Seit den neunziger Jahren gewinnen Umweltprobleme stetig an politischer und ökonomischer Bedeutung. Im Fokus umweltpolitischer Bemühungen steht vor allem der Schutz von Umweltgütern mit einer weltweiten räumlichen Ausdehnung. An diesen Gedanken anlehnend kann der Klimaschutz zur zentralen umweltpolitischen Aufgabe der Gegenwart und Zukunft erklärt werden. Über die ökonomische und ökologische Effizienz der handelbaren Umweltzertifikate wurde, seit J. H. Dales 1968 dieses Instrument entdeckte, kontrovers und ausführlich diskutiert. An das Konzept werden große Erwartungen zur Lösbarkeit bzw. zur Linderung globaler Umweltprobleme gestellt. In der Theorie gelten Umweltzertifikate als geeignetes Instrument der Regulierung weiträumig wirkender Schadstoffe. Trotzdem werden Umweltzertifikate in der Praxis bisher kaum angewendet und sind in den vergangenen Jahren ins Kreuzfeuer der öffentlichen Debatte geraten. Die vorliegende Arbeit soll einerseits einen Überblick über das Konzept und die Anwendung von Umweltzertifikaten ermöglichen. Anderseits soll eine Antwort auf die zentrale Fragestellung gefunden werden, ob international handelbare Umweltzertifikate zur Lösbarkeit globaler Umweltprobleme erfolgreich einsetzbar sind. Dazu werden im theoretischen Teil verschiedene Aspekte dieses umweltpolitischen Instrumentes untersucht und eine definitorische Abgrenzung vorgenommen. Eine Beurteilung findet anhand der Kriterien: ökologische Treffsicherheit, ökonomische Effizienz sowie dynamische Anreizwirkung statt. Im anschließenden Teil der Ausführungen wird die Ausgestaltung eines internationalen Zertifikatesystems diskutiert. Dazu findet eine kurze Darstellung der praktischen Erfahrungen mit Umweltzertifikaten in den USA statt. Durch die Betrachtung der Ergebnisse des Kyoto-Protokolls und der geplanten Etablierung eines europäischen Zertifikatemarktes werden aktuelle Tendenzen und Entwicklungen im Emissionshandel aufgezeigt. Probleme werden erörtert und kritisch gewürdigt.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung in die Problemstellung
B. Die Theorie der Umweltzertifikate
I. Ökologische Ausgangssituation
II. .Einordnung in den Kontext umweltpolitischer Instrumente
III. Instrumentenanalyse
1. Definition
2. Erstausgabemechanismen
3. Ökologische Treffsicherheit
4. Ökonomische Effizienz
5. Dynamische Anreizwirkung
C. Aspekte der Ausgestaltung eines internationalen Zertifikatesystems
I. Erfahrungen mit dem Handel von Umweltzertifikaten in den USA
II. Aktuelle Entwicklungen
1. Das Kyoto-Protokoll
2. Emissionshandel in der EU
III. Probleme
D. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit international handelbarer Umweltzertifikate als Lösungsansatz für globale Umweltprobleme. Dabei steht die theoretische Analyse ökologischer und ökonomischer Kriterien im Vordergrund, ergänzt durch eine kritische Betrachtung praktischer Implementierungsaspekte.
- Grundlagen der Umweltökonomie und theoretische Einordnung von Zertifikaten
- Kriterienprüfung: Ökologische Treffsicherheit, Effizienz und Anreizwirkungen
- Analyse praktischer Erfahrungen aus den USA und dem Kyoto-Protokoll
- Diskussion von Problematiken bei der Ausgestaltung internationaler Zertifikatemarkt-Systeme
Auszug aus dem Buch
3. Ökologische Treffsicherheit
Mit der ökologischen Treffsicherheit als erstes Untersuchungsmerkmal soll nachfolgend am Instrument der Zertifikate überprüft werden, ob mit ihnen das vorgegebene Emissionsniveau exakt zu realisieren ist.
