Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung Seite 1
2 . 2. Vorspiel und beide Reden gegen den Eros Seite 2
2.1. Die Rede des Lysias Seite 3
2.2. Zum Inhalt der ersten Rede des Sokrates Seite 5
3. Die Argumentationsstrukturen beider Reden im
Vergleich Seite 8
4. Schlußbemerkung Seite 10
5. Literatur Seite 11
II
1. Einleitung
Platons Werk „Phaidros oder vom Schönen“ wird heute zeitlich in dessen mittlere Schaffensperiode eingeordnet, oder, wie Hirschberger es treffend formuliert, in die „Zeit der Reife“ [1].
In diese Schaffensperiode fällt auch Platons Hauptwerk, die 10 Bücher vom Staat, die Politeia, wobei das Werk, von dem hier die Rede sein soll, sicher erst nach diesem entstanden ist.
Der Phaidros gilt als dichterisches Werk „von erlesener Kunst“ [2]. Es handelt sich um einen Dialog. Wie in den meisten seiner Dialoge besetzt Platon die Stelle eines Dialogpartners mit der Person des von ihm verehrten Sokrates, dessen Schüler Platon war [3]. Der Jüngling Phaidros übernimmt die Rolle des anderen Dialogpartners.
Das Werk besitzt eine gut gegliederte innere Struktur und ist in drei Hauptteile aufgegliedert. Der 1. Teil setzt sich aus den beiden Reden gegen den Eros, gegen die Liebe, zusammen.
Im Verlauf meiner Arbeit werde ich darauf noch genau eingehen. Vorher möchte ich aber noch weiter auf die Strukturierung des Dialogs eingehen.
Der letzte Haupteil ist von einem Zwiegespräch über Dialektik und Rhetorik geprägt.
Hierein fällt die Schriftkritik, in der Platon dem Rezipienten den Unterschied zwischen der „Vermitteltheit alles Schriftlichen“ sowie der „Unmittelbarkeit des mündlichen Philosophierens“ [4] näherbringt. In der Mitte, dem 2. Hauptteil befindet sich lt. Hildebrandt [5] der eigentliche Kern des Werkes: die Lobrede des Sokrates auf Eros und sein Seelenmythos. Folgt man dem, so ergibt sich ein geordneter Aufbau mit dem Höhepunkt in der genauen Mitte der Seitenzählung. Wäre das dann Zufall? Der Begriff der Mitte ist im philosophischen Gedankengut der antiken Griechen ja ein verbreitetes Element und wird später bei Aristoteles in dessen Mesoteslehre ja noch ganz deutlich.
Im Gegensatz dazu jedoch steht Szlezák [6], der den Kulminationspunkt des Phaidros im letzten Teil sieht, genauer gesagt, in der bereits erwähnten Schriftkritik. Er meint, die Frage nach dem Höhepunkt nach seiner Auffassung zu betrachten, sei „entscheiden wichtig“ [7] für das Verständnis des Phaidros, ja für das Verständnis der Struktur des platonischen Dialogs überhaupt. Obwohl mir letzteres etwas hochgegriffen erscheint und ich solchen Postulaten eher skeptisch gegenüberstehe, zumal ich dies nicht recht zu beur teilen vermag, da ich erst wenige Schriften Platons gelesen habe, so bin ich doch auch der Meinung, daß ein wesentlich wichtiger Teil dieses Dialoges eben die „Kritik der Schriftlichkeit“ ist.
Platon selbst maß ja in seinem Leben dem mündlichen Vortrag weit mehr Bedeutung zu, als dem Schreiben [8]. Deshalb ist es meine persönliche
1
Überzeugung, daß unser Verständnis von Platon ein anderes wäre, wären wir in der glücklichen Lage, seinen ungeschriebenen Reden heute noch lauschen zu dürfen.
Leider ist uns dies nicht vergönnt und so bleibt nichts anderes übrig, als unsere Aufmerksamkeit den überlieferten Werken zu widmen, für deren Kenntnis wir weit über 2000 Jahre nach dessen Tod große Dankbarkeit empfinden bzw. empfinden sollten.
Demzufolge möchte ich nun beginnen, einen Einblick in den ersten Hauptteil des Dialogs Phaidros zu nehmen und den Blick auf den Beginn und die ersten beiden Reden dieses Textes zu lenken.
Als Textgrundlage dienen mir dabei die Übertragungen von Kurt Hildebrandt und Rudolf Kassner.
2. Vorspiel und beide Reden gegen den Eros
Was passiert zu Beginn des Dialogs?
In Athen begegnen sich der Jüngling Phaidros und Sokrates. Phaidros kommt gerade von Lysias, der als guter Rhetor gilt. Dieser hielt Phaidros eine Rede. Phaidros und Sokrates verlassen gemeinsam die Mauern der Stadt, denn Phaidros möchte hinaus in die Natur. Sokrates geht mit, obwohl dies nicht seine Art ist, sagt er doch selbst, daß ihm die Fluren und Bäume im Gegensatz zu den Menschen der Stadt nichts lehren. Aber Phaidros hat ein gutes Lockmittel für den wissbegierigen Sokrates unter seinem Gewand verborgen, die Rolle mit Lysias’ Rede.
Während sie nach einem geeigneten Platz Ausschau halten kommt ihr Gespräch auf die Mythen. Sokrates meint, daß er eine Erforschung oder Erklärung dieser Geschichten nicht durchzuführen vermag. Denn dem Orakel zufolge versucht er erst, sich selbst zu erkennen. Vorher könne er nicht das Fremde erforschen. Um zur Erkenntnis zu gelangen, ist ihm die Natur eher hinderlich. Er sucht das Gespräch, den Dialog. Dies hofft er durch Phaidros und die Rede des Lysias zu erlangen.
Angekommen an einer als wunderschön beschriebenen Stelle lassen sich beide nieder. Es ist eine schattiger Ort unter einer Platane, bei deren Wurzel eine Quelle entspringt. Die Quellgrotte ist ein Heiligtum des Pan, des Flußgottes Acheloos und der Nymphen.
Auch anhand dieser Ortswahl zeigt sich wieder ein mythischer Bezug. Phaidros wird nun von Sokrates gedrängt, ihm die auf der Schriftrolle befindliche Rede des Lysias vorzulesen.
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Sven Ebel, 2001, Zur Argumentationsstruktur platonischer Dialoge: Platons Phaidros - Rekonstruktion der Grundgedanken der Rede des Lysias und der ersten Rede des Sokrates, Munich, GRIN Publishing GmbH
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