Inhaltsübersicht
Inhaltsübersicht............................................................................................................... II
Inhaltsverzeichnis III
Darstellungsverzeichnis. V
Abk ürzungsverzeichnis. VI
0.
Einleitung 1
1.
Definition und statistische Grundlagen 2
2.
M ögliche Ursachen der Arbeitslosigkeit. 11
3.
Arbeitslosigkeit in Deutschland 48
4.
Wege aus der Arbeitslosigkeit 70
5.
Res ümee. 118
Literaturverzeichnis. 120
Erkl ärung gemäß §31 Abs. 5 RaPO 133
II
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsübersicht............................................................................................................... II
Inhaltsverzeichnis III
Darstellungsverzeichnis. V
Abk ürzungsverzeichnis. VI
0.
Einleitung 1
1.
Definition und statistische Grundlagen 2
1.1 Definition des Begriffs Arbeitslosigkeit 2
1.2 Problematik der Verzerrung der Arbeitslosigkeit 2
Entlastung insgesamt 4
1.3 Folgen der Arbeitslosigkeit 6
1.3.1 Gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen. 6
1.3.2 Folgen für den Einzelnen 9
2.
M ögliche Ursachen der Arbeitslosigkeit. 11
2.1 Niveaubedingte Ursachen 11
2.1.1 Die Keynesianische Erklärung der Arbeitslosigkeit. 11
2.1.2 Die neoklassische Erklärung der Arbeitslosigkeit 13
2.2 Strukturbedingte Ursachen. 15
2.2.1 Friktionelle Arbeitslosigkeit. 16
2.2.2 Saisonale Arbeitslosigkeit 16
2.2.3 Strukturelle Arbeitslosigkeit. 17
2.2.3.1 Veränderung der Arbeitsnachfrage. 17
2.2.3.1.1 Technischer Fortschritt. 18
2.2.3.1.2 Globalisierung 20
2.2.3.2 Mismatch-Arbeitslosigkeit 27
2.2.3.3 Demografische Faktoren. 28
2.2.3.4 Arbeitsrechtlicher Rahmen. 29
2.2.3.4.1 Kündigungsschutz 30
2.2.3.4.2 Befristete Arbeitsverhältnisse. 33
2.2.3.5 Tarifpolitik. 36
III
3.
Arbeitslosigkeit in Deutschland 48
3.1 Statistische Betrachtungen. 48
3.2 Besonderheiten die zur hohen Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern
f ührten 63
4.
Wege aus der Arbeitslosigkeit 70
4.1 Arbeitsmarktpolitik in Deutschland 70
4.1.1 Grundlagen 70
4.1.2 Evaluation der aktiven Arbeitsmarktpolitik. 75
4.1.3 Aktuelle Tendenzen. 83
4.1.1.1 Agenda 2010. 83
4.1.1.2 Hartz-Konzept 85
4.2 Alternative Wege 91
4.2.1 Niedriglohnstrategie 91
4.2.1.1 Negative Einkommensteuer. 96
4.2.1.2 Aktivierende Sozialhilfe. 102
4.2.1.3 Mainzer Modell. 103
4.2.1.4 Magdeburger Alternative. 104
4.2.1.5 Weitere Lohnsubventionsmodelle. 106
4.2.2 Innovationen und Unternehmensgründungen. 107
4.2.2.1 Finanzielle Basis 110
4.2.2.2 Infrastrukturelle Basis 112
4.2.2.3 Soziale und psychische Basis. 114
4.2.3 Regionalpolitik/ -marketing. 115
5.
Res ümee. 118
Literaturverzeichnis. 120
IV
Darstellungsverzeichnis
Darstellung 1: Das Ausmaß der Unterbeschäftigung ..................................................... 4 Darstellung 2: Gesamtfiskalische Kosten der Arbeitslosigkeit 2001 je Arbeitslosen ...... 7 Darstellung 3: Direktinvestitionen in Milliarden Euro .................................................... 21 Darstellung 4: Geplante und realisierte Verlagerung von Industrieunternehmen .........24 Darstellung 5: Motive für die Verlagerung ins Ausland .................................................24 Darstellung 6: Die Funktionsschwerpunkte der Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen in den nächsten drei Jahren ........................................... 25 Darstellung 7: Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereichen ............................................. 26 Darstellung 8: Tarifbindung der Betriebe und Beschäftigten in der BRD in Prozent .... 37 Darstellung 9: Arbeitslosenquoten in Deutschland in Prozent...................................... 49 Darstellung 10: Veränderung des Bruttoinlandsprodukts im Vergleich zum Vorjahr in Preisen von 1995 ................................................................................ 50 Darstellung 11: Zahl der Arbeitslosen und Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt.. 51 Darstellung 12: Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit 2002 ........................... 52 Darstellung 13: Anteil der Langzeitarbeitslosen ........................................................... 53 Darstellung 14: Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten von 1975 bis 2002 ....... 54 Darstellung 15: Besondere Merkmale von registrierten Arbeitslosen........................... 55 Darstellung 16: Arbeitslosenquote und zeitvariable NAIRU ......................................... 58 Darstellung 17: Indikatoren für den regionalen und beruflichen Mismatch in den alten Bundesländern, Jahresdurchschnitte .................................................. 60 Darstellung 18: Regionaler Mismatch........................................................................... 61 Darstellung 19: Qualifikatorischer Mismatch ................................................................ 62 Darstellung 20: Arbeitsplatzverteilung nach Sektoren in der DDR und der BRD ......... 65 Darstellung 21: Arbeitsplatzverteilung nach Sektoren in der DDR ............................... 67 Darstellung 22: Teilnahme an Qualifizierung und betrieblicher Weiterbildung ............. 78 Darstellung 23: Erfolgswahrscheinlichkeit von ABM-Teilnehmern im Vergleich zu Nichtteilnehmern (im März 2002) ........................................................ 80 Darstellung 24: Gewerbemeldungen und Unternehmensinsolvenzen........................ 108 Darstellung 25: Prozess der Regional-Analyse und der Regionalpolitik..................... 116
V
Abkürzungsverzeichnis
AAMP Aktive Arbeitsmarktpolitik ABM Arbeitsbeschaffungsmaßnahme(n) Abs. Absatz Ausg. Ausgabe BA Bundesanstalt für Arbeit BAG Bundesarbeitsgericht BIP Bruttoinlandsprodukt BMWA Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit Bsp. Beispiele BRD Bundesrepublik Deutschland BW Baden-Württemberg Comecon Council for Mutual Economic Assistance DDR Deutsche Demokratische Republik DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Eurostat Statistisches Amt der europäischen Gemeinschaft FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung FDJ Freie Deutsche Jugend, Jugendorganisation in der DDR IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg ICE Intercity Express, Bezeichnung für Züge im Fernverkehr der Deutschen Bahn ILO Investitionsbank des Landes Brandenburg insges. Insgesamt IWD Institut der deutschen Wirtschaft, Köln IWH Institut für Wirtschaftsforschung, Halle IZA Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit Jg. Jahrgang LA Landesamt Mill. Million(en) Mio. Million(en) Mrd. Milliarde(n)
VI
NAIRU non-accelarating inflation rate of unemployment, inflationsstabile Arbeitslosigkeitsquote OECD Organization for Economic Cooperation and Development o.A. ohne Angabe(n) o.S. ohne Seitenangabe o.V. ohne Verfasser PSA Personalserviceagentur rd. rund RGW Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (der Ostblockstaaten) siehe auch Comecon S. Seite SA Sonderausgabe SAM Strukturanpassungsmaßnahme(n) SGB Sozialgesetzbuch sic ‘tatsächlich so’ sog. sogenannt(e/en) StatA Statistisches Amt der DDR StatBA Statistisches Bundesamt StatLA BW Statistisches Landesamt Baden-Württemberg TVG Tarifvertragsgesetz u.a. unter anderem/und andere u.ä. und ähnliche(s) VEB Volkseigener Betrieb vgl. vergleiche WSI Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Gewerkschaften z.B. zum Beispiel
VII
0. Einleitung
Arbeitslosigkeit in Deutschland ist eine der größten Herausforderungen der Wirtschaft. Kein anderes Thema wird in Fachkreisen und auch in der Öffentlichkeit so intensiv und stetig diskutiert. Wobei sich die öffentliche Diskussion auf die Arbeitslosenquote und die Zahl der Arbeitslosen beschränkt. Zur Zeit wird die Arbeitslosigkeit in Verbindung mit den Reformplänen der Regierung stark diskutiert und auch die 4,18 Millionen Arbeitslosen beziehungsweise eine Arbeitslosenquote von 10,0 Prozent 1 geben Anlass zur Sorge.
