- 2 -3.3 Prüfung der Informationsaufnahme
3.3.1 Informationsaufnahme der Gesamtanzeige 3.3.1.1 Horizontale Anordnung der Texte zum zentralen Bildelement 3.3.1.2 Vertikale Anordnung der Texte zum zentralen Bildelement 3.3.1.3 Verzichtbare Bilder oder Texte 3.3.2 Informationsaufnahme des Bildes 3.3.3 Informationsaufnahme der Headline 3.3.4 Informationsaufnahme des Absenders 3.3.4.1 Größengestaltung des Markennamens 3.3.4.2 Markennamen in der Headline 3.3.4.3 Plazierung des Absenders an üblicher Stelle 3.3.4.4 Auffällige Plazierung und Gestaltung des Absenders 3.3.5 Informationsaufnahme des Fließtextes 3.3.5.1 Kürzungsmöglichkeiten des Fließtextes 3.3.5.2 Formale Gestaltung des Fließtextes 3.3.6 Informationsaufnahme von doppelseitigen Anzeigen 3.4 Prüfung der anderen Komponenten 3.4.1 Informationsspeicherung 3.4.2 Einstellungswirkung
4. Fallbeispiele
4.1 Wasa 4.1.1 Analyse der Wasa-Anzeige 4.1.2 Optimierungsvorschläge für die Wasa-Anzeige: 4.2 Blaupunkt 4.2.1 Analyse der Blaupunkt-Anzeige 4.2.2 Optimierungsvorschläge für die Blaupunkt-Anzeige
5. Kritische Würdigung und Schlußbetrachtung
Anhang Literaturverzeichnis
- 1 - 1.Einführung
In Deutschland beträgt die Informationsüberlastung bei Zeitschriften 94%. D.h. es werden nur 6% aller in Zeitschriften präsentierten Informationen von den Lesern wahrgenommen 1 . Die durchschnittliche Betrachtungszeit für Anzeigen beträgt nur 2 Sekunden 2 . Nur 3% bis 5% der Lesezeit, die für Anzeigen erforderlich wäre, wird für diese auch aufgewendet 3 .
Die Märkte sind gesättigt 4 und es herrscht allgemeine vor 5 . Werbeüberdrüssigkeit Daher müssen Anzeigen
"schneller" werden 6 , d.h. die Werbewirkung von Anzeigen muß erhöht werden. Sonst sind sie fast effektlos. Merkmale schneller Anzeigen sind 7 :
- Auslösung von spontaner hoher Aufmerksamkeit
- Vermittlung der Botschaft in wenigen Sekunden
- Sofortige Verständlichkeit
- Hohe Einprägsamkeit
- Sympathie und Überzeugungskraft auf den ersten Blick Als Instrument zur Überprüfung dieser Merkmale dient das Tachometerverfahren, mit dem sich diese Arbeit beschäftigt. Mit ihm lassen sich außerdem die Schwachpunkte von Anzeigen offenlegen und Verbesserungsvorschläge ableiten.
Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Zuerst werden grundlegende Begriffe erläutert. Im Hauptteil wird ausführlich auf die Prüfung von Informationsverarbeitung, Aktivierungspotential und Informationsaufnahme eingegangen. Zugunsten einer ausführlichen Darstellung dieser drei Komponenten, die sonst aufgrund der Seitenbeschränkung in dieser Form nicht möglich gewesen wäre, wird auf die Prüfung von Informationsspeicherung und Einstellungswirkung nur kurz eingegangen. Anschließend wird das Tachometerverfahren anhand von Fallbeispielen durchgeführt und abschließend kurz kritisch gewürdigt.
