Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Chinas We g zur WTO 1
II.1 Reform- und Öffnungspolitik der VRC von 1973 1998 1
II.2 Motive für und Verpflichtungen durch Chinas WTO-Mitgliedschaft 2
III. Auswirkungen des WTO-Beitritts der VRC 3
III.1 Die Schwächung der Dominanz des chinesischen Staates 3
III.1.1 Beschäftigung 3
III.1.2 Dominanz des Staates im industriellen Sektor 4
III.1.3 Staatliche Subventionierung der SOEs 4
III.2 Sektorenanalyse 5
III.2.1 Der landwirtschaftliche Sektor 5
III.2.2 Der industrielle Sektor 6
III.2.3 Der Dienstleistungssektor 7
III.3 Auswirkungen des WTO-Beitritts der VRC auf WTO-Mitgliedstaaten 8
III.3.1 USA, Europäische Union und Japan 8
III.3.2 Auswirkungen auf die ASEAN-Staaten 9
IV. Schwierigkeiten der VRC als WTO-Mitglied 10
IV.1 Anti-Dumping Untersuchungen 10
IV.2 Verfahrensweise der Anti-Dumping Untersuchungen 12
IV.3 Implementierungsstatus der WTO-Vereinbarungen 13
V. Schlussbetrachtung 15
Anhang 18
Literaturverzeichnis 19
1
I. Einleitung
Im Rahmen dieser Hausarbeit „China und die WTO“ wird eine ausgewogene Analyse der Auswirkungen, die sich aus Chinas WTO-Beitritt ergeben, sowie der daraus erwachsenden Herausforderungen, denen sich die Volksrepublik China (VRC) konfrontiert sieht, angestrebt. Zur Einführung in die Problemstellung wird hierbei zunächst kurz auf die Reform-und Öffnungspolitik, die den Beginn des chinesischen Transformationsprozesses markiert als auch auf die Motive für Chinas WTO-Mitgliedschaft und den daraus resultierenden Verpflichtungen eingegangen. Die Auswirkungen des WTO-Beitritts Chinas werden von zwei Seiten beleuchtet. Zum einen werden die Veränderung der chinesischen Volkswir tschaft als Folge auf Chinas WTO-Beitritt diskutiert, die anhand einer fundierten Untersuchung der Dominanz der Staatsbetriebe als auch mit Hilfe einer Analyse der drei chinesischen Sektoren eruiert wird. Zum anderen wird der Blick auf die WTO-Mitglieder, insbesondere die USA, die Europäische Union (EU), Japan und die ASEAN gerichtet, die sich aufgrund Chinas WTO-Beitritt maßgeblichen Veränderungen gegenübergestellt sehen. Abschließend werden die Schwierigkeiten der VRC als WTO-Mitglied dargelegt. Insbesondere wird hierbei auf die Problematik der Anti-Dumping Untersuchungen und deren Verfahrensweisen in der VRC als auch auf den Implementierungsprozess der WTO-Vereinbarungen eingegangen.
II. Chinas Weg zur WTO
II.1 Reform- und Öffnungspolitik der VRC von 1973 - 1998
Die im Dezember 1978 durch den 11. Kongress des Zentralkomitees verabschiedete chinesische Reform- und Öffnungspolitik läutete den Übergang von der Zentralverwaltungswir tschaft zur sozialistischen Marktwirtschaft ein 1 . Durch die Einführung von Marktmechanismen und die erhöhte Autonomie der Unternehmen durch Dezentralisierungsmaßnahmen sollten sowohl allokative Ineffizienzen und Ressourcenverschwendungen als auch die durch die patriarchalische Rolle des Staates hervorgerufene Innovationslosigkeit der Unternehmen beseitigt werden. Hauptaugenmerk wurde hierbei auf die Belebung großer und mittlerer Unternehmen gelegt. Ziele der chinesischen Öffnungspolitik waren die Ausdeh- 1 Luo,Qi: China’s Industrial Reform and Open-Door-Policy 1980-1997. A case study from Xiamen, Ashgate Publishing Ltd., Univeryity of Leeds, UK, 2001, S.29.
2
nung des Außenhandels, die Bindung ausländ ischen Kapitals und die Entwicklung der SEZ (Special Economic Zones) 2 .