Seit längerer Zeit verfolge ich das Thema Arbeitslosigkeit in den Medien. Immer wieder habe ich mir die Frage gestellt, weshalb es Arbeitslosigkeit gibt und welche ursachen-orientierten Lösungsmöglichkeiten sich anbieten. Oft wird der Eindruck vermittelt, dass ausschließlich die Politik und die Tarifparteien verantwortlich sind und handeln müssen. Diese Arbeit wird sich mit der Frage der Ursachen und den Lösungsmöglichkeiten der Arbeitslosigkeit beschäftigen.
Zu Beginn der vorliegenden Arbeit wird der Begriff der Arbeitslosigkeit definiert sowie Verzerrungen und Folgen der Arbeitslosigkeit aufgezeigt. Das zweite Kapitel versucht zu erklären, weshalb Arbeitslosigkeit entsteht und welche Arten es gibt. Darauf aufbauend folgt eine Analyse und Quantifizierung der Arbeitslosigkeit in Deutschland. Im vierten Teil werden verschiedene Wege aus der Arbeitslosigkeit auf ihre Beschäftigungswirksamkeit hin untersucht. Grundlage für die Wahl der Maßnahmen sind sowohl gegenwärtige Aktionen als auch ursachenorientierte Maßnahmen. Abschließend wird ein Resümee über die Arbeitslosigkeit in Deutschland und die Ursachen und Lösungsmöglichkeiten gezogen.
1 Stand: Ende November 2003 (BA 2003f:1).
1
1. Definition und statistische Grundlagen
1.1 Definition des Begriffs Arbeitslosigkeit
„There is no single unambigious definition of unemployment. Different purposes call for different definitions.” (Gordon 1968) 2
“In der Wirtschaftswissenschaft liegt A. [Arbeitslosigkeit] vor, wenn auf dem Arbeitsmarkt das Arbeitsangebot zu den herrschenden Bedingungen die Arbeitsnachfrage übersteigt“ (Woll 2000:38). „... nach der Definition der Arbeitslosenstatistik der Bundesanstalt für Arbeit: Arbeitslose sind Arbeitssuchende, die in der Hauptsache als Arbeitnehmer tätig sein wollen, nicht arbeitsunfähig erkrankt sind und nicht als Arbeitnehmer, Heimarbeiter, mithelfende Familienangehörige oder Selbständige beschäftigt sein“ (Geigant/Haslinger/Sobotka 1994:54).
Am Anfang eines jeden Monats veröffentlicht die Bundesanstalt für Arbeit unter anderem die Zahl der Arbeitslosen und die Arbeitslosenquote. Die Arbeitslosenquote wird in Deutschland aus dem Verhältnis der registrierten Arbeitslosen zu den abhängigen Erwerbspersonen (umfassen Erwerbstätige 3 und Erwerbslose) errechnet und von saisonalen Einflüssen bereinigt (Friedrich/Wiedemeyer 1994:15). Diese Verhältniszahl darf nicht allein betrachtet werden, sondern immer in Verbindung mit der absoluten Arbeitslosenzahl, da der Nenner im Zeitverlauf nicht konstant ist. Das die Arbeitslosenquote nur bedingt aussagekräftig ist und Verzerrungen unterliegt, wird unter 1.2 aufgezeigt.
1.2 Problematik der Verzerrung der Arbeitslosigkeit
Die in Deutschland verwendete Bezugsbasis zur Berechnung der Arbeitslosenquote ist umstritten und zeigt nur einen Teil der Unterbeschäftigung. Der von der Bundesanstalt für Arbeit ausgewiesene Teil der Arbeitslosigkeit, wird auch als offene Arbeitslosigkeit bezeichnet. Zur versteckten Arbeitslosigkeit, rechnet man die Stille Reserve sowie die „Anspruchs- und Übergangsarbeitslosigkeit“.
2 Albers 1997:268
3 „Als Erwerbstätige (Inland) werden alle Personen angesehen, die innerhalb eines Wirtschaftsgebietes einer Erwerbstätigkeit oder mehreren Erwerbstätigkeiten nachgehen, unabhängig von der Dauer der tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig zu leistenden wöchentlichen Arbeitszeit.“ (StatLA BW 2003a)
2
Die Stille Reserve stellt einen wichtigen Bestandteil des Arbeitskräftepotentials dar (Buttler 1990:37). Hinzuzurechnen sind die Teilnehmer der aktiven Arbeitsmarktpolitik zum Beispiel in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Fortbildungen und Umschulungen. Aber auch Personen mit vorhandenem aber nicht registriertem Arbeitswunsch. In der Statistik wird die Personengruppe mit vorhandenem aber nicht registriertem Arbeitswunsch, als stille Reserve im engeren Sinne bezeichnet (IAB 1998:3). Die stille Reserve wird vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg (im folgenden kurz: IAB) geschätzt und regelmäßig in Form der Arbeitskräftebilanz veröffentlicht. Die Bedeutung der aktiven Arbeitsmarktpolitik ist im Westen Deutschlands deutlich geringer als im Osten. Ohne die aktive Arbeitsmarktpolitik wäre in Ostdeutschland jede dritte Erwerbsperson arbeitslos (Koller 2000:18-19).
Die Stille Reserve sagt jedoch nichts über das Ausmaß der Unterbeschäftigung aus, da Personen in Kurzarbeit und unfreiwilliger Teilzeit nicht berücksichtigt werden. Dennoch stellen Kurzarbeit und unfreiwillige Teilzeit ein Ungleichgewicht zwischen Arbeitsangebot und Nachfrage dar (Brinkmann 1999:167).
Um einen Anspruch auf bestimmte Unterstützungsleistungen zu erhalten, wird die Meldung der Arbeitslosigkeit vorausgesetzt. Zum Beispiel prüfen die Sozialämter auf Restansprüche von Arbeitslosengeld /-hilfe oder die Meldung erfolgt nur um Ausfallzeiten bei der Rentenberechnung geltend zu machen. Ein Teil dieser Personengruppe ist somit nicht für die Arbeitsvermittlung verfügbar und kann nicht als arbeitssuchend eingestuft werden (Franz 2003a:344).
Die Übergangsarbeitslosigkeit beinhaltet Personen deren Ende der Arbeitslosigkeit bereits jetzt absehbar ist (Bsp. Eintritt in Mutterschutz, Wehr- und Zivildienst, Studium, Rente) und somit der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung stehen (Engelen-Kefer/ Kühl/Peschel 1995:71).
Das gesamte Ausmaß der Unterbeschäftigung ergibt sich also aus den registrierten Arbeitslosen, den Teilnehmern an Arbeitsbeschaffungs- und beruflichen Bildungsmaßnahmen, Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation, Kurzarbeit, Beschäftigungsverhältnisse mit direkten und indirekten Lohnzuschüssen, ausländische Teilnehmer an Deutschkursen und durch die stille Reserve im engeren Sinne. Wie sich die Unterbeschäftigung in den alten und neuen Bundesländern in den letzten Jahren entwickelt hat, zeigt die Darstellung 1.
