Das Thema Risikokommunikation nimmt in der heutigen Gesellschaft eine zunehmend größer werdende Rolle ein. Dies bestätigt unter anderem Bechmann (1993), der es auf die Folgen und Risiken technischer Entwicklungen zurückführt. Luhmann (1991) wiederum führt das steigende Interesse darauf zurück, dass die Menschen eine neue Einstellung zu ihrer Zukunft gewinnen und ihnen bewusst wird, dass Entscheidungen, die die Zukunft betreffen, bereits heute gefällt werden müssen. Und diese veränderte Einstellung ist auf eine neue Qualität der Risiken zurückzuführen, wie Jungermann, Rohrmann und Wiedemann (1990) durch Beispiele aufzeigen. Diese können Nicht-Wahrnehmbarkeit von Strahlung oder Langfristigkeit von Folgen sein, die vorher nicht abzuschätzen sind. Gemeint ist die Schwierigkeit, Wahrscheinlichkeitsaussagen zu treffen, die die Risikokommunikation immer heftiger und schwieriger werden lässt. Jungermann und Slovic (1993b) haben über die Reichweite der Risikokommunikation geschrieben, „Risiko-Kommunikation findet natürlich dauernd statt – über Gesundheitsrisiken, wie sie etwa in Saccharin, Asbest, Rauchen oder Autofahren ohne Sicherheitsgurt verbunden sind, oder Umweltrisiken, die durch Pestizide, Dioxin, Kohlekraftwerke oder petrochemische Anlagen entstehen. Sie reicht von Beipackzetteln zu Medikamenten bis zu im Fernsehen übertragenen öffentlichen Anhörungen von Experten zu Aids.“ (S.197) .
In den nun folgenden Punkten handelt es sich zunächst um eine Definition des Gegenstandsbereichs Risikokommunikation mit Erläuterung derer Bestandteile, Ziele und Strategien. Um allerdings über Risiken kommunizieren zu können, ist es notwendig, dass sie auch wahrgenommen werden. Wobei es nennenswerte und erklärungsbedürftige Wahrnehmungsunterschiede zwischen Laien und Experten gibt. Und aus diesen Wahrnehmungsunterschieden können wiederum Kommunikationsprobleme entstehen. Da derartige Probleme nicht unerheblich sind, sollen sie näher erläutert, und Möglichkeiten zu deren Reduzierung bzw. Vermeidung aufgezeigt werden. Am „heißen“ Thema der Kernenergie sollen die Argumentationen anschließend veranschaulicht werden. Im Schlussteil der Hausarbeit folgt eine kurze Zusammenfassung, um die wichtigsten Elemente nochmals hervorzuheben. Nun beginne ich die Darstellung der Risikokommunikation mit deren Definition.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Risikokommunikation
2.1. Bestandteile von Risikokommunikation
2.2. Ziele von Risikokommunikation
2.2.1. Strategien zur Zielerreichung
3. Risikowahrnehmung als Voraussetzung für Risikokommunikation
4. Wahrnehmungsunterschiede zwischen Laien und Experten
5. Kommunikationsprobleme, die aus solchen Wahrnehmungsunterschieden entstehen können
6. Möglichkeiten der Vermeidung bzw. Minderung von Kommunikationsproblemen zur Optimierung von Risikokommunikation
7. Veranschaulichung von Risikokommunikation am Beispiel der Kernenergie
8. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Relevanz der Risikokommunikation in der heutigen Gesellschaft. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Wahrnehmungsprozesse von Risiken sowie der daraus resultierenden Konflikte zwischen Experten und Laien, wobei das Ziel darin besteht, Strategien zur Optimierung der Kommunikation und zur effektiven Konfliktbewältigung aufzuzeigen.
- Struktur und Definition der Risikokommunikation
- Psychologische Grundlagen der Risikowahrnehmung
- Ursachen für Kommunikationsprobleme zwischen Experten und Laien
- Methoden der Konfliktlösung und Krisenkommunikation
- Fallbeispiel: Risikodiskurs zur Kernenergie
Auszug aus dem Buch
4. Wahrnehmungsunterschiede zwischen Laien und Experten
In Jungermann und Slovic (1993b) heißt es, dass die Kommunikation über öffentlich kontroverse Themen für alle Beteiligten oft frustrierend sei. Eine Reihe von Vorwürfen werden gegeneinander ausgesprochen, wonach Laien die Tatsachen nicht verstehen würden und aus Emotionen oder Unverständnis heraus zu falschen Beurteilungen kommen. Andererseits nähmen Experten Sorgen und Wünsche nicht ernst oder würden nicht umgehend etwas gegen anscheinend eindeutige Gesundheits- oder Umweltgefahren unternehmen.
Laien besitzen bekanntermaßen kein spezielles Wissen und keine Erfahrung bezüglich Grundlagen, Funktions- und Wirkungsweisen moderner Technik und Systeme. Aufgrund dessen müssen sie sich in erster Linie auf Berichte in Nachrichtenmedien verlassen bzw. auf die Meinungen derjenigen Vertreter in Wissenschaft und Politik, denen sie vertrauen. Es zeigen sich auch oft bei der Einschätzung von Fakten, Unterschiede zwischen Experten und Laien, wobei Slovic, Fischhoff und Lichtenstein (1980) anführen, dass die Korrelation zwischen geschätzten und tatsächlichen Häufigkeiten von Todesfällen pro Jahr bei Experten bei 0,92 und bei Laien bei 0,50 und 0,62 lagen. Somit zeigt sich u.a., dass Laien seltene Todesursachen überschätzen (z. B. Tornados) und häufige unterschätzen (z. B. Schlaganfall).
