Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Claude Lévi-Strauss 4
3. Ferdinand de Saussure. 5
4. Die theoretischen Unterscheidungen 5
4.1 Signifikant und Signifikat 6
4.2 Langue, parole und langage 7
4.3 Diachronität und Synchronität 8
4.4 Syntagma und Paradigma. 8
4.5 Die unterscheidenden Merkmale und der Prager Kreis 9
5. Der Strukturalismus als Kulturtheorie 10
5.1 Levi-Strauss’ Sicht der Forschungsaufgabe der Ethnologie 10
5.2 Lévi-Strauss’ Rechtfertigung für die Übertragung 11
5.3 Der Entwurf der strukturalen Ethnologie. 12
6. Übertragbarkeit der linguistischen Methoden? 14
7. Zitierte Literatur. 16
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1. Einleitung
Der Strukturalismus, wie er durch Claude Lévi-Strauss in der Ethnologie Fuß gefasst hat, war eine bedeutende Entwicklung für die Geschichte des Faches. Schmied-Kowarzik spricht von einem „Jahrhundertereignis“ (Schmied-Kowarzik 1993: 278) für die Ethnologie. Aus verschiedenen Gründen ist sie das nicht mehr in gleichem Maße (Amborn 1992), dennoch besitzen viele Ideen immer noch einen praktischen Wert - und Lévi-Strauss schreibt immer noch. Sein größtes A rbeitsfeld stellt die strukturale Mythenforschung dar (Barnard 2004).
Zur Erschaffung der strukturalen Anthropologie (Die Begriffe‚Anthropologie’ und ‚Ethnologie’ werden im Weiteren als synonym verwendet, ebenso ‚Sprachwissenschaft’ und ‚Linguistik’) griff Lévi-Strauss auf die Werke von Linguisten zurück (1967). Er bewunderte die Sprachwissenschaft für deren methodische Schärfe und wollte diese Strenge ebenso in die Ethnologie einführen. Sie war das Kriterium, das eine Annäherung an die ‚richtigen’ Wissenschaften erlaubte - die mathematisch exakten Naturwissenschaften (Lévi-Strauss 1975).
Als Begründer dieser von ihm bewunderten modernen Sprachwissenschaften wird der Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure angesehen (Barnard 2004) - auch wenn sein bedeut endstes Werk posthum aus seinen Vorlesungen veröffentlicht wurde. Die vorliegende Arbeit beginnt mit einem sehr kurzen Abriss über die Biographie von Claude Lévi-Strauss und seine Zielsetzungen, bevor er die strukturale Anthropologie entwarf. Anschließend geht sie in der Zeit zurück und wirft einen Blick auf Ferdinand de Saussure und geht im Detail auf seine theoretischen Unterscheidungen ein. Ein Exkurs befasst sich mit den zusätzlichen Konzepten, die durch den so genannten Prager Kreis eingeführt werden. Nachdem diese Grundlagen ausgebettet sind, wird die Übertragung der Begriffe in die strukturale Theorie betrachtet und abschließend kritisch gewürdigt.
Aus dem großen Kanon an Lévi-Strauss’ Werken beziehe ich mich nur auf ‚Strukturale Anthropologie’ und ‚Strukturale Anthropologie II’. Alle anderen Angaben entstammen nachfolgenden Kommentatoren. Ich halte diese Eingrenzung für angebracht ob der umfangreichen Anzahl an Veröffentlichungen von Lévi-Strauss. Trotz allem wurde ihm bescheinigt, dass er sich in seinen essentiellen Ansichten wenig verändert habe (Culler 1986).
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2. Claude Lévi-Strauss
Claude Lévi-Strauss wurde 1908 geboren. Er studierte an der Sorbonne in Paris, und ging darauf nach Brasilien um zu lehren. In Brasilien führte er seine ersten Feldforschungen durch, die die Grundlagen für sein Buch ‚Traurige Tropen’ wurden (Leach 1991). Er ging zurück nach Frankreich in die Résistance und floh aufgrund seiner jüd ischen Abstammung später nach New York. Dort arbeitete er gegen Ende des zweiten Weltkrieges als Lehrer an der New School of Social Research in New York (Ullrich 1992). Er traf hier andere Flüchtlinge - Anhänger der so genannten Prager Schule. Unter ihnen war Roman Jakobsen, einer der Begründer der strukturalen Phonologie. Zusammen mit Nikolai S. Trubetzkoy, hatte dieser zuerst das Konzept von ‚Struktur’ systematisch in der Linguistik angewendet (Barnard 2004). Roman Jakobsen wurde ein persönlicher Freund und bildete die erste Schnittstelle zwischen Lévi-Strauss und der strukturalen Linguistik. Dies heißt insbesondere auch eine Schnittstelle zu den Ideen des Sprachwissenschaftlers Ferdinand de Saussure.