II.2 Motive für und Verpflichtungen durch Chinas WTO-Mitgliedschaft Durch die chinesische Reform- und Öffnungspolitik zählt die VRC zu den dynamischsten Volkswirtschaften der Welt. Bis 1997 erreichte die Wachstumsrate der Exporte ca. 13,3% p.a. 3 , die der Importe ca.15% p.a., die des Bruttoinlandprodukts ca. 7% p.a. 4 und die des Volkseinkommens ca. 10% p.a. 5 . Aufgrund der gestiegenen Anforderungen, die sich aus der Liberalisierung des Welthandels ergaben, bemühte sich die VRC um eine Integration in das multilaterale Handelssystem der WTO. Am 11. Dezember 2001 wird die VRC vollständiges Mitglied der World Trade Organization. Durch die WTO-Mitgliedschaft kommt die VRC in den Genuss der in der WTO verankerten Prinzipien, nach denen alle Mitgliedstaaten einen gemeinsamen Verhaltenskodex akzeptieren. Zentrale Prinzipien 6 der WTO leiten sich aus den Zielen der Nicht-Diskriminierung und der Handelsliberalisierung ab. Das Meistbegünstigungsprinzip (most favoured nation, MFN) legt fest, dass alle Handelsvereinbarungen, die ein WTO-Mitglied mit einem anderen WTO-Mitglied trifft, auf alle Mitgliedstaaten ausgedehnt werden müssen. Des weiteren verlangt das Inländerprinzipgebot die Gleichbehandlung in- und ausländischer Güter. Auf diese Weise kann vermieden werden, dass wirtschaftlich starke Länder keine Maßnahmen zuungunsten schwächerer Länder durchsetzen können. Weiterhin bekommt die VRC den Status eines gleichberechtigten Handelspartners zuerkannt, wodurch Chinas Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung an der Gestaltung einer künftigen Welthandelsordnung gestärkt werden. Jährliche bilaterale Neuverhandlungen über Handelskonditionen entfallen, wodurch sowohl die Unsiche rheiten und Informationskosten der Handelspartner gesenkt, als auch das Vertrauen ausländischer Investoren gewonnen wird. Im Gegenzug verpflichtet sich die VRC im Rahmen der WTO-Vereinbarungen, maßgebende Maßnahmen zur Deregulierung und Liberalisierung zu ergreifen.
2 Zhaorong, Mei: Reform- und Öffnungspolitik Chinas und Möglichkeiten der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit. Vortrag vor Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, 19. März 1996.
3 Luo, Qi: Ashgate Publishing Ltd., Univeryity of Leeds, UK, 2001, S.39.
4 Yao, Shuije: China’s Rural Economy in the First Decade in the 21 st Century: Problems and Growth Constraints. China Economic Review 13 (2002), S.354/355.
5 Gurbaxani, Indira und Opper, Sonja: Chinas Weg in die WTO im Spannungsfeld chinesischeamerikanischer Partikularinteressen. Tübinger Diskussionsbeitrag Nr. 130, März 1998, S.1.
6 Vgl. Yüksel, Ali Sait: Welthandelsorganisation WTO (GATT), Aufgaben/ Aktivitäten/ EU-Beziehungen, Frankfurt a.M., 2001, S.36.
3
So sind beispielsweise die schrittweise Liberalisierung der Handels- und Vertriebsrechte, die Öffnung des Telekommunikations-, Banken, Versicherungs- und Kraftfahrzeugsektors für ausländ ische Marktteilnehmer, die Reduktion der Importzölle und die Abschaffung der Kontingentierungen von Gütern und Dienstleistungen als maßgebende Verpflichtungen zu ne nnen 7 .
III. Auswirkungen des WTO-Beitritts der VRC
Die Auswirkungen des WTO-Beitritts auf die Volkswirtschaft der VRC sind zum einen durch eine Schwächung der Dominanz der Staatsunternehmen und zum anderen durch eine Veränderung der Marktstrukturen gekennzeichnet. Die Schwächung der Staatsdominanz wird im Folgenden anhand der Indikatoren (1) Beschäftigung, (2) Anzahl der Staatsbetriebe, (3) Industrieller Output und (4) staatliche Subventionen analysiert. Hierbei sind Staatsbetriebe (SOEs 8 ), Kollektivbetriebe (COEs 9 ), private und selbständige Unternehmen 10 und andere Unternehmen 11 zu unterscheiden. Der Veränderung der chinesischen Markstrukturen wird durch die Analyse der drei Sektoren Rechnung getragen. Als Betrachtungsperioden werden die Jahre 1990 und 1998 herangezogen, deren Daten, trotz des erst später erfolgten WTO-Beitritts der VRC, eine geeignete Prognosebasis im Sinne einer Trendprojektion darstellen.
