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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Realität der Arbeitsgesellschaft und Legitimationskrise der Schule 2
III. Frühe und mehrfache Ausgrenzung insbesondere durch Schule 3
1. Unterschiedliche Facetten sogenannter Schulverweigerung 3
2. Gründe und Hintergründe 4
3. Folgen und Spätfolgen 5
IV. Neue Wege durch Partizipation - Die Freiburger StrassenSchule e.V. 6
1. Interkulturalität und Transprofessionalität 7
2. Beziehungsarbeit 8
3. Dialogisches Lernen 9
4. Reflektierte Aktion und aktive Reflexion 10
5. Prozessorientierung, Kontinuität und Nachhaltigkeit 11
V. Fazit 12
VI. Literatur 13
2
I. Einleitung
Bei der Auseinandersetzung mit der komplexen Thematik der problematischen Übergänge von Schule zum Berufsleben stellte sich mir schon bald die Frage, was denn mit den jungen Menschen ist, die erst gar nicht so weit kommen. Was passiert, wenn Schüler der Schule den Rücken kehren? Wie kommt es überhaupt so weit?
Leider ist vielen, trotz der Ergebnisse der Pisa-Studie und den traurigen Ereignissen in Erfurt, immer noch nicht klar, dass sich das System Schule verändern muss. Doch wie können wirklich trag- und zukunftsfähige Alternativen entwickelt werden? Welche Chancen ergeben sich aus der Analyse der Motive sogenannter Schulverweigerung sowie durch die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Lösung der sie betreffenden Probleme? Diesen Fragen folgend stellt sich der Inhalt meiner vorliegenden Arbeit dar. Zunächst versuche ich den Zusammenhängen zwischen der Krise der (Erwerbs-) Arbeitsgesellschaft und der Krise der Schule nachzugehen. Darauf aufbauend beleuchte ich frühe Ausgrenzungsrisiken des Schulsystems und die Folgen. Im zweiten Teil meiner Ausführungen werde ich die Freiburger StrassenSchule e.V. kurz vorstellen, um schließlich die ihr zugrunde liegende Haltung sowie wichtige Prinzipien für die Arbeit herauszuarbeiten.
II. Realität der Arbeitsgesellschaft und Legitimationskrise der Schule
Entgegen der offensichtlichen Realität ist noch immer die Ansicht weit verbreitet, dass grundsätzlich die Möglichkeit der Vollbeschäftigungsgesellschaft besteht. „Unser gesamtes Erziehungs- und Bildungssystem tut bis heute so, die gesamte Arbeits- und Sozialpolitik sind bis heute auf die Vorstellung aufgebaut, als ob die stabile Integration in ein Erwerbsleben für alle erreichbar - und durchhaltbarsei. (...) Tatsächlich aber gehört es jedenfalls zum Leben junger Menschen längst als normal dazu, zeitweise erwerbslos zu sein.“ 1 Viele Kinder und Jugendliche haben den Funktionsverlust und die Krise der Schule längst erkannt: „Schule ist für sie eine sinnlose Angelegenheit. Bringt eh nichts, sagen sie. Null Perspektive. Null Bock.“ 2
1 Krafeld 2000, S. 10
2 Kistler in: Badische Zeitung vom 8.6.2002
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Auf der einen Seite wird die Illusion der Vollbeschäftigungsgesellschaft als nahezu unantastbares Ideal verteidigt - der Mythos wird durch „(...) geradezu magische Geisterbeschwörung (...)“ 1 am Leben erhalten. Auf der anderen Seite schwindet für immer mehr junge Menschen die Legitimation von Schule als Wegbereiter für einen erfolgreichen Eintritt in berufliche Ausbildung und Erwerbsarbeit - die für sie knallharte Realität hat ihre Folgen. 2
III. Frühe und mehrfache Ausgrenzung insbesondere durch Schule
Die Übergangsrisiken liegen nicht erst in der Phase nach dem Schulabschluss sondern finden schon früher statt. Deshalb muss „(...) Schule als nicht hinterfragte Ausleseinstanz“ 3 kritisch wahrgenommen werden. Da Schule neben den Familien das Leben junger Menschen ga nz wesentlich bestimmt, muss deren Ein- und Auswirkung ernstgenommen werden.
