Inhaltsverzeichnis
1. Theoretische Grundlagen 1
1.1 Einführung 1
1.2 Semantische und syntaktische Valenz 2
1.3 Valenzabhängige Konjunktionalsätze 4
2. Textanalyse 6
2.1 Subjektsätze 6
2.1.1 Subjektsätze bei einem verbalen Prädikat 6
2.1.2 Subjektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und Adjektiv 7
2.1.3 Subjektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und 7
Substantiv
2.1.4 Subjektsätze bei einem nominalen Prädikat aus Kopula und PP 8
2.1.5 Subjektsätze bei einem Funktionsverbgefüge als Prädikat 8
2.2 Prädikativsätze 9
2.3 Objektsätze 9
2.3.1 Direkte Objektsätze 9
2.3.1.1 Direkte Objektsätze bei einem verbalen Prädikat 10
2.3.1.2 Direkte Objektsätze bei einem verbo-nominalen Prädikat aus 10
Verb und Objektsprädikativ
2.3.1.3 Direkte Objektsätze bei einem Funktionsverbgefüge als Prädikat 10
2.3.2 Präpositionale Objektsätze 11
2.3.2.1 Präpositionale Objektsätze bei einem verbalen Prädikat 11
2.3.2.2 Präpositionale Objektsätze bei einem nominalen Prädikat aus 11
Kopula und PP bzw. SP
2.3.2.3 Präpositionale Objektsätze bei einem Funktionsverbgefüge als 12
Pr ädikat
2.3.3 Direkte Objektsätze, die der Struktur Subjekt Prädikat indirektes 12
Objekt folgen
2.3.4 Präpositionale Objektsätze, die der Struktur Subjekt Prädikat 13
direktes Objekt folgen
II
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Einführung
Professor Helbig pflegte in seiner Vorlesung zur Deutschen Syntax immer zu sagen: „Wenn ein Verb in einen Satz tritt, ist es, als wenn man in einem dunklen Raum das Licht anknipst.“ (Vorlesung zur Deutschen Syntax, SS 1998). Er nahm hierbei natürlich Bezug auf die Valenz des Verbs, d.h. seine Fähigkeit Leerstellen zu eröffnen, die wiederum durch Aktanten besetzt werden müssen oder können. Barbara Wotjak unterscheidet dabei zwischen obligatorischen (nicht weglassbaren) und fakultativen (weglassbaren) Aktanten 1 , Eberhard Gärtner differenziert valenzabhängige (weglassbare bzw. nicht weglassbare), valenznotwendige (valenzabhängige und nicht weglassbare) und
valenzunabhängige bzw. valenzfreie Aktanten 2 . Als Beispiel wäre anzuführen:
Ayer, el profesor (le) entregó el libro a la estudiante.
Valenzabhängig sind demnach sowohl das Subjekt des Satzes (el profesor), das direkte Objekt (el libro) als auch das indirekte Objekt (a la estudiante). Valenznotwendig, d.h. nicht weglassbar, ist hingegen nur das direkte Objekt „el libro“. Da das Spanische im Gegensatz zum Deutschen eine Nullsubjektsprache ist, kann das Subjekt des Satzes (el profesor) eliminiert werden, da es implizit in der finiten Verbform „entregó“ enthalten ist. Auch das indirekte Objekt des Satzes (a la estudiante) ist nicht valenznotwendig, d.h. weglassbar, wie bereits erwähnt wurde. Als valenzunabhängige bzw. valenzfreie Komponente des Satzes wäre die temporale Adverbialbestimmung „ayer“ zu bezeichnen. Die Weglassbarkeit bzw. Wertigkeit sind allerdings nicht die einzigen Aspekte, die es bei der Beschreibung der syntaktischen Valenz zu berücksichtigen gilt. Wie z.T. bereits angedeutet, zählen zur syntaktischen Valenz auch die syntaktische Funktion der Satzglieder als auch deren Wortklasse/ Wortgruppenstruktur. Bevor wir jedoch näher auf die Beschreibung der syntaktischen Valenz an Hand von Beispielen aus dem Korpus eingehen, sollen
1 Vgl. dazu eigene Aufzeichnungen zur Vorlesung „Grundlagen der Lexikologie“ (Professor B.Wotjak im
WS 1998/99)
2 Vgl. dazu eigene Aufzeichnungen zum Seminar „Spanische Syntax“ (Professor Gärtner im SS 2003)
1
die Termini der semantischen und syntaktischen Valenz zunächst näher beleuchtet und erläutert werden.
1.2 Semantische Valenz und syntaktische Valenz
Natürlich ist die Abhängigkeit von Subjekt-, Objekt- oder gar Attributsätzen 3 von einem übergeordneten Lexem in der spanischen Grammatik kein Novum (vgl. Gärtner 1989, 60). Dieses übergeordnete Lexem, der sogenannte Valenzträger, kann ein Verb, ein Adjektiv oder ein Substantiv sein. In dem von uns ausgewerteten Korpus ist eindeutig das Verb als häufigste Variante des Valenzträgers hervorzuheben.
