Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 1
1 Der neue Kundenstamm der MigrantInnen Begriffsklärung 2
2 Altersstruktur von Ausländern in der BRD 2
3 Besondere Merkmale der Biographie von Migranten 3
3.1 Die Rückkehrorientierung 3
3.2 Ethnizität und Altern 4
4 Zur Lebenssituation von älteren MigrantInnen 7
4.1 Gesundheitliche Situation 7
4.2 Wohnsituation 7
4.3 Einkommensverhältnisse 8
4.4 Soziale Netzwerke und Unterstützungspotentiale älterer Migranten 8
5 Einstellung bezüglich der Heimversorgung von Seiten der MigrantInnen 10
6 Zugangsbarrieren 11
7 Pflegebedarf 12
8 Anforderungen an eine Alteneinrichtung und dessen Personal um
kulturspezifische Pflege leisten zu können 13
8.1 Anamnese 13
8.2 Aufbau einer auf Vertrauen basierenden Pflegebeziehung 14
8.3 Kommunikation 14
8.4 Evaluation 15
9 Projekt: Die Gestaltung eines multikulturellen DRK Seniorenzentrums 15
9.1 Projektbeschreibung 15
9.2 Wege zur interkulturellen Öffnung 16
9.3 Stand des Projektes 1999 17
10 Schlussbemerkung 18
Einleitung
1955 kamen die ersten Arbeitskräfte aus Italien, ab 1969 wurden Arbeitskräfte aus Spa- nien angeworben, 1961 aus der Türkei, 1964 aus Portugal, 1965 aus Tunesien und zu- letzt, ab 1968 aus Jugoslawien. Die so genannten Gastarbeiter 1 . Viele wurden zu Ein- wanderern, ohne es zu ahnen. Aber: die Deutschen ahnten es auch nicht.
Vor wenigen Jahren war es noch undenkbar, das MigrantInnen jemals ein Thema für die Altenpflege sein könnten. Zwar lebten vereinzelt alte Menschen anderer Herkunft in Deutschland, jedoch wurde von ihnen aber kaum Notiz genommen. Auch wird der pfle- gerische Alltag in Krankenhäusern zunehmend internationaler. MigrantInnen bringen für uns zunächst fremde Lebensgewohnheiten und Wertvorstellungen, und damit auch ande- re Erwartungen an die Krankenpflege und den Pflegeprozess ein. Wir müssen feststellen, dass zum pflegebedürftigen Kundenstamm nicht nur junge MigrantInnen gehören, son- dern zunehmend ältere. Hierbei handelt es sich größtenteils um die Generation, die nach dem zweiten Weltkrieg maßgeblich am Wiederaufbau der Bundesrepublik Deutschland beteiligt war. Viele von ihnen sind aus unterschiedlichsten Gründen nach ihrem Berufs- leben in Deutschland geblieben um hier ihren Lebensabend zu verbringen. Die Alten- pflege muss sich auf die wachsende Notwendigkeit und eine gesteigerte Nachfrage aus diesem Teil der Bevölkerung einrichten und sich Lösungen überlegen, um dem Anforde- rungen an eine transkulturelle Altenpflege gerecht zu werden.
Im Folgenden werde ich mich eingehend mit den Anforderungen an eine kulturspezifi- sche Altenpflege beschäftigen und Möglichkeiten zur Bewältigung dieser Anforderungen aufzeigen, da ich die Thematik aus ethischer Sicht für sehr wichtig halte.
1 Vgl.: Dragica Baric-Büdel, (2001, S. 11)
1
1 Der neue Kundenstamm der MigrantInnen. Begriffsklärung
Es gestaltet sich recht schwierig, eine für die Pflege verwendbare Definition des Beg- riffs MigrantInnen zu finden. Deshalb werde ich in meiner Hausarbeit lediglich eine Be- schreibung des Wortes statt einer genauen Definition verwenden.
Der Begriff „MigrantInnen“ beschreibt unterschiedliche Personen mit verschiedenen Migrationshintergründen und Aufenthaltsstati. Man kann zwischen ArbeitsmigrantInnen aus so genannten Anwerberländern, die in den 60er Jahren bis 1973 nach Westdeutsch- land gekommen sind, deren Nachkommen, welche teilweise hier in Deutschland gebo- ren wurden, Aussiedlern und Asylbewerbern bzw. Flüchtlingen unterscheiden 2 .
2 Altersstruktur von Ausländern in der BRD
Die Altersstruktur der ausländischen Bevölkerung ist im Gegensatz zur deutschen Be- völkerung jünger. Dies gilt besonders für die Gruppe der 16 - 25 Jährigen, deren pro- zentualer Anteil bei ca. 13 - 17 % liegt. Dies ist auf die Zuwanderung von jungen Er- wachsenen und einer hohen Geburtenrate zurückzuführen, die 1975 noch bei 2,4 Kin- dern pro Frau im Alter zwischen 15 – 45 Jahren lag. Im Zuge der Integration hat sich diese Zahl zwar dem Geburtenniveau der deutschen Frauen angenähert (derzeit 1,2), liegt aber immer noch bedeutend höher (derzeit 1,8). Seit der letzten Volkszählung im Jahre 1987 hat sich die Zahl der Migranten laut Statistischem Bundesamt mehr als ver- doppelt. Dies bedeutet, dass im Jahre 1997 ca. 0,5 Mio. Ausländer im Alter von über 60 Jahren in Deutschland lebten. Vergleicht man die Zahlen mit denen aus dem Jahr 1996 handelt es sich um einen Zuwachs von 7 %. Die Erwartungen tendieren dahin, dass die Gesamtzahl der 60 Jährigen im Jahre 1996 von 2,5% bis zum Jahre 2010 auf 6,4% an- steigt, was eine Zahl von 1,3 Millionen MigrantInnen bedeutet 3 .
