Gliederung:
1. Einleitung und Problemaufriss 4
2. Vorstellung der Einwanderungswellen 6
2.1 Die Niederlande 6
2.1.1 Die koloniale Erblast 6
2.1.2 Arbeitsimmigranten aus dem Mittelmeerraum 7
2.1.3 Flüchtlinge und Asylbewerber 7
2.1.4 Gastarbeiter aus den „Modernen Industrienationen“ 8
2.2 Die Bundesrepublik Deutschland 8
2.2.1 Aussiedler aus Osteuropa, die koloniale Erblast? 8
2.2.2 Arbeitsimmigranten 9
2.2.3 Flüchtlinge und Asylbewerber 10
3. Vorstellung der Integrationskonzepte 11
3.1 Die Niederlande 11
3.1.1 Die Abwicklung der Kolonialmigration 11
3.1.2 Ausländer auf dem Arbeitsmarkt 12
3.1.3 Die Flüchtlingspolitik 13
3.1.4 Die Einbürgerung - Das Patentrezept? 14
3.2 Die Bundesrepublik Deutschland 14
3.2.1 Aussiedler- und Vertriebenenpolitik 15
3.2.2 Integration am Arbeitsmarkt 15
3.2.3 Die Asylgesetzgebung - Besserung in Aussicht? 16
2
4. Der Vergleich - Klimawandel in beiden Ländern? 17
4.1 Erfolge und Misserfolge der Einbürgerung 17
4.2 Die sozioökonomische Bilanz der Integrationsbemühungen 18
5. Fazit, aktuelle Entwicklungen und Tendenzen 19
6. Literatur 21
3
1. Einleitung und Problemaufriss
Nach der Ermordung des islamkritischen Filmemachers Theo van Gogh am Dienstag vergangener Woche wurden mehrere Angriffe gegen die moslemische Gemeinde in den Niederlanden verübt. Eine Koranschule in Eindhoven war am Montag Ziel eines Sprengstoffanschlags. Am Wochenende wurden Brandanschläge gegen mehrere Moscheen verübt. 1 Diese und andere Ereignisse in unserem kleinen Nachbarland, den Niederlanden, erschrecken und lassen uns den Fokus dorthin richten. Dies überrascht nicht zuletzt auch, weil doch gerade die Niederlande bislang als Vorbild für Liberalität, Nichtdiskriminierung und Toleranz galten. Gerade für uns Deutsche war dieses kleine Land immer ein leuchtendes Beispiel, es gab einen regen Austausch auf Expertenebene und man hoffte, einiges von den Nachbarn lernen zu können. 2
Anspruch dieser Arbeit soll ein Vergleich der Einwanderungspolitiken und Integrations(nicht) Bemühungen in Deutschland und den Niederlanden, in dem Zeitraum von 1945 bis zum heutigen Tage sein. Dies scheint mir aus zweierlei Gründen ein besonders spannendes Feld der Migrationsforschung zu sein. Zum einen ist die Ausgangssituation nach dem 2. Weltkrieg vergleichbar, beide Länder liegen vom Krieg völlig zerstört am Boden und stehen vor dem Wiederaufbau. Zweitens ähneln sich die Länder hinsichtlich ihrer sozialen, ökonomischen und konfessionellen Struktur 3 .
Diese Ähnlichkeiten führen mich zu dem Schluss, dass beide Staaten vor ähnlichen Problemen in Bezug auf Einwanderung und Integration stehen. Man möge sich die aus länderfeindlichen Übergriffe zu Beginn der 1990er Jahre in Deutschland, das Wiedererstarken der extremen Rechten - wie jüngst im Freistaat Sachsen - in Erinnerung rufen. Summiert man nun die zu Beginn aufgeführten Geschehnisse in den Niederlanden dazu, drängt sich dieser Eindruck gerade zu auf. Eine besondere Brisanz erfährt dieser Schluss dann, wenn man meine These teilt, dass die Einbürgerungsanstrengungen und politischen Strategien der beiden Länder völlig unterschiedlich sind. Worin diese Unterschiede l iegen, will ich im Folgenden zeigen. Dazu und um dem Anspruch eines wissenschaftlichen Vergleichs zu genügen will ic h folgendermaßen vorgehen.
In nahezu allen wissenschaftlichen Publikationen zur Migration in den zu untersuchenden Ländern, werden mehrere Wellen von Einwanderern genannt. Diese will ich zu Beginn kurz
1 http://phoenix.de/ereig/exp/22562/index.html 10.11.04
2 Thränhardt, Dietrich: Einwanderungs- und Integrationspolitik in Deutschland und den Niederlanden, in:
Leviathan, 30. Jg. 2002, S. 222
3 Ebd.
4
vorstellen, ohne mir dabei eine bestimmte Präferenz, zu Eigen zu machen, was m. E. nötig ist, denn wie noch gezeigt wird, ist der Umgang mit diesen Gruppen und deren Akzeptanz, innerhalb der Be völkerung, schon in höchstem Maße divergent. Um diese Migrationswellen, bezüglich ihrer Ausmaße, in eine Relation setzen zu können, scheinen empirische Befunde angebracht zu sein.
