F e i e r n à la Elsass 2
Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung: Feste feiern im Elsass. 3
2. Situationsanalyse 4
2.1. Vereine in Frankreich. 4
2.2. Vereine im Elsass 6
2.3. Feste im Elsass 7
2.4. Die RONDE des fêtes. 10
2.4.1. Entstehung und Ziel 10
2.4.2. Struktur der RONDE des fêtes 10
2.4.3. Geographische Entwicklung und Mitgliederzahlen 11
2.4.4. Leistungen für die Mitglieder 14
2.4.5. Finanzierung und Budget der RONDE 22
2.4.6. Die Kommunikation der RONDE des fêtes. 23
2.4.7. Verbände und Institutionen mit ähnlichem Tätigkeitsfeld
wie die RONDE des fêtes. 28
2.4.8. Potentialanalyse zur Mitgliedergewinnung im nördlichen
Einzugsgebiet. 29
2.5. SWOT-Analyse. 33
2.6. Ist-Soll Vergleich. 35
3. Strategieableitung: Die RONDE als unabhängigen, dynamischen
Verein erlebbar machen 37
3.1. Ziele. 38
3.2. Zielgruppen. 40
3.3. Vivez la RONDE - Botschaften 43
3.4. Strategischer Kräfteeinsatz. 45
4. Maβnahmen. 46
4.1. Maβnahmen für die Einführung der RONDE im Departement
Bas -Rhin. 48
4.2. Maβnahmen zur Positionierung der RONDE als aktiven Verein 52
4.2.1. Intern 52
4.2.2. Intern/Extern. 55
4.2.3. Extern. 69
4.3. Zeitplan. 75
5. Kostenplan. 77
6. Evaluation. 79
7. Bibliographie. 82
8. Anhang 83
1. Einleitung: Feste feiern im Elsass
Feste feiern. Darauf verstehen sich die Elsässer. Es gibt im Vergleich zu anderen Regionen Frankreichs eine bedeutende Anzahl traditioneller Feste. Im Veranstaltungskalender von Tourisme Alsace sind über 700 Veranstaltungen, vom winzigen Dorfweihnachtsmarkt über das traditionelle Volksfest bis zum großen Open-Air Spektakel aufgeführt. Der Kalender umfasst dabei Veranstaltungen aus beiden elsässischen Departements, dem Haut-Rhin und dem Bas-Rhin.
Der Verein möchte nicht nur Werbung für seine Mitglieder betreiben, sondern sich auch als der Ansprechpartner für Medien, Politiker und Vereine in Sachen Festorganisation positionieren. Ziel dieses Kommunikationskonzeptes soll es daher sein, die einzelnen Aktivitäten der RONDE des fêtes bekannter zu machen. Die Öffentlichkeit, aber vor allem die Medien, politische Entscheider und potentielle Mitglieder sollen die RONDE als aktiven Verein und Gestalter öffentlichen Lebens wahrnehmen. Die RONDE des fêtes, die ihren Ursprung und ihren Sitz im südlichen Zipfel des Elsass hat, ist im Departement Haut-Rhin sehr bekannt. Allerdings nimmt der Bekanntheitsgrad Richtung Norden drastisch ab. Auch die Mitgliederzahlen schrumpfen Richtung Norden (siehe Karte im Anhang). Im nördlich angrenzenden Departement Bas-Rhin gibt es noch kein einziges Mitglied, obwohl die RONDE bereits im benachbarten Deutschland, der Schweiz und im südwestlich angrenzenden Departement „Territoire de Belfort“ vertreten ist. Daher soll ein Schwerpunkt dieser Konzeption auf der Steigerung des Bekanntheitsgrades und der Werbung neuer Mitglieder im nördlichen Einzugsgebiet liegen.
2. Situationsanalyse
2.1. Vereine in Frankreich
Da sowohl die RONDE des fêtes als auch ihre Mitglieder bis auf eine Ausnahme Vereine sind, bietet sich ein kleiner Exkurs über Vereine in Frankreich an. Die Homepage des Ministeriums für Jugend, Bildung und Forschung verzeichnet 880 000 Vereine für ganz Frankreich mit mehr als zwanzig Millionen Mitgliedern und zehn Millionen ehrenamtlichen Helfern (Quelle: www.enviedagir.fr) . Acht von zehn Franzosen betätigen sich ehrenamtlich in einem Verein. 1
13% dieser ehrenamtlich tätigen Mitglieder schenken dem Verein mehr als fünf Stunden pro Monat. (Quelle: Ministère de la Jeunesse et des Sports, Guide du bénévole, 2001) Auffällig ist, dass sich immer mehr Rentner engagieren, was sicherlich mit der allgemeinen Alterung der Bevölkerung und der wachsenden Gesundheit der Senioren zusammenhängt. Die in den Medien vielberedete „Krise des Ehrenamtes“ lässt sich statistisch nicht bestätigen.
