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1. Historischer Rückblick ins 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts Die Idee der Gartenstadt wurde am Ende des 19. Jahrhunderts geboren. Der Brite Ebenzer Howard war mit den Zuständen der Städte unzufrieden. Im Zuge der Industrialisierung wuchsen die englischen Städte im rasantem Tempo. Sowohl der Zuwachs an Bevölkerung, als auch die Ausdehnung in der Fläche führte zu starker Unzufriedenheit mit den Lebensumständen in den Städten. Der verstärkte Bedarf an Boden zog eine unkontrollierbare Bodenspekulationswelle nach sich. Wohnraum als Kapitalanlage war ein gutes Geschäft für Vermögende. Arbeiter dagegen waren gezwungen in kleinen Wohnungen der dichtgebauten Städte zu leben. Die industrielle Expansion zog immer mehr Arbeitskräfte in die städtischen Ballungsräume. Die wirtschaftliche Not und der starke Zuwachs an Bevölkerung förderte die Entstehung von Slums. (vgl. Mumford 1963. S. 602ff.)
2. Definition und Ziel der Gartenstadtidee von E. Howard
Ebenzer Howard entwickelte um die Jahrhundertwende in seinem Buch „Garden Cities of Tomorrow“ die Idee zur Entstehung eines neues Siedlungstyps. Dieser neue Siedlungstyp, die Gartenstadt, sollte das Wohnen und Leben in der Stadt und auf dem Land Miteinander kombinieren. Die Vorteile beider Siedlungsräume sollten in Form der Gartenstädte verwirklicht werden. (vgl. Zehner 2001. S. 124.) Ziel der Planung Howards war ein gesundes Leben auch innerhalb der Städte.
Neben gesundheitlichen Vorteilen sollte eine Gartenstadt auch Infrastruktur für ein gesellschaftliches Beisammensein der Menschen ermöglichen. Drittes wichtiges Element der Gartenstadtidee ist die Nähe zwischen Wohn- und Arbeitsplätzen. Die Bewohner der Gartenstadt sollten ebenso öffentliche Einrichtungen, wie auch ihre Arbeitsplätze in der Nähe ihres Wohnraums vorfinden. (vgl. Zehner 2001. S. 126.)
Dem sozialen Gedanken fühlte sich Howard in sofern verbunden, daß er darauf bestand, das der Boden der Gartenstädte ein Gemeineigentum ist. Auf diese Weise sollte jeglicher Wucher vermieden werden. Zugleich würde diese Gemeinsamkeit auch den Zusammenhalt der Einwohner steigern. Die Einwohner sollten nach Howard sich selbst verwalten können. Als Folge vieler Gartenstädte sollte es, laut Howard, zum Zusammenschluß vieler Gartenstädten kommen, um eine übergeordnete Einheit die „Sozialstadt“ entstehen zu lassen. (vgl. Mumfort 1963. S. 602ff.)
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3. Merkmale einer Gartenstadt
Eine Einheit der Gartenstadt sollte nicht mehr als 32 000 Einwohner haben. Die Gartenstädte sollten idealerweise Abseits von großen Verdichtungsräumen entstehen. Wünschenswert erschien Howard einzig die Verbindung mit anderen Gartenstädten durch Überlandstrassen oder durch Eisenbahnverbindungen. Abseits der kreisförmig Angelegten Gartenstädte wurden Schrebergärten, Grünflächen und Parks vorgesehen. Innerhalb der Wohngebiete der Siedlung war eine Wohndichte von 12 Häusern pro acre = 0,4 ha geplant. Die Wohndichte ist somit, verglichen mit mehrstöckigen Mietskasernen Liverpools oder Londons, sehr gering. Im Zentrum der Gartenstadtsiedlung befinden sich die Einrichtungen zur Versorgung der Bevölkerung. Dabei bezieht sich die Versorgung nicht allein auf Lebensmittel oder andere Güter, sondern umfaßt auch ein kulturelles und bildungswissenschaftliches Angebot in Form von Theater, Museum, Bücherei oder Krankenhaus. Ebenso vor Ort befinden sich Verwaltungseinrichtungen wie z.B. das Rathaus, da eine Gartenstadt sich selbständig verwalten soll. Kreisförmig um das Zentrum sind die Wohngebiete angegliedert worden. Durch Radialstrassen gegliedert, sind die Wohngebiete in Nachbarschaften unterteilt, die wiederum aus einigen flachgebauten Häusern bestehen. Die Radialstrassen münden in Boulevards, den schönen, mit Bäumen gesäumten Alleen. Das viele Grün der Gartenstädte und die Möglichkeit in Schrebergärten eigenes Obst und Gemüse anzubauen, entsprach dem Ziel ein gesundes und erdverbundenes Leben und Wohnen mit städtischer Infrastruktur, wie Krankenhäuser, Freizeiteinrichtungen etc., zu verbinden.
Der äußere Ring der Gartenstadt war ein Gürtel aus Industrie- und Gewerbeanlagen, die Arbeitsplätze boten. Ebenso am äußeren Ring der Gartenstadt führten Eisenbahnlinien entlang. (vgl. Heineberg 2000. S. 117.)
4. Beispiel in Kiel: Gartenstadt Elmschenhagen
4.1.1 Elmschenhagen Nord
Elmschenhagen Nord sollte als erster Teil des Gesamtprojekts Gartenstadt-Elmschenhagen gebaut werden. Am 4.04.1939 erfolgte die Grundsteinlegung. Die insgesamt 1800 Wohnung und 32 Läden rund um den Andreas Hofer Platz beanspruchten 360 000 qm. Zu den ersten Tätigkeiten am Bau gehörte die Vorbereitung des Baugrundes. Elmschenhagen liegt auf einer Endmoräne, die voller Wasserläufe ist und mit Moorlöchern keineswegs einen stabilen Bauuntergrund bietet. Das Richtfest mußte um drei Monate verschoben werden und fand erst am 7. 12. 1939 Statt. Die wartenden Mieter konnten ihre Wohnungen erst ein Jahr später im Herbst 1940 beziehen. Allein an der Ecke Ellerbecker Weg/Innbrucker Alle entstand vor der Fertigstellung der restlichen Häuser ein komplettes Haus mit einer eingerichteten
4.1.2 Elmschenhagen Süd
Kurz nach dem Anfang des Krieges 15. November 1939 sollten sämtliche Bautätigkeiten im Reich unterbrochen bzw. beendet werden. Da aber der Bau Elmschenhagens zur “kriegswichtigen” Aufgabe erklärt wurde, konnte der zweite Teil des Gesamtprojekt noch gebaut werden. Die Pläne für den dritten und vierten Teil in Elmschenhagen Südost und Schönkirchen wurde endgültig aufgegeben. Die geplanten
Arbeit zitieren:
Aleksandra Fedorska, 2002, Die Gartenstadtbewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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