Gliederung
Einleitung Seite 3
1. Das Militär: Institution mit einer spezifischen Realität Seite 4
1.1 Rituale und andere Formen von Disziplinierungen Seite 5
1.2 Funktionale Bedeutung von militärische n Ritualen Seite 7
1.3 Töten und getötet werden Seite 8
1.4 Sexualität und Chauvinismus Seite 10
2. Sozioökonomische Faktoren Seite 12
3. Biologische und politische Ideologien Seite 14
4. Zusammenfassung Seite 16
Literatur Seite 17
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Einleitung
Zuerst wollte ich eine Hausarbeit über Frauen im Militär bzw. über weibliche Soldaten schreiben. Wenn man über Gender und Militär nachdenkt, dann denkt man eher an Untersuchungen oder Essays, die der Frage nachgehen, wie Frauen und Militär vereinbar sind, wie Soldatinnen in der von Männern dominierten Institution überleben oder inwiefern männlicher Habitus vom weiblichen Geschlecht imitiert wird. Frauen in Militäruniform scheinen mit dem maskulinen Bild, das viele vom Militär haben, nicht vereinbar zu sein. Obwohl im Rahmen von political correctness die Armee als eine neutrale Institution betrachtet wird, wird Männlichkeit und Militär hingegen fast in einem Atemzug ausgesprochen. Als männlich konnotierte Eigenscha ften wie mutig, aggressiv, dominant oder stark sind auch Dispositionen, die von Soldaten gefordert werden. Weibliche Zuschreibungen wie emotional, aufs Äußere fixiert oder familiär sind für viele nicht verträglich mit den Anforderungen, die an einen Rekruten zum Beispiel im Einsatz abverlangt werden. In westlichen Gesellschaften stellen weibliche Soldaten immer noch ein ungewohntes Bild und eine Ausnahme dar. Aber die als natürlich betrachtete Verschränkung von Männlichkeit und Militär ist keineswegs so selbstverständlich. Es handelt sich hierbei um eine Institution, die aufs engste mit dem Staat, seinen Ideologien und seiner Politik verschränkt ist (Sasson-Levy, 2003: 74). In der vorliegenden Arbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit militärischer Habitus, u.a. das Zeigen von Aggressivität, Chauvinismus, die Einstellung zum Töten und getötet werden, erst im Rahmen der militärischen Ausbildung anerzogen wird und biologische Theorien, die von einer Natürlichkeit des männlichen Militärdienstes ausgehen, kaum ausreichend Erklärungskraft besitzen. Männliche Soldaten erfahren eine berufliche Sozialisation, die sie nicht nur zu Kämpfern macht, sondern darüber hinaus auch in die Geschlechtsidentität und Sexualität von Rekruten eingreift. Das Militär kann, wie ich noch drauf eingehen werde, als eine Institution betrachtet werden, die sowohl von politischen als auch von biologischen Denkweisen durchsetzt ist, die von Ausbildern und Soldaten tagtäglich reproduziert werden.
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1. Das Militär: Institution mit einer spezifischen Realität
Als ich in meinem Freundeskreis von dieser geplanten Arbeit sprach, gab es unterschiedliche Reaktionen. Ein Bekannter fragte mich, warum ich überhaupt darüber schreiben will, weil das Militär seiner Ansicht nach, nichts Besonderes darstelle. Männer gingen zum Militär, weil es ihrer Natur entspräche.