Die Zahl der Neugründungen ist seit zehn Jahren weitgehend stabil. Laut Innenministerium werden pro Jahr um die 60 000 Vereine gegründet. Seit den 70er Jahren hat sich diese Zahl verdreifacht. Dies hängt sicherlich auch mit der steigenden Individualisierung der Gesellschaft zusammen. Menschen bilden Interessensgemeinschaften, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Hinzu kommt, dass den Franzosen immer mehr freie Zeit zur Verfügung steht, besonders seit der allgemeinen Einführung der 35-Stunden-Woche im Jahr 2001.
Diese Tendenz setzt sich auch in der Generation der 16-25 Jährigen fort. In einer Ifop-Umfrage von 2001 geben 83% der jungen Franzosen an, dass man sich mehr in Vereinen engagieren sollte. 70% der Jugendlichen behaupten, sich dauerhaft für humanitäre oder soziale Belange engagieren zu wollen. 38 % sind bereit, einen Sportverein zu gründen. (Quelle : www.ifop.com) Das Ministerium für Jugend und Sport gibt an, dass 44,2 % der jungen Franzosen (16-35 Jahre) ehrenamtlich tätig sind oder waren. Bereiche, in denen besonders viele junge Franzosen agieren sind Sport und Freizeit (42%), Bildung, Ausbildung, Arbeit (25%), humanitärer Bereich (23%) und Kultur (21%). (Quelle: Direction de la Jeunesse et de la Vie associative du Ministère de la Jeunesse et des Sports, www.mapage.noos.fr) Die Zukunft der Vereine scheint also gesichert.
Ein Verein ist Ausdruck bürgerlichen Engagements. Menschen, mit den gleichen Überzeugungen und Vorlieben organisieren sich in Vereinen, um für ein gemeinsames Ziel einzustehen. Der Spezialist für Vereinsrecht Jean Joho definiert den Verein ohne Gewinnabsicht als eine freiwillige und dau-
1 DerBegriff „ehrenamtlich“ ist die Übersetzung von „bénévole“, was im eigentlichen Sinne „freiwillig“ bedeutet. (bene = gut, volo = ich will) Es handelt sich also um „freiwillige Helfer“ und nicht
ausschlieβlich um die Inhaber eines Amtes oder eines Führungspostens im Verein.
erhafte Gruppierung mehrerer Personen, die ein gemeinsames und selbstloses Ziel verfolgen. (Jean JOHO, Guide pratique des associations d’Alsace-Lorraine, Seite 50.)
Dabei gibt es die unterschiedlichsten Typen von Vereinen:
• Sportvereine
• Kulturelle Vereine (Musik, Theater, Chor)
• Jugend- und Bildungsvereine (Jugendherbergsbewegung, Landjugend, Pfadfinder, Jugendheime)
• Soziale Vereine (Altenpflege, Humanitäre Vereine, Kindergärten, Caritas)
• Patriotische Vereine (Kriegervereine)
• Politische Vereine (Parteien sind nach französischem Gesetz Vereine!)
• Religiöse oder philosophische Vereine (Pfarrvereine, Sekten, Bibelclubs)
• Freundschafts- oder Kameradschaftsvereine (Club der freiwilligen Feuerwehr, Club der Ehemaligen einer Schule, Jahrgangsstufenvereine)
• Freizeitvereine (Festkomitee, Reiseverein)
• Protest- oder Schutzvereine (Umweltschutzverbände, Verbraucherschutz, Aidshilfe)
All diese Vereine organisieren regelmäßig Veranstaltungen, um die Vereinskassen zu füllen. Ein Flohmarkt, ein Ball oder ein Lotto sind beliebte Wege, Geld in die Kassen zu bringen, ohne die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen oder auf Spenden und Subventionen angewiesen zu sein. Mit dem Erlös aus diesen Veranstaltungen kaufen Musikvereine neue Instrumente und Fußballclubs fördern ihren Nachwuchs. Außerdem unterstützt die gemeinsame Arbeit an einem Projekt den Zusammenhalt unter den Vereinsmitgliedern. Der Verein macht auf sich aufmerksam, fördert sein Image und kann so neue Mitglieder gewinnen.