Daran anknüpfend werden die unterschiedlichen Konzepte zur Integration dieser Immigranten in die bestehenden gesellschaftlichen Konstellationen gezeigt. Dazu werden die konkreten Gesetzesvorhaben, unterschiedliche Positionen der Parteien im demokratischen Wettbewerb und die Integrationsbemühungen der Immigranten selbst vorgestellt. Im Vierten Teil soll dann ein Vergleich der angewandten Praktiken unternommen werden. Dazu werde ich zunächst die Einbürgerungen in Relation zueinander stellen, wozu ich mich wiederum den Methoden der Empirie bedienen werde. Anknüpfend daran will ich eine sozioökonomische (Miss) Erfolgsbilanz präsentieren, um auch einen Einblick in die gesellschaftlichen Auswirkungen der Migrationsprozesse, zu geben. Im Schlussteil soll dann das Ergebnis dieses Vergleichs zusammengefasst werden. Darüber hinaus will ich hier dann auch die Möglichkeit nutzen, auf aktuelle Entwicklungen und Tendenzen einzugehen. Es bleibt dann noch die Frage offen, was seitens staatlicher Akteure zu tun wäre, um angesichts nahezu identischer Probleme bei divergenten Politikansätzen, für die Zukunft erfolgreichere Konzepte, zu entwickeln. Sollte ich im Laufe meiner Arbeit hierzu Antworten finden, werde ich diese dann an dieser Stelle kurz präsentieren, obschon diese Frage nicht maßgeblicher Gegenstand der Arbeit sein soll. Auch ließe sich dies im Rahmen einer Seminararbeit kaum mit dem Anspruch auf wissenschaftliche Fundiertheit realisieren.
5
2. Vorstellung der Einwanderungswellen
Wie bereits einleitend Erwähnung fand, ist es m. E. nötig, hier die verschiedenen Gruppen von Immigranten vorzustellen. Dies soll auch deutlich werden lassen, in welche n Größenordnungen und Zeiträumen, sich diese Wanderungsbewegungen vollzogen haben.
2.1 Die Niederlande
In der Literatur werden, in ihrer Zusammensetzung wohl unterschiedliche, aber übereinstimmend vier Haupteinwandererströme genannt. Ich mache mir hier die folgenden Kategorien zu Eigen 4 .
2.1.1 Die koloniale Erblast - Rückführung in ein unbekanntes Vaterland 5
Dieser erste Immigrations schub aus den (ehemaligen) Kolonien vollzog sich zwischen 1945 und 1962, ihm zu zurechnen sind ca. 200.000 Personen von Niederländisch- Ostindischer Herkunft und ca. 100.000 „echte Niederländer“. Obgleich sie gegen den Wunsch der damaligen Regierung kamen, wurden sie als so genannte „Remigranten“ bezeichnet, w as vermutlich zu ihrer schnellen Integration beitrug 6 .
Ebenfalls dazu zählen ca. 13.000 Molukker, die 1951 nach den Niederlanden immigrierten, da ihnen, auf Grund ihres Militärdienstes in der niederländischen Kolonialarmee die Rückkehr auf ihre Heimatinseln, seitens der indonesischen Regierung verweigert wurde. Diese Menschen sollten ursprünglich nur einen kurzen Aufenthalt dort genießen und wurden in Wohnlagern zentriert untergebracht. Hier zeigen sich schon erste Probleme, so verübten einige dieser Personen 1974 symbolische Terroranschläge auf Züge, um die Öffentlichkeit für ihre unfaire Behandlung zu sensibilisieren 7 .
Weiterhin zählen hierzu die Surinamer, kamen hier anfangs nur Eliten, so stieg die Zahl nach der Unabhängigkeit Surinams 1975 stark an. Heute leben etwa 300.000 Surinamer in den
4 Böcker, A./Groenendijk, K.: Einwanderungs- und Integrationsland Niederlande. Tolerant, liberal und offen?,
in: Länderbericht Niederlande, Band 399, S. 303-361, Bonn 2004
5 Amersfoort, Hans v./Niekerk, Mies v.: Einwanderung als koloniales Erbe: Akzeptanz, Nichtakzeptanz und
Integration in den Niederlanden, in: Thränhardt, D./Hunger, U. (Hrsg.), Migration im Spannungsfeld von
Globalisierung und Nationalstaat, S. 136, Leviathan 2003
6 Böcker, A./Groenendijk, K.: Einwanderungs- und Integrationsland Niederlande. Tolerant, liberal und offen?,
in: Länderbericht Niederlande, Band 399, S. 303-361, Bonn 2004
7 Thränhardt, Dietrich: Einwanderungs- und Integrationspolitik in Deutschland und den Niederlanden, in:
Leviathan, 30. Jg. 2002, S.230
6
Arbeit zitieren:
Sebastian Wendt, 2004, Vergleich der Integrationspolitiken in Deutschland und den Niederlanden. 1945 bis heute, München, GRIN Verlag GmbH
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