2
1. Einleitung. 3
2. Moralentwicklung 4
2.1 Moralentwicklung nach Jean Piaget. 4
2.2. Die Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg 7
2.2.1 Das 6-Stufen-Modell der Moralentwicklung 8
2.3 Vergleich der Modelle von Piaget und Kohlberg. 10
3. Bezug zu Sozialisation und Kommunikation 10
3.1 Moral und Sozialisation 11
3.1.1. Das Lernen von Werten und Normen 11
3.2 Moral und Kommunikation. 14
4. Schlussbetrachtung / Kommentar 16
5. Literaturverzeichnis 18
3
1. Einleitung
Was ist Moral?
Der Begriff Moral wird in unserer Alltagssprache sehr häufig und sehr selbstverständlich gebraucht, ohne dessen Inhalt zu hinterfragen oder ihn genau zu definieren. Daher sollen zur Einführung zwei allgemeine Definitionen des Begriffes Moral gegeben werden, wie er in Standardlexika erklärt wird. 1. Duden, Fremdwörterbuch 1 Moral
• Gesamtheit von ethisch-sittlichen Normen, Grundsätzen, Werten, die das zwischenmenschliche Verhalten einer Gesellschaft regulieren, die von ihr als
2. Meyers Grosses Taschenlexikon 2
Moral [lat., zu mos „Sitte, Gewohnheit, Charakter“]
Im modernen Sprachgebrauch Sammelbezeichnung für die der gesellschaftlichen Praxis zugrundeliegenden, als verbindlich akzeptierten und eingehaltenen ethisch -sittlichen Normen[systeme] des Handelns.
Unter Moral versteht man also einen Sammelbegriff für die sozialen Werte und Normen, die das gesellschaftliche Zusammenleben regeln und, solange sie von allen Mitgliedern der jeweiligen Gesellschaft oder Gruppe eingehalten werden, ermöglichen. Inhaltlich umfasst der Begriff Moral z.B. Gerechtigkeit, Anerkennung fremder Persönlichkeitsrechte, Höflichkeit, Treue usw 3 . Auch religiöse Verhaltensweisen wie Nächstenliebe, Ahnenverehrung oder verschiedene religiöse Handlungen zählt man zu Moral 4 . Der Bedeutungsinhalt variiert somit von Volk zu Volk, Religion zu Religion bzw. Kultur oder gar von Familie zu Familie und ändert oder erweitert bzw. verringert sich im Laufe der Zeit. In dieser Arbeit soll nun dargestellt werden, wie sich die Moral, bzw. das Moralbewusstsein und die Fähigkeit zu moralischen Urteilen im Laufe der
1 Duden, Fremdwörterbuch, Dudenverlag, Mannheim/Wien/Zürich, 1997
2 Meyers Grosses Taschenlexikon in 24 Bänden, B.I. - Taschenbuchverlag, Mannheim/Wien/Zürich, 1990,
Bd. 15 S. 24
3 Vgl. ebd.
4 Vgl ebd.
4
Sozialisation entwickelt, wie ein Kind Regeln erlernt und schließlich moralische Bewertungsmaßstäbe für das eigene und für fremdes Handeln anlegen kann. Hierbei sollen ausschließlich die Modelle der Moralentwicklung nach Jean Piaget und das darauf aufbauende bzw. erweiternde Modell nach Lawrence Kohlberg berücksichtigt werden. Weiterhin soll ein Bezug zur Sozialisation und Kommunikation hergestellt und dargestellt werden, inwiefern sich das Moralbewusstsein und moralische Maßstäbe auf das kommunikative Handeln auswirken.