Das berechnete Ausmaß der Unterbeschäftigung für die alten und neunen Bundesländer, wird jedoch durch Pendlerbewegungen und Abwanderungen verzerrt. Wenn
3
sich Arbeitnehmer in Gebieten mit geringen Beschäftigungsmöglichkeiten nicht zu einer beruflichen Tätigkeit in einem anderen Gebiet entschließen würden, so wäre das regionale Dimension der Unterbeschäftigung vor allem in den neuen Bundesländern höher (Engelen-Kefer/Kühl/Peschel 1995:326).
Darstellung 1: Das Ausmaß der Unterbeschäftigung
übergangsgeld, Vorruhestandsgeld, Leistungsempfänger (ab 58 Jahre) nach §428 SGB III
2 Kurzzeitarbeit, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM), Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM), Altersteilzeit
3 inklusive ABM, SAM, Kurzarbeit und Altersteilzeit Quelle: Bach, Spitznagel 2003:7
Die Zahl der offenen Stellen wird häufig der Anzahl der Arbeitslosen gegenübergestellt, um aufzuzeigen, dass die Zahl der fehlenden Arbeitsplätze geringer ausfällt als die Zahl der registrierten Arbeitslosen angibt. Aber auch dieser Indikator ist nur in geringem Maße aussagekräftig, da dem Arbeitsamt nicht alle offenen Stellen gemeldet
4
werden. Das IAB geht von einer Meldequote für die alten Bundesländer von 42 Prozent und für die neuen Bundesländer von 55,2 Prozent aus (2002:2.5.2). Diese regionalen Differenzen lassen sich vermutlich durch die geringere Anzahl von Großunternehmen in den neuen Bundesländern erklären. Zum einen verfügen große Unternehmen in der Regel über einen internen Arbeitsmarkt und andererseits wenden sich kleine und mittlere Unternehmen aus Kostengründen eher an das Arbeitsamt und verzichten auf entsprechende Inserate in diversen Medien.
Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht weitere Ursachen in der Bevorzugung von Zeitung, Internet und private Vermittlern in der schnelleren und passgenaueren Vermittlung (IWD 2003c:1).
Die Erhebung der meisten Arbeitsmarktdaten erfolgt stichtagsbezogen. Bestandsdaten haben den Nachteil, dass sie ausschließlich die Arbeitslosigkeit an den Stichtagen betrachten, aber nichts über den Verlauf der Arbeitslosigkeit aussagen können (Fassmann 1997:145-146).
Ein Arbeitsloser der zwischen zwei Stichtagen arbeitslos ist, wird in der Bestandsmenge nicht erfasst. In Bestandsmengen sind Kurzzeitarbeitslose folglich unterrepräsentiert (Brinkmann 1999:168-169).
Das durch die amtliche Statistik dargestellte Ausmaß der Langzeitarbeitslosigkeit 4 entspricht ebenfalls nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Laut Statistik waren 1996 rund 33 Prozent der Arbeitslosen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. In der Bestandsmenge sind auch Personen enthalten, die zukünftig zu den Langzeitarbeitslosen zählen werden. In einer Untersuchung des IAB wurde festgestellt, dass tatsächlich 58,4 Prozent langzeitarbeitslos sind oder im Verlauf ihrer Arbeitslosigkeitskarriere sein werden (Fink 1998:34-35).
Erst durch die Ergänzung mit Flussgrößen wird eine genauere Abbildung der Arbeitsmarktentwicklung ermöglicht. Sie zeigen auf, wer wann, wie, wo und wohin seinen Arbeitsplatz wechselt (Engelen-Kefer/Kühl/Peschel 1995:69). Es ist von Bedeutung, ob wenige Arbeitslose ein ganzes Jahr arbeitslos sind oder ob viele Menschen nur für eine kurzen Zeitraum betroffen sind. Die Arbeitslosenquote ist in beiden Fällen gleich (Fassmann 1997:145-146). Mit Hilfe der Bestands- und Flussgrößen lassen sich verschiedene Kennziffern (z.B. Betroffenheitsquote, Vakanzquote) errechnen. Sie sollen helfen die Arbeitsmarktlage genauer darzustellen (Fassmann 1997:146-148).
4 Personen die länger als ein Jahr als arbeitslos registriert sind, werden als langzeitarbeitslos bezeichnet.
5
Vergleiche über die nationalen Grenzen hinaus, gestalten sich oft schwierig. Denn es gibt keine einheitliche Methode zur Berechnung der Arbeitslosigkeit, die allgemein anerkannt ist. Oft wird der Vorwurf der Schönung vorgebracht (Friedrich/Wiedemeyer 1994:15). Die erweiterte Arbeitslosenquote wird von der OECD empfohlen. Sie beinhaltet im Nenner nicht nur die abhängigen Erwerbspersonen sondern auch die Selbständigen (und Soldaten). Dadurch ist die Quote tendenziell geringer als bei der in Deutschland verwendeten Form. „Ein hoher Anteil an Selbstständigen, Freien Berufen und Kleingewerben z.B. in typischen Fremdenverkehrsgebieten, kann die Quote“, durch den erweiterten Nenner stark beeinflussen (Koller 2000:22). Der Vorteil ist die stärkere Berücksichtigung der „erfüllten Beschäftigungswünsche“ aller Erwerbspersonen (Brinkmann 1999:171).
Aber nicht nur der Nenner muss bei Vergleichen übereinstimmen, wichtig ist auch der Zähler. In den einzelnen Ländern Europas wird das Verfügbarkeitskriterium unterschiedlich definiert „(z.B. sofort oder innerhalb von 14 Tagen verfügbar)“ (Buttler 1990:35-36).
Bei einem internationalen Vergleich muss auch die Zuordnung der Stillen Reserve sowie Übergangs- und Anspruchsarbeitslosigkeit verglichen werden, denn auch hier sind Unterschiede bezüglich der Zuordnung festzustellen (ebenda S.37-39).
In diesem Abschnitt wurde dargestellt, dass die Bestimmung des Ausmaßes der Arbeitslosigkeit und die Quantifizierung der Unterbeschäftigung problembehaftet ist. Die vorgestellten Indikatoren sagen jedoch nichts darüber aus, ob es sich überwiegend um konjunkturelle oder strukturelle Arbeitslosigkeit handelt. Dieser Fragestellung wird im zweiten und dritten Kapitel behandelt, da die Beantwortung Voraussetzung für eine ur-sachenorientierte Lösung des Beschäftigungsproblems ist.
1.3 Folgen der Arbeitslosigkeit
1.3.1 Gesamtwirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen
Gesamtwirtschaftlich betrachtet stellt Arbeitslosigkeit eine unzureichende Verteilung der vorhandenen Produktionsfaktoren und einen Wohlfahrtsverlust dar (Kromphardt 1998:22). Die Berechnung des Wohlfahrtsverlusts stellt eine Herausforderung dar, denn dazu müssten die Ursachen der Arbeitslosigkeit bestimmt werden. Diese not-
6
wendige Isolierung ist mit dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft noch nicht möglich, sodass eine Berechnung des entgangenen Verlusts des Bruttoinlandsprodukts nicht durchführbar ist (Brinkmann 1999:201). Hinzu kommen die Kosten für passive und aktive Arbeitsmarktpolitik sowie die Steuer- und Sozialversicherungsausfälle.
Die Darstellung 2 schlüsselt die einzelnen Kostenpositionen der registrierten Arbeitslosigkeit auf. Jeder Arbeitslose verursachte im Jahr 2001 Kosten in Höhe von 18.300 Euro. Dabei handelt es sich jedoch um Durchschnittsangaben für alle registrierten Arbeitslosen. Diese Werte liegen bei Arbeitslosengeldempfängern mit 21.600 Euro über dem Durchschnitt und bei Arbeitslosenhilfe (17.600 Euro) und Sozialhilfe (13.900 Euro) darunter. Für derzeit 4,3 Millionen Arbeitslose entstehen somit erhebliche Kosten, davon entfallen rund 55 Prozent auf Ausgaben wie Arbeitslosengeld und direkte Zahlungen, die verbleibenden 45 Prozent sind auf Mindereinnahmen von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen zurückzuführen.
