Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 2
2. Maria Montessori 3
2.1 Zur Person (Biographie) 3
3. Montessori-Pädagogik 4
3.1 Die Anthropologie des Kindes / 4
Grundgedanken der Montessori-Pädagogik
3.2 Leitideen und Konzepte 6
3.2.1 Das Montessori-Phänomen 6
Polarisation der Aufmerksamkeit
3.2.2 Die vorbereitete Umgebung 7
3.2.3 Die sensiblen Perioden 8
3.2.4 Die Rolle des Erziehers 10
3.2.5 Die Kosmische Erziehung 11
3.3 Exkurs: Montessori-Material 12
4. Montessori-Institutionen in der Praxis 13
4.1 Das Montessori-Kinderhaus 13
4.2 Die Montessori-Grundschule 15
4.3 Die Montessori-Pädagogik in weiterführenden 17
Schulen
4.4 Montessori-Pädagogik in der Sozialpädagogik 19
5. Ist Maria Montessori ein Klassiker? 20
5.1 Was sind KlassikerInnen? 20
5.2 Was macht Maria Montessori zum Klassiker? 21
6. Fazit 22
7. Literaturverzeichnis 25
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1. Einleitung
Die Montessori-Pädagogik ist wohl eines der bekanntesten (reform-) pädagogischen Konzepte. Ein für mich durchaus interessanter Aspekt ist, dass Maria Montessori ihre Ideen nicht zwangsläufig als fertige Lehrsätze verstanden hat, sondern diese vielmehr Denkanstöße sind. Das verleiht der nach ihr benannten Pädagogik sowohl einen unabgeschlossenen Charakter, als dass es sie auch als ein lebendiges, veränderbares und weiterzuentwickelndes Gebilde erscheinen lässt.
Im folgenden habe ich meine Arbeit in fünf Abschnitte gegliedert. Im ersten Teil werde ich die Person Maria Montessori vorstellen und auf ihre Biographie eingehen um einen Einstieg in das Thema zu finden. Anschließend werde ich mich im zweiten Teil der Pädagogik Montessoris zuwenden. So stelle ich im Abschnitt 3.1 Montessoris Auffassung bzw. Bild von Kindern vor um später daraus mögliche Schlüsse auf ihre Theorien und Thesen ziehen zu können. Es folgen in Abschnitt 3.2 wichtige bzw. relevante Leitideen und Konzepte zur Montessori-Pädagogik, wie z.B. die Polarisation der Aufmerksamkeit, die vorbereitete Umgebung, die sensible Perioden, die Kosmische Erziehung aber auch die neue Rolle des Erziehers. Diese werde ich ausführlich beschreiben und vertiefen um ein Gesamtkonzept der Montessori-Pädagogik zu erstellen. Den Abschluss des zweiten Teils meiner Arbeit soll ein kurzer Exkurs über das so genannte Montessori-Material darstellen. Der dritte Teil meiner Arbeit ist der Montessori-Pädagogik und deren Anwendung in Institutionen in der Praxis, d.h. im Speziellen im Montessori-Kinderhaus, in der Montessori-Grundschule sowie in weiterführenden Schulen gewidmet. Anschließend werde ich einen möglichen Zusammenhang von Montessori-Pädagogik und Sozialpädagogik am Beispiel der Integration behinderter Kinder darstellen.
Im vierten Teil meiner Arbeit werde ich mich mit der Fragestellung auseinandersetzen, ob Maria Montessori bzw. ihre Theorie zu den Klassikern der Sozialpädagogik bzw. der Sozialen Arbeit zu zählen ist. Den Abschluss meiner Arbeit bildet das Fazit, in welchem ich noch einmal resümierend auf die wichtigsten Punkte meiner Arbeit eingehen werde. Aber gleichermaßen möchte ich an dieser Stelle auch kurze kritische Anmerkungen zum Thema anbringen.
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2. Maria Montessori
2.1 Zur Person (Biographie)
Maria Montessori wurde am 31. August 1870 als einziges Kind eines Finanzbeamten in Chiaravalle (Italien) geboren.
Aus ihrer Absicht heraus Ingenieurin zu werden, besuchte sie als einziges Mädchen ein naturwissenschaftliches Gymnasium für Jungen. Zwischen 1890 - 1892 studierte sie Naturwissenschaften. 1892 wechselte sie das Studienfach und studierte an der Universität zu Rom Medizin.
1896 promovierte sie. Maria Montessori war die erste Frau Italiens, die ein akademisches Studium mit einer Promotion abschloss.
Anschließend war sie drei Jahre als Assistenzärztin in der Chirurgie und an der Psychiatrischen Klinik der Universität Rom tätig.
