„Neo-sannyasa der ISKCON “
Hausarbeit für das Proseminar
„Westliches und östliches Mönchtum im Vergleich“
Religionswissenschaftliches Seminar Uni Bonn
vorgelegt von Sascha Bosetzky
WS 1999/2000
[Sanskrit-Zeichen werden in dieser Online-Vorschau nicht dargestellt]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Erläuterung der Quellen 1
3. Historischer Überblick über die Gaudiya-Vaisnava-Bewegung bis hin zur ISKCON 3
4. Der sannyasa-asrama in ISKCON 6
4.1. Bedeutung des sannyasa-asramas für die Gaudiya-Vaisnava-Bewegung und ISKCON 6
4.2. Aussagen Bhaktivedanta Svamis über den sannyasa-asrama 8
4.3. Wie wird man in ISKCON-sannyasin und welchen Regeln muß man folgen? 10
4.4. Leben für Krsna – ein Beispiel 12
5. Kritische Betrachtung des sannyasa in ISKCON 15
6. Schlusswort und Trends in der ISKCON 20
7. Literaturverzeichnis 22
8. Anhang 24
1. Einleitung
Nach ihrer Gründung durch A.C. Bhaktivedanta Svami im Jahre 1966 hat sich die Internationale Gesellschaft für Krsna-Bewußtsein (ISKCON) recht schnell in Nordamerika und Europa ausgebreitet. Auch in Südamerika und, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, in Ost-Europa konnte die Bewegung Fuß fassen. Besonders in Indien, aber auch in anderen Ländern läßt sich ein wachsendes Interesse der indischen Bevölkerung an ISKCON-Tempeln beobachten. Obwohl die Bewegung von der Anzahl der Mitglieder her gesehen eher unbedeutend ist, hat sie doch in der Presse der jeweiligen Länder für großes Aufsehen gesorgt – wohl auch durch das exotische Auftreten ihrer Mitglieder. In ihrer Tradition beruft sich die ISKCON auf Caitanya und Madhva, hat aber auch deutliche Neo-hinduistische Wurzeln. Die Bewegung machte in den Jahren ihres Bestehens viele Veränderungen durch, ausgelöst einmal durch den Tod Bhaktivedanta Svamis, als auch durch finanzielle Probleme, geänderte Auslegungen verschiedener Punkte der Lehren Bhaktivedanta Svamis, interne Streitigkeiten um die Nachfolge Bhaktivedanta Svamis, eine wachsende Laiengemeinde und anderen Faktoren.
In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit dem sannyasa-Stand in der ISKCON beschäftigen. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Geschichte der Gaudiya-Vaisnava-Bewegung und der ISKCON, soll der sannyasa-asrama von verschiedenen Blickwinkel aus beleuchtet werden. Zuerst will ich versuchen deutlich zu machen, wie die Tradition, und vor allem Bhaktivedanta Svami, den sannyasa-asrama beurteilt. Danach möchte ich näher auf die Regeln und Vorschriften, die ein ISKCON-sannyasin zu befolgen hat, und seine Funktion in der Gemeinde eingehen. Zum Schluss werde ich einige der Probleme innerhalb der ISKCON schildern, die sich in Vergangenheit und Gegenwart im Zusammenhang mit dem sannyasa-asrama aufgetan haben. Die verschiedenen Blickwinkel sollen einmal das Ideal Bhaktivedanta Svamis und der Bewegung aufzeigen, aber auch deutlich machen, inwieweit sich die Binnensicht mit der Sicht eines kritischen Betrachters deckt. Heutzutage wird sehr gerne vom inneren Wandel, von der Öffnung ISKCONs gesprochen. Erst als einer Mehrheit der Mitglieder zu realisieren begann, dass in der reifer werdende Bewegung verschiedene Paradigmen und Handlungsschemata nicht mehr angemessen waren, wurde der Ruf nach Reformen laut. Die Geschichte des sannyasas und der einzelnen sannyasins in ISKCON ist damit eng verknüpft. Als Führer der ISKCON blockierten sie diese Reformen, förderten sie oder machten sie überhaupt erst nötig.