Hier kann gesagt werden, dass die Zertifikatelösung das Kriterium erfüllt, weil die verursachenden Unternehmen insgesamt nur so viele Schadstoffe produzieren dürfen wie die Umweltbehörde vorgibt. Da der Gesamtrahmen der Emissionen durch das Volumen der Zertifikate fixiert wird, vermeidet dieser Ansatz auch den sog. Rebound-Effekt, d.h. die Wirkung, dass es beim Anwachsen der Zahl von Emittenten (Bevölkerung, Zuname der wirtschaftlichen Aktivität), trotz möglicherweise verbesserter Produktionstechnologie, zu einem Anstieg der Umweltbelastung kommt. Eine Veränderung z. B. der Anlagenauslastung oder eine Inflation schlagen sich lediglich im Zertifikatekurs, nicht aber im Emissionsniveau nieder.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung in die Problemstellung: Dieses Kapitel motiviert die Relevanz globaler Umweltprobleme und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Eignung von Umweltzertifikaten als Steuerungsinstrument.
B. Die Theorie der Umweltzertifikate: Hier erfolgt eine theoretische Herleitung der Zertifikate, deren Instrumentenanalyse anhand ökonomischer und ökologischer Kriterien sowie die Diskussion von Erstausgabemechanismen.
C. Aspekte der Ausgestaltung eines internationalen Zertifikatesystems: Dieses Kapitel evaluiert praktische Erfahrungen (USA, Kyoto-Protokoll, EU) und diskutiert zentrale Herausforderungen bei der Umsetzung internationaler Handelssysteme.
D. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Einsatz von Zertifikaten trotz bestehender Herausforderungen als systemisch notwendiges Instrument für den globalen Umweltschutz.
Schlüsselwörter
Umweltzertifikate, Emissionshandel, globale Umweltprobleme, Kyoto-Protokoll, ökologische Treffsicherheit, ökonomische Effizienz, Grandfathering, Auktionsverfahren, Klimaschutz, Treibhausgase, Marktgleichgewicht, Emissionsrechte, Umweltpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen und praktischen Eignung von handelbaren Umweltzertifikaten zur Lösung globaler ökologischer Probleme.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die ökonomische Theorie der Umweltzertifikate, deren ökologische Wirksamkeit, Anreizstrukturen für Unternehmen sowie die institutionelle Ausgestaltung auf internationaler Ebene.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel besteht darin, zu evaluieren, ob international handelbare Umweltzertifikate ein erfolgreiches Instrument zur Bewältigung globaler Umweltkrisen darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Instrumentenanalyse, die Überprüfung von Wirkungskriterien sowie den Vergleich aktueller Fallbeispiele wie dem US-amerikanischen Acid Rain Program und dem Kyoto-Protokoll.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Zertifikate (Definition, Effizienz, Anreizmechanismen) und eine anwendungsorientierte Analyse internationaler Ausgestaltungsaspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Emissionshandel, ökologische Treffsicherheit, Kyoto-Protokoll, ökonomische Effizienz und die Problematik von Erstausgabemechanismen.
Warum wird im Text der "Rebound-Effekt" als vermieden dargestellt?
Weil die Gesamtemissionsmenge durch das fest definierte Volumen der ausgegebenen Zertifikate limitiert ist, bleibt das Zielniveau unabhängig von wirtschaftlichem Wachstum oder Bevölkerungsentwicklung stabil.
Welche Rolle spielt die "Gratisvergabe" in internationalen Systemen?
Die Gratisvergabe (Grandfathering) wird im Text als wichtiger Mechanismus zur Sicherung der Verteilungsgerechtigkeit diskutiert, um insbesondere Entwicklungsländer nicht durch hohe Einstiegskosten zu benachteiligen.
- Arbeit zitieren
- Anne Bartel (Autor:in), 2003, Lösbarkeit globaler Umweltprobleme durch international handelbare Umweltzertifikate, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33559