1899 erlangte sie eine Anstellung als Dozentin für Hygiene und Anthropologie am Ausbildungsinstitut für Lehrerinnen.
Zwischen 1898 und 1900 war sie Direktorin der Scuola Ortofrenica, einem Heilpädagogischen Institut.
1902 begann sie ihr Studium der Pädagogik, Experimentalpsychologie und Anthropologie.
1907 gründete sie in San Lorenzo, einem Armenviertel in Rom, die erste „Casa die bambini“, ein Kinderhaus, in dem Kinder im Vorschulalter nach ihren Ideen, welche ich zu einem späteren Zeitpunkt konkreter vorstellen werde, erzogen wurden. Aus den so gewonnenen Erkenntnissen und Erfahrungen konzipierte sie ihr pädagogisches Konzept für behinderte sowie sozial benachteiligte Kinder. Ihr erstes Buch: „Die Entdeckung des Kindes“ erschien 1909. Bereits 1911 wird die „Montessori-Methode“ in italienischen und schweizer Volkshochschulen eingeführt. Erste Modellschulen entstehen in Paris, New York und Boston. Maria Montessori unternimmt Vortragsreisen in alle Welt. 1922 hält sie auch erste Vorträge in Deutschland. Im Jahr 1929 werden die ersten nationale und internationale Montessori-Gesellschaften gegründet und es kommt zur Entstehung internationaler Kongresse.
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Unter dem faschistischen System in Italien werden ihre Schulen geschlossen. In Deutschland werden ihre Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt. In der Zeit von 1939-1946 lebt Maria Montessori bei ihrem Sohn und seiner Familie in Indien, wo ihre Methode zum Unterrichtsprinzip an indische Schulen wird.
Am 6. Mai 1952 stirbt Maria Montessori im niederländischen Nordwijk aan Zee. Im selben Jahr wird die Deutsche Montessori-Gesellschaft gegründet. Nach ihrem Tod führt ihr Sohn ihr Werk weiter und wird Leiter der Internationalen Montessori-Gesellschaft.
3. Montessori-Pädagogik
Montessori-Pädagogik ist ein reformpädagogisches Bildungsangebot, das sich unmittelbar am Kind orientiert und konsequent die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt. Sie wird heute in vielen Kinderhäusern und Schulen und in fast allen Ländern der Erde angeboten (vgl. www.montessori.de). Im folgenden Abschnitt werde ich mich zunächst mit dem Menschenbild von Maria Montessori beschäftigen um dadurch Rückschlüsse auf ihre Theorien ziehen zu können.
Weiter werde ich wichtige und relevante Leitideen und Konzepte vorstellen bzw. näher beschreiben.
3.1 Die Anthropologie des Kindes / Grundgedanken der Montessori-Pädagogik
Ein wichtiger Leitsatz in der Montessori-Pädagogik ist: „Alle Erziehung geht vom Kinde aus.“ (zit. n. Steenberg, 1997, S. 18). Die Idee ist, dass wenn man Erziehung kindgemäß gestalten möchte, man auf Kinder hören muss bzw. sie zu Wort kommen lassen muss. Nach Montessori müssen die Kinder selbst und nicht unsere wie auch immer geartete Vorstellung wie Kinder sein sollen der Ausgangspunkt für pädagogischen Überlegungen sein (vgl. Steenberg, 1997, S. 18).
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„Die Kinder sind es, die uns alles gelehrt haben.“ zitiert Steenberg (1997) Montessori und distanziert sie von der so genannten „Schreibtischpädagogik der vergangenen Jahrhunderte“ (vgl. Steenberg, 1997, S.27). Weiter beschreibt er Montessoris Pädagogik als lebensnah und anschaulich, was er mit dem Leitsatz „dem Leben dienen“ begründet.
Steenberg (1997) sagt, dass Kinder als eigenständig und mit uns gleichwertig sind. Wir sollen respektieren, dass ein Kind sein Leben mit anderen Maßstäben, anderen Zielsetzungen und anderen Werten als wir „Erwachsenen“ lebt bzw. leben will (vgl. Berg, 2002, S. 24 ff.). Steenberg (1997) kritisiert unter Bezug auf Montessori, dass wir nur allzu oft kindliches Leben nach unseren Maßstäben hinsichtlich Produktivität, Leistung und Erfolg betrachten. Steenberg (1997) stellt fest, dass Kinder bereits Menschen sind und nicht erst welche werden (vgl. Steenberg, 1997, S. 19; Berg, 2002, S. 24).
Ich denke, dies ist ein entscheidender Satz, der die Anthropologie des Kindes nach Maria Montessori beschreibt.