2. Erläuterung der Quellen
Bei der Literatur zu der Hausarbeit habe ich einmal auf Autoren zurückgegriffen, die sich mit der Entstehung des Vaisnavismus in Bengalen befassen und zum anderen auf recht aktuelle Veröffentlichungen über die ISKCON. Besonders das Buch und die Artikel von E. Burke Rochford haben sich als sehr ergiebig erwiesen, da er ISKCON über mehrere Jahre hinweg studiert und die verschiedenen Entwicklungen innerhalb der Bewegung sehr genau dokumentiert hat. Die Äußerungen Bhaktivedanta Svamis in Bezug auf sannyasa habe ich der „Vedabase“ entnommen. Nach dem Tod Bhaktivedanta Svamis haben einige seiner Schüler seine Bücher, Vorträge, Briefe an seine Schüler und Gespräche mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten in elektronischer Form gespeichert. So brauchte ich nur Stichwörter wie „sannyasi“, „sannyasa“, „Heirat“ etc. einzugeben, um die relevanten Textstellen zu finden. In der Vedabase sind sicher nicht alle der Briefe und Gespräche vorhanden, die Bhaktivedanta Svami in den zehn Jahren seines Wirkens verfasst und geführt hatte, aber doch eine beachtliche Zahl. Detaillierte Informationen über den sannyasa-asrama, den sannyasa-mantra und die damit verbundenen Rituale habe ich via Internet von Gaura-kesava Dasa erhalten, der einer der erfahrensten Priester in ISKCON ist und sich intensiv mit der Tradition befasst hat.
Darüber hinaus habe ich noch drei Interviews mit Mitgliedern der Hare-Krsna-Bewegung geführt. Prahladananda Svami, der „Minister for sannyasa“ in ISKCON, hatte ich per E-Mail Fragen über seine Arbeit und den sannyasa-asrama im Allgemeinen geschickt, die er mir beantwortet zurücksandte. Er konnte genaue Auskunft geben, wie viele sannyasins es zur Zeit in ISKCON gibt und wie viele überhaupt initiiert wurden. Mit Dasa Svami und Devi Dasi1, die seit über zwanzig Jahren in ISKCON Deutschland tätig sind, führte ich persönliche Gespräche, die jeweils ungefähr anderthalb Stunden dauerten. Mit beiden hatte ich mich im Hare-Krsna-Tempel in Köln verabredet, wo ich die Gelegenheit bekam, mich unter vier Augen mit ihnen zu unterhalten. Dasa Svami ist einer der ältesten Schüler Bhaktivedanta Svamis in Deutschland und vor etwa siebzehn Jahren in den Lebensstand der Entsagung, dem sannyasa-Stand, getreten. Ich habe ihm Fragen gestellt, die seine Biographie in ISKCON, aber auch seine Meinung und Einschätzung zu verschiedenen für ISKCON aktuelle Themen betreffen. Leider war es mir aufgrund der begrenzten Zeit und wegen der geringen Zahl von sannyasins in Deutschland, zur Zeit predigen nur zwei in diesem Land, nicht möglich, mehr Interviews zu führen. Devi Dasi ist zwar keine „sannyasini“, sannyasa können in ISKCON nur Männer annehmen, blieb aber unverheiratet und hat jahrelang für die ISKCON missioniert und später ein Zentrum geleitet. Ich stellte ihr ähnliche Fragen wie Dasa Svami in Bezug auf ihren Dienst in ISKCON, ihre Biographie und ihre Erfahrungen mit der Bewegung. Ihre Perspektive ist allerdings sehr verschieden von der Dasa Svamis, da sie die Dinge von einer ganz anderen Hierarchie-Ebene erlebt hatte. Aus Platzgründen konnte ich ihre Eindrücke und Erfahrungen nur nebenbei in den Text einfließen lassen.
[...]
1 Die Namen der Interviewpartner sind geändert worden.
Arbeit zitieren:
Sascha Bosetzky, 2000, Neo-Sannyas der ISKCON, München, GRIN Verlag GmbH
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