Inhaltsangabe:
1) Einleitung III-IV
2) Vorboten einer Verschwörung
a) „Hochmut kommt vor dem Fall“ IV-V
b) Die Verschwörer sammeln sich V-VII
c) Die Zeit drängt VII-VIII
3) Die Iden des März und ihre Folgen
a) Der Mord VIII-X
b) Acta Caesaris X-XII
4) „Octavian tritt auf“ XII-XVI
5) Fazit XVI-XVII
6) Literaturhinweise XVIII
II
1) Einleitung
Der Bürgerkrieg hatte in Rom längst seine Spuren hinterlassen: Mit außerordentlichen Machtbefugnissen ausgestattet, war Gnaeus Pompeius neben dem Senat wohl der größte Widersacher des Gaius Julius Caesar. Nach der Entscheidungsschlacht bei Pharsalos am 9. August 48 v. Chr. 1 gelang ihm ein letztes Mal die Flucht, bis er schließlich am 28. September desselben Jahres in den Wirren des ägyptischen Thronstreits von Anhängern des Ptolemaios XIII. ermordet wurde 2 . Nachdem Caesar sowohl eben jenen Thronstreit zugunsten von Kleopatra VII. entscheiden konnte 3 , als auch, sich gegen Pharnakes (Sohn des Mithridates VI. von Pontus) zu behaupten wusste 4 , folgte ein kurzes Intermezzo in Rom, wo es Marcus Antonius nicht gelungen war, die Aufstände dauerhaft niederzuwerfen. Was nun folgte, war laut Luciano Canfora der „«republikanische» Krieg 5 “ in Afrika, welcher trotz der vermeintlichen Überlegenheit der Widersacher mit einem Sieg Caesars 6 und dem daraus resultierenden Freitod des letzten Republikaners Marcus Porcius Cato in Utica 7 ein Ende fand. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass es den Söhnen des Pompeius 8 mitsamt ihren Anhängern gelungen war, nach Spanien zu fliehen und sich dort eine bedrohliche Machtbasis zu errichten, war der Bürgerkrieg längst nicht beendet 9 . Trotz der Schlacht von Munda am 17. März 45 v. Chr., welche Caesar mit Glück und ebensoviel taktischem Geschick für sich entschied, gelang es ihm bis zu seinem Tode nie, den Bürgerkrieg endgültig beizulegen. Währenddessen schwelte jedoch ein anderweitiger Konflikt, der ihn schlussendlich das Leben kosten sollte. Nachweislich streckten die Verschwörer schon während Caesars Spanienfeldzug ihre Fühler aus 10 . Schließlich besiegelten die ‚Befreier’ der Republik an den Iden des März im Jahre 44 v. Chr. endgültig den Untergang eines längst verlorenen Idealsder res publica. Der ‚Tyrann’ Gaius Julius Caesar ward mit 23 Stichen von 20 Senatoren
1 vgl. hierzu: Plutarch: Caesar 44f.
2 vgl. hierzu: Canfora S. 192 - 211
3 nicht zuletzt dank der Hilfe der Juden (Antipater, Hyrkanos), vgl. hierzu: Canfora S. 192 - 219
4 vor der entscheidenden Schlacht bei Zela am 2. August 47 v. Chr. trifft Caesar in Kilikien auf einen seiner
späteren Mörder Gaius Cassius Longinus, vgl. hierzu: Canfora S. 223ff. , Cicero: 2. philippische Rede 26
5 Zitat in: Canfora S. 230
6 Schlacht bei Thapsos 06. April 46 v. Chr., Plutarch: Caesar 53,4
7 12./13. April 46 v. Chr., vgl. hierzu: Canfora S. 236, Plutarch: Caesar 54,2
8 Gnaeus Pompeius der Sohn, Sextus Pompeius
9 vgl. hierzu: Canfora S. 236f.
10 vgl. hierzu: Cicero: 2. philippische Rede 34
III
ermordet und die Gruppe der Verschwörer erhoffte sich ein Wiederaufleben der Republik. Man mag sich in der Geschichtswissenschaft den verschiedensten Theorien zur Datierung des Untergangs der römischen Republik anschließen und dennoch übereinkommen, dass dieser keineswegs in unmittelbaren Zusammenhang mit der Ermordung Caesars gestellt werden kann. Gewiss besteht Einigkeit darüber, dass letztendlich die Errichtung des Prinzipats durch den späteren Augustus am 16. Januar 27 v. Chr. das faktische Ende der Republik darstellt. Doch gab es bereits lange zuvor Anzeichen dafür, dass die res publica schon nicht mehr bestehen konnte. Daher erscheint es überaus interessant vorab zu klären, was die res publica als solche charakterisiert und demnach Voraussetzung für ihre Existenz ist: Folgt man den Ausführungen Alfred Heuß’ so bildeten verfassungsrechtlich Annuität und Kollegialität die wesentlichen Grundfeste des späten römischen Staates 11 . Was diesem formalen Wesen jedoch erst Leben einhauchte, war das hierarchisch gegliederte gesellschaftliche Gefüge, beruhend auf Werten wie gens, mos maiorum, dignitas, amicitia usw. „Die Plattform, auf der die politischen Kräfte der römischen Gesellschaft sich zusammenfanden, war der Senat. [...] Eine Auflehnung gegen ihn wäre gleichbedeutend mit Revolution gewesen. 12 “ Vor diesem Hintergrund bietet die folgende Hausarbeit anhand sowohl damaliger wie zeitgenössischer Quellen eine exemplarische Analyse des Krisenjahres 44 v. Chr. 13 :
2) Vorboten einer Verschwörung
a) „Hochmut kommt vor dem Fall“
Im Falle einer Notlage oblag es dem Senat der späten römischen Republik einen Diktator für die Dauer eines halben Jahres zu ernennen. Dieses außerordentliche Amt, mitsamt seiner uneingeschränkten Machtbefugnisse, war entgegen sonstiger Grundfeste der römischen Verfassung frei von Kollegialität. Schon Sulla hatte sich dessen gar für 1,5 Jahre bedient, um den Staat seinen wie den Vorstellungen der Optimaten gemäß neuzuordnen, um das Amt schlussendlich wieder selbst aufzugeben 14 . Dementsprechend scheint es kaum verwunderlich, dass selbst Gaius Cassius Longinus Caesars zehnjährige Diktatur aus dem Jahre 46 v. Chr.