1 Vgl. W. Kroeber-Riel: Kommunikation im Zeitalter der Informationsüberlastung, S. 182.
2 Vgl. W. Kroeber-Riel: Weniger Informationsüberlastung durch Bildkommunikation, S. 485.
3 Vgl. W. Kroeber-Riel: Strategie und Technik der Werbung, S. 16.
4 Vgl. W. Kroeber-Riel: Zentrale Probleme auf gesättigten Märkten, S. 210.
5 Vgl. Meyer-Hentschel Management Consulting: Erfolgreiche Anzeigen, S. 19 f.
6 Vgl. G. Meyer-Hentschel: Anzeigen müssen "schneller" werden, S. 274 ff.
7 Vgl. Meyer-Hentschel Management Consulting: Erfolgreiche Anzeigen, S. 12.
- 2 - 2.Begriffliche Grundlegung
2.1 Werbewirkung
Die Werbewirkung ist die psychologische Wirkung der Werbung. Sie umfaßt die Veränderungen im Bewußtsein der Adressaten der Werbung 8 . Dies sind z.B. Aufmerksamkeit, Einstellungen, Image, Präferenzen, Produktkenntnisse, Kaufabsichten, Firmen- und Markenbekanntheit 9 . Die Werbewirkung wird daher oft als außerökonomische Komponente des Werbeerfolgs gesehen 10 . Damit stellt sie das Gegenstück zum ökonomischen Werbeerfolg dar, der durch Veränderungen von Gewinn, Rentabilität, Umsatz, Marktanteil und Kosten gemessen wird. Die Darstellung der Werbewirkung erfolgt anhand von Werbewirkungsmodellen. Es gibt zahlreiche Ansätze, von denen Stufenmodelle am weitesten verbreitet sind. Merkmal der Stufenmodelle ist die Vorstellung unterschiedlicher Teilwirkungen, die sich untereinander in einer Richtung bedingen. Die vorhergehende Wirkung ist unbedingte Voraussetzung für die nächste Wirkungsstufe. Bei Unterbrechung der Wirkungskette an einer beliebigen Stelle ist die gesamte Wirkungsstufenfolge unterbrochen. Danach kann es zu keinen weiteren positiven Wirkungen mehr kommen. Die einzelnen Wirkungsstufen bilden gleichzeitig auch ein Zielbündel für die Werbung 11 .
Das bekannteste Stufenmodell ist das AIDA-Modell. Es wurde 1898 von Lewis entwickelt. Die vier Buchstaben stehen für die Anfangsbuchstaben der Teilwirkungen: Attention (Aufmerksamkeit), Interest (Interesse),
Desire (Wunsch) und Action (Handlung). Es gibt noch zahlreiche andere Stufenmodelle. Einen Überblick gibt Bender 12 . Der besondere Vorteil von Stufenmodellen liegt in ihrer Einfachheit. Der entscheidende Mangel aller Stufenmodelle ist die Leitvorstellung von einem einheitlichen Wirkungsmodell, nach dem sich die Werbung zu richten hat. Notwendig wäre eine Differenzierung nach den Bedingungen, insbesondere nach den Involvementbedingungen, unter denen geworben wird. Sie aber fehlt den Stufenmodellen. Daher sollten die Stufenmodelle nur als Checkliste wichtiger Beeinflussungswirkungen verstanden werden, welche die Werbung häufig anstrebt 13 . Andere Ansätze von Werbewirkungsmodellen außer den Stufenmodellen sind z.B. das Modell der Wirkungspfade nach Kroeber-Riel 14 oder das phasenorientierte Modell von Hermanns 15 .
8 Vgl. H. Knoblich: Absatzpolitik, S. 255.
9 Vgl. B. Treis: Marketing, S. K.10.
10 Vgl. H. Knoblich: Absatzpolitik, S. 255.
11 Vgl. H. J. Rogge: Werbung, S. 49 f.
12 Vgl. M. Bender: Die Messung des Werbeerfolgs in der Werbeträgerforschung, S. 139.
13 Vgl. W. Kroeber-Riel: Konsumentenverhalten, S. 618.
14 Vgl. W. Kroeber-Riel: Konsumentenverhalten, S. 619 ff.
15 Vgl. A. Herrmans: Konsument und Werbewirkung. Das phasenorientierte Werbewirkungsmodell, S. 38.
- 3 -Zur Überprüfung der Werbewirkung gibt es zahlreiche Verfahren. Sie sollten möglichst objektiv, reliabel (zuverlässig) und valide (gültig) sein 16 . Es lassen sich die Variantenklassen der subjektiven und objektiven Verfahren unterscheiden. Bei subjektiven Verfahren wird das Werbemittel Personen zur Begutach-tung vorgelegt. Dies können Konsumenten oder Experten sein. Bei objektiven Verfahren sollen persönliche Urteile mit ihren Nachteilen der Subjektivität ausge-schaltet werden. Mit psycho-technischen Prüfverfahren wird versucht, Art und Intensität der psychischen Wirkungsvorgänge bei den Umworbenen festzustellen 17 . Weitere Möglichkeiten der Systematisierung sind die Einteilungen nach Pre- und Posttests 18 , nach evaluati-ven- und diagnostischen Verfahren 19 oder nach Befragung und Beobachtung.
