Inhaltsverzeichnis
Verwendete Lautzeichen 3
Abkürzungsverzeichnis 3
Vorwort 4
1. Dialektologie 5
1.1 Geschichte der Dialektologie 5
2. Verschiedene Ansätze in der Dialektforschung 6
2.1 Der diachroner Ansatz 6
2.2 Der synchrone Ansatz 6
2.2.1 Dialektgeographie 7
2.2.2 Sozialdialektologie 7
2.3 Externe vs interne Ursachen dialektaler Ausdifferenzierung 7
3. Das Ful und die Fulb e 8
3.1 Die Rollen der Kontaktsprachen des Ful 9
4. Ansätze dieser Arbeit 12
5. Die Beziehung der Fuldialekte zueinander 12
6. Auswirkung des Kontaktes mit anderen Sprachen 16
6.1 Phonetische Auswirkung des Sprachkontaktes 16
6.1.1 Definitionen 16
6.1.2 Adaptionsprozesse im Konsonantensystem 17
6.1.3 Vokale 22
6.2 Morphologische Auswirkungen des Sprachkontakts 22
7. Zusammenfassung 30
Literaturverzeichnis 32
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Verwendete Lautzeichen
b# , d # , g$
- Implosiver Stop
k# - Ejektiver Stop
d6 , t6 , l6 , h6 , s6 - [ + emphatisch]
Abkürzungsverzeichnis
AM Abu-Manga
R Rockholtz
G Gottschligg
SG Singular
KL Klasse
TL Gebersprache
NL Nehmersprache
SA Sudanesisches Arabisch
A Klassisches Arabisch
H Hausa
K Kanuri
W Wolof
E Englisch
WAF Westafrikanisches Ful
FF Fulfulde
SF Sudanesisches Ful
ON östlicher Niger
WN westlicher Niger
Ad Adamawa
Go Gombe
Ma Maasina
Bu Burkina Faso
FJ Fouta Jallon
FT Fouta Toro
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Vorwort
Diese Arbeit handelt von den Veränderungen der Ful-Dialekte aufgrund von Entlehnungen. Es sollen Prozesse und Ergebnisse beschrieben werden, die die Integration von Nomina in die verschiedenen Ful-Dialekte auf phonetischer und morphologischer Ebene begleiten. Vorangestellt ist ein Abschnitt, der eine Einführung in das Fachgebiet der Dialektologie und in die Geschichte der Sprecher der Ful-Dialekte gewähren soll. Es werden viele Beispiele gegeben, die zur Veranschaulichung dienen und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
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1. Dialektologie
Dialektologie ist die Sprachwissenschaft von Sprachveränderung und Sprachvarietäten. Um verschiedene Sprachsysteme als eine Dialektgruppe zu klassifizieren, müssen gewisse Vorraussetzungen erfüllt sein. Im objektiven Sinne müssen diese Systeme linguistisch miteinander verwandt sein. Im subjektiven Sinne müssen die Systeme eine gewisse gegenseitige Verständlichkeit aufweisen und von den Sprechern selbst als Varietäten einer
„gemeinsamen“ Sprache verstanden werden (Wiesinger1980) 1 . In den letzten 150 Jahren wurde die Dialektologie in Theorie und Methode wesentlich weiter entwickelt. Im Sammelband „Zur Theorie des Dialekts“ (siehe Literaturverzeichnis) finden sich ausgewählte Arbeiten, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Thema erschienen sind. Francis 1989 enthält eine didaktische Aufbereitung dialektologischer Erkenntnisse aus neuerer Sicht.
1.1 Geschichte der Dialektologie
Schon in linguistischen Beschreibungen des antiken Griechenland lässt sich der Begriff Dialekt belegt, obwohl das Phänomen erst in der Renaissance und dann wieder im 19. Jahrhundert die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler erregte. Die Erkenntnisse dieser Zeit basierten auf der diachronen Klassifizierung romanischer und germanischer Sprachen, die generell über eine lange Tradition von Schriftlichkeit verfügen. Dieser Umstand hat die Einsichten der Wissenschaftler mit Sicherheit beeinflusst.. Im Vordergrund stand dabei die Abgrenzung und Definition des Konzeptes „Dialekt“ und seine Beziehung zum Konzept „Sprache“ und „Mundart“ (AlineiM.1980). Im Vordergrund der Forschung des 19. Jahrhunderts stand die Tatsache geographischer Variationen in den gesprochenen Varietäten. Zur Zeit der Jahrhundertwende entstanden so deskriptive, kartographische Arbeiten, sogenannte Sprachatlanten, die dieser sprachlichen Realität Rechnung tragen wollten (PavleI.1974). Mitte des 20. Jahrhunderts rückten weitere Aspekte sprachlicher Variation in den Vordergrund. Anhand von Isoglossenbündeln untersuchte man geographische Grenzen einzelner Dialekte, die abrupt oder kontinuierlich, diffus oder scharf verlaufen können, wie in Pavle 1960 (:143) dargestellt. Man schenkte der sprachlichen Intuition der Sprecher in der Gewichtung von Isoglossen mehr Aufmerksamkeit und man schenkte der sozialen und kontextuellen Differenzierung innerhalb eines Sprachsystems mehr Aufmerksamkeit (GoossensJ.1980). Außerdem wollte man endlich theoretische Generalisierungen und