Dieses Ergebnis bestätigt die Aussage Obermeiers (1999), wonach Spezialisten und Experten auf der Seite der Objektivität und Sachlichkeit stünden. Seiner Ansicht nach wird ein Mensch erst zum Laien, wenn er mit einem Problem zum Experten geht und der Experte wird erst zum Experten, wenn ihn gesellschaftliche Einrichtungen dazu machen (Uni, Zertifikate,…). Experten haben ihre eigene Rhetorik, um der Kommunikation untereinander Sachlichkeit zu garantieren oder zu suggerieren, sowie die Kommunikation zu erleichtern und abzukürzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die wachsende Bedeutung der Risikokommunikation ein und erläutert die zentrale Rolle der Wahrnehmung sowie der Kommunikation bei technischen Risiken.
2. Definition Risikokommunikation: Dieses Kapitel definiert Risikokommunikation als komplexen Prozess, beleuchtet deren Akteure sowie verschiedene Zielsetzungen und Strategien zur erfolgreichen Interaktion.
3. Risikowahrnehmung als Voraussetzung für Risikokommunikation: Es wird analysiert, wie individuelle Lern- und Denkprozesse die Risikoeinschätzung beeinflussen und warum objektive Wahrnehmung im alltagspsychologischen Sinne kaum möglich ist.
4. Wahrnehmungsunterschiede zwischen Laien und Experten: Das Kapitel kontrastiert die objektive, fachbasierte Risikobewertung durch Experten mit der kontextabhängigen und qualitativ geprägten Einschätzung der Laien.
5. Kommunikationsprobleme, die aus solchen Wahrnehmungsunterschieden entstehen können: Hier werden Ursachen von Konflikten und Kommunikationsbarrieren sowie die verschiedenen Konfliktniveaus bei technologischen Kontroversen dargestellt.
6. Möglichkeiten der Vermeidung bzw. Minderung von Kommunikationsproblemen zur Optimierung von Risikokommunikation: Dieses Kapitel stellt praktische Instrumente und Methoden wie Konfliktlösungstraining und Mediation vor, um die Qualität der Risikokommunikation zu steigern.
7. Veranschaulichung von Risikokommunikation am Beispiel der Kernenergie: Die erarbeiteten theoretischen Ansätze werden auf den konkreten, hochkontroversen Bereich der Kernenergienutzung angewandt.
8. Schluss: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Reflexion über die Schwierigkeit einer konfliktfreien Risikokommunikation und der Notwendigkeit kontinuierlicher Optimierungsansätze.
Schlüsselwörter
Risikokommunikation, Risikowahrnehmung, Kernenergie, Experten, Laien, Kommunikationsprobleme, Konfliktmanagement, Mediation, Risikomanagement, Risikobewertung, Sozialverträglichkeit, Öffentlichkeitsbeteiligung, Wahrnehmungsunterschiede, Krisenkommunikation, Technikakzeptanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Risikokommunikation als notwendigem Prozess in der modernen Gesellschaft, um komplexe Risiken zu vermitteln und den Aushandlungsprozess zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren zu strukturieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören die Definition von Risikokommunikation, die psychologischen Grundlagen der Risikowahrnehmung, die Identifikation von Konfliktquellen zwischen Experten und Laien sowie Methoden der professionellen Konfliktbewältigung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Risikokommunikation trotz divergierender Interessen optimiert werden kann, um eine konstruktive Auseinandersetzung über technische Risiken zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die Konzepte verschiedener Wissenschaftler zur Risikokommunikation und Risikowahrnehmung zusammenführt und durch ein praktisches Anwendungsbeispiel veranschaulicht.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einbettung der Risikokommunikation, die Analyse der Diskrepanzen zwischen der Risikoerfassung durch Experten und der intuitiven Wahrnehmung durch Laien sowie konkrete Strategien zur Reduzierung von Kommunikationsstörungen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben Risikokommunikation und Risikowahrnehmung insbesondere Konfliktmanagement, fachspezifische Rationalität und Öffentlichkeitsbeteiligung.
Wie unterscheidet sich die Risikobewertung von Laien und Experten laut der Arbeit?
Experten fokussieren sich primär auf messbare Daten wie Schadenshäufigkeiten und wissenschaftliche Modelle, während Laien Risiken eher durch qualitative Aspekte wie Freiwilligkeit, Schrecklichkeit und persönliche Betroffenheit bewerten.
Warum spielt die Kernenergie eine besondere Rolle im Text?
Die Kernenergie dient als Paradebeispiel für eine hochumstrittene Technologie, an der sich die erarbeiteten theoretischen Konzepte zur Konflikteskalation und zur Notwendigkeit einer differenzierten Risikokommunikation besonders gut illustrieren lassen.
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- Josephin Hagemann (Autor), 2004, Risikokommunikation. Eine Darstellung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/33926