Im folgenden werden gängige Verfahren kurz vorgestellt. Da eine Einordnung nicht überschneidungsfrei möglich ist, wird auf sie verzichtet 20 . 1. Recognition-Verfahren ("Wiedererkennungsverfahren"): Dem Befragten werden Werbemittel vorgelegt. Er wird gefragt, ob er die Vorlage kennt. 2. Recall-Verfahren ("Erinnerungsverfahren"): Hier wird zwischen unaided und aided Recall unterschieden. Beim unaided Recall sollen Anzeigen allein anhand des Gedächtnis der Versuchspersonen erinnert werden. Beim aided Recall werden Gedächtnishilfen bei der Befragung gegeben.
16 Vgl. L. Berekoven/W. Eckert/P. Ellenrieder: Marktforschung, S. 364.
17 Vgl. R. Nieschlag/E. Dichtl/H. Hörschgen: Marketing, S. 558 ff.
18 Vgl. J. Rehorn: Werbetests, S. 3 f.
19 Vgl. F.R. Esch: Expertensystem zur Beurteilung von Anzeigenwerbung, S. 8.
20 Vgl. M. Hüttner: Grundzüge der Marktforschung, S. 309 ff.
- 4 -3. Apparative Verfahren: Unter Einsatz technischer Einrichtungen werden Beobachtungen durchgeführt. Dazu gehören Augenkamera, Verfahren der Blickaufzeichnug, Tachistoskop, Schnellgreifbühne, Psychogalvanometer, Program Analyser.
Es ist auch möglich, die Werbewirkung anhand von Beurteilungsbögen (z.B. Anzeigenbeurteilungsbogen) durch Experten einschätzen zu lassen 21 .
2.2 Anzeigen
Anzeigen gehören zu den Werbemitteln. Sie sind die Hauptwerbemittel in den Printmedien. In Deutschland waren das (im Jahr 1986) 388 Tages-, 46 Wochenzeitungen, 411 Publikums-, 813 Fach-, 38 Kundenzeitschriften, 14 Wirtschaftsadreßbücher und 73 Fernsprechbücher 22 .
Bei Zeitungen können sie sowohl im Anzeigenteil als auch im Textteil stehen. Anzeigen im Textteil sind ungefähr viermal so teuer. Der höhere Preis wird mit dem größeren Aufmerksamkeitsgrad begründet, der Anzeigen im Textteil zukommt 23 . Bei Zeitschriften unterscheidet man zwischen Formaten im Satzspiegel und angeschnittenen Anzeigen. Bei Anzeigen im Satzspiegel läuft ein ungenutzter "weißer Rand" um die Anzeige, der sie verkleinert. Angeschnittene Anzeigen haben keinen "weißen Rand", sind dafür allerdings etwas teurer 24 .
In Zeitschriften haben Anzeigen ein "längeres Leben" als in Zeitungen, aber auch als Werbemittel im Radio Fernsehen 25 . oder Denn Zeitschriften haben eine
Nutzungsdauer von mehreren Wochen, so daß eine Anzeige mehrfach von den Umworbenen betrachtet werden kann. Weitere Merkmale von Anzeigen sind Format und Farbe. Beim Format kann zwischen einer Spannbreite von 1/64 Seite bis zu mehreren Seiten hintereinander variiert werden. Bei Doppelseiten und kleineren Formaten sind Preis und Format proportional. Bei mehreren Seiten hintereinander zum gleichen Thema, sogenannten Themenstrecken, können Preisnachlässe (unterproportionale Preise) gewährt werden 26 .
Es sind schwarzweiße und mehrfarbige Anzeigen möglich, oder auch solche mit einer Zusatzfarbe. Der Preis steigt mit der Farbigkeit der Anzeigen. Um Teilmärkte gezielt durch Anzeigen bewerben zu können, sind in überregionalen Zeitungen und Zeitschriften Teilbelegungen nach Nielsengebieten möglich. Diese sind selbstverständlich preisgünstiger als Anzei- 21 Vgl. P.Kotler/F. Bliemel: Marketing Management, S. 905.