1 Die letzten beiden Punkte sind manchmal sozialpolitisch determiniert.
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methodologische Verfahren der Dialektologie etablieren, die aus der Beschäftigung mit dem Thema abgeleitet waren. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts rücken methodologische Arbeiten, die eine Gewichtung dialektaler Variationen aufgrund quantitativer (Houtv.R.1989) und / oder qualitativer Analysen (MöhligW.J.G.1980) untersuchten in den Vordergrund des Interesses. Auf dem internationalen Symposium in Marburg 1977, das in einem Sammelband „Dialekt und Dialektologie“ aufbereitet wurde (siehe Literaturverzeichnis), finden sich nicht nur Arbeiten, die zu den neueren Ansätzen Stellung nehmen, sondern auch erstmals Arbeiten, die sich auf nicht-europäische Sprachen beziehen.
2. Verschiedene Ansätze in der Dialektforschung
2.1 Der diachroner Ansatz
Der diachrone Ansatz nimmt seine Ausgangsstellung zur Untersuchung von sprachlichen Varietäten im Grad der genetischen Verwandtschaft dieser Sprachformen, d.h., in den beobachtbaren Cognaten, und nimmt meist eine Protoform als gemeinsamen Ursprung beobachtbarer Differenzen an. In seinem Beitrag in Marburg „Historische Sprache und Dialekt“ grenzt Coseriu E. 1980 Dialekte von „Gemeinsprachen“ ab, wobei Dialekte in einer historischen Beziehung zur Gemeinsprache stünden, während die Gemeinsprache historisch schon einen abgegrenzten Status aufgewiesen habe. Er definiert „primäre Dialekte“ als Varietäten, die so alt seien wie die Gemeinsprache selbst. „Sekundäre Dialekte“ als diatopische Ausdifferenzierungen von einer historischen Sprache. Und tertiäre Dialekte als „exemplarische“ Variationen einer soziokulturellen Normsprache (:113). Andere diachrone Arbeiten untersuchen extralinguistische Einflüsse einzelner Sprachsysteme auf den Ausbau bzw. Abbau dialektaler Differenzierungen. Der diachrone Ansatz will also verschiedene Systeme historisch zueinander in Beziehung setzen.
2.2 Der synchrone Ansatz
Der synchrone Ansatz untersucht beobachtbare Differenzen in Sprachsystemen, sowohl in der Sprachstruktur, als auch in der sozialen Bedeutung der einzelnen Sprachformen. Synchrone Analysen versuchen häufig Dialektgrenzen zu etablieren, wie in Sprachatlanten und in Soziolinguistischen Arbeiten. In seinem Beitrag „Nominale Formen des Adamawa-Ful“ untersucht Gottschligg P. 1998 die strukturellen Unterschiede von drei Varietäten des Ful, die
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in einem konzentrierten Gebiet beiderseits der Grenze zwischen Nigeria und Kamerun gesprochen werden. Der synchrone Ansatz beschreibt also die Art und Grad aktueller Differenzen in einem Sprachgebiet.
2.2.1 Dialektgeographie
Dieser Ansatz definiert Dialekte territorial. In seinem Beitrag „Grundlegende Aspekte der Struktur der Dialektdifferenzierung“ 1960, gibt Pavle I. einen Überblick über Methoden, wie geographische Merkmale von Isoglossen zu analysieren seien. Dabei bezieht er sich auf die Differenzierungsdichte, d.h., die Anzahl der Isoglossen, die geographischen Konzentration von Isoglossen, die Richtung, Form und Größe der Isoglossenlandschaft und die Beziehung einzelner Areale von Isoglossen zueinander. Die Dialektgeographie will also mehr oder weniger syntopische Systeme abgrenzen und /oder die territoriale Verteilung von Variationen beschreiben.