Darstellung 2: Gesamtfiskalische Kosten der Arbeitslosigkeit 2001 je Arbeitslosen 5.567€ Arbeitslosengeld /-hilfe
+ 1.730€ Rentenversicherungsbeiträge
+ 1.384€ Krankenversicherungsbeiträge
+ 150€ Pflegeversicherungsbeiträge
+ 946€ Sozialhilfe
+ 237€ Wohngeld
+ 2.884€ Mindereinnahmen: Einkommenssteuer
+ 610€ Mindereinnahmen: Indirekte Steuern
+ 4.768€ Mindereinnahmen: Sozialbeiträge
= 18.276€ Gesamtfiskalische Kosten pro registrierten Arbeitslosen
Die Kostenträger der Arbeitslosigkeit sind die Bundesanstalt für Arbeit, Bund, Länder und die Sozialversicherungsträger. Die Bundesanstalt für Arbeit kommt für Arbeitslosengeld und -hilfe und die dazugehörigen Sozialversicherungsbeiträge auf und hat
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geringere Arbeitslosenversicherungsbeiträge zur Verfügung. Der Bund trägt die Sozialhilfe inklusive der entsprechenden Sozialversicherungsbeiträge und wird durch die Steuerausfälle belastet. Länder und Gemeinden sind ebenfalls durch steuerliche Mindereinnahmen betroffen. Die Sozialversicherungsträger (Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung) müssen bei konstanter Mitgliederzahl mit geringeren Einnahmen wirtschaften (IAB 1998:8). Wie sich die einzelnen Träger genau finanzieren, soll hier nicht näher dargestellt werden.
Kosten für Fort- und Weiterbildung sowie andere aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten. Diese Kosten ließen sich aufführen, jedoch ist der Nutzen der aktiven arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen kaum abschätzbar. Aufwendungen die durch indirekte Auswirkungen der Arbeitslosigkeit stehen, sind ebenfalls nicht messbar. Darunter fallen beispielsweise Dequalifizierung sowie psychosoziale und gesundheitliche Probleme von Langzeitarbeitslosen (ebenda S.9).
Der Einkommensverlust durch Unterbeschäftigung ist schwer zu beziffern, da viele Ein-flussfaktoren eine Rolle spielen (Bsp. Preise, Produktionsmengen, Löhne). Unter bestimmten Annahmen schätzt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, dass bei Vollbeschäftigung das Sozialprodukt rund 15 Prozent höher liegen würde. Für die alten Bundesländer wird dabei von einer Zunahme von 13 Prozent und in den neuen Bundesländern von 29 Prozent ausgegangen. Diese Schätzungen beziehen sich auf das Jahr 1997 (IAB 1998:5+6).
Problematisch ist vor allem auch der Verlust der Kenntnisse und Fertigkeiten der Erwerbslosen bei längerer Arbeitslosigkeit. In diesem Zusammenhang spricht man häufig auch von einem Verlust an Humankapital oder von Dequalifizierung (Friedrich/ Wiedemeyer 1994:39). Dieser Verlust führt zu der Erscheinung, dass die Arbeitslosigkeit mit zunehmender Dauer selbst zum Hindernis für eine Neuanstellung wird (Kromphardt 1998:22-23).
Häufig wird mit zunehmender Unterbeschäftigung ein Anstieg des Konfliktpotentials in Verbindung gebracht. Als Schulbeispiel dient die Weltwirtschaftskrise und die Wahlerfolge der Nationalsozialisten. „Eine eindeutige Radikalisierungstendenz bei steigenden Arbeitslosenziffern nach 1974 läßt [sic] sich jedoch nicht erkennen.“ Umfragen zufolge wählen Arbeitslose häufiger extreme Parteien als andere Bevölkerungsgruppen. In Deutschland ist es bei „Schuldzuweisung für die Arbeitslosigkeit“ an die Politik meist zu einem Regierungswechsel gekommen. Das es trotz des hohen Stellenwertes der Be-
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schäftigung nicht zu erhöhter Radikalisierung kommt, kann unter anderem mit der Gewöhnung an die Arbeitslosigkeit erklärt werden (Friedrich/ Wiedemeyer 1994:45-48).
1.3.2 Folgen für den Einzelnen
Arbeitslosigkeit hat jedoch nicht nur gesamtwirtschaftliche Auswirkungen, vor allem für den einzelnen Menschen stellt Arbeitslosigkeit ein großes Problem dar, dass unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Am offensichtlichsten sind die finanziellen Probleme. Verschiedene Umfragen haben gezeigt, dass viele Arbeitslose ihre finanzielle Situation als Belastung ansehen. Friedrich und Wiedemeyer sprechen von 75 Prozent (1994:34-35). In fast 40 Prozent aller sozialhilfebeziehender Haushalte wurde als Grund für die Bedürftigkeit Arbeitslosigkeit angegeben (StatBA 2002a:16+17). Besonders für Langzeitarbeitslose wird ihre finanzielle Situation häufig zu einer derart großen Belastung, dass sie sich verschulden. Für verschuldete Arbeitslose werden Schulden dann häufig zum Problem eine neue Arbeit zu finden, denn in kleinen und mittleren Unternehmen gibt es oft Vorbehalte gegenüber Lohnpfändungen (Gaß/ Klems/Krömmelbein 1997:32). Diese Vorbehalte bestehen durch den zusätzlichen Ver-waltungsaufwand und die rechtliche Haftbarkeit für die korrekte Durchführung entstehen. Natürlich spielen auch Vorurteile eine große Rolle. In Berufen in denen besonders viel Vertrauen und Zuverlässigkeit vorausgesetzt werden, ist es für verschuldete Arbeitslose besonders schwierig eine neue Beschäftigung zu finden. Passiert ein Diebstahl nach Einstellung, so werden verschuldete Mitarbeiter als zuerst beschuldigt, weil in der Verschuldung ein Motiv gesehen wird.
Vor allem die Schuldnerberatungen stellen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Lohnpfändungen und Kündigungen fest (ebenda S. 32).
Nicht-finanzielle Probleme belasten die Arbeitslosen häufig stärker als ihre finanzielle Situation. Je größer die finanziellen Probleme, desto stärker werden die nicht-finanziellen Belastungen empfunden. Der idealtypische Verlauf der Arbeitslosigkeit wird in dem sogenannten Vierphasenmodell dargestellt. Am Anfang sind die Arbeitslosen über den Arbeitsplatzverlust schockiert. Daran schließt sich eine Phase des Optimismus an. Wenn die Arbeitssuche erfolglos bleibt, schlägt der anfängliche Optimismus in Pessimismus um bis hin zu Resignation (Friedrich/Wiedemeyer 1994:40-41). Arbeitslose machen sich oft selbst Vorwürfe, an ihrer Arbeitslosigkeit schuld zu sein. Der Arbeitslose fragt sich warum die Wahl der Kündigung gerade auf ihn gefallen ist und nicht auf jemand anderen. Hinzu kommt, dass die Erwerbslosigkeit wird als Makel
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gesehen, denn die Gesellschaft definiert den Wert eines Menschen überwiegend über seine Arbeit (Brinkmann 1999:198). Diese Erscheinung tritt besonders bei einzelnen Entlassungen auf. Bei Massenentlassungen hingegen existiert eine gewisse Solidarität unter den Arbeitslosen eines Unternehmens (Osterland, Maier 1996:54+55). Bei Arbeitslosen in den neuen Bundesländern tritt diese Selbstbeschuldigung kaum auf. Auch durch die Umwelt erfolgt keine Schuldzuweisung, da die Arbeitslosigkeit als Folge des Umbruchprozesses gewertet wird (Gaß/Klems/ Krömmelbein 1997:39). Oft werden Arbeitslose von Gefühlen wie schwindendes Selbstwertgefühl, Hoffnungslosigkeit, Verbitterung, allgemeine Unzufriedenheit und verlorenes Vertrauen in die Zukunft belastet. Diese psychischen Zustände sind jedoch nicht bei jedem Arbeitslosen festzustellen und auch die Ausprägung hängt von der individuellen Situation des Arbeitslosen ab und nehmen mit der Dauer der Arbeitslosigkeit zu (Gaß/Klems/ Krömmelbein 1997:37).