Anstatt mehrere kleine Feste in einem Ort zu organisieren, finden sich häufig die Vereine einer Ortschaft zusammen, um gemeinsam ein größeres Fest auf die Beine zu stellen. Der Profit wird dann unter den einzelnen Vereinen aufgeteilt. Hierzu bilden die Vertreter der Vereine ein Festkomitee, welches für die Organisation und Koordination der Veranstaltung verant-wortlich ist.
Unter den Mitgliedern der RONDE des fêtes finden sich die obengenannten Vereinstypen wieder. Etwa zwei Drittel der Mitglieder sind Festkomitees und das andere Drittel Vereine (Sport, Musik etc.), welche jedoch auf die Unterstützung der anderen örtlichen Vereine und der kommunalen Verwaltung zählen können.
2.2. Vereine im Elsass
den, wo man alemannisch spricht, als einen Kulturraum ansehen. Und in diesem Kulturraum wurde die Vereinstradition seit jeher großgeschrieben. Durch seine Geschichte nimmt das Elsass eine Sonderstellung in Frankreich ein. Einige Bereiche des öffentlichen Lebens sind gesetzlich durch das Lokalrecht (Droit local) geregelt. So gibt es beispielsweise im Elsass ein eigenes Krankenversicherungssystem, eine regionale Handwerkskammer, ein lokales Jagdrecht und eine eigene Feiertagsregelung, die den Elsässern zwei zusätzliche freie Tage beschert: Allerheiligen und den Zweite Weihnachtstag.
Auch das Vereinsrecht geht auf ein Gesetz von 1908 zurück, also auf den Zeitraum zwischen 1870 und 1918, als das Elsass zum Deutschen Reich gehörte. Artikel 21 bis 79 des Lokalrechts verankern bis heute das Grundrecht auf Vereinsgründung und die Freiheit der Vereine. Als das Elsass 1918 französisch wurde, bewahrte man das lokale Vereinsrecht, da es sich zum einen als praktischer erwies und zum anderen den Vereinen einen größeren rechtlichen Freiraum zugestand als das französische Vereinsrecht. (Dazu Jean Joho, Guide pratique des associations d’Alsace-Lorraine, Seite 44 ff.) Das Lokalrecht unterscheidet zwei Vereinstypen :
• Vereine mit Gewinnabsicht (association à but lucratif)
• Vereine ohne Gewinnabsicht (association à but non-lucratif) Dazu muss man allerdings sagen, dass es heute nur noch eine unbedeutende Zahl an Vereinen gibt, deren Ziel profitgerichtet ist. Die große Mehr- 2 Aufgrunddes geltenden Lokalrechts werden Vereine im Elsass und Lothringen beim Gericht (Tribunal d’Instance) registriert, in den anderen Departements hingegen bei der Präfektur.
heit der Vereine ist als Verein ohne Gewinnabsicht konstituiert, so auch die RONDE des fêtes und deren Mitglieder. Das bedeutet, dass alle finanziellen Mittel, die dem Verein zur Verfügung stehen, für die Ziele des Vereins angelegt werden müssen; das heißt bei der RONDE des fêtes für die Koordination und Promotion von Festen.
2.3. Feste im Elsass
Das Bedürfnis Feste zu feiern, scheint ein Grundbedürfnis der Menschen zu sein. Feste sind meist periodisch auftretende Rituale, die eine Gemeinschaft gemeinsam feiert. Die meisten Feste besitzen einen festen Platz im Kalender einer Gemeinschaft oder Kultur. Man kann zwischen religiösen, nationalen, regionalen und privaten Festen unterscheiden. Gemeinsames Essen, Trinken und Musik sind feste Bestandteile von Festen. Feiern verbindet und schafft Gleichheit. Daher sind Feste auch so wichtig für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft. Die gemeinsame Vorbereitung und Durchführung eines Festes stärkt die Dorfgemeinschaft. Der gemeinsam errungene Erfolg und die positive Darstellung des Ortes nach außen hin lassen den Zusammenhalt wachsen.