2.2.2 Sozialdialektologie
Die Sozialdialektologie beschäftigt sich mit Interpretationen sprachlicher Merkmale durch die Sprecher selbst bzw. versucht Korrelationen herzustellen in der Verteilung von Sprachmerkmalen und extra-linguistischen Merkmalen, wie Alter, Schicht und Geschlecht. Ein Vorreiterstellung in diesen Ansätzen sind Labov’s Arbeiten zum „Black American English“. Gumperz analysiert in seinem Beitrag „The role of dialect in urban communication“ sprachliche Merkmale, die soziale Dialekte kennzeichnen und zeigt, wie soziale Codes als diskursive Strategie eingesetzt werden. Die Sozialdialektologie versucht also die diastratische Verteilung von Sprachmerkmalen zu beschreiben.
2.3 Externe vs interne Ursachen dialektaler Ausdifferenzierung
Die Aufsplittung einer Sprechergruppe z.B. durch Wanderbewegungen führt in der Regel dazu, dass die Sprachen der Sprecher sich autonom weiterentwickeln. Natürliche Grenzen, wie Berge und Flüsse oder politische und soziale Grenzen, wie Nationalstaaten und soziale Klassen, fördern die dialektale Ausdifferenzierung eines Sprachsystems (Francis:2). In vielen dialektologischen Arbeiten stehen Instanzen von Cognaten im Vordergrund der Forschung. Aber ein Sprachkontakt verschiedener Sprachen kann zu gegenseitigen Einflüssen, wie Konvergenzverhalten und /oder Entlehnungen führen, wobei die beobachtbaren Elemente von einem Sprachkontakt herrühren, also von außerhalb des einen Sprachsystems.
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Thomason&Kaufman 1988 definieren borrowing als: „...processes whereby a language acquires some (…) property from another language.” (:20). Rockholtz 1989 konstatiert, dass lexikalische Entlehnungen eine der Hauptursachen dialektaler Ausdifferenzierungen im Ful seien (:33).
3. Das Ful und die Fulb# e
Die Mehrheitliche Meinung in der Wissenschaft geht heutzutage davon aus, dass die Ful, oder wie sie sich selbst nennen die Fulb# e (SG Pullo), einst durch den Kontakt einer negriden Gruppe mit einer hellhäutigen Gruppe im heutigen Senegal, dem Fouta Toro entstanden sind. Nach Greenbergs Klassifikation (1955) gehört das Ful zur Atlantischen Gruppe der Niger- Kongo Familie. Die Fulb# e unterteilen sich zunächst in zwei Gruppen. Die eine durch Nomadismus gekennzeichnet, die andere durch Sesshaftigkeit. Beide zeichnet eine strenge Gläubigkeit in den Islam aus. Wanderbewegungen führten dazu, dass die Fulb# e sich im Laufe der Jahrhunderte in der gesamten Sahelzone; im Norden von Mauretanien bis in den Tschad, im Osten bis ins heutige Kamerun und sogar bis in den Sudan und im Süden bis ins Fouta Jallon und im nördliche Benin, verbreiteten. Schon im 14. und 15. Jahrhundert lässt sich die Anwesenheit von Fulb# e im heutigen Mali (Macina) und Nigeria nachweisen. Im Jahre 1804 startete Sheikh Usman b. Fodio, aus dem Fouta Toro kommend, seine religiös motivierten Eroberungen und gründete das Kalifat von Sokoto. Die Fulb# e exerzierten im 19. Jahrhundert eine islamische Herrschaft, in die sich weite Bevölkerungsteile der eroberten Gebiete assimilierten. Die Fulb# e selbst übernahmen das Verwaltungssystem der islamischen Hausa und viele Fulb# e wechselten im Laufe der Zeit zur Hausasprache. Im Sudan sind zwei Immigrationswellen nachzuweisen. Die ersten Einwanderungen konstituierten sich aus Pilgern und religiösen Führern des Islam und aus nomadisierenden Gruppen, die im !8. Jahrhundert direkt aus dem Fouta Jallon und Fouta Toro kommend im westlichen Sudan und am Blauen Nil niederließen. Bis auf einige nomadisierende Gruppen, haben diese Einwanderer ihre Muttersprache zugunsten des Arabischen aufgegeben. Eine zweite Einwanderungswelle in den Sudan wurde durch die Etablierung der britischen Kolonialherrschaft in Nigeria 1903 ausgelöst, als viele Fulb# e nach einer verlorenen Entscheidungsschlacht gegen die Briten aus Nigeria in den Sudan emigrierten. Die Nachkommen dieser Immigranten sind heute in unterschiedlichen graden Bilingual im Arabischen und Fulfulde (AM:7ff). In Nordkamerun hat das Fulfulde heutzutage den Status
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Schirin Agha-Mohamad-Beigui, 2004, Auswirkung nominaler Entlehnungen auf die Ful-Dialekte, Munich, GRIN Publishing GmbH
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