22 Vgl. R. Nieschlag/E. Dichtl/H. Hörschgen: Marketing, S. 522.
23 Vgl. R. Huth/D. Pflaum: Einführung in die Werbelehre, S. 123 f.
24 Vgl. R. Huth/D. Pflaum: Einführung in die Werbelehre, S. 130.
25 Vgl. G. Schweiger/G. Schrattenecker: Werbung, S. 186.
26 Vgl. Bunte Anzeigenabteilung: Anzeigen-Preisliste Nr.34, S. 4.
- 5 -gen, die in der gesamten bundesweiten Auflage einer Zeitung/Zeitschrift geschaltet werden.
2.3 Wesen und Komponenten Tachometerverfahren Der Begriff des Tachometers wurde von der Physik ins Marketing übertragen. Ein Tachometer in der Physik mißt die Geschwindigkeit eines Körpers. Das Tachometerverfahren im Marketing mißt die Geschwindigkeit von Anzeigen, also ihre Werbewirkung. Es ist ein Testverfahren für die Anzeigenwerbung.
Im folgenden werden die Begriffe Tachometerverfahren und Tachometer synonym verwendet. Der Tachometer wurde 1988 von Gundolf Meyer-Hentschel entwickelt und in "Erfolgreiche Anzeigen" publiziert. Er wurde inzwischen weiterentwickelt. Die modifizierte Form des Tachometers unterliegt aus Wettbewerbsgründen der Geheimhaltung der Meyer-Hentschel Management Consulting und wurde nicht veröffentlicht. Diese Arbeit beschäftigt sich daher mit dem ursprünglichen Verfahren. Das Tachometerverfahren gibt es als Fragebogen und als Expertensystem. Anhand des Fragebogens wird geprüft, ob die Anzeige bestimmte werbewirksame Eigenschaften
aufweist. Nach Grad der Werbewirksamkeit werden Punkte auf einer Rating-Skala vergeben und anschließend addiert. Dadurch werden Anzeigen vergleichbar. Der Fragebogen kann von einer Person ausgefüllt werden, üblicherweise sind es aber fünf, aus deren Ergebnissen dann ein Mittelwert gebildet wird. Der Tachometer läßt kaum Raum für subjektive Einschätzungen 27 . Der Fragebogen inklusive der Ergebnisse von zwei Fallstudien befindet sich im Anhang.
Das Tachometerverfahren als Expertensystem ist die EDVgestützte Umsetzung des Fragebogens. Expertensysteme sind wissensbasierte Computerprogramme. Anstelle von Experten des spezifischen Fachgebiets lösen sie Probleme. Sie speichern und verarbeiten Wissen 28 . Das besondere am Tachometerverfahren ist, daß es schon im Entwurfsstadium der Anzeige angewendet werden kann und eine Befragung oder den Einsatz eines apparativen Verfahrens überflüssig macht. Schon frühzeitig werden "Geschwindigkeitsreserven" aufgedeckt, so daß Anzeigen noch während ihrer Entwicklung verbessert werden können 29 .
Das Tachometerverfahren setzt sich aus fünf Komponenten zusammen. Es sind psychische Prozesse des Konsumentenverhaltens: Aktivierung, Informationsaufnahme, Informationsverarbeitung, Informationsspeicherung und Einstellungswirkung.
27 Vgl. Meyer-Hentschel Management Consulting: Tachometerprint, S. 6.
28 Vgl. F.R. Esch/W. Kroeber-Riel: Expertensysteme für die Werbung, S. 12.
29 Vgl. Meyer-Hentschel Management Consulting: Tachometerprint, S. 4.
- 6 -Die Grunddimension aller Antriebsprozesse ist die Aktivierung. Sie kann als "Erregung" oder "innere Spannung" beschrieben werden. Der Organismus wird durch die Aktivierung mit Energie versorgt. Dadurch wird er leistungsbereit und leistungsfähig 30 . Clauss versteht Aktivierung als "Prozeß der Inbetriebnahme von...Hirn-und Körperfunktionen" 31 .