1. Unterschiedliche Facetten sogenannter Schulverweigerung Das Phänomen der sogenannten Schulverweigerung sollte möglichst von
verschiedenen Blickwinkeln aus betrachtet werden, um eine Vereinfachung durch eindimensionale Sichtweisen und monokausale Erklärungsversuche zu vermeiden. Nach einer Studie des deutschen Jugendinstituts in München nimmt die Schulverweigerung zu: „Jeder zehnte Schüler in Deutschland gilt als schulmüde. Acht Prozent der Jugendlichen geben an, regelmäßig den Unterricht zu schwänzen.“ 4
Durch die Forschung wurde der Blick auf unterschiedliche Formen gelenkt. Einig sind sich die Fachleute, dass sich Verweigerung in Phasen entwickelt - von Desinteresse, geistiger Abwesenheit, Passivität und Gleichgültigkeit im Unterricht über Störungen des Unterrichts bis hin zum aktiven Schwänzen in vielfältigen Formen und der totalen Abkehr von der Schule. 5
Der selbstgefasste und oft sehr bewusste Entschluss, der Schule fernzubleibendie sogenannte Schulverweigerung - wird fortgesetzt und verschärft durch die institutionalisierte Ausgrenzung - den offiziellen Schulausschluss.
1 Krafeld 2000, S. 32
2 vgl. ebd., S. 10 ff
3 Walther 2000, S. 26
4 Kistler in: Badische Zeitung vom 8.6.2002
5 vgl. ebd. / vgl. Homfeldt 2002, S. 56 / vgl. Krafeld 2000, S. 102
4
„Fallen Kinder durch ihr unangepaßtes Verhalten auf, bleiben sie wiederholt unentschuldigt dem Unterricht fern (...), werden sie auf Beschluß von Schulkonferenzen vom Schulbesuch kurz- oder langfristig ausgeschlossen oder die Schulbesuchspflicht wird wegen ‘Nicht-Beschulbarkeit’ (Bezeichnung der Schulverwaltung) vorzeitig beendet.“ 1
Angesichts der negativen Konnotation der vermeintlichen Nicht-Beschulbarkeit halte ich den Begriff der Nicht-Beschulung für angemessener. 2
2. Gründe und Hintergründe
Zunächst liegt eine Hauptursache für sogenannte Schulverweigerung in der Krise der Schule als Eintrittskarte zum Erwerbsarbeitsmarkt, denn: „Die zunehmende Perspektivlosigkeit ist auch SchülerInnen nicht verborgen geblieben.“ 3 Als logische Konsequenz stellt sich für immer mehr junge Menschen die Frage, warum sie sich denn dann noch bemühen sollten.
Ein weiterer Grund liegt im System, genauer gesagt in der Art des Systems, wenngleich dies oft immer noch nicht ernstgenommen oder gar geleugnet wird. Speziell im deutschen Schulwesen wird schon sehr früh aussortiert. Der leistungsorientierte und hierarchische Aufbau, die Trennung in Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien 4 herrscht noch vor. Durch die Selektion werden schon angelegte, beispielsweise familiäre Benachteiligungen ungünstig verstärkt. Soziale Ungleichheit wird so reproduziert. 5 Erwachsene setzen durch Lehrpläne und Schulgesetze durch, was junge Menschen wann und wie zu lernen haben. Die Gleichbehandlung der Schüler durch einheitliche Lehrpläne bewirkt eine faktische Ungleichbehandlung. Die Kinder und Jugendlichen, um die es geht, haben kein offizielles Mitgestaltungsrecht. Meist sehr abstrakte, oft lebensfremde Lerninhalte und überholte Methoden werden über ihre Köpfe hinweg verordnet und durchgesetzt. Gerade problembelastete Schüler werden so schnell überfordert. Dazu kommen nicht selten autoritäre Haltungen der Lehrer und Ordnungsmaßnahmen. 6
1 von Dücker 1999, S. 19
2 vgl. Blumenberg 1999, S. 100 f
3 Walther 2000, S. 27
4 Ausnahmen bilden die Gesamtschulen und die Orientierungsstufen in einigen Bundesländern.
5 vgl. Walther 2000, S. 26 f
6 vgl. Braun 2001, S. 42 f
Arbeit zitieren:
Thomas Haug, 2002, Protagonisten einer neuen Schule - Entwicklung zukunftsfähiger Alternativen durch Partizipation sogenannter Schulverweigerer, München, GRIN Verlag GmbH
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