In den neuen Bundesländern wird nicht nur von Arbeitslosen eine starke Perspektivlosigkeit empfunden. Die Arbeitslosen selbst sehen kaum die Chance auf eine neue Beschäftigung. Junge und qualifizierte Erwerbspersonen ziehen oder pendeln nicht nur in die alten Bundesländer, um einen Arbeitsplatz zu erhalten. Auch die höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen in den alten Bundesländern spielen bei der Entscheidung zur Abwanderung eine große Rolle. Durch die Abwanderung von Fachkräften wird die Situation in den neuen Bundesländern zusätzlich belastet. Einige Personengruppen sind für psychische Belastungen durch Arbeitslosigkeit besonders anfällig: Männer, Alleinstehende, Arbeitslose ohne Berufsausbildung und ohne Schulabschluss sowie Mehrfach- und Langzeitarbeitslose (Brinkmann 1999:199). Vielfach leiden die Angehörigen von Arbeitslosen ebenfalls unter der Arbeitslosigkeit. Dabei spricht man von „Opfer-durch-Nähe“. Familien sind oft nicht in der Lage, die Situation zu stabilisieren und dem Arbeitslosen bei der Reintegration zu unterstützen (Friedrich/ Wiedemeyer 1994:42). Somit wird die Arbeitslosigkeit oft von familiären Problemen begleitet. Zweifelsohne handelt es sich bei der Arbeitslosigkeit häufig um eine ungewohnte Situation, die das gewohnte Leben erschüttert und mit der die meisten Menschen nicht explizit gelernt haben umzugehen.
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2. Mögliche Ursachen der Arbeitslosigkeit
Um Wege zur Lösung der Arbeitslosigkeit aufzuzeigen, ist zunächst eine Analyse der möglichen Ursachen nötig. Im dritten Kapitel wird dann überprüft welche Art/Arten der Arbeitslosigkeit in Deutschland vorherrscht. Diese Ursachenanalyse ist nötig, um ursachenadäquate Lösungen zu erarbeiten und nicht wie so oft an den Symptomen anzusetzen.
2.1 Niveaubedingte Ursachen
Theorien die niveaubedingte Ursachen für die Entstehung von Arbeitslosigkeit verant-wortlich machen, gehen von einem Ungleichgewicht im Niveau von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage aus. Hierbei gibt es zwei große Richtungen: die keynesianische und die neoklassische Theorie. Keynes geht von der unzureichenden privaten Nachfrage aus und die Neoklassiker hingegen sehen unflexible Löhne und staatliche Eingriffe als Hauptursache für die Arbeitslosigkeit (Kromphardt 1987:57). Beide Erklärungen sind umstritten.
2.1.1 Die Keynesianische Erklärung der Arbeitslosigkeit
Die keynesianische Theorie wurde vor allem in den Nachkriegsjahren bis Ende der 60er Jahre favorisiert. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Politik der Sozialdemokraten. Da heute die meisten westeuropäischen Staaten von Sozialdemokraten regiert werden, ist diese Theorie noch immer in den Lehrbüchern zu finden (Brinkmann 1999:229).
Keynes ging davon aus, dass Unternehmen nur bei entsprechender Nachfrage produzieren. „Auf die Gesamtwirtschaft übertragen bedeutet dies, daß [sic] die Höhe der Produktion und der damit verbundenen Beschäftigung von der Höhe der Gesamtnachfrage abhängig ist.“ Auf diesem Zusammenhang basieren die nachfolgenden Erklärungen für die Arbeitslosigkeit: Wenn die Nachfrage nach einem Produkt zurückgeht, kommt es durch eine geringere Produktion zu Entlassungen. Diese wiederum senken das Einkommen der betroffenen Haushalte und damit auch die Nachfrage der privaten Haushalte. Die Produktion der Konsumgüter sinkt somit weiter ab und die Kapazitäten werden nicht vollständig ausgelastet. Mit den geringeren Umsätzen sinkt letztlich auch der Gewinn. Die Nachfrageschwäche der Konsumgüter kann aus folgenden Gründen
11
zu niedrigeren Investitionen führen: es steht weniger Geld für Investitionen zur Verfügung, durch eine unzureichende Auslastung der Maschinen sind Zusatzinvestitionen nicht nötig und/oder die Unsicherheit bezüglich der künftigen Nachfrage- und Gewinnentwicklung lässt die Unternehmen vorsichtiger planen (Friedrich/ Wiedemeyer 1994:59-60).
Bei einem Übergreifen der Nachfrageschwäche auf die Investitionsgüter-Branche, kommt es zu der gleichen Spirale wie bei den Konsumgütern. Arbeitnehmer werden entlassen und die Nachfrage nimmt wiederum ab. Ein Teufelskreis entsteht (ebenda S.60). Dieser Prozess lässt sich auch auf den Dienstleistungsbereich übertragen.
Da der Keynesianismus das Problem der Arbeitslosigkeit in einem Nachfragemangel sieht, wird zur Lösung des Problems eine Nachfragepolitik vorgeschlagen. Das Ziel einer nachfrageorientierten Politik ist es, das Vertrauen der Wirtschaftssubjekte in die Wirtschaft wieder herzustellen und die Zukunftsaussichten der Unternehmen zu stärken (Eberhart 1998:29). Diese Nachfragepolitik kann direkt und indirekt erfolgen. Indirekte Förderung der Nachfrage erfolgt durch die Ausgestaltung von Steuern, Abgaben und Zinsen. Dagegen stellen Subvention und öffentliche Aufträge eine direkte Beeinflussung der Nachfrage dar.
Keynes wollte nicht nur bei Krisen eingreifen. Er schlug eine antizyklische Fiskalpolitik vor, um die konjunkturellen Schwankungen abzuschwächen. In Zeiten von Hochkonjunktur und hohen Zinsen, sollte die öffentliche Nachfrage zurückgefahren und die Abgaben erhöht werden. In der Rezession würde die öffentliche Nachfrage wieder gesteigert und durch Zinssenkungen sollte die Investitionstätigkeit angekurbelt werden. Jedoch wurde die keynesianische Theorie nie vollständig umgesetzt. Meist kam es zu einer dauerhaften öffentlichen Nachfrage, die sich nicht am Konjunkturzyklus orientierte. Auch wurden, bis auf in Schweden, keine Rücklagen für die Finanzierung gebildet - sogenannte Haushaltsüberschüsse (ebenda 1998:29-31). In den 30er Jahren konnte die Arbeitslosigkeit in Deutschland und den USA mit Hilfe der öffentlichen Nachfrage gesenkt werden. Insbesondere Soldaten und Rüstungserzeugnisse wurden nachgefragt. Die gesamte Wirtschaft war von der Krise betroffen und nahezu jede Nachfrage hatte eine positive Wirkung auf die Beschäftigungsentwicklung (Brinkmann 1999:232).
Die öffentliche Nachfrage in den 70er Jahren bewirkte hingegen keine Beschäftigungswirkung, sondern führte zu Inflation. Diese Inflation war Ausdruck von Preissteigerungen auf Grund der erhöhten Nachfrage. Denn anders als in den 30er Jahren wurden vermutlich Güter nachgefragt, deren Produktionskapazitäten ohnehin ausgelastet
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waren. Eine zusätzliche Nachfrage erhöhte somit ausschließlich das Preisniveau. Andererseits war zu geringe Nachfrage nicht die Ursache für die Beschäftigungskrise (Brinkmann 1999:232). Welche Ursachen für die Beschäftigungsprobleme in den 70er Jahren und auch heute eher in Frage kommen, wird unter dem Gliederungspunkt 2.2 dargestellt.
