dar. Als dieses wird es vom ”Gewöhnten” behandelt......)
Man muß nicht darauf bestehen, daß diese Sicherheit nun Sinn und Zweck der Gewohnheit darstellt, daß eventuell die Gewohnheit GDV Mittel zur Erstellung eines sicheren Kontextes ist, bedeutet, vielmehr ist es dieses existentielle Sicherheitsbedürfnis, welches solche Phänomene wie Gewohnheit hervorbringt - aus der Art, wie man gewohnt ist, sie (die Gewohnheit) zu relativieren, das Gefühl darum, wann man sie zur Anwendung kommen lassen kann. Was würde also fehlen, wenn dieser Sicherheitsgewinn nicht wäre, den man durch Gewohnheit hat ?
'DVIXUFKWHUUHJHQGH$XHUJHZ|KQOLFKH
Zunächst muß man um den Sinn der Sicherheit wissen und, warum das Unbekannte und Ungewohnte ein derartiges Problem für das menschliche Bewußtsein darstellt. Also sollte das Ungewohnte beschrieben werden. Das Neue und Ungewohnte ist nicht beugungswillig, es widerstrebt einer Handhabung, es will nicht über sich verfügen lassen, es löst Gefühle der Verwunderung, Angst, auch Bedrohung aus. Es steht symbolisch dafür, daß es etwas dem menschlichen Bewußtsein nicht fassbares geben muß. Der differenziert über sich selbst reflektierende Mensch weiß um die Notwendigkeit des Vorhandenseins dieses ihm nicht fassbaren. Das Neue nun ist etwas, von dem er nicht weiß,REund wenn ja ZHOFKHU praktikable Umgang mit ihm angebracht wäre. Es birgt potentiell Erlebnisse in sich, von denen Mensch nicht weiß, ob sie sein Weltbild nicht grundlegend erschüttern könnten. Alexander Berkman, ein polnisch-englischer Soziologe, etwa schreibt in seinem Buch ”Moderne und Ambivalenz” die Gefahr, welche vom Unbekannten und Ungewohnten auszugehen scheint. Er begreift hierbei die einer Gesellschaft inhärenten Assimilationsbestrebungen den Fremden gegenüber als intentional der Selbstsicherstellung zuarbeitend: ”Es gibt Freunde und Feinde. Und es gibt )UHPGH. Freunde und Feinde stehen in Opposition zueinander. Die ersten sind, was die Zweiten nicht sind, und umgekehrt. Das beweist freilich nicht, daß sie einen gleichen Status haben. Wie die meisten Gegensätze, die die Welt, in der wir leben, und zugleich unser Leben in dieser Welt ordnen, ist dieser Gegensatz eine Variation der obersten Opposition zwischen dem ,QQHQ und $XHQ. Das Außen ist die Negativität der Positivität des Innen. Das Außen ist das, was das Innen nicht ist. (. . .) Die Feinde sind entstellte Freunde; sie sind die :LOGQLV die das 6LFK]X +DXVHIKOHQder Freunde verletzt, die $EZHVHQKHLW, die eine Verneinung der $QZHVHQKHLW der
Arbeit zitieren:
Christian Ritter, 2000, Gewohnheit und ihre Auswirkungen auf das Verständnis von Wirklichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Mergers and Acquisitions - Erklärungsansätze, Projektorganisation und ...
BWL - Investition und Finanzierung
Seminararbeit, 55 Seiten
Modernisierung und eine Geschichte der Genussmittel
Zu Wolfgang Schivelbusch: &quo...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 22 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Christian Ritter hat den Text Gewohnheit und ihre Auswirkungen auf das Verständnis von Wirklichkeit veröffentlicht
Christian Ritter hat einen neuen Text hochgeladen
Anfänge und Auswirkungen der Montanunion auf Europa
Die Stahlindustrie in Politik ...
Manfred Rasch, Kurt Düwell
Auswirkungen von Internettechnologie auf Wertschöpfungsstrukturen
Konfigurationen aus Distributi...
Martin Gehring
Auswirkungen von Pensionszusagen auf die wirtschaftliche Lage
Ein Vergleich alternativer Per...
Christian Sasse
Auswirkungen der Zinsschranke auf Leveraged Buy-outs
Akquisitionsfinanzierung und D...
Florian Martin Maucher
Die Auswirkungen der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf den Kapitalm...
Eine empirische Analyse
Julia Lackmann
Pauschalpatienten, Kurzlieger und Draufzahler - Auswirkungen der DRGs ...
Bernard Braun, Petra Buhr, Sebastian Klinke, Rolf Müller, Rolf Rosenbrock
0 Kommentare