Feste sind nach wie vor beliebt. Auf die Frage, was sie an einem Ferientag am liebsten tun würden, antworteten 20% der befragten Franzosen: „ein Fest feiern“ (Quelle: IFOP-Umfrage aus dem Jahr 2000 zum Ferienverhalten der Franzosen, www.ifop.com). 94% der 16-25 Jährigen stimmen der Aussage „Feste feiern können ist wichtig“ ganz und gar zu. (Quelle: Umfrage aus dem Jahr 2001 im Auftrag des Ministeriums für Jugend und Sport zu den Werten der 16-25 Jährigen, www.ifop.com) Für die RONDE des fêtes sind nur die regionalen Feste relevant. Man muss allerdings dazu sagen, dass diese häufig noch auf Feste religiösen Ursprungs zurückgehen. Bis Ende der 50er Jahre hatte jedes elsässische Dorf sein eigenes Fest, die Kilbe oder Messti, (elsässisch abgeleitet von Messtag), also ein Patronatsfest. Viele dieser Feste sind im Laufe der Zeit eingeschlafen oder wurden wegen Alkohol- und Sicherheitsproblemen eingestellt. Einige dieser Feste wurden wiederbelebt, wie die zahlreichen Johannisfeuer zur Sommersonnenwende.
Andere neue Feste wurden erfunden. Es gibt unendlich viele Themen, aus denen sich ein Fest basteln lässt, wobei die Franzosen - wie sollte es anders sein - eine Vorliebe für gastronomische Themen haben. Folgende Themen häufen sich:
• regionale Produkte: Sauerkrautfest in Krautgersheim, Karpfenfest in Munchhouse, Kugelhupffest in Ribeauvillé, Weinfeste
• die Geschichte des Ortes: Altes Bauernfest in Houssen, Freundschaftsfest in Fessenheim, Mittelalterfest in Gueberschwihr, Blumen-korso in Sélestat, Verbrennung der drei Tannen in Thann, Pfifferdaj in Ribeauvillé
• der Spitzname der Einwohner: Eselfest in Westhalten, Froschfest in Herrlisheim, Kanalwaggisfest in Huningue
• Natur und Tierwelt: Kirschblütenfest in Mittelwihr, Rheinfest in Rhinau, Geranienfeste, Storchenfeste, Pferdefeste
• Handwerk: Flösserfest in Illhaeusern, Holzfällerfest in Sainte Marie aux Mines, Erntefeste
• Hochzeiten: Ami Fritz in Marlenheim, Streisselhochzeit in Seebach, Hochzeit im Münstertal
Die Mehrheit dieser Feste entstand erst in den 70er/80er Jahren. Es gibt allerdings auch Feste, die seit dem Mittelalter existieren und nicht religiösen Ursprungs sind. So beispielsweise der Pfifferdaj, das Gauklerfest in Ribeauvillé, das älteste und wohl bekannteste Volksfest im Elsass, mit allein 2500 Mitwirkenden beim historischen Umzug.
Neben diesen Festen gibt es noch eine ganze Reihe anderer Veranstaltungen, die Festcharakter aufweisen und auch in den meisten Fällen von Vereinen organisiert werden:
• Märkte Flohmärkte, Weihnachtsmärkte
• Animationen für die Touristen geschichtlicher Rundgang durch den Ort mit anschließendem Essen und Tanz, Picknick beim Weinbauern
• Open-Air-Spektakel Sommernachtstraum in Val de Villé, Freilichttheater in der Engelbourg Thann
Auffällig bei der Themenwahl ist das Bedürfnis der Veranstalter, die eigenen Wurzeln, die Geschichte und die lokalen Traditionen aufrechtzuerhalten und den Besuchern und Touristen zu vermitteln.
Der Veranstaltungskalender von Tourisme Alsace kommt auf über 700 Veranstaltungen mit Festcharakter pro Jahr und erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Man wolle nur die „wichtigsten“ Veranstaltungen aufführen.