Kritisiert wird das keynesianischen Model weil es „die Legitimation der Staatsverschuldung“ fördere und langfristig nicht finanzierbar ist. Denn es wurde aufgezeigt, dass sich die Nachfragepolitik in der Regel nicht am Konjunkturzyklus orientiert. In wirtschaftlich guten Zeiten wird die Förderung nicht eingestellt, um Wiederwahlinteressen zu verfolgen und während der Rezession muss die Förderung weiter erhöht werden, um überhaupt noch eine Wirkung erzielen zu können. Insgesamt wirkt die Nachfrageförderung kurzfristig und hat kaum nachhaltige Auswirkungen. In Zeiten zunehmender Globalisierung führen Steuer- und Abgabenerhöhungen „zu einer Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsposition und darüber letztlich selber zu Arbeitslosigkeit“ (Eberhart 1998:31+33).
2.1.2 Die neoklassische Erklärung der Arbeitslosigkeit
Die Neoklassik geht von folgenden Annahmen aus: „Preisflexibilität, Mobilität von Arbeit und Kapital, Substituierbarkeit von Beschäftigten, Information über das Marktgeschehen sowie Konkurrenz der Akteure“ (Fassmann 1997:47). Wenn diese Annahmen zutreffen, gilt das Say´sche Theorem. Es besagt, dass sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft. Mittel- bis langfristig stellt sich dieses Gleichgewicht bei freier Preisbildung ein (Sesselmeier/Blauermel 1997:47-48).
Das Problem der Arbeitslosigkeit wird auf eine Angebotsstörung zurückgeführt. Da es auf Grund des sich selbstbildenden Gleichgewichts keine Arbeitslosigkeit geben dürfte, wird sie durch externe Faktoren erklärt. Diese externen Faktoren werden durch Eingriffe des Staates in das Marktgeschehen verursacht. Besonders kritisiert werden: die Gewerkschaftsmacht bei der Lohnpreisbildung, staatliche Regulierungen wie zum Beispiel Kündigungsschutz und Umweltschutzauflagen sowie Bürokratie (Friedrich/ Wiedemeyer 1994:71, Brinkmann 1999:178).
Langfristige Arbeitslosigkeit kann demzufolge nur auftreten, wenn der Preis für Arbeit zu hoch ist. Auf einem funktionierenden Markt sinkt der Lohn bei steigendem Arbeitsangebot. Das hat eine Zunahme der Arbeitsnachfrage zur Folge. Das Gleichgewicht stellt sich wieder ein (Friedrich/Wiedemeyer 1994:71).
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Wenn die Lohnkosten (inklusive Nebenkosten) stärker als die Arbeitsproduktivität steigen, sind drei Szenarien möglich:
1) Die gestiegenen Lohnkosten werden durch Rationalisierung ausgeglichen, dadurch sinkt die Beschäftigung.
2) Die Lohnsteigerungen werden auf die Preise umgewälzt, dadurch sinkt der Reallohn oder bleibt konstant, die Konsumgüternachfrage geht zurück und die Beschäftigung wird durch den Nachfragerückgang abgebaut. 3) Sofern sich die Lohnsteigerungen nicht über die Preise abwälzen lassen, sinkt der Gewinn. Als Konsequenz werden weniger Investitionen durchgeführt, was ebenfalls zu einem Beschäftigungsrückgang führt (ebenda S. 73-74).
Wenn der Lohn also nicht auf Grund von Angebot und Nachfrage gebildet wird, werden einige Arbeitnehmer über ihrer Produktivität entlohnt. Solche Arbeitsplätze sind unrentabel und werden deshalb nicht angeboten - Arbeitslosigkeit entsteht. Auch Regulierungen des Marktes können beschäftigungswirksam im negativen Sinn sein. Oft verursachen sie Kosten und wirken somit investitionsverzögernd. Aber auch staatliche Ausgaben können sich nachteilig auswirken, da Neuverschuldung das Zinsniveau erhöhen kann. Ebenso Wechselkursveränderungen und Importpreise (vor allem für Erdöl) können die Kosten eines Unternehmens nachhaltig beeinflussen - sowohl positiv wie negativ. Ein oft genanntes Beispiel sind die Ölpreissteigerungen 1973/74 und 1979/80, die zu starken Preissteigerungen weltweit führten (ebenda S. 71, 77+79).
Mit Hilfe von Angebotspolitik versuchen die Neoklassiker den Störungen zu begegnen. Das bedeutet starke Lohndifferenzierung und möglichst wenig staatliche Eingriffe, um die Bildung des Gleichgewichts nicht zu behindern.
Folgende Punkte kritisiert Eberhard an der neoklassischen Theorie (1998:72,73,77): 1) Die Neoklassik geht von einem unbegrenzten Produktionswachstum aus. Das setzt eine uneingeschränkte Aufnahmeelastizität der Märkte voraus. Diese ist jedoch nicht gegeben, wie Überkapazitäten in der Landwirtschaft, im Automobilbereich und in der Unterhaltungselektronik zeigen.
2) Neoklassische Politik führt zu sinkenden Löhnen, geringeren Staatsausgaben und Sozialleistungen. Die rückläufige Einkommensumverteilung führt zu ansteigender Armut. Zwar steigen einige Spitzeneinkommen, aber diese sind eher spar- als konsumwirksam. Daher kommt es nur zu einer eingeschränkten
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Kompensation. Ein Rückgang der Kaufkraft und der Gesamtnachfrage als auch Massenarbeitslosigkeit sind letztlich die Folgen.
3) Ohne antizyklische Konjunkturpolitik kommt es zu stärkeren Konjunkturausschlägen, die eine Verschwendung der Ressourcen darstellen würden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neoklassische Politik zum Teil beachtliche Wachstumsstärkung und Inflationsreduzierung bewirkt. Jedoch werden die sozialen Probleme stark vernachlässigt (Eberhard 1998:78,91). Andere Kritiker stellen zudem die Arbeitsangebots- und Arbeitsnachfragefunktion, die Allokationsfunktion des Lohnes und die sogenannte freiwillige Arbeitslosigkeit in Frage. Diese beziehen sich aber meist nicht auf die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Neoklassik, sondern eher auf Grundsatzfragen (Sesselmeier/Blauermel 1997:53-59).
Obwohl die neoklassischen Annahmen unrealistisch sind, hat die Neoklassik in der Wirtschaftspolitik noch immer eine große Bedeutung. Beispiele dafür sind die Privatisierung von Post, Telekom und Bahn oder auch die aktuelle Diskussion um die Aufweichung des Kündigungsschutzes.
„Es gibt mehrere Gründe für die politische Bedeutung des neoklassischen Modells: Erstens kann es wie T. KUHN (1967) belegt hat, sehr lange dauern, bis etablierte Paradigmen neuen Erkenntnissen weichen, zweitens ist bei volkswirtschaftlichen Prozessen selten ein exakter Zusammenhang Ursache-Wirkung festzustellen, so daß [sic] die falschen Ratgeber schwer zu überführen sind, und drittens erleichtert ein neoklassischer Ansatz den Politikern die Aufgabe, weil er die Verantwortung für viele Erscheinungen den Akteuren (z.B. freiwillige Arbeitslosigkeit) oder dem Markt zuweist“ (Fassmann 1997:47).
2.2 Strukturbedingte Ursachen
Neoklassiker und Keynesianer betrachten den Arbeitsmarkt als homogen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen sehr heterogenen Markt. Beispiel hierfür soll die Arbeitsmarktsituation vor zwei bis drei Jahren sein. Zu diesem Zeitpunkt wurden Informatiker händeringend gesucht, während andere Berufsgruppen überdurchschnittlich häufig von Arbeitslosigkeit betroffen waren.