Wie oben bereits kurz erwähnt, steht nach Montessori das Kind im Mittelpunkt der Erziehung. Der Platz des Erziehers ist der Rand, was weniger bedeutet überflüssig zu sein, als vielmehr dies als Chance zu nutzen „wahrzunehmen, aufzunehmen, anzunehmen und dienend dem Kind bei seiner Persönlichkeitsentfaltung“ (zit. n. Steenberg, 1997, S. 19) sowie bei der Entwicklung seines Willens zu helfen. So ist nach Steenberg (1997) der freie Wille auch der Kern der kindlichen Persönlichkeit. Die Montessori-Pädagogik will also dem Kind helfen seinen Willen verantwortlich zu gestalten und harmonisch in seine Persönlichkeit zu integrieren.
Steenberg (1997) formuliert es so: „Hilf mir, selbstständig zu denken und handeln zu lernen. [...] Biete mir Raum und Gelegenheit, meinen eigenen Lernbedürfnissen zu folgen. Du kannst mir ruhig glauben: Ich will lernen. Aber nicht irgend etwas, das Du gerade für mich als wichtig ausgedacht hast.“ (zit. n. Steenberg, 1997, S. 21).
Auf letzteren Satz werde ich später unter Punkt 2.2.2 und 2.2.3 in meiner Arbeit präziser eingehen. An dieser Stelle erscheint es mir wichtig anzumerken, dass nach Steenberg (1997) Kinder lernen wollen und auch keineswegs Herausforderungen scheuen. Die Montessori-Pädagogik versteht sich hier als eine Pädagogik der Wegbereitung und Wegbegleitung (vgl. Steenberg, 1997, S. 22).
Zusammenfassen lässt sich dieser Abschnitt meiner Meinung nach mit dem bekannten Satz: „Hilf mir, dass ich es selbst tun kann.“.
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3.2 Leitideen und Konzepte
Thesing (1999) schreibt, dass Maria Montessori sich nach ihrer Tätigkeit als Ärztin durch ihre Erfahrungen in der Erziehung und Förderung behinderter Kinder stärker der Pädagogik zuwandte. Sie beschäftigte sich während ihrer Studien der Pädagogik und der Psychologie vor allem mit den Forschungen des französischen Arztes Jean-Marc Gaspard Itard, welcher als Begründer der Heilpädagogik gilt (vgl. Thesing, 1999, S. 151).
Ich denke, dies ist wichtig zu erwähnen, da sowohl ihre Erfahrungen im Umgang mit behinderten Kindern als auch ihr Interesse an Gaspard Itards Forschungen sie und ihre Theorien sehr beeinflusst haben.
Im folgenden Abschnitt werde ich auf in der mir vorliegenden Literatur immer wieder auftretende Begriffe, Leitideen und Konzepte der Montessori-Pädagogik eingehen.
3.2.1 Das Montessori-Phänomen - Polarisation der Aufmerksamkeit
Um diesen Abschnitt einzuleiten, möchte ich zunächst eine kurze Geschichte anführen, die sich laut Thesing (1999) „wie ein roter Faden“ durch die Literatur Maria Montessoris zieht und auch bei Steenberg (vgl. ebd., 1997, S. 28 ff.) zu finden ist.
„[...] beobachtete ich ein etwa dreijähriges Mädchen, das tief versunken war in der Beschäftigung mit einem Einsatz-Zylinderblock, aus dem sie die kleinen Holzzylinder herauszog und wieder an ihre Stelle steckte. Der Ausdruck des Mädchens zeugte von so intensiver Aufmerksam keit [...] Zu Anfang beobachtete ich die Kleine, ohne sie zu stören und begann zu zählen, wie oft sie die Übung wiederholte, aber dann - als ich sah, dass sie sehr lange damit fortfuhr - nahm ich das Stühlchen, auf dem sie saß, und stellte Stühlchen und das Mädchen auf den Tisch; die Kleine sammelte schnell ihr Steckspiel auf [...] und fuhr mit ihrer Arbeit fort. Da forderte ich alle Kinder auf, zu singen; sie sangen, aber das Mädchen fuhr unbeirrt fort [...] Ich hatte 44 Übungen gezählt; und als es endlich aufhörte, tat es dies unabhängig von den Anreizen der Umgebung, die sie hätten stören können; und das Mädchen schaute zufrieden um sich, als erwache es aus
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Quote paper:
Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser, 2004, Montessori-Pädagogik - Leitideen und Konzepte der Montessori-Pädagogik. Theorie und Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis, Munich, GRIN Publishing GmbH
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