Zwischen Tradition und Erneuerung
Kann es bei dieser hohen Anzahl an Veranstaltungen nicht zu einer Übersättigung kommen? Ist wirklich jedes Fest einzigartig? Oder sind es nicht doch immer die ewig gleichen Zutaten aus Gastronomie und Folklore, die zwar in immer unterschiedlichen Dosierungen zusammengemixt werden, im Grunde aber jedes Mal den gleichen Einheitsbrei ergeben, den die Besucher mit der Zeit satt haben. Hierin liegt eine große Herausforderung für die Festmacher. Originalität und Erneuerung sind gefragt. Man muss den erlebnisorientierten, verwöhnten Mitgliedern unserer heutigen Spaß- und Freizeitgesellschaft schon etwas bieten, und zwar jedes Jahr etwas Neues. Aber wie lassen sich Tradition und Erneuerung vereinbaren? Und wie sieht es mit dem finanziellen Aspekt aus? Schließlich soll ja nach der Veranstaltung auch noch etwas für die Vereinskasse übrigbleiben.
Feste zwischen Kitsch und Kommerz
Leider sehen einige Veranstalter nur noch den kommerziellen Aspekt. Aufwendige Umzüge werden aus Kostengründen eingestellt, traditionelle Gerichte werden durch Pommes und Grillwürstchen ersetzt. Anstatt traditioneller Handwerksprodukte gibt es Stände mit Plastikstörchen und sonstigem Kitsch. Weinbauern verschließen ihre Hoftore und bauen nur einen einfachen Stand vor ihrer Haustür auf. Das ist zwar weniger reizvoll, aber Hauptsache die Besucher konsumieren kräftig. Bereits am Ortseingang wird der Besucher zur Kasse gebeten. Das ist ja auch durchaus in Ordnung, wenn er dafür auch ein entsprechendes Programm geboten bekommt. Wenn er allerdings nur für den Anblick der geraniengeschmückten Fachwerkhäuser zahlen muss, macht sich schnell Unmut breit.
Der Run nach immer mehr Profit, erreicht durch immer weniger Aufwand, ist eine Tendenz, die sich gerade bei den Weinfesten bemerkbar macht. Am Ende ist keiner mehr zufrieden: Der Besucher fühlt sich abgezockt, die Einwohner sind nur noch Statisten für die Touristen. Die ehrenamtlichen Helfer haben keine Lust mehr, sich für ein Fest zu engagieren, was seinen eigentlichen Sinn verloren hat, nämlich das gemeinsame Feiern, den Austausch unter Dorfbewohnern untereinander und mit den Besuchern. Es gibt aber auch eine Gegenbewegung. So organisieren einige Dörfer an der Weinstraße beispielsweise im Rahmen ihres Weinfestes Rundgänge durch die Weinberge. Besucher können ihren eigenen Rebstock pflanzen oder an einem Quiz zur Geschichte des Ortes teilnehmen. So werden die Gäste von bloßen Konsumenten und Zuschauern zu aktiven Gestaltern des Festes. Spiele, Wettbewerbe und andere Aktionen tragen zur Förderung der Gemeinschaft bei.
Auch vor den RONDE-Festen machen diese beiden Tendenzen nicht halt. Einige einst blühende Feste sind zu kommerziellen Veranstaltungen verkommen. Andere bieten jahrein-, jahraus das immergleiche Programm. Aber es gibt auch neue Hoffnungsträger, und zwar vor allem jüngere Veranstalter im Alter zwischen 30 und 40, die nach und nach die Organisation der Feste von den Älteren übernehmen. Ihnen gelingt der schwierige Spagat, Traditionen zu respektieren und neue, originelle Animationen zu schaffen. Hierin liegt eine Aufgabe der RONDE des fêtes, nämlich diese nachwachsende Generation von Organisatoren zu fördern und ihr positives Beispiel den anderen Mitgliedern und der Öffentlichkeit zu über- mitteln.
2.4. Die RONDE des fêtes
2.4.1. Entstehung und Ziel
Gegründet wurde der Verein RONDE des fêtes 1982 im Sundgau, im Südelsass, als Zusammenschluss von neun Festorganisatoren. Sie waren ursprünglich zusammengekommen, um die Termine ihrer Feste abzusprechen, da es in der Vergangenheit häufig zu Überschneidungen gekommen war. Neben dieser Koordination steckte sich der Verein folgende weitere Ziele, die auch heute noch in den Statuten verankert sind:
• Reflexion über die Organisation und Durchführung von Festen (Qualitäts- und Sicherheitsfragen)
• Zum Erfolg der Veranstaltungen beitragen durch Werbung, Öffentlichkeitsarbeit, aber auch durch Beratung und Unterstützung der Mitglieder
Nicht alle Festveranstalter können dem Verein beitreten. Die Statuten geben bestimmte Auswahlkriterien für die Feste vor:
Popularität:
Soziale Komponente Das Fest soll einen sozialen Charakter aufweisen,
Kulturelle Dimension Das Fest soll Identität, Geschichte und Brauchtum des Ortes widerspiegeln.
