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Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Zapatistische Bewegung im sozio-historischen Kontext 3
III. Grund-Sätze und Leitlinien des Zapatismus 6
1. Mandar obedeciendo - Gehorchend regieren/befehlen 6
2. Preguntando caminamos - Fragend gehen wir voran 7
3. Detrás de nosotros estamos ustedes - Hinter uns sind wir ihr 9
4. Un mundo donde quepan muchos mundos - Eine Welt in der viele Welten Platz finden. 10
IV. Fazit 12
V. Literatur 13
VI. Anhang 15
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I. Einleitung
Am 1. Januar 2004 jährte sich der Beginn der bewaffneten Erhebung der Zapatistischen Nationalen Befreiungsarmee (EZLN) im mexikanischen Bundesstaat Chiapas zum zehnten Mal. Die ZapatistInnen haben seither kontinuierlich bewiesen, dass die notwendige Veränderung der Welt möglich ist - von unten! Mittlerweile ist die zapatistische Bewegung weltbekannt, wenngleich die profunde Auseinandersetzung mit dem Zapatismus sich hierzulande auf kleine Zirkel beschränkt und ansonsten die Betrachtung an der Oberfläche bleibt. Soziale Arbeit ist, wie Paulo Freire allgemein für die Pädagogik erkannte, niemals neutral. Entweder bringt oder hält sie die Menschen in Abhängigkeit oder sie trägt zur Befreiung der Menschen bei. Meines Erachtens muss Soziale Arbeit in Zeiten des globalen, skrupellosen ‘Raubtierkapitalismus’ deutlich Position beziehen und sollte sich - zumindest wenn sie sich als Menschenrechtsprofession (Silvia Staub-Bernasconi) versteht - mit dem Zapatismus als einer der wichtigsten sozialen und politischen Bewegungen beschäftigen.
Doch wer sind die ZapatistInnen eigentlich und was wollen sie? Was charakterisiert die Bewegung, woran orientiert sie sich? Was hat der Zapatismus angestoßen, in Mexiko aber auch weltweit?
Diesen Fragen nachgehend, werde ich zunächst in Kürze wichtige Hintergründe und Kontexte sowie Meilensteine der Bewegung skizzieren. Darauf aufbauend stelle ich ausführlich einige Grundprinzipien dar, denen der Zapatismus verpflichtet ist und zeige entsprechende Wirkungen auf. Abschließend versuche ich Wesentliches zusammenzufassen und den Blick auf Soziale Arbeit zu lenken. Im Anhang findet sich eine Zusammenstellung von weiterführenden Internetadressen zum Thema.
1 Subcomandante Insurgente Marcos 1994b, S. 342
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II. Zapatistische Bewegung im sozio-historischen Kontext
Die zapatistische Bewegung ist regional im Bundesstaat Chiapas, südöstliches Mexiko, an der Grenze zu Guatemala verwurzelt. Dies heißt jedoch nicht, dass Bedeutung und Wirkung des Zapatismus geographisch eingeschränkt wären - im Gegenteil. Für das Verständnis der Bewegung ist es allerdings wichtig, die regiona len Rahmenbedingungen in den Blick zu nehmen.
