Inhaltverzeichnis
1. Einleitung
S. 4
2. Indien: Keyfacts
S. 4
3. Polit-ökonomische Analyse der öffentlichen Finanzstruktur der
Einnahmenseite seit den 1980er Jahren
S. 7
3.1 Deregulierung der Industrie und Liberalisierung des Handels 7
3.2 Steuereinahmen und Nicht -steuerliche Einnahmen 9
3.3 Öffentliche Verschuldung und Mittel vom Internationalen Währungsfond S.12
3.4 Ausländische Direktinvestitionen und Portfolioinvestitionen S.16
4. Fazit und Ausblick
S.19
5. Literaturverzeichnis/Onlinequellen
S.20
6. Abbildungen
S.22
2
Abstract
Indiens Situation hat sich mit 350 Millionen Analphabeten und mindestens genauso vielen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, trotz jahrelangem Wachstum und enormen Anstiegs des BIP nicht verbessert. Die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in den letzten zwei Jahrzehnten waren beunruhigend, da der offizielle Anteil Beschäftigter im Verhältnis zum rasanten Bevölkerungswachstum immer kleiner wird und auch die Arbeitslosigkeit bis heute nicht entscheidend verringert werden konnte. Liberalisierung und Durchführung von Reformen in den 1980er und 1990er Jahren sollten den Markt für den internationalen Handel und Kapitalmarkt öffnen, wobei eine grundsätzliche protektionistische Handlungsweise des Staates nicht abgelegt wurde. Die Finanzierung der fiskalpolitischen Expansion durch Inlandsverschuldung ermöglichte es Indien einerseits zwar unabhängiger von den direkten Auswirkungen internationaler Wirtschafts- und Währungskrisen zu sein, andererseits hat dies jedoch unvorhersehbare Folgen auf die innere Entwicklung, auf Investitionsentscheidungen („crowding-out“) und die allgemeine Steuerpolitik. Der Anteil direkter Steuern an den Gesamtsteuereinnahmen sank von 1950 von 37% auf 15% in 1985, wohingegen der Anteil indirekter Steuern in diesem Zeit raum von 63% auf 85% stieg. Insbesondere die Besteuerung von importierten Waren und die Steuern auf Güter und Dienstleistungen waren Hauptursache für das starke Wachstum der Steuereinnahmen bis in die Gegenwart. Insgesamt konnte eine progressive Inzidenz der direkten Steuern durch unterschiedliche Maßnahmen erhalten bleiben, so dass auch diese Steuerart bis „heute“ ein starkes Wachstum verzeichnen konnte. Durch die Einführung einer Mehrwertsteuer auf Ebene der Föderationen konnten 2004 die Steuereinnahmen aus indirekter Steuererhebung auf Rekordniveau gebracht werden. Die Ressourcen und Entwicklungsunterstützung durch Ausländische Direkt- und Portfolioinvestitionen wurden erst Anfang der 1990er Jahre genutzt, um die eigenen Fiskalpolitischen Zielsetzungen z u unterstützen, wobei diese Investitionen anfangs sehr reglementiert waren und erst im Laufe der Zeit gelockert wurden. Indien ist auf einem Weg der Besserung und versucht langsam aus dem Schatten seines großen „Wirtschaftswunder-Nachbarn“ Chinas heraus zu treten.
3
1. Einleitung
„India Shining“ hieß der Wahlslogan der hindu-nationalistischen Regierungspartei NDU und BJP im Indischen Wahlkampf 2004 und verfehlte neben dem Anspruch gegenüber den realen Gegebenheiten des Landes auch die Wiederwahl der Partei. Indiens Situation hat sich mit 350 Millionen Analphabeten und m indestens genauso vielen Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, trotz jahrelangem Wachstum und enormen Anstiegs des BIP nicht verbessert. 2 Die Früchte einschneidender und Markt öffnender Reformen wurden ineffizient verteilt; Restriktionen sowohl auf dem Handels- als auch auf dem Kapitalmarkt wurden in den letzten 20 Jahren moderat abgebaut, ohne dabei ganz die Kontrolle einer in erster Linie protektionistischen Monetär- und Fiskalpolitik aufzugeben. In dieser Arbeit möchte ich die Folgen dieser makroökonomischen Entwicklungen auf die staatlichen Einnahmen verdeutlichen. Das Zitat am Anfang dieser Arbeit hebt die Probleme Indiens hoher öffentlichen Verschuldung und der spannungsreichen politischen und kulturellen Lage hervor. Diese grundsätzlichen Gegebenheiten sind Voraussetzungen, um die darauf folgende politökonomische Analyse der Reformen und der öffentlichen Finanzstruktur der Einnahmenseite vorzunehmen und zu verstehen.