2.4.2. Struktur der RONDE des fêtes
Der Verein arbeitete und trug sich von 1982 bis 1992 ausschließlich mit ehrenamtlichen Mitgliedern. Besonders der Gründungsvater und seitdem amtierende Erste Vorsitzende Roland Simon hat durch sein persönliches Engagement sehr viel zum Aufbau und zur ständigen Weiterentwicklung des Vereins beigetragen, was 2001 vom französischern Tourismusministerium mit der Medaille für Tourismus honoriert wurde. Der Verein profitiert in hohem Maße von der Persönlichkeit des Ersten Vorsitzenden. Roland Simon ist ein beliebter Ansprechpartner für Journalisten, wenn es um das Thema Feste geht. Er kann außerdem auf ein kompetentes und erfahrenes Team zurückgreifen. Im Vorstand sitzen neben Vertretern der Festorganisatoren auch jeweils ein Spezialist für Sicherheit, Finanzen, Versicherung und Kom- munikation.
Dieses ehrenamtliche Team wird seit 1992 von einer Angestellten, unterstützt. Ihre Aufgabe ist es, die Beschlüsse des Vorstands in die Tat umzusetzen. Kommunikation, Konzeption, Verwaltung und Entwicklung fallen in den Tätigkeitsbereich dieser „Directrice“.
2.4.3. Geographische Entwicklung und Mitgliederzahlen
Der Sitz der RONDE des fêtes befindet sich in Michelbach-le-Bas, das Büro in Saint Louis. Die Tatsache, dass Ursprung, Büro und Sitz der RONDE im südlichsten Zipfel des Elsass liegen erklärt sicherlich teilweise den höheren Bekanntheitsgrad in dieser Region. Dennoch achtet der Verein darauf, dass Versammlungen oder beispielsweise Galaabende an verschiedenen Orten im gesamten Departement stattfinden. Trotzdem würde ein Büro in der Departementhauptstadt Colmar natürlich über ein größeres Ausstrahlungspotential gen Norden verfügen.
In den ersten fünf Jahren seiner Existenz umfasste der Verein nur Ortschaf- ten im Süden des Departements, also im Großraum Altkirch und Saint Louis.
1987 wurde bei einer Gruppe von Organisatoren entlang der Weinstraße rund um Guebwiller der Wunsch laut, dem Verein beizutreten. Schließlich kamen 1990 noch Ortschaften aus der Umgebung um Colmar hinzu. Dies erklärt, warum die RONDE des fêtes heute in drei Regionen aufgeteilt ist (siehe Anhang 1):
Der Süden Die Mitte Der Norden
Gesamt 2003
Abbildung 3: Mitglieder 2003 nach Regionen
20
4 2 0
Die derzeit 55 Mitglieder der RONDE sind - mit Ausnahme der Stadtverwaltung Neuenburg - Vereine oder Festkomitees, welche sich wiederum aus mehreren Vereinen zusammensetzen. In den meisten Fällen arbeiten diese Vereine aber eng mit den Kommunen zusammen und können auf deren finanzielle und logistische Unterstützung zählen. 4 Die teilnehmenden Ortschaften haben zwischen 300 und 12’000 Einwohner. Große Städte haben oft eigenes Personal, welches für die Öffentlichkeitsarbeit und Promotion der Veranstaltungen zuständig ist. Sie sind daher weniger an den Serviceleistungen der RONDE des fêtes interessiert. Zwei deutsche, drei Schweizer und ein Fest im südwestlichen Nachbardepartement Territoire de Belfort stehen für den Wunsch der RONDE, Brücken zu den Nachbarn zu bauen. Gleichzeitig handelt es sich hier aber auch um eine strategische Entscheidung. Diese Feste ermöglichen es, den Bekanntheitsgrad der RONDE in den betreffenden Nachbarländern und Departements zu steigern. Zudem helfen sie beim Kontaktaufbau für Presse- und PR-Aktivitäten.
