LMU München
Institut für Slawische Philologie
SoSe 2003
HF: Slawische Philologie / NF: Spanische Philologie
Die bulgarische Postavantgarde der 60er Jahre
Das Phantastische in der neuen bulgarischen Belletristik:
Pavel Ve´zinov
von
Margarita Engelbrecht
INHALT:
1. EINLEITUNG 3
2. ZU DER THEORIE DER PHANTASTISCHEN LITERATUR 5
2.1. Allgemeine Charakterzüge der Phantastischen Literatur 5
2.2. Das Phantastische in der bulgarischen Prosa 60er und 70er Jahre 6
3. PAVEL Ve´zinov : AUF DEM WEG ZUM PHANTASTISCHEN 9
4. DIE ROLLE DES PHANTASTISCHEN IN DER LETZTEN SCHAFFENSPERIODE Ve´zinov S 11
4.1. Die Überwindung der Barriere( der Roman Die Barriere 11
4.2. Die Vorwarnung der weißen Eidechse ( der Roman Die weiße Eidechse) 16
5. FAZIT 23 BIBLIOGRAPHIE 24
1. Einleitung
Der Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist das Phantastische in der bulgarischen Prosa 60er und 70er Jahre, vor allem das Werk von Pavel Ve´zinov und seine Erzählungen Die Barriere und Die weiße Eidechse. Es soll gezeigt werden, welche Rolle die phantastischen Elemente in diesen beiden Werken spielen. Bevor ich auf diese Fragen eingehe, möchte ich zunächst einen kurzen Überblick über die Prosaentwicklung der 60er und 70er Jahren geben.
Man kann sagen, dass die sogenannte „epische Welle“ der fünfziger Jahre weiterhin die Literaturentwicklung in Bulgarien beherrschte. Es fand allerdings eine Transformation der Formen statt. Während in den Fünfzigern der Schwerpunkt vor allem auf die große epische Form (Trilogien, bzw. mehrteilige Werke) gesetzt wurde, fand in den Sechzigern eine Hinwendung zu den kleineren Formen wie Erzählung und Kurzroman statt. Die Vorliebe der Autoren für die großen Romane ganz in der Tradition des Wasowschen Romans - Epopöe Unter dem Joch setzte sich nur vereinzelt fort, so z.B. im Roman von Georgi Karaslawow Obiknoveni chora. Der erste Band dieses Werkes erschien 1952 und der letzte und sechste Band wurde 1974 beendet.1 In diesem Roman ist die Handlung auf die Familiengeschichte der drei Generationen konzentriert.2
Auch die Natur der großen Romane hat sich geändert. Die Kriminal- und Abenteuerromane, die in der Fünfzigern durch den großen Roman völlig verdrängt wurden, rückten nun in Vordergrund. In diesem Zusammenhang sind die Namen von Andrej Guljaschki und Bogomil Rainow von großer Bedeutung.
Auf dem Gebiet des historischen Romans fanden auch bestimmte Neuerungen statt. Das starke Interesse vieler Autoren für die Geschichte Bulgariens zeugte von stark ausgeprägtem Geschichtsbewusstsein. Der historische Roman den sechziger und siebziger Jahre diente nicht nur zur Veranschaulichung der historischen Ereignisse, sondern versuchte, die philosophischen und ethischen Probleme der Gegenwart mit Hilfe von den historischen Erfahrungen mit Hilfe historischer Erfahrungen zu überdenken.3 Die Autoren verbanden neue Erzähltechniken mit den Gestaltungsmitteln der mittelalterlichen Chroniken, verwendeten folkloristische Motive für den Aufbau der Figuren und die Naturschilderungen und ließen in ihren Werken sowohl fiktive als auch historische Persönlichkeiten agieren.4 Hierzu kann man folgende Autoren und Werke nennen: Vera Mutafèieva mit Letopis na smutno vreme (1966), Sluèajat Dzem (1966); Genèo Stoev mit Cenata na zlatoto (1965) und Zavra´stane (1977) und Georgi Markowski mit Chitar Peter (1978).
Nicht nur die historischen Ereignisse zogen die Autoren an, sondern die bulgarische Gegenwart kam immer mehr in ihren Werken zur Geltung. Vor allem die moralischen und ethischen Probleme in der Gesellschaft wurden zum Stoff vieler Werke. Die Thematik vieler Werke ist „Mensch vs. Gegenwart“. Die Tendenz zur Psychologisierung der Prosa und die Neigung zur Nutzung symbolischer Formen sind wichtige Merkmale der bulgarischen Prosa in den Sechziger und Siebziger Jahren. So schreibt Dobri Witschew über diese Tendenz: „Die gleichzeitige philosophische Vertiefung gab verallgemeinernden Symbolen ein größeres Gewicht, die als tragende Achse [...] oft schon im Titel erschienen.“5 In der Tat tendierten viele Autoren dazu, die Symbolhaftigkeit schon im Titel des Werkes zu unterstreichen. Hierzu kann man folgende Werke nennen: Rekata (1974) von Diko Fuèedzziev, Nizinata (1977) von Wassil Popov und Otdaleèavane (1973) von Georgi Misev.
Man wurde experimentierfreudiger und setzte sich zum Ziel Traditionelles aufzusprengen.6 Die Aufhebung der einheitlichen Erzählperspektive und des traditionellen Handlungskontinuum, das Streben nach „objektiver“ Literatur, der Verzicht auf alte traditionelle Normen zeichnetet die Prosa dieser Periode aus. Hier kann man bestimmte Einflüsse der europäischen Literatur erkennen, wie z.B. die Einflüsse des französischen ‚Nouveau Roman. mit seinen bekanntesten Vertretern Alain Robbe-Grillet und Nathalie Sarraute.
Ende sechziger Jahre kann man eine Tendenz zum Phantastischen in der bulgarischen Prosa beobachten. Dies war allerdings kein nationales Phänomen, sondern trat auch in anderen sozialistischen Literaturen im ungefähr gleichen Zeitraum auf. Darauf wird in Kapitel 2.1. ausführlicher eingegangen.
In der Arbeit wird folgendermaßen vorgegangen: zuerst werden die theoretischen Grundlagen der Phantastischen Literatur vorgestellt. Danach wird das literarische Werk Pavel Ve´zinov s behandelt, wobei der Schwerpunkt auf den Kurzromanen Barierata und Belijat Gu´ster liegen wird.
2. Zu der Theorie der phantastischen Literatur
Das folgende Kapitel handelt von den Theorien der literarischen Phantastik. Zuerst wird die allgemeine Theorie von Tzvetan Todorov beschrieben und erläutert, anschließend wird auf die Theorien der bulgarischen Literaturwissenschaftler eingegangen.
2.1. Allgemeine Charakterzüge der Phantastischen Literatur
In diesem Kapitel möchte ich Introduction à la littérature fantastique von Tzvetan Todorov vorstellen, denn diese Arbeit gilt als eine der wichtigsten Theorien der Phantastischen Literatur.
[....]
1 Vgl. Witschew, D.: Bulgarische Prosa, Berlin 1988.S.23
2 Vgl. ebd.
3 Vgl. Bayer, E. / Endler, D. Bulgarische Literatur im Überblick, Leipzig 1983.S.329
4 Vgl.ebd.
5 Vgl. Witschew, D.: Bulgarische Prosa, Berlin 1988.S.291
6 Vgl. ebd.
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Margarita Engelbrecht, 2003, Das Phantastische in der neuen bulgarischen Belletristik: Pavel Vezinov, Munich, GRIN Publishing GmbH
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