2. Moralentwicklung
2.1 Moralentwicklung nach Jean Piaget
„jede Moral ist ein System von Regeln und das Wesen jeder Sittlichkeit besteht in der Achtung, welche das Individuum für diese Regeln empfindet“ 5 Piaget untersuchte das Erlernen von Spielregeln am Beispiel des Murmelspiels an Kindern im Alter von vier bis ca. zwölf Jahren, um anhand des Erlernens der Regeln auf die Moralentwicklung zu schließen. Dies schien ihm deshalb sinnvoll, da Piaget zu Folge die Ähnlichkeit darin besteht, dass „die Regeln des Murmelspiels (…) genau wie die sogenannten moralischen Tatsachen von Generation zu Generation überliefert [werden] und sie ihre Fortdauer lediglich ihrer Beachtung durch die Individuen [verdanken].“ 6 Piaget untersuchte die Einstellung der Kinder bzw. die Änderung oder Entwicklung dieser, zu den Spielregeln in Bezug auf deren Ursprung, mögliche Änderbarkeit und Anerkennung der Regeln. 7
Weiterhin wertete er moralische Urteile von Kindern aus, die diese anhand erzählter Geschichten fällten, in denen objektiv gegen moralische Standards verstoßen wurde. 8
Diesen Untersuchungen zu Folge ergab sich für Piaget ein Modell des Erlernens von Regeln, das sich wie folgt gliedert: 9
5 Piaget, Jean, das moralische Urteil beim Kinde, Rascher Verlag, Zürich, 1954, S. 7
6 ebd. S. 8
7 Vgl. ebd., Kapitel 1, Die Spielregeln, S. 7-118
8 Vgl. ebd., Kapitel 2, Zwang des Erwachsenen und moralischer Realismus, S. 119.222 / Kapitel 3, Die
Zusammenarbeit und die Entwicklung des Gerechtigkeitsbegriffes, S. 223 -368
9 Vgl. ebd., S. 22ff.
5
1. Das motorische und individuelle Stadium, ca. 0-2 Jahre Es gibt noch kein Regelbewusstsein, die Regeln sind noch nicht zwingend, das Kind spielt nach eigenen, individuellen Regeln und Schemata. Das Spiel ist rein motorisch und der verpflichtende Charakter der Regeln fehl t gänzlich. 2. Das egozentrische Stadium, ca. 2-5 Jahre
Regeln werden von außen vorgegeben und haben somit Zwangscharakter. Das Kind ahmt Beispiele nach, spielt jedoch für sich allein oder ohne Wettkampfcharakter bzw. Siegeswillen mit anderen. 3. Das Stadium beginnender Zusammenarbeit, ca. 6-8 Jahre Jeder versucht, zu gewinnen, das Kind sorgt sch um Kontrolle und Vereinheitlichung der Regeln. Unter den Kindern einer Altersklasse gibt es Schwankungen in der Meinung zur richtigen Anwendung der Regeln. 4. Das Stadium der Kodifizierung der Regeln, ca. 11/12 Jahre Die Gesamtheit der Regeln ist nun bekannt, innerhalb einer Altersgruppe herrscht Einstimmigkeit über die Anwendung der Regeln. Änderungen können durchgesetzt werden, wenn alle Beteiligten dem zustimmen. Parallel zu diesen Stadien teilt Piaget die Entwicklung des Regelbewusstseins in drei allgemeinere Stadien ein. Das erste Stadium des Regelbewusstseins setzt er in der kompletten motorisch -individuellen Phase und zu Beginn der egozentrischen an. Hier werden Regeln unbewusst aufgenommen oder haben rein motorischen Charakter und sind nicht zwingend. Das zweite Stadium zieht sich vom Höhepunkt des egozentrischen Stadiums bis etwa zur Hälfte des Stadiums der beginnenden Zusammenarbeit. In dieser Phase sind die Regeln für die Kinder „heilig“ und „unantastbar“. Vorgeschlagene Regeländerungen werden nicht akzeptiert, da Regeln als unabänderlich - ähnlich wie physikalische Gesetze - angesehen werden. Während des letzten Stadiums des Regelbewusstseins, das die letzte Phase des Stadiums der beginnenden Zusammenarbeit und das gesamte Stadium der Regelkodifizierung umfasst, sehen die Kinder die Regel nicht mehr als vom Ursprung her unabänderlich an, sondern betrachten sie als ein Gesetz, das auf
Arbeit zitieren:
M.A. Berit Hullmann, 2003, Moral, Sozialisation und Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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