Es gibt drei Aktivierungstechniken zur Erzeugung von Aufmerksamkeit. Diese sind Aktivierung durch 32
- physisch intensive Reize
- emotionale Reize
- überraschende Reize (kognitive Reize) Den Grad der Fähigkeit eines Werbemittels Aktivierung hervorzurufen, nennt man Aktivierungspotential. Informationsaufnahme (Wahrnehmung) ist die allgemeine und umfassende Bezeichnung für den Prozeß der Informationsgewinnung. Diese erfolgt aus Umwelt- und Körperreizen. Sie beinhaltet auch die damit verbundenen emotiven Prozesse und Modifikationen durch Transformationsprozesse. Die Empfindungen und Vorstellungen über die Umwelt und die eigene Person ergeben sich aus der Wahrnehmung. Die Beschreibung der Vorstellungen über die Umwelt ist oft die bildliche Rekonstruktion der Außenwelt in der Innenwelt 33 . Durch die Informationsaufnahme wird die Informationsverarbeitung initiiert. Zu ihr gehören die Prozesse des Beurteilens, Denkens und Problemlösens. Auch der psychische Auswahlprozeß, als engeren Entscheidungsvorgang des Konsumenten, gehört zur Informationsverarbeitung 34 . Die Informationsverarbeitung wird in Bezug auf das Tachometerverfahren auch als Verständnis bezeichnet. Das Vermögen einer Anzeige, eine gute Informationsverarbeitung zu gewährleisten, wird als Verständlichkeit bezeichnet.
Die Informationsspeicherung umfaßt das Festhalten von verarbeiteten Informationen im Gedächtnis. Nach dem weitverbreiteten Mehrspeicherkonzept des Gedächtnisses werden drei Informationsspeicher unterschieden. Dies sind der sensorische Informationsspeicher, der Kurzzeitspeicher und der Langzeitspeicher 35 . Die stabile Werthaltung, die das Verhalten konsistent positiv oder negativ ausrichtet, nennt man Einstellung 36 .
Die Einstellungswirkung ist die, durch die anderen kognitiven Prozesse ausgelöste, Änderung der Einstellung.
30 Vgl. W. Kroeber-Riel: Konsumentenverhalten, S. 55.
31 G. Clauß/H. Kulka u.a.: Wörterbuch der Psychologie, S. 18.
32 Vgl. W. Kroeber-Riel: Bildkommunikation, S. 101.
33 Vgl. G. Behrens: Konsumentenverhalten, S. 130.
34 Vgl. W. Fritz/M. Thiess: Das Informationsverhalten des Konsumenten und seine Konsequenzen für das Marketing, S. 147.
35 Vgl. W. Fritz/M. Thiess: Das Informationsverhalten des Konsumenten und seine Konsequenzen für das Marketing, S. 149 f.
36 Vgl. G. Behrens: Konsumentenverhalten, S. 111.
- 7 - 3.Das Tachometerverfahren
In diesem Teil wird in jedem Unterpunkt eine Frage des Tachometer-Fragebogens erläutert. Bei Punkt 3.2.1.3 wurden aus systematischen Gründen zwei Fragen zu einem Unterpunkt zusammengefaßt. Bei Punkt 3.6. wurden vier Fragen zu einem Unterpunkt zusammengefaßt, da sie selbsterklärend sind. Aus den oben genannten Gründen wird die Prüfung von Informationsspeicherung und Einstellungswirkung nur kurz erläutert.
3.1 Prüfung der Verständlichkeit einzelner Anzeigenelemente
3.1.1 Verständlichkeit der Gesamtanzeige
Um eine hohe Verständlichkeit zu erreichen, sollten sich die in der Anzeige gegebenen Informationen auf das Wesentliche beschränken. Unwesentliches lenkt von den eigentlich wichtigen Informationen ab 37 . Damit die Gesamtanzeige verständlich ist, sollte die Werbebotschaft schnell aufgenommen werden können und sie sollte frei von Widersprüchen sein.
3.1.1.1 Schnelle Verständlichkeit der Anzeige Die Leser von Publikumszeitschriften wenden durchschnittlich nur ungefähr 2 Sekunden pro Anzeige auf, um diese zu betrachten. Bei Fachzeitschriften liegt die Betrachtungszeit nur geringfügig höher 38 . Daher muß eine Anzeige innerhalb von 2 Sekunden verstanden werden können. Die Verwendung von bezugslosen Anzeigenelementen
verschlechtert die Verständlichkeit. Die Anzeigenelemente müssen zum beworbenen Produkt passen. Wenn beispielsweise ein Bild einer asiatischen Frau in einer Anzeige für Kreuzfahrten verwendet wird, denkt der flüchtige Betrachter, eine Fernreise nach Thailand würde beworben. Die eigentliche Werbebotschaft über die Vorzüge von Kreuzfahrten wird innerhalb von zwei Sekunden nicht verstanden 39 .