Anschließend werden die Auswirkungen des chinesischen WTO-Beitritts auf Chinas bedeutendste Handelspartner USA, EU und Japan sowie auf die Nachbarstaaten, die ASEAN, diskutiert.
III.1 Die Schwächung der Dominanz des chinesischen Staates
III.1.1 Beschäftigung
Ein Wandel der Dominanz des Staatssektors lässt sich anhand der Tabelle 1 (siehe Anhang) identifizieren. Negative Wachstumsraten hinsichtlich der Beschäftigtenzahl sind sowohl bei den Staats-, als auch bei den Kollektivunternehmen und über alle Sektoren hinweg zu erkennen. Während 1990 noch ca. 70% der Arbeiterschaft im Staatssektor be-
7 o.V.:China’s WTO Implementation Efforts. The China Business Review Vol.29, March-May 2002, S.40-41.
8 State-owned enterprises: Firmen mit mindestens 51% Staatsbeteiligung.
9 Collectively-owned enterprises: Beinhalten städtische Kollektive und ländliche Gemeinde- und Dorfunternehmen (TVEs).
10 Firmen in Privatbesitz mit weniger als 7 Mitarbeitern.
11 Joint-Ventures oder vollständig fremdfinanzierte Privatunternehmen mit mehr als 7 Mitarbeitern.
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schäftigt sind, sinkt die Anzahl bis 1998 auf ca. 55% 12 . Massive Reallokationswirkungen insbesondere im industriellen und im Dienstleistungssektor sind evident. Gleichzeitig steigt die Beschäftigtenzahl der privaten und selbständigen Unternehmen und anderer Unterne hmen um ca. 28%. Es ist jedoch zu beachten, dass dieser Effekt teilweise darin begründet liegt, dass die statistische Klassifikation der SOEs geändert wurde, und somit Firmen mit weniger als 51% Staatsbeteiligung und weniger als 5 Millionen Yuan Umsatz nicht als SOE erfasst werden 13 .
III.1.2 Dominanz des Staates im industriellen Sektor
Die Verringerung der Dominanz des chinesischen Staates im industriellen Sektor lässt sich aus Tabelle 2 (siehe Anhang) aus verschiedenen Blickwinkeln erkennen. Zum einen fällt der Anteil der SOEs im industriellen Sektor bei relativ konstanter Anzahl industrieller Unternehmen um ca. 60% und generiert den dreifachen Wert des industriellen Outputs im Vergleich zum Basisjahr 1990. Offensichtlich geht diese Entwicklung mit einer Reduktion der Beschäftigten im Staatssektor einher. Andererseits schwindet der Beitrag der SOEs trotz Verfünffachung des Gesamtwerts des industriellen Outputs auf nunmehr 28,24%. Begründet liegen diese Entwicklungen in der Steigerung der Effektivität, den in Abschnitt III.1.1 diskutierten Reallokationswirkungen und den Entlassungen der bisher verdeckten Arbeitslosen in die reale Arbeitslosigkeit 14 .
III.1.3 Staatliche Subventionierung der SOEs
Die Verluste der SOEs konzentrieren sich maßgeblich auf kleine und mittlere Unterne hmen (KMUs). Gewinne werden fast aus schließlich in großen SOEs erwirtschaftet, deren Ertragsrenditen aber lediglich bei ca. 3,3% liegen. Es ist offensichtlich, dass zahlreiche SOEs ohne staatliche Subventionierung Bankrott gehen würden und in einer offenen Marktwirtschaft entweder aus dem Markt austreten oder einer Restrukturierung bedürfen würden. Wie sich aus Tabelle 3 (siehe Anhang) erkennen lässt, wird dieser marktwir tschaftlichen Entwicklung durch massive Subventionierung der Staatsbetriebe entgegenge- 12 zitiertnach: Chen, Aimin: The Structure of Chinese Industry and the Impact from China’s WTO Entry,
2002, S.76/77 aus: China Statistical Yearbook, 1992, pp. 403-404, 1997, pp. 411-412, 1998, pp. 431-432, and
1999 pp. 422-423.
13 Broadman, Harry G.: China’s Membership in the WTO and Enterprise Reform: The Challenges for Accession and Beyond. Lead Economist, Europe&Central Asia Regional Operations, The World Bank. S.2f.
14 Dong, Xiao-yuan und Bowles, Paul: Segmentation and Discrimination in China’s Emerging Industrial Labor Market. China Economic Review 12 (2002), S.193-195.
Arbeit zitieren:
Oliver Arndt, 2003, China und die WTO, München, GRIN Verlag GmbH
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