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2.2.1 Friktionelle Arbeitslosigkeit
Ein Synonym für friktionelle Arbeitslosigkeit ist Fluktuationsarbeitslosigkeit. Damit wird der Zeitraum bezeichnet, der zwischen der Arbeitsaufgabe und der Aufnahme einer neuen Tätigkeit liegt, denn häufig geht ein Arbeitsplatzwechsel nicht nahtlos in ein neues Beschäftigungsverhältnis über. Der Wechsel kann sowohl durch den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber ausgelöst werden. In der Regel wechseln Arbeitnehmer jedoch erst, wenn sie bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Der Arbeitslose muss sich also zunächst Informationen über die Arbeitsmarktsituation und offene Stellen aneignen. Für den Bewerbungsprozess bis zur Vertragsunterzeichnung selbst benötigt er ebenfalls Zeit. Die Sucharbeitslosigkeit entsteht also, weil der Markt nicht transparent ist, wie von den Neoklassikern angenommen. Die Länge der Suchphase hängt von dem angestrebten Verdienst und der Tätigkeit ab sowie von der eigenen Qualifikation, der Motivation, von individuellen Merkmalen, dem Einkommensverlust während der Arbeitslosigkeit und auch von der wirtschaftlichen Situation. Je höher die staatliche Unterstützung und je geringer der Einkommensverlust, desto länger gestaltet sich tendenziell die Suchphase. Immer vorausgesetzt, dem Arbeitslosen werden überhaupt Stellen angeboten (Kromphardt 1987:40-41).
Die friktionelle Arbeitslosigkeit ist also unvermeidbar für die optimale Arbeitsplatzverteilung. Da sie meist von kurzer Dauer ist, besteht nur wenig Handlungsbedarf (Sesselmeier/Blauermel 1997:16). Durch eine effiziente Vermittlung durch das Arbeitsamt oder andere private Arbeitsvermittlungen lässt sich die Dauer der friktionellen Arbeitslosigkeit verkürzen.
Einige Theoretiker sind der Ansicht, dass die gesamte Arbeitslosigkeit Friktion als Ursache hat. Diese Suchtheorie/Job-Search-Theory wird zum Beispiel von Phelps und Alchian vertreten (Kromphardt 1987:41). Auf diese Theorie wird hier nicht weiter eingegangen, da es den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde und zudem diese Theorie nur von einer Minderheit der Wirtschaftswissenschaftler vertreten wird.
2.2.2 Saisonale Arbeitslosigkeit
Saisonale Arbeitslosigkeit tritt auf, wenn die Produktion abhängig von Wettereinflüssen oder Jahreszeiten ist. Sie entsteht auch, wenn die Produkte und Dienstleistungen nicht unbegrenzt lagerfähig sind. Vor allem Beschäftigte in der Tourismusbranche, Landwirt-
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schaft und im Baugewerbe sind besonders häufig von saisonaler Arbeitslosigkeit betroffen.
Das Ausmaß der saisonalen Arbeitslosigkeit hängt von der Branchenstruktur einer Region ab. Winterskigebiete sind zum Beispiel bei ungünstigen Wettereinflüssen wesentlich stärker von saisonaler Arbeitslosigkeit berührt, als Industrieregionen die kaum betroffen sind.
Diese Art von Arbeitslosigkeit ist auf Grund höherer Gewalt nicht beeinflussbar. Um die Wettereinflüsse für Arbeitnehmer in der Baubranche abzufedern, zahlt das Arbeitsamt unter bestimmten Voraussetzungen ein sogenanntes Winterausfallgeld (§§ 209-211, 214-216, 323-325, 327 SGB III).
2.2.3 Strukturelle Arbeitslosigkeit
Bei der strukturellen Arbeitslosigkeit passt die Struktur der Arbeitsnachfrage nicht zum Arbeitsangebot und umgekehrt. Unterschiede sind besonders bezüglich der Qualifikation, des Alters, des Geschlechts und der Region zu finden (Kromphardt 1987:44). Die möglichen Ursachen werden im Anschluss näher betrachtet.
Von struktureller Arbeitslosigkeit ist auch die Rede, wenn es zu Inflexibilitäten auf dem Arbeits- und Gütermarkt kommt. In diesem Zusammenhang wird in Deutschland häufig der Kündigungsschutz und die Tarifpolitik erwähnt. Inwieweit Arbeitsrechtsrechtliche Rahmenbedingungen verantwortlich für strukturelle Arbeitslosigkeit sein können, ist ebenfalls Inhalt dieses Kapitels.
2.2.3.1 Veränderung der Arbeitsnachfrage
Die Veränderung der Arbeitsnachfrage wird von dem sektoralen Strukturwandel, dem technischen Fortschritt und der Globalisierung bestimmt. Diese drei Faktoren werden in dem folgenden Abschnitt, genauer untersucht.
Mit zunehmenden Einkommen verlagert sich der private Konsum vom Grundbedarf zu den hochwertigen Gütern. Also von der Massenproduktion zu individuell zugeschnittenen Produkten (Friedrich/Wiedemeyer 1994:94). Häufig wird das eigentliche Produkt mit einer ergänzenden Dienstleistung angeboten, um sich von anderen Anbietern abzugrenzen und den Absatz zu steigern beziehungsweise zu sichern (Kleinert/ Schimmelpfennig/Schrader 2000:75). Beispielsweise bietet die Deutsche Bahn AG in
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den ICEs den Reisenden einen Taxiservice an. Das Taxi am Zielbahnhof kann bereits im Zug reserviert werden.
Die 3-Sektoren-Model zeigt den Wandel der Bedeutung der einzelnen Wirtschafts-sektoren auf. Bis Ende des 18. Jahrhunderts stellte die Landwirtschaft den wichtigsten Wirtschaftszweig dar. Mit der Erfindung der Dampfmaschine wurde der Wandel zur Industriegesellschaft eingeleitet und die Bedeutung der Landwirtschaft geht immer stärker zurück. Der Dienstleistungssektor hat sich mittlerweile zu dem wichtigsten Wirtschaftszweig der westlichen Welt entwickelt, der die meisten Arbeitsplätze stellt. 5 Diese Veränderungen wurden durch den technischen Wandel, die Globalisierung und veränderte Bedürfnisse eingeläutet und prägen die Wirtschaftsstruktur nachhaltig.
2.2.3.1.1 Technischer Fortschritt
Mit dem technischen Fortschritt werden nicht nur Produkt- und Prozessinnovationen beschrieben. Dieser Begriff kann auch organisatorische Verbesserungen umfassen (Brinkmann 1999:184). Produktinnovationen die eine Basisinnovation 6 darstellen, können eine Veränderung der Nachfrage und der sektoralen Struktur bewirkten (Kromphardt 1987:46).