3.1.1.2 Widersprüchlichkeit zwischen Text und Bild In der Anzeige dürfen keine Widersprüche auftreten, wenn sie leicht verständlich sein soll. Um dies zu gewährleisten, müssen Bild, Headline und Fließtext zusammenpassen. Sie sollten sich gegenseitig unterstützen.
37 Vgl. Meyer-Hentschel Management Consulting: Erfolgreiche Anzeigen, S. 157.
38 Vgl. W. Kroeber-Riel: Bildkommunikation: S. 16.
39 Vgl. Meyer-Hentschel Management Consulting: Erfolgreiche Anzeigen, S. 155.
- 8 -Es kommt aber vor, daß das Gegenteil der Fall ist und sogar widersprüchliche Erwartungen hervorgerufen werden (siehe dazu 3.1.3.1) 40 .
Z.B. wirbt Mäser für seine Polos im Text "Wer Mäser-Polos trägt, hat seinen persönlichen Stil gefunden". Im Bild werden aber acht ähnlich aussehende Modells abgebildet, die alle den gleichen Polo tragen 41 . Ein solcher Widerspruch senkt die Verständlichkeit einer Anzeige erheblich.
3.1.2 Verständlichkeit des Bildes
Durch Benutzen von Bildern läßt sich die Verständlichkeit von Anzeigen erhöhen.
Tendenziell fällt der Blick bei Anzeigen zuerst (neben gut lesbar gestalteten Headlines) vor allem auf das Bild. Diese Reihenfolge ist wichtig, da zuerst betrachtete Elemente besser verarbeitet werden. Bilder sind konkreter und lebendiger als Sprache. Daher werden sie intensiver im Gehirn verarbeitet. Dies kommt durch eine gesteigerte Verarbeitungsgeschwindigkeit für visuelle Reize. Ein "normales" Bild wird innerhalb von zwei Sekunden Betrachtungszeit verarbeitet 42 . Durch das Erzeugen von inneren Bildern beim Konsumenten läßt sich ebenfalls die Verständlichkeit erhöhen. Innere Bilder sind nach Kroeber-Riel "konkrete visuelle Vorstellungen von einem Gegenstand" 43 . Nicht verbale Verarbeitungsvorgänge des Menschen, Entstehung, Verarbeitung und Speicherung von inneren Bildern werden unter dem Begriff Imagery zusammengefaßt 44 . Innere Bilder beim Konsumenten von einem Produkt oder einem Unternehmen lassen sich durch die Verwendung von Bildern in Anzeigen erzeugen. Durch Ansprache schon vorhandener innerer Bilder von einem Produkt oder Unternehmen beim Konsumenten läßt sich die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung der Anzeige erhöhen.
3.1.2.1 Richtung der durch das Bild ausgelösten Assoziationen
Bilder lösen beim Betrachter Assoziationen aus. Unter Assoziationen versteht man einen Verknüpfungsvorgang, bei dem im Gedächtnis elementare psychische Bewußtseinsinhalte miteinander verbunden werden. Dies können
40 Vgl. W. Kroeber-Riel: Strategie und Technik der Werbung, S. 172.
41 Vgl. Meyer-Hentschel Management Consulting: Erfolgreiche Anzeigen, S. 165.
42 Vgl. B. Neibecker: Werben mit Bildern, S. 356.
43 W. Kroeber-Riel: Innere Bilder: Signale für das Kaufverhalten, S. 50.
44 Vgl. W. Kroeber-Riel: Die inneren Bilder des Konsumenten, S. 81.
- 9 -z.B. Ideen, Wahrnehmungen, Gedanken, Vorstellungen, Begriffe oder Gefühle sein 45 . Die Verständlichkeit des Bildes kanalisiert die Wahr-nehmung der gesamten Werbebotschaft. Bilder, die Aufmerksamkeit erzeugen, aber negative Assoziationen hervorrufen, stellen deswegen eine Gefahr für die Verständlichkeit der Anzeige dar 46 . Der Betrachter ist dann aufgrund seiner negativen Assoziationen nicht bereit, sich mit der Anzeige zu beschäftigen.