Bisher gab es keine großen Bemühungen, Mitglieder auch in den westlich angrenzenden Vogesen zu finden. Dies erklärt sich damit, dass es dort nur
3 Einige Feste finden nur alle 2 Jahre statt.
4 Dazu muss man wissen, dass in Frankreich jedes Dorf seinen eigenen Bürgermeister und seine eigene kommunale Verwaltung hat.
sehr kleine, lokale Veranstaltungen gibt, die mit geringen Budgets ausgestattet sind. (Allerdings besuchen die Bewohner der Vogesen sehr gerne elsässische Feste, wie die hohe Zahl an Programmanforderungen belegt.) Im nördlichen Nachbardepartment Bas-Rhin konnten trotz vermehrter Bemühungen bisher noch keine Mitglieder gewonnen werden. Die Gründe hierfür sollen später noch herausgearbeitet werden. Die Mitgliederzahlen der RONDE sind stabil, die Tendenz ist jedoch besonders im Norden rückläufig (siehe Anhang 2). Im Süden war der Höhepunkt 1998 mit 23 Mitgliedern erreicht, 2001 in der mittleren Region mit 22 Mitgliedern und im Norden bereits 1996 mit 17 Mitgliedern. Hier ist die Zahl bis heute um fast ein Drittel zurückgegangen.
Global betrachtet halten die Mitglieder der RONDE die Treue: Durchschnittlich 8,5 Jahre im Süden und in der Mitte gegen 6,5 Jahre im Norden. 70% der heutigen Mitglieder sind sogar seit mehr als 10 Jahren dabei. Dies spricht trotz der tendenziell rückläufigen Zahlen für eine generelle Zufriedenheit mit den Serviceleistungen der RONDE, eine Einstellung, die sich auch in persönlichen Gesprächen mit Mitgliedern und während der Generalversammlungen bestätigt.
Dennoch kommt es pro Jahr durchschnittlich zu 2-3 Austritten. Die häufigsten Gründe für einen Austritt sind:
• Fest wird nicht mehr organisiert (zu wenig Helfer, zu wenig Gewinn, Sicherheitsprobleme)
• Wunsch, neues Festkonzept in kleinerem Rahmen auszuprobieren
• Mitgliedsbeitrag wird als zu hoch empfunden im Verhältnis zu den Serviceleistungen
Was die Neueintritte betrifft, so handelt es sich zumeist um sehr junge, hochmotivierte Teams, im Alter von 30-40 Jahren, wohingegen der Altersdurchschnitt der RONDE-Mitglieder bei über 50 Jahren liegt. In dieser jungen Generation liegt ein Potential für das Fortbestehen des Vereins und für die Entwicklung neuer Festkonzepte. Das Alter zwischen 30 und 40 scheint auch das ideale Eintrittsalter zu sein. Nachdem die berufliche und familiäre Stabilisierung stattgefunden hat, engagiert man sich ehrenamtlich und häufig sucht man eine Tätigkeit, bei der man der nachwachsen- den Generation seine eigenen Wurzeln vermitteln kann.
2.4.4. Leistungen für die Mitglieder
Der Schwerpunkt liegt hier auf PR-Aktivitäten. Folgende Serviceleistungen bietet die RONDE ihren Mitgliedern: EIGENE PRODUKTE Broschüre im Vierfarbdruck
Verteilung: Als Beilage der Tageszeitung L’Alsace, bei allen Tourismusbüros des Departements und in den angrenzenden Departements, sowie in Südbaden und der Nordschweiz, öffentliche Plätze, Campingplätze, bei Partnern und Sponsoren (Super-U-Märkte und Groupama-Versicherungsbüros, L’Alsace-Geschäftsstellen, Rathäuser der teilnehmenden Kommunen, Versand an Einzelpersonen) Finanzierung: Sponsoren/Anzeigen
Bemerkung: Es gibt einen kostenlosen Ständer aus Karton zur Präsentation. Begleitende Maßnahmen zur Lancierung der neuen Broschüre: Stand auf der Tourismusmesse Saint Louis, Mitte April Organisation eines Gewinnspiels, Ankündigungen in L’Alsace Plakat Auflage: 400 Maße: 50 x 70 cm Inhalt: Datum, Ort und Name aller RONDE-Feste
Verteilung: mit der Broschüre an alle Tourismus-Büros, öffentliche/ touristische Plätze, Rathäuser, Partner und Sponsoren Tischdecke aus Polyäthylen und Servietten Menge: 70 km Tischdecke und 270’000 Servietten Aufdruck: Tischdecke mit Werbeanzeigen und Festprogramm, Serviette mit Logos der RONDE und deren Hauptpartnern Verteilung: Jedes teilnehmende Fest darf bis zu 12 Rollen à 100 m und 500 Servietten pro Rolle kostenlos bestellen. Bemerkung: Die Tischdecke erfüllt gleichzeitig eine Werbefunktion für die Feste. Auf ihr sind nochmals die Daten aller Feste einer Region abgedruckt, um den Besucher von einem Fest zum anderen zu leiten.