11 vgl. hiezu: Heuß S. 37ff.
12 Zitat in: Heuß S. 40
13 vgl. hierzu: 7) Literaturhinweise
14 vgl. hierzu: Jehne S. 34
IV
billigte 15 . Trotzdem konnte ein fader Beigeschmack angesichts derartiger Machtfülle in den Händen eines Einzelnen kaum vermieden werden. Überdies machte Caesar durch anderweitige Maßnahmen unmissverständlich klar, in welche Richtung seine Politik verlaufen sollte - einem auf ihn ausgerichteten Personenkult. So z.B. ließ er zahllose seiner früheren Widersacher enteignen, um mittels deren Besitztümern seine getreuen Veteranen u. a. zu versorgen. Des Weiteren vergrößerte er die Zahl der Senatsmitglieder auf 900, eine Maßnahme die erst auf den zweiten Blick, ihren Stein des Anstoßes offenbart. Nicht altgediente, ehrwürdige Mitglieder der führenden Familien, die sowohl über die notwendige gens und dignitas verfügt hätten, wurden in den Senat berufen. Stattdessen verhalf er all jenen in Amt und Würden, die ihm als clientela von Nutzen waren. Maßgeblich für den zunehmenden Protest war jedoch die Ernennung Caesars zum Dictator perpetuus am 14. Februar 44 v. Chr.. Was sich bislang nur angedeutet hatte 16 , wurde nunmehr Realität. Nicht nur, dass das Prinzip der Kollegialität aufgehoben worden war, Caesar ging gar einen Schritt weiter, indem er auch das Prinzip der ‚Annuität’ außer Kraft setzte. Sämtliche Hoffnungen, die bis dahin gehegt wurden 17 , er bediene sich lediglich dieses außerordentlichen Machtinstruments, um Rom von den Lasten des Bürgerkrieges zu befreien, waren begraben. Spätestens in diesem Moment war den Verschwörern klar, dass sie nicht umhin konnten, den ‚Tyrannen’ mit aller Gewalt von dem Sockel zu stoßen, auf den auch sie ihm zuvor verholfen hatten 18 .
b) Die Verschwörer sammeln sich
Dennoch würde die Annahme trügen, Caesars Mörder hätten sich erst im Februar des Jahres 44 v. Chr. zusammengefunden. Vielmehr war dies ein lange währender Prozess, welcher sich nicht zuletzt in Ciceros Schriftensammlung offenbart. Angesichts der Quellenlage scheint die Vermutung durchaus berechtigt, eben jener Marcus Tullius Cicero sei zumindest Anstifter im Geiste 19 . Glaubwürdige Anhaltspunkte dafür hat es en masse gegeben: Am 12. März 49 v. Chr. beschrieb Cicero in einem Brief an den Ritter Titus Pomponius Atticus 20 hinlänglich diverse Handlungsvarianten für den Fall, dass der römische Staat von einem Despoten regiert würde. Nicht zuletzt untermauert die griechische Sprache, welche in dem entsprechenden
15 vgl. hierzu: Cicero: An seine Freunde XV 19,4, Gelzer S. 279
16 Caesar betitelte Sulla als Analphabeten, da dieser das Amt der Dictatur niedergelegt habe
17 vgl. hierzu: Cicero: Rede an Marcellus, Gelzer S. 297
18 vgl. hierzu: Jehne S. 38, Canfora S. 278 er setzt es einen Tag später (Luperkalienfest) an unter Berufung auf
Cicero, Gelzer S. 298
19 vgl. hierzu: Canfora S. 309-313
20 vgl. hierzu: Canfora S. 177, Cicero: Briefe an Atticus IX 4,2
V
Arbeit zitieren:
Andrea Glados, 2004, 44 v. Chr. - Dem Untergang geweiht. Kampf um ein verlorenes Ideal, München, GRIN Verlag GmbH
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