Ein Beispiel ist die Anzeige für das Diabetes-Medikament Glurenorm von Thomae. Hier streckt sich der Rumpf einer blau gefärbten Hand in die Höhe 47 . Die emotionale Kälte die von dieser Anzeige ausgeht, löst negative Assoziationen aus. Die Verständlichkeit ist dadurch geringer als bei Anzeigen mit neutralen oder positiven Assoziationen.
3.1.2.2 Eigenständigkeit des Bildes
Wenn das Bild nicht eigenständig genug ist, um sich beim flüchtigen Betrachten von den Motiven der
Konkurrenz abzuheben, besteht die Gefahr, daß die Anzeige der Konkurrenz zugeordnet wird. Dann kommt
auch die Werbewirkung den konkurrierenden Unternehmen oder Produkten zugute 48 .
Austauschbare Bildmotive sind meist Folge von Ideenlosigkeit und mangelnder Kreativität. Klischees werden eingesetzt, oder Werbeideen, die bei ihrer Entwicklung vormals kreativ waren, aber schon so oft kopiert wurden, daß sie inzwischen austauschbar geworden sind, werden benutzt. Beispiele für Austauschbarkeit bieten Anzeigen von Roche, Bauknecht, Harzer Grauhof und den Deutschen Versicherungen. Sie werben alle mit dem Bild eines Vaters, der sein Baby im Arm hält. Außerdem hat der Vater in jeder Anzeige die gleichen Gesichtszüge, die gleiche Haarfarbe und die gleiche Frisur. Vater und Kind sind jeweils mit nackten Oberkörper dargestellt 49 . Eine Möglichkeit Abhilfe zu schaffen und ein austauschbares zu einem eigenständigen Bild zu machen, ist durch die Detailregel von Kroeber-Riel leicht möglich. Die Detailregel lautet: Füge ein auffallendes und unterscheidbares Detail in das Bild ein, um es von anderen Bildern abzuheben 50 .
45 Vgl. C. Petri: Entstehung und Entwicklung kreativer Werbeideen, S. 6.
46 Vgl. W. Kroeber-Riel: Wirkung von Bildern auf das Konsumentenverhalten, S. 157.
47 Vgl. W. Kroeber-Riel: Strategie und Technik der Werbung, S. 158.
48 Vgl. Meyer-Hentschel Management Consulting: Erfolgreiche Anzeigen, S. 143.
49 Vgl. C. Petri: Entstehung und Entwicklung kreativer Werbeideen, S. 1 ff.
50 W. Kroeber-Riel: Bildkommunikation, S. 298.
Arbeit zitieren:
Diplom-Kaufmann Torsten Hauschild, 1995, Das Tachometerverfahren als Instrument zur Überprüfung der Werbewirkung von Anzeigen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Customer Relationship Management. Die Kundenkarte als Instrument des R...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Studienarbeit, 34 Seiten
Customer Relationship Management - Die Bedeutung vom Kundenwert
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Studienarbeit, 37 Seiten
Customer Relationship Management als übergeordnetes Marketing- und Man...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 23 Seiten
Determinanten der Kundenzufriedenheit und Kundenbindung
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Studienarbeit, 31 Seiten
E-Mail-Marketing als neuer Kanal im Direktmarketing
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 35 Seiten
Kundenkarten als Instrument der Kundenbindung
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Diplomarbeit, 64 Seiten
Ciceros Staatsverständnis - Res publica und populus im Dienste der Ger...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 18 Seiten
Torsten Hauschild's Text Das Tachometerverfahren als Instrument zur Überprüfung der Werbewirkung von Anzeigen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Torsten Hauschild hat den Text Das Tachometerverfahren als Instrument zur Überprüfung der Werbewirkung von Anzeigen veröffentlicht
Torsten Hauschild hat einen neuen Text hochgeladen
Abwechslungsbedürfnisses und Werbewirkung
Theoretische Überlegungen und ...
Christian Frédéric Dechêne
Zur Werbewirkung von In-Game-Advertising
Theoretische Fundierung und em...
Benjamin Klein, Anton Meyer, Paul W. Meyer
Mehr Geld und mehr Erfolg mit Direktmarketing, Werbebriefen, Mailings ...
Das 'Direktmarketing-Doping-Bu...
Axel Andersson
Medien- und Kommunikationspolitik
Ein Textbuch zur Einführung
Hannes Haas, Wolfgang R. Langenbucher
Kompetenz in Medien- und Werbeberufen. Kommunikationspolitik für Werbe...
Gero Wendt, Josef Schnettler
0 Kommentare