Internet
Auf www.ronde-des-fetes.asso.fr können potentielle Besucher aus aller Welt das aktuelle Programm abrufen, eine genaue Beschreibung eines jeden Festes anschauen, aber auch etwas über den Verein und seine Aktionen erfahren. Die Sponsoren werden ebenfalls gesondert hervorgehoben. Der Bereich „GUIDE de l’Organisateur“ richtet sich speziell an Festveranstalter, ist allerdings für alle User zugänglich. Dort bekommt man nützliche Adressen und Infos zu Themen wie Sicherheit und Steuern. Allerdings ist das Informationsangebot noch zu oberflächlich und unvollständig. Das Potential ist noch nicht voll ausgeschöpft.
Die recht komplizierte Adresse wurde vom Tourismusverband des Departements (ADT) vorgegeben. ADT und die Zeitung L’Alsace haben die Seiten für die RONDE entwickelt. Die Aktualisierung erfolgt nun allerdings in Eigenregie.
Durchschnittlich 4'000 Menschen pro Monat schauen sich den Internetauftritt der RONDE an. Hier gibt es jedoch noch einiges zu tun. In den Suchmaschinen ist die RONDE nicht gut platziert und insgesamt hätte der Auftritt eine professionelle Überarbeitung verdient. Le Guide de l’Organisateur - Leitfaden für Festveranstalter Auflage: 5 000 Stück Format: A 5 Seitenzahl: 96
Erscheinen: Jährlich Ende September erscheint der Guide für die kommende Festsaison. Inhalt: Die gelben Seiten für Festveranstalter mit mehr als 600 Adressen: Orchester, Folkloregruppen, Zeltverleih, Gastronomie, Kommunikation.
Aktuelle Informationen zu: Sicherheit, Steuern, Sacem (entspricht der Gema), Formalitäten, Checkliste zur Organisation eines Festes Verteilung: an alle kommunalen Verwaltungen des Departements und im Süden des Bas-Rhin, einige große Betriebsräte, Mitglieder, Medien Finanzierung: Anzeigen
Bemerkung: Dieses Jahr erscheint der Leitfaden zum ersten Mal in dieser ausführlichen Form und in dieser Auflage. Als Grundlage dient eine elektronische Datenbank der RONDE, in der über lange Jahre Adressen gesammelt wurden. Gleichzeitig soll der neue GUIDE aber auch zur Werbung neuer Mitglieder eingesetzt werden. Wie wird man Mitglied? Welche Serviceleistungen bietet die RONDE? Diese Fragen werden auch im GUIDE beantwortet. Er kann daher auch schon zu den Maßnahmen dieser Konzeption gezählt werden.
der Tageszeitung L’Alsace. Vom obersten Chef der Hierarchie, dem „Président du Directoire“ bis hin zu den Journalisten in den Lokalredaktionen und mit den Machern im Marketing bestehen sehr gute persönliche und regelmäßige Kontakte.
Weitere Serviceleistungen der RONDE für ihre Mitglieder: Kooperation mit der Tageszeitung L’Alsace Für die einzelnen Feste:
• Gut platzierte Präsentation des Festes mit Farbfoto am Mittwoch im Regionalteil (letzte Seite des ersten Teils)
• Artikel am Freitag vor dem Fest auf der „Wochenendseite“ mit Ausgehtipps
• Ausführlicher Bericht mit Farbfoto im Regionalteil am Montag nach dem Fest
Anfang April: Sonderseite zum Saisonauftakt mit Präsentation der neuen Feste, des gesamten Programms und des Vereins Mitte April: Broschüre als Beilage, Hinweis auf der Titelseite Im Laufe des Jahres: Artikel über den Verein selbst, Generalversammlungen, Sonderaktionen etc. Gewinnspiele in Zusammenarbeit mit der Marketing-Abteilung Sonstige Presse und Medienarbeit
Präsentation des gesamten Programms und regelmäßige Berichterstattung in:
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