1
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Stereotype und Vorurteile - die „Bilder im Kopf“ 2
1. Ursachen 3
2. Vermittlung und Aneignung 3
III. Xenophobie und Exotismus - die „Bilder im Bauch“ 4
1. Entstehung 4
2. Mechanismen 5
3. Zusammenhänge 6
IV. Wirkungen der „Bilder im Kopf“ und der „Bilder im Bauch“ 7
1. Bedrohung der eigenen Person 7
2. „Verteidigungsstrategien“ zur Angstabwehr 8
3. Diskriminierende Gegnerschaft 9
V. Schlußbetrachtung 10
VI. Literaturverzeichnis 11
VII. Anhang 12
2
I. Einleitung
Vorab möchte ich darauf hinweisen, daß ich die Begriffe „Fremdes“, „Fremde“, „Fremder“, usw. immer - von Zitaten abgesehen - bewußt in Anführungszeichen gesetzt habe. Ich will damit meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, daß es völlig relativ ist und nur vom Blickwinkel abhängt, wer oder was „fremd“ ist. Konfrontation mit „Fremdem“ und „Fremden“ birgt immer ein gewisses Konfliktpotential in sich und stellt somit eine große Herausforderung dar, die als Chance ge sehen werden kann. Zwei Hauptaspekte spielen hierbei eine Rolle: Zum einen haben Menschen unterschiedlicher Herkunft verschiedene Bezugssysteme für ihr Denken und Fühlen und zum anderen löst das, der und die „Fremde“ Grundlegendes in der menschlichen Psyche aus. 1 In meinen Ausführungen beziehe ich mich vor allem auf „Fremde“ und „Fremdes“ im kulturellen Sinne. Die meisten der im Folgenden dargestellten Prozesse und Mechanismen gelten allerdings generell. Dabei können anstelle von Ausländern auch beispielsweise Behinderte die „Fremden“ sein. Verweisen möchte ich an dieser Stelle bereits auf die schematische Darstellung im Anhang, die für die gesamten Ausführungen relevant ist. Aus diesem Grunde verzichte ich auf spezielle Hinweise an bestimmten Stellen im Text. Im Anhang findet sich ein von mir ergänztes Ablaufschema, das auf einer Vorlage aus dem Buch von Ausländer - Aussiedler - Übersiedler / Fremdenfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland von Günther Gugel basiert. Dieses Gedankenmodell möglicher Folgereaktionen und Verhaltenstendenzen auf die Konfrontation mit „Fremden“ und „Fremdem“ will als stark vereinfachte Übersicht zur Orientierung verstanden werden - nicht als zwangsläufiger Mechanismus. In der Realität gibt es natürlich viele Modalitäten, wie zum Beispiel komplexere Wechselwirkungen, das Überspringen einzelner Stufen, Rückkopplungen und auch Ausstiegsmöglichkeiten.
II. Stereotype und Vorurteile - die „Bilder im Kopf“
„Stereotypen sind soziale Schemata über Menschengruppen. Jeder gebraucht solche Schemata in seinen alltäglichen Interaktionen. Die meisten Stereotypen enthalten ein oder mehrere negative Attribute. (Beispiele: Iren sind Trunkenbolde, Schotten sind Geizhälse, Juden sind skrupellose Geschäftemacher, Südländer klauen.) Solche Stereotypen bilden die kognitive Basis für Vorurteile.“ 2
1 vgl. Platzbecker 1997, S. 63
2 Bourne, L. und Ekstrand, B. 1992, S. 404
3
1. Ursachen
Die Ursachen für das Entstehen von Vorurteilen und Stereotypen sind vielschichtig und wirken meist in komplexer Art und Weise zusammen. Ein gewichtiger Faktor ist sicherlich „das Unbekannte“, das die Phantasie anregt und den Nährboden für Spekulationen und Interpretationen bildet. Man könnte es auch als Vakuum bezeichnen, das geradezu danach schreit, gefüllt zu werden. Hierzu schreibt Arzu Toker:
„Warum nur diese Aggressivität, diese infamen Beschimpfungen, fragt sich unsereins? Wenn man bedenkt, daß die deutsche Bevölkerung am wenigsten mit den türkischen Frauen in Kontakt kommt, warum werden gerade sie, mehr noch als die Männer, beschimpft? Man könnte sagen, gerade deswegen, weil sie die Unbekannten sind, aber nicht allein deswegen, so meine ich.“ 1 Zudem erfüllen „Bilder im Kopf“ bestimmte Funktionen. Sie helfen beispielsweise, die Komplexität des Lebens erträglich zu machen, indem durch „Schubladendenken“ die Welt geordnet werden kann. 2 Dies bedeutet auf der anderen Seite allerdings, daß die Wahrnehmung gefiltert wird und man durch die Brille des Vorurteils sieht, was verschiedene Auswirkungen nach sich zieht (siehe Kapitel IV.).
Ein anderer Gesichtspunkt ist die Rechtfertigungsfunktion von Vorurteilen. Kolonisation, Eroberung, Völkermord, Ausbeutung, Sklaverei, Unterdrückung und Diskriminierung wurden und werden vor allem auch durch die gezielte Verbreitung von Vorurteilen gerechtfertigt. Traurige Beispiele in der Geschichte und Gegenwart sind auf der ganzen Welt zu finden.
2. Vermittlung und Aneignung
„Bilder im Kopf“ werden von Kindheit an in verschiedenen Prozessen erlernt. Durch außerschulische und schulische Erziehung werden vom Erziehenden mit den jeweiligen Inhalten auch immer bestimmte Sichtweisen vermittelt. Dies geschieht unvermeidlich, wenngleich oft unbewußt.
„Das Kind lernt also die Vorurteile der Eltern und Erzieher, lernt, ob gerade die Juden, die Russen, die Türken oder die Neger als Objekt für Haß und Aggressionen freigegeben sind. Und es lernt, welche Vorstellungen mit den Begriffen ‘Neger’ oder ‘Jude’ verbunden werden.“ 3
1 Toker, zitiert nach Gugel 1994, S. 134
2 vgl. Gugel 1994, S. 139
3 Riepe 1995, S. 172
Arbeit zitieren:
Thomas Haug, 2000, Konfrontation mit Fremden und Fremdem zwischen Stereotypen, Vorurteilen, Xenophobie und Exotismus, München, GRIN Verlag GmbH
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