Die größte Gruppe der Ausländer stellen die ArbeitsmigrantInnen aus den ehemaligen Anwerberländern dar. 1997 gehörten von insgesamt 7,3 Millionen MigrantInnen ca. 4,6
2 Vgl.: http://www.uni-duisburg.de/Institute/RISP/abtpro/prolog/Pflege1.pdf, Kaewnetara , (2002, S.3) 3 Vgl.: Dragica Baric- Büdel, (2001, S.10)
2
Millionen, also 63% der Gruppe der ArbeitsmigrantInnen an. Der Anteil der über 60 Jährigen an der ausländischen Bevölkerung ist aufgrund ihres Verbleibs in der BRD be- sonders hoch 4 .
3 Besondere Merkmale der Biographie von Migranten
Die Biographien der ersten Migrationsgeneration weisen typische Merkmale auf, die ausschlaggebend für die Lebenslage im Alter sind. Wenn man die ethnischen, kulturel- len und sozialen Unterschiede der ausländischen Bevölkerung betrachtet, muss man gleichzeitig von unterschiedlichen Lebensstilen ausgehen 5 .
3.1 Die Rückkehrorientierung
Das provisorische und Rückkehrorientierte Leben stellt ein zentrales Merkmal der Migrationsbiographie dar. Als so genannte Gastarbeiter richteten die Migranten ihr Le- ben entsprechend provisorisch ein, und auf eine Rückkehr mit möglicher Status -und Lebensverbesserung im Herkunftsland aus.
„Wieder in die Heimat zurückzukehren“, dieser Wunsch wird von der überwiegenden Mehrheit der ArbeitsmigrantInnen geäußert. Es ist ein Wunsch, der den gesamten Migrationsverlauf mit geprägt hat und der in verschiedenen Phasen unterschiedliche In- tensität aufweisen kann. 6 „Eigentlich wollte man ja nur für ein paar Jahre zum Arbeiten kommen. Eigentlich will man nur noch ein, zwei weitere Jahre bleiben. Eigentlich wartet man nur noch darauf, dass die Kinder die Schule, die Berufsausbildung beenden“ 7 . Der Zeitpunkt der Rück- kehr wird immer wieder verschoben. Der Großteil der ArbeitsmigrantInnen lebt nun in- zwischen seit 15, 20 oder mehr Jahren in der Bundesrepublik. Ein Teil der Arbeits- migrantInnen hat inzwischen mehr Lebensjahre in Deutschland als im Herkunftsland
4 Vgl.: Dragica Baric- Büdel,(2001, S.10)
5 Vgl.: Dragica Baric- Büdel, (2001, S.25) 6 Vgl.: Dietzel-Papakyriakou, (1990,:S. 346) 7 Zitat aus einem Privatgespräch mit einem Patienten des DRK- Seniorenstifts in Münster/ Westf.
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verbracht. Von einem vorübergehenden Aufenthalt kann also keine Rede mehr sein. Ei- ne Rückkehr kommt meist eher einer zweiten Auswanderung gleich. Gründe, nach dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben im Migrationsland zu bleiben gibt es viele: Eine prekäre Einkommenssituation (niedrige Pensionen und Streichung der Ausgleichszula- gen bei der Rückkehr), häufig schlechter Gesundheitszustand (und die damit verbunde- ne Sorge um eine schlechtere medizinische Versorgung im Herkunftsland), eine wirt- schaftliche und/ oder politische Krisensituation in der alten Heimat ( wie in Ex- Jugos- lawien oder Kurdistan), aber auch Entfremdung von der Herkunftskultur bzw. familiäre Bindungen im Migrationsland 8 .
3.2 Ethnizität und Altern
Die Frage nach der Ethnizität im Alter als ein weiteres charakteristisches Merkmal nimmt in der wissenschaftlichen Diskussion einen wichtigen Stellenwert ein, da allge- mein Konsens darüber besteht, dass sie sowohl den Prozess wie auch die Qualität des Alterns beeinflusst. Die europäische Forschung stützt sich hierbei im wesentlichen auf US-Amerikanische Untersuchungen und Ergebnisse. Diese können nicht ohne weiteres auf die deutschen Verhältnisse übertragen werden, da sich vor allem durch das Postulat, „kein Einwanderungsland“ zu sein, erhebliche Unterschiede bezüglich der rechtlichen Rahmenbedingungen zwischen den beiden Ländern ergeben, unter denen die Migration erfolgt 9 .
Es existiert allerdings keine eindeutige Klärung dieses Begriffes, der je nach Fragestel- lung und Methode unterschiedlich operationalisiert wird. Konsens besteht darin, dass es sich um ein soziales Konstrukt handelt, welches entwicklungsfähig ist und auch Ent- wicklung erfährt, und nicht um etwas Naturgegebenes. Als wichtiger rationaler Kern werden hierbei gemeinsame historische Erfahrungen angesehen, die die soziale Lage ei- ner Gruppe im kollektiven Bewusstsein widerspiegeln. Diese Gemeinsamkeit kann auf realen kollektiven Erfahrungen beruhen oder sich auf einen Mythos beziehen. Bei den
8 Vgl.: Dragica Baric- Büdel, (2001, S.26)
9 .Vgl.: Dietzel-Papakyriakou, (1990: 346); (1990a; 1993)
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Arbeit zitieren:
Manuel Greune, 2004, MigrantInnen im Pflegeheim: Anforderungen an eine kulturspezifische Altenpflege, München, GRIN Verlag GmbH
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