An dieser Stelle muss zwischen semantischer und syntaktischer Valenz unterschieden werden. In der Generativen Semantik wurde versucht, aus semantischen Tiefenstrukturen unter Einbezug semantischer Prädikatsklassen auf syntaktische Oberflächenstrukturen zu schließen (vgl. Gärtner 1989, 60); doch eine „Vermischung der semantischen und syntaktischen Faktoren“ (Gärtner 1989, 60) gilt als empirisch unangemessen und deshalb wird davon ausgegangen, dass „einer propositionalsemantischen Inhaltsstruktur eine formalgrammatische Ausdrucksstruktur gegenübersteht, die unabhängig voneinander zu beschreiben […] sind.“ (Gärtner 1989, 60). In einem solchen Sprachmodell, das zwischen Inhalts- und Ausdrucksstrukturen trennt, besteht die Möglichkeit, die semantische Einheit Proposition „zum Ausgangspunkt der Beschreibung aller ihrer formalgrammatischen Ausdrucksmittel zu machen.“ (Gärtner 1997, 559). Eine Proposition, oder auch Basisproposition (vgl. Gärtner 1989, 61), enthält einen Behauptungsteil und einen Präsuppositionsteil. In ersterem wird durch spezifische Funktoren der intentionale Gehalt der Satzbedeutung beschrieben, in letzterem werden sememinterne
Präsuppositionen (vor allem Faktivitätspräsuppositionen) und sememexterne Präsuppositionen (pragmatische Präsuppositionen) erfasst (vgl. Gärtner 1989, 61).
Für das Funktionsverbgefüge tener en cuenta , würde die Beschreibung demnach folgendermaßen aussehen:
3 Im Gegensatz zum Deutschen existieren im Spanischen durchaus valenzabhängige
Adverbialsätze. Diese treten oft im Zusammenhang mit Verben des Schlussfolgerns auf, wie
beispielsweise concluir, seguir, resultar, venir, inferir, deducir, etc.
2
Präsupposition Behauptung tener en cuenta FACT (p) ATENT (x,p)
Da diese Arbeit sich eingehender mit der syntaktischen Valenz befasst, soll die semantische Valenz hier nicht detailliert dargestellt werden. Trotzdem bleibt zu erwähnen, dass wesentliche semantische Eigenschaften einer potentiellen Äußerung bereits in der semantischen Struktur des Prädikatslexems angelegt sind (vgl. Gärtner 1997, 559). Dazu sind die Anzahl der semantisch motivierten Aktanten (Stelligkeit), ihre semantisch-funktionale Charakteristik (Kasusrollen) und ihre semantisch-denotative Charakteristik (Semstruktur) zu rechnen (vgl. Gärtner 1997, 559).
„¡Te lo juro que yo te mato aquí mismo!” (Marías, 33)
Die syntaktische Valenz des Lexems wiederum legt die syntaktische Funktion 4 der valenzabhängigen Satzglieder sowie deren syntaktische Struktur fest und macht Aussagen über die Weglassbarkeit/Notwendigkeit der Komponenten. Für oben beschriebenes Beispiel sähe die Darstellung der syntaktischen Valenz folgendermaßen aus:
4 mögliche syntaktische Funktionen: Subjekt; direktes, indirektes oder präpositionales Objekt;
1.3 Valenzabhängige Konjunktionalsätze
Neben Infinitivkonstruktionen zählen in den iberoromanischen Sprachen auch Konjunktionalsätze zu den satzwertigen valenzabhängigen Konstruktionen (vgl. Gärtner 1997, 561). Neben den indirekten Fragesätzen, die durch die Konjunktion si eingeleitet werden, sind vor allem die Aussage- und Aufforderungssätze zu nennen, eingeleitet durch die Konjunktion que. Letztere sind für uns von besonderem Interesse, da sie Gegenstand der Korpusanalyse der vorliegenden Arbeit sind. Alarcos Llorach (1994, 407) bezeichnet die valenzabhängigen
Konjunktionalsätze als Substantivsätze, da diese alle syntaktischen Funktionen eines Substantivs übernehmen können.
Dies bedeutet im Einzelnen, dass der Konjunktionalsatz, eingeleitet durch die Konjunktion que, die Funktion des Subjekts, eines Prädikativs, des direkten Objekts, des präpositionalen Objekts, in seltenen Fällen die des indirekten Objekts sowie die einer engen Adverbialbestimmung übernehmen kann. Im von uns untersuchten Korpus, dem Gegenwartsroman „Corazón tan blanco“ des spanischen Autors Javier Marías (1992), Gegenstand des literaturwissenschaftlichen Seminars Metadiscursividad von Frau Dr. Gatzemeier (WS 2003), konnten folgende Beispiele für die syntaktischen Funktionen des Konjunktionalsatzes gefunden werden:
4
Für die Funktion des indirekten Objekts und des Adverbialsatzes konnte in unserem Korpus kein Beispiel ausgemacht werden. Vor allem die Funktion des indirekten Objekts eines que-Satzes war lange umstritten. Als Beispiele (entnommen aus eigenen Aufzeichnungen zum Hauptseminar Spanische Syntax im SS 2003) wären aufzuführen:
5 Es wird deshalb von einer Adverbialbestimmung gesprochen, da eine Substitution durch „De
Arbeit zitieren:
Doreen Walter, 2004, Komplexe Sätze mit valenzabhängigen Konjunktionalsätzen im Spanischen - Eine Textanalyse an Hand von Auszügen des Romans "Corazón tan blanco" von Javier Marías (1992), München, GRIN Verlag GmbH
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