Lévi-Strauss war angetan, schien doch die Methodik der Linguistik sie aus den Sozialwissenschaften heraus in die Nähe der Naturwissenschaften rücken - sozusagen an einen Platz an der Sonne. Lévi-Strauss betrachtete deren Präzision der Analyse und Strenge der Methode als das auszeichnende Element von Wissenschaft (1975). Er war auch beeindruckt von der selber gewählten Aufgabe der Linguisten: die Entdeckung universeller Gesetze. So etwas konnte man von den Naturwissenschaften erwarten, aber bei den Sozialwissenschaften schien es tollkühn, hatten sie doch bis jetzt keine mathematischen Möglichkeiten im Repertoire (Ullrich 1992). Sollte man es aber doch versuchen, wäre es vonnöten das Datenmaterial auf eine formal gleiche Ebene zu bringen, denn nur auf einer miteinander vergleichbaren Basis können präzise Modelle entworfen werden. Das erwünschte Ergebnis wäre Reduktion des Menschen auf das Wesentliche und dadurch ein Verständnis der universellen Natur des Menschen. Zu nichts weniger tritt Lévi-Strauss (immer noch) letztendlich an mit seinem Ansatz - und seine Berechtigung zieht er aus der Linguistik (Ullrich 1992). Er musste es nur schaffen zu beweisen, dass Linguistik und Anthropologie den gleichen Gegenstand teilen um folglich die gleiche Methode benützen zu können. Doch was ist der Gegenstand der Linguistik, auf den er sich beziehen will - und was ihre Methodik ?
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3. Ferdinand de Saussure
Ferdinand de Saussure war ein Schweizer Linguist. Barnard (2004) spricht von ihm als den bedeutendsten Vertreter des Strukturalismus. De Saussure, ein vielfach ausgezeic hneter Sprachwissenschaftler (Culler 1986), kehrte nach mehreren Jahren in verschiedenen europäischen Ländern wieder zurück in seine Geburtsstadt Geneve. Dort hielt er von 1906 bis 1911 einen Kurs über generelle Linguistik, teilweise nur als der ‚Kurs’ (Course) bekannt (Barnard 2004). Kurz darauf starb er; die Mitschriften der Vorlesungen wurden gesammelt, aufbereitet und 1916 posthum veröffentlicht. Der Inhalt des Kurses hatte weniger maßgeblichen Einfluss, als die theoretische Herangehensweise, die de Saussure dabei gewählt hatte (Barnard 2004): sie „lösten unter den Linguisten eine wissenschaftliche Revolution aus“ (Ullrich, Rüdiger 1992: 137). Bis zu seiner Zeit hatten Sprachwissenschaftler vor allem einzelne sprachliche Elemente analysiert und waren historisch orientiert. Saussure betrachtete Sprache zum ersten Mal als System: eine nach festen Prinzipien sich selber regulierende Einheit, bei der die Beziehungen der Elemente untereinander maßgeblich sind für deren Position und sinnvolle Analyse (de Saussure 1967). Für ihn war die Sprache dabei ein besonderes System - ein „System von Zeichen“ (de Saussure 1967: 19). Von ihrer Funktion her ein Kommunikationssystem, nimmt sie nach de Saussure unter diesen doch den ersten Rang ein, weil sie die anderen überhaupt erst ermöglicht (1967). Durch die Verknüpfung einer begrenzten Zahl kleinster Bausteine (Phoneme - Lauteinheiten, Morpheme - Bedeutungseinheiten) erreicht sie eine unbegrenzte Anzahl von Sätzen. Damit diese Effektivität erreicht werden kann, braucht es Konventionen, die aufgrund ihrer Beziehungen zu den anderen Elementen wirken (Ullrich 1992).
4. Die theoretischen Unterscheidungen
De Saussure führte vier theoretische Unterscheidungen ein, die hier in veränderter Re ihenfolge zum Course (de Saussure 1967) wiederge geben werden. Damit wird einer Kritik von Culler (1986) an den Herausgebern des Course gefolgt. Seiner Meinung nach hätten diese mit ihrer Aneinanderreihung de Saussures ursprüngliche Intentionen verschleiert, die sich vor allen aus seinen weit später veröffentlichten persönlichen
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Arbeit zitieren:
M.A. Marcus Andreas, 2004, Darstellung der Übertragung der de Saussureschen Begriffe in den Strukturalismus als Kulturtheorie, München, GRIN Verlag GmbH
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