2. Indien: Keyfacts
Seit der Unabhängigkeit jahrhunderte langer britischer Kolonialherrschaft im Jahre 1947 hat die föderalistische Republik Indien mit beachtlichem Erfolg eine parlamentarische Demokratie etabliert. Zentralplanung und Säkularismus ebneten den Weg für Reformen hin zu einer freieren Marktwirtschaft. Nichtsdestotrotz, sieht sich das hinter China zweitbevölkerungsreichste Land der Welt bisher unüberwundenen Problemen gegenüber. Gleißende Armut, Analphabetismus, große ethnische und religiöse Unterschiede zwischen den Sekten, Kasten und Stämmen und immer wiederkehrende politische Unruhen innerhalb
1 HAUSMANN, R., PURFIELD, C. (2004): “The challenge of Fiscal Adjustment in a Democracy: The Case of
India”, IMF Working Paper, S. 3
2 Vgl. Indiens Keyfacts: http://www.auswaertiges-
amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=12&land_id=60 und
http://www.cosmopolis.ch/politik/wahlen_indien_2004.htm
4
Indiens u nd mit dem Nachbarland Pakistan waren ständige Begleiter der größten parlamentarischen Demokratie der Welt. 3 Die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in den letzten zwei Jahrzehnten waren beunruhigend, da d er offizielle Anteil Beschäftigter im Verhältnis zum rasanten Bevölkerungswachstum immer kleiner wird und auch die Arbeitslosigkeit bis heute nicht entscheidend verringert werden konnte.
Bevölkerungszunahme
Millionen 1.000
800
600
400
200
0
Abbildung 1: Intertemporales Bevölkerungswachstum
Abbildung 2: Entwicklung der Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
3 “Another general election was called for mid-1991 and was one of the most violent ever, with Rajiv Gandhi
among those killed during the campaign.” http://www.acdis.uiuc.edu/Research/S&Ps/1993-Sp/S&P_VII-
3/india_re forms.html
5
Die Wirtschaftsstruktur entwickelte sich in Indien in den letzten 24 Jahren ähnlich wie im Nachbarland China. Der primäre Sektor sank von 38,6% (1980) auf 24,9% (2000) des BIP während der sekundäre Sektor annähernd gleich blieb und der tertiäre Sektor von 37,2% (1980) auf 48,2% (2002) des BIP anstieg.
Abbildung 3: Wirtschaftsstrukturentwicklung Indiens 1980-2002
Diese Ent wicklung wurde jedoch schwerpunktmäßig durch bestimmte Regionen ausgelöst und täuscht über Indiens Gesamtentwicklung hinweg. Insbesondere der enorme Anstieg an Dienstleistungen in der Informationstechnologie führte zur Verschiebung der Sektoren und zu stark ansteigenden Emigrationsrate hoch ausgebildeter Facharbeiter in relativ hoch entwickelten Regionen, wie z.B. Punjab. 4
Der HDI-Index setzt sich aus vier empirischen Variablen zusammen: der Lebenserwartung, der Alphabetisierungsrate, der Einschulungsrate und dem Pro-Kopf-Einkommen. Anhand des HDI-Index wird vom „United Nations Development Programme“ (UNDP) eine Rangliste aller UN-Mitgliedsstaaten erstellt, auf der Indien 2002 den 124. Platz von insgesamt 172 beurteilten Ländern einnahm. Der Index stieg von 0.443 in 1980 über 0.519 in 1990 auf 0.577 in 2004. 5 Der Wert veränderte sich ähnlich wie das Pro-Kopf Einkommen in diesen Jahren: (1210 US$ in 1990, 2570 US$ in 2002) eher verhalten im Gegensatz zum Anstieg des gesamten BIP bzw. der durchschnittliche n Wachstumsraten in dieser Zeit. 6 Dieser niedrige
4 Sikh-Forum: http://www.sikh-religion.de/html/pind.html “The majority of Indian companies are not able to
scope with foreign competition and to survive on global markets; exceptions are companies related to the
Information Technology (IT).“ GUTOWSKI, A. (2001): “PR China and India- Development after the Asian
Economic Crisis in a 21 st Century Global Economy.” S. 9
5 “The HDI - human development index - is a summary composite index that measures a country's average
achievements in three basic aspects of human development: longevity, knowledge, and a decent standard of
living.” http://www.undp.org/hdr2003/faq.html#21 Daten unter:
http://www.undp.org/hdr2003/pdf/hdr03_HDI.pdf
6 vgl. Abbildung 4 S.6
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Arbeit zitieren:
Christian Lorberg, 2004, Entwicklung des öffentlichen Steuer- und Abgabensystems der Einnahmenseite Indiens, München, GRIN Verlag GmbH
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