In seiner exzellenten Analyse der Realitäten - ein alternativer ‘Armuts- und Reichtums-Reisebericht’ - benennt der Sprecher der ZapatistInnen, Subcomandante Insurgente Marcos, die verschiedenen parallel-existenten Mexikos mit den Stockwerken eines Gebäudes. Die indigene Bevölkerung, sowohl in Chiapas als auch in anderen Bundesstaaten, befinde sich im Keller. Im Keller, also ganz unten bedeutet konkret, dass z.B. der Grad der Kindersterblichkeit, des Hungers und des Analphabetismus ganz oben sind. 1 Das extreme Elend sowie die permanente Unterdrückung und Ausbeutung, unter der die indigene Bevölkerung seit Jahrhunderten leidet, sind in Chiapas in konzentrierter Form zu finden. Die Indígenas sind jedoch nicht wehr- und hilflos. Insbesondere die Maya im Süden Mexikos leben seit nunmehr über 500 Jahren kontinuierlich und in verschiedensten Formen im Widerstand gegen die unterschiedlichen Fremdherrschaften. Auf diese Tradition trafen Anfang der 1980er Jahre Aktivisten der FLN (Fuerzas de Liberación Nacional), die aus der StudentInnenbewegung sowie verschiedenen versprengten Guerilla-Organisationen kamen. Sie zogen sich in unwegsame Gebiete in Chiapas zurück und gründeten am 17. November 1983 die EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional). Benannt ist die Bewegung nach Emiliano Zapata (1873-1919), der in der mexikanischen Revolution (1910-1920) den bewaffneten Widerstand unter den Bauern im südlichen Mexiko organisierte. War die EZLN anfangs noch sehr von Ideologien und revolutionären Vorbildern geprägt, so veränderten sich durch die Konfrontation mit den indigenen Realitäten im Laufe der Jahre die Einstellungen und Vorgehensweisen. Mit dieser graduellen Veränderung bekam die EZLN enormen Zulauf von indigene n Männern und Frauen. Schließlich ordnete sich die EZLN den indigenen Dorfgemeinschaften unter und wurde so zum ‘bewaffneten Arm’ der Indígena-Bewegung. 2
1 vgl. Subcomandante Insurgente Marcos 1994b, S. 328 ff / vgl. Esteva 1994, S. 67 f
2 vgl. Subcomandante Insurgente Marcos 1994a, S. 151 ff / vgl. García de León 1994, S. 148 ff
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„Als die Zapatistas entstanden, bezeichnete sich die zapatistische Bewegung zunächst als militärische Kraft. Was die Zapatistische Armee aber vorantreibt, ist der Kampf um Gerechtigkeit, der Kampf um Würde. Die Zapatistas haben das nicht erfunden, es liegt im geschichtlichen Bewusstsein der Indígenas begründet. (...) Die Zapatistas haben nur dem, was schon vorhanden war, eine neue Form gegeben. Es ist sehr wichtig, das hervorzuheben, denn die Indígenas haben auf verschiedenste Weise und zu vielen Gelegenheiten gekämpft.“ 1
Die zumeist jungen Frauen, die in die EZLN eintraten, haben das Gesicht der zapatistischen Bewegung ebenfalls verändert. Im noch nicht abgeschlossenen Kampf gegen Machismus und patriarchale Strukturen, bewirkten sie eine Revolution vor dem bewaffneten Aufstand. 2
Im elften Jahr ihres Bestehens trat die EZLN am 1. Januar 1994 mit der Besetzung der Rathäuser in sieben Landkreisen in Chiapas ans Licht der Öffentlichkeit. Mit ihrem ‘¡Ya basta! - Es reicht!’ und legitimen Forderungen nach Land und Freiheit sowie Gerechtigkeit und Demokratie, antworteten die ZapatistInnen auf das neoliberale Projekt des nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA), das am selben Tag in Kraft trat. Aufgrund schwerer Gefechte mit der Bundesarmee und Bombardierungen durch die Luftwaffe, zog sich die EZLN nach und nach in die Berge und das Urwaldgebiet der ‘Selva Lacandona’ zurück. Viele ZapatistInnen und ZivilistInnen, sowie einige Soldaten und Polizisten wurden getötet. Nach dem Waffenstillstand und den ersten Friedensverhandlungen erklärten sich noch im Jahre 1994 die ersten Gemeinden als autonom und zapatistisch. 1995 initiierte die EZLN verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen (z.B. die ‘Nationale Befragung für den Frieden und die Demokratie’). 1996 wurden die bis heute von der mexikanischen Regierung nicht umgesetzten ‘Abkommen von San Andrés Larraínzar über indigene Rechte und Kultur’ unterzeichnet sowie das erste ‘Intergalaktische Treffen gegen den Neoliberalismus und für die Menschheit’ durchgeführt. 1997 wurden die Friedensverhandlungen wegen Vertrauensmissbrauch der mexikanischen Regierung (Nichteinhaltung der Abkommen, fortschreitende Militarisierung in Chiapas, etc.) von der EZLN unterbrochen und es kam zunehmend zu paramilitärischen Übergriffen auf autonome Gemeinden und ZapatistInnen, die im Massaker von Acteal ihren traurigen Höhepunkt fanden. 3
1 Vargas 1994, S. 184
2 vgl. Subcomandante Insurgente Marcos 1994a, S. 152 / vgl. Jung 2004, S. 24 ff
3 vgl. Müller 2004, S. 15 f
Arbeit zitieren:
Thomas Haug, 2004, Globalisierung des Widerstandes der Würde - Zapatismus und seine Wirkungen, München, GRIN Verlag GmbH
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