Gegenwärtig ist etwa die Hälfte der Deutschen der Meinung, dass technischer Fortschritt zum Abbau von Beschäftigung führt (Friedrich/Wiedemeyer 1994:84). Treue, Pönicke und Manegold haben bereits 1966 Texte zusammengetragen, die unter anderem Ängste und Gegenstimmen zu diesem Thema wiederspiegeln. Die Angst vor technischen Erfindungen ist also nicht neu und bezog sich nicht nur auf die Auswirkungen auf die Beschäftigung. Einige muten heute eher seltsam an, wie das nachfolgende Zitat des Bayrischen Obermedizinalkollegiums von 1838 zur Eisenbahn zeigt (Treue/ Pönicke/Manegold 1966:84):
„Die schnelle Bewegung muß [sic] bei den Reisenden unfehlbar eine Gehirnkrankheit, eine besondere Art des delirium furiosium erzeugen. Wollen aber dennoch Reisende dieser gräßlichen [sic] Gefahr trotzen, so muß [sic] der Staat wenigstens die Zuschauer schützen, denn sonst verfallen diese beim Anblick des
5 In Deutschland sind 69 Prozent aller Erwerbstätigen im Dienstleistungsbereich beschäftigt. (IAB 2002:2.4.1)
6 Basisinnovationen stellen Neuerungen dar, die komplett neue Anwendungen ermöglichen und die Wirtschaftsstrukturen nachhaltig verändern. Beispiele für Basisinnovationen: Eisen- und Stahlherstellung, Petrochemie, Computer (Coenen/Philipp 1997:11+15)
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schnell dahinfahrenden Dampfwagens genau derselben Gehirnkrankheit. Es ist daher notwendig, die Bahnstelle auf beiden Seiten mit einem hohen Bretterzaun einzufassen.“
Matschoss schilderte bereits 1908 die sozialen Auswirkungen des technischen Fortschritts (ebenda 1966:146):
„Zuerst allerdings trat die Dampfmaschine auf als ’Freund’ des Bergmannes, sie half erhalten, was ohne sie verloren gehen musste, zuerst handelte es sich nur darum den Besitzstand zu wahren, das Erworbene zu verteidigen. Aber bald begann der Angriff. Die Dampfkraft trat ihren Siegeszug an, sie drang ein in alle Gebiete, sie vernichtete alte Gewerbe oder gestaltete sie von Grund aus um, sie riß [sic] die Menschen hinweg von der Arbeit, die sie erlernt, die ihre Väter und Großväter ausgeübt hatten, und führte sie zu einer neuen, ihnen ungewohnten Tätigkeit. Die mühsam erworbene Arbeitsgeschicklichkeit, ihr einziges Kapital, wurde wertlos.“
Inwieweit technischer Fortschritt die Menge der Beschäftigung tatsächlich beeinflusst, kann auf Grund von Wechselwirkungen kaum berechnet werden. Ob technischer Fortschritt zu Beschäftigungsveränderungen führt, hängt von der Nachfrageentwicklung und von der Produktionstechnik ab (Brinkmann 1999:186). Pauschale Aussagen lassen sich nicht treffen. Die nachfolgenden Beispiele sollen die Vielzahl der möglichen Auswirkungen durch Variation der Parameter darstellen:
Technischer Fortschritt führt in den Unternehmen - bei konstantem Absatz - - meistzu Beschäftigungsabbau. Bei den Investitionsgüterherstellern und deren Zulieferern kommt es dagegen häufig zu einer Beschäftigungszunahme (Friedrich/Wiedemeyer 1994:85).
Bei einem neuen Produkt kommt es zu keinen Beschäftigungsauswirkungen, - wenndas neue Produkt nur ein anderes Produkt ersetzt und nicht zu höherer Nachfrage führt (Brinkmann 1999:186).
Selbst wenn eine Produktinnovation zu zusätzlicher Nachfrage führt, kann die - Beschäftigunggesamtwirtschaftlich konstant bleiben, wenn durch die Innovation der Marktanteil der Konkurrenz in gleichem Maße abnimmt (ebenda S.186). Neue Produkte werden häufig auch in Verbindung mit einer effizienteren Pro- - duktionstechnikhergestellt. Oft verringert sich dadurch der Arbeitseinsatz. Dann führt die Prozessinnovation bei gleichbleibender Nachfrage zu sinkender Beschäftigung (ebenda S.184).
Der technische Fortschritt wirkt sich vor allem für Geringqualifizierte negativ aus, denn mit ihm entstehen komplexere Maschinen und Produkte die zunehmendes Fachwissen
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und Anpassung der eigenen Qualifikation voraussetzen. Die Gewinner des technologischen Wandels sind Arbeitskräfte, die in der Lage sind, ihre Fähig- und Fertigkeiten der Arbeitsnachfrage anzupassen. Das bedeutet lebenslanges Lernen. Diese Anpassung erfolgt weder reibungslos und noch vollständig, wie im Abschnitt 2.2.3.2 mit den Segmentationstheorien näher dargestellt wird (Coenen/Philipp 1998:31).
Mikroökonomische Analysen helfen bei der Berechnung der Beschäftigungsauswirkungen nicht, da die Wechselwirkungen zwischen den Konkurrenten und Geschäftspartnern nicht erfasst werden. Verschiedene Studien 7 , die die mikro- und makroökonomische Ebene integrieren, kommen zu dem Ergebnis, dass die negativen Beschäftigungswirkungen die Positiven überwiegen. „Kritisch ist zu diesen Studien anzumerken, daß [sic] nicht eindeutig zu klären ist, in welchem Umfang die in den Studien angesprochenen Beschäftigungsveränderungen tatsächlich technologisch verursacht waren“ (Friedrich/Wiedemeyer 1994:86-87).
Innovative Unternehmen weisen tendenziell eine günstigere Beschäftigungsentwicklung auf. Durch technischen Wandel und Rationalisierung verbessern die Unternehmen ihre Produktivität und ihre Wettbewerbsposition (Willke/Maier 1996:28). Vor allem die Kombination von Produkt- und Prozessinnovation hat sich als sehr erfolgreich für die Umsatzentwicklung herausgestellt - über den gesamten Konjunkturzyklus betrachtet (Friedrich/Wiedemeyer 1994:87). Ohne technischen Fortschritt ist es jedoch nicht möglich der weltweiten Konkurrenz standzuhalten.
Dass der technische Fortschritt trotz allem auch positive Effekte (z.B. Entlastung von körperlich schwerer Arbeit, Steigerung des Lebensstandards) hat, scheint manchmal in der öffentlichen Diskussion vergessen zu werden - selbst wenn die meisten technische Neuerungen auf Grund von monetären Zielen entstehen und nicht Uneigennützigkeit im Vordergrund steht.
2.2.3.1.2 Globalisierung
Globalisierung kann nicht unabhängig von dem technischen Fortschritt betrachtet werden und beeinflusst ebenfalls den Strukturwandel. In den letzten Jahren wurden internationale Handelsbeschränkungen zunehmend abgebaut. Immer mehr bevölkerungs-
7 ZumBeispiel vom Bundesministerium für Forschung und Technologie sowie vom DIW und Ifo-Institut (Meta-II-Gesamtstudie).
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reiche Schwellenländer etablieren sich auf dem Weltmarkt und ringen den Industrieländern Wettbewerbsvorteile ab (Siebert 1998:65; Immerfall/Franz 1998:88). Besonders Länder wie Asien und Osteuropa verfügen über erhebliche Kostenvorteile. Arbeit ist in diesen Ländern acht bis zehnmal billiger - zum Teil ist die Differenz noch größer (Wörl/Maier 1996:40). Unternehmen engagieren sich international und Fusionen und Unternehmenskäufe führen zunehmend zu weltweiten Oligopolen (Kruse 2002:167). Es kommt zunehmend zu einer Verschiebung der Produktionsstrukturen. Das einzelne Land produziert nur noch die Produkte, in denen seine Stärken liegen, aber diese Stärken sind nicht dauerhaft festgelegt.
Die Standortqualität wird häufig durch das Verhältnis der deutschen Direktinvestitionen im Ausland zu den ausländischen Investitionen in Deutschland ermittelt. Um objektivere Aussagen zu ermöglichen, werden die Direktinvestitionen von kurzfristigen Kreditströmen bereinigt, die seit 1996 zu den Direktinvestitionen hinzugerechnet werden. 8
Darstellung 3: Direktinvestitionen in Milliarden Euro
Anmerkung: Ohne reinvestierte Gewinne, ab 1999 wurde die Meldegrenze für Beteiligungen von 20 auf 10 Prozent gesenkt, Ursprungsdaten: Deutsche Bundesbank Quelle: IWD 2003a:7
8 Wenn ein Unternehmen seinem ausländischen Tochterunternehmen auf Kredit Waren verkauft, fließen derartige Transaktionen in die Statistik mit ein. Da es sich hier nicht um wirkliche Investitionen handelt muss die Statistik von solch kurzfristigen Krediten bereinigt werden.
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Arbeit zitieren:
Jane Petzold, 2003, Arbeitslosigkeit in Deutschland - Ursachen und Lösungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag GmbH
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