Ich bin nicht der Meinung, dass man das Militär mit zivilen Ausbildungsstätten oder Arbeitsplätzen so einfach vergleichen kann, denn das „Militär ist jene soziale Organisation, die uniformiert, kaserniert, bewaffnet und dem Prinzip von Befehl und Gehorsam unterworfen ist, und die von einem Staat unterhalten wird, um bestimmte Macht-, Herrschafts- oder Produktionsformen durchzusetzen, aufrechtzuerhalten oder zu verteidigen“ (Euskirche n, 2004: 35). Das Militär ist ein gesellschaftlicher Bereich, wie die Politik oder die Wissenschaft auch, eine Organisation, deren Strukturen gemacht sind und nicht von sich aus gewachsen. Organisationsweisen werden nicht in der Welt gefunden, sondern von Menschen geschaffen und die Individuen in solchen Einrichtungen treten miteinander in soziale Beziehungen, die nicht ‚natürlich’ sind. Es wird aber nicht nur beim Militär Uniform getragen oder gehören Waffen zum Arbeitsalltag. Was diese Institution von anderen gesellschaftlichen Bereichen dagegen trennt, ist zum einen die Kasernierung von Soldaten, Rekruten und Vorgesetzten. Die örtliche Abgrenzung des Militärs, welche im ausgehenden 17. Jahrhundert entstanden ist, verfolgt den Zweck, die Erziehung des Soldaten auf alle Lebensbereiche ausweiten und somit die militärische Ausbildung maximieren zu können (vgl. Euskirchen, 2004: 56). Die Isolation hat darüber hinaus die Funktion, die verschiedenen Lebenssituationen stärker kontrollieren zu können, d.h. Fremdbeherrschung somit zu ermöglichen. Ferner scheint es nur durch die Abgrenzung möglich zu sein, eine sogenannte militärische Scheinrealität beizubehalten. Gemeint ist damit, dass sonst in Friedenszeiten das Militär seine eigentliche Bestimmung für den Krieg nicht problemlos aufrechterhalten kann (Voss, 1988: 49). Markus Euskirchen verweist an dieser Stelle auf den von Erving Goffman geprägten Begriff der ‚totalen Institution’ und die Analogie zum Militär. Eine sogenannte totale Institution ist durch vier Merkmale charakterisiert: Alle Lebensbereiche finden nur an einem Ort statt; alle werden gleich behandelt; das Leben in einer solchen Institution ist genau geplant und alle Tätigkeiten dienen einem institutionellen Zweck (vgl. Euskirchen, 2004: 56; Goffman 1973: 17).
Die militärische Struktur innerhalb der Kaserne oder auf dem Stützpunkt ist zum anderen eine Besonderheit, was das Prinzip von Befehl und Gehorsam anbetrifft. Die Methoden
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dienen nicht nur der Aufrechterhaltung von Ordnung, sondern haben als Disziplinierungsmittel 1 den Zweck Unterordnung und Selbstaufgabe zu gewährleisten. Das Militär unterscheidet sich noch in einem weiteren Punkt von zivilen Institutionen: Die Verknüpfung mit dem Staat und seiner Politik ist in keinem anderen gesellschaftlichen Bereich so ausgeprägt wie hier. Einerseits konzentriert das Militär auf seinem Territorium staatliche Gewaltmittel, stellt demzufolge eine verdinglichte Erscheinungsform von Staatsgewalt dar (Krippendorff, 1988: 15) und kann dieses Potential sowohl nach innen als auch nach außen einsetzen, je nach Anweisung der jeweils herrschenden Staatsoberhäupter. Die Armee ist demnach ein politisches Instrument nicht nur in Kriegs-und Krisenzeiten, sondern auch in Friedenszeiten, wie zum Beispiel als militärische Ehrerweisung bei Staatsbesuchen oder Staatsbegräbnissen. Andererseits verkörpert die Armee politische Ideologien 2 u.a. in Form eines ganz bestimmten Typus von militärischer Männlichkeit: Die Eigenschaften des Militärs wie Heldentum, Kampf, Tapferkeit und Tod ze ichnen sich durch einen aggressiv- gewaltförmigen und ambivalenten Charakter aus. Auffallend ist, dass die oben genannten soldatischen Attribute vorrangig männlich konnotiert sind und einen prosozialen, das heißt beschützenden, aber auch einen gewaltverherrlichenden Inhalt haben. Typisch weibliche Eigenschaften haben im Militär sowohl keinen Platz als auch keine Funktion (vgl. Sasson-Levy, 2003: 82). Wir haben es hier also mit einem ‚reinen’ männlichen Charakter zu tun, der sich beim Militär nicht zufällig herausgebildet hat, vielmehr erfüllt dieses Konzept wichtige Aufgaben. Den Konstruktionscharakter dieser Männlichkeit, die Rolle, die er erfüllt und die Schwierigkeiten, die sich damit ergeben werde ich in den nächsten Abschnitten noch ausführlicher darstellen.
1.1 Rituale und andere Formen von Disziplinierungen
Rituale haben eine ordnungsstiftende und eine ordnungssichernde Funktion, nicht nur im Militär, sondern auch in vielen zivilen Organisationen. Es handelt sich hier um „verdichtete Kommunikation [...], die eine bestimmte soziale Ordnung vermittelt, diese reproduziert, reorganisiert und bisweilen auch neu hervorbringt“ (Euskirchen, 2004: 26). Die Armee bedient sich, durch ihre besondere Aufgabe der Gehorsamsproduktion, spezifischer Techniken zur Diszip linierung der Soldaten. Euskirchen (2004: 56f.) fasst
Arbeit zitieren:
Steffi Osterburg, 2004, Zum Soldaten geboren? Militärische Sozialisation und politische Ideologien, München, GRIN Verlag GmbH
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