2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Abbildungsverzeichnis 5
Tabellenverzeichnis 6
Abk ürzungsverzeichnis 7
1. Einleitung 9
2. Theoretische Grundlagen 10
2.1 Rechtsgrundlagen der kommunalen Wirtschaftsförderung. 10
2.2 Rechtsgrundlagen der staatlichen Wirtschafts- und Strukturpolitik 11
2.3 Grundzüge der europäischen Regionalpolitik. 12
2.4 Erläuterungen zum Begriff der „Wirtschaftsförderung“ 13
2.5 Clusterbildung als Konzeptansatz für regionale Wirtsförderung. 16
3. Status der Wirtschaftsregion Hannover im nationalen Vergleich 19
3.1 Ziele und Maßnahmen der Wirtschaftsförderung 22
3.2 Träger und Aufgabengebiete der Wirtschaftsförderung. 23
3.3 Entwicklung eines Wirtschaftsförderungskonzeptes für die Region
Hannover. 25
3.3.1 Darstellung des Wirtschaftsförderungskonzeptes „Hannover -
Projekt “ 26
3.3.2 Die Projektgesellschaft Hannoverimpuls GmbH 28
3.3.3 Konzeptumsetzung des „Hannover-Projektes“ 29
3.3.3.1 Schwerpunkt 1: Automotive 29
3.3.3.2 Schwerpunkt 2: Produktionstechnik. 32
3.3.3.3 Schwerpunkt 3: Lasertechnik. 34
3.3.3.4 Schwerpunkt 4: Life Science. 36
3.3.3.5 Schwerpunkt 5: IuK-Technologie 38
3.3.3.6 Schwerpunkt 6: Beschäftigungsmodelle 39
3.3.3.7 Schwerpunkt 7: Querschnittsprojekte 41
3.3.3.8 Schwerpunkt 8: Steigerung der regionalen Attraktivität 43
3
4. Status der Wirtschaftsregion Braunschweig 44
4.1 Leitlinien der Wirtschaftsförderung 49
4.2 Träger der Wirtschaftsförderung 50
4.3 Entwicklung eines Wirtschaftsförderungskonzepte für den Großraum
Braunschweig. 51
4.3.1 Darstellung des Wirtschaftsförderungskonzeptes „Projekt Region
Braunschweig “ 52
4.3.2 Konzeptumsetzung des „Projektes Region Braunschweig“ 53
4.3.2.1 Schwerpunkt 1: Fahrzeugbau 55
4.3.2.2 Schwerpunkt 2: Umwelttechnik. 56
4.3.2.3 Schwerpunkt 3: Materialien- und Maschinenbau 57
4.3.2.4 Schwerpunkt 4: Tourismus 61
4.3.2.5 Schwerpunkt 5: Finanzdienstleistungen 64
4.3.2.6 Schwerpunkt 6: Verkehrssicherheit / IuK 66
4.3.2.7 Schwerpunkt 7: Norddeutsches Wasserzentrum 67
4.3.2.8 Schwerpunkt 8: Querschnittsthemen 68
5. Status Wolfsburg, eine Stadt der Wolkswagen AG ? 71
5.1 Ziele der Wirtschaftsförderung 71
5.2 Träger und Aufgabengebiete der kommunalen Wirtschaftsförderung 72
5.3 Entwicklung eines Wirtschaftsförderungskonzeptes für die Stadt Wolfs-
burg 73
5.3.1 Darstellung des Wirtschaftsförderungskonzeptes „AutoVision“ 74
5.3.2 Die Projektgesellschaft Wolfsburg AG 75
5.3.3 Konzeptumsetzung der „AutoVision“ in Projektphase I 76
5.3.3.1 Geschäftsbereich 1: Lieferantenansiedlung. 76
5.3.3.2 Geschäftsbereich 2: Personal Service Agentur 77
5.3.3.3 Geschäftsbereich 3: ErlebnisWelt. 78
5.3.3.4 Geschäftsbereich 4: InnovationsCampus 80
5.3.4 Zwischenbilanz „AutoVision“ nach der Projektphase I 80
4
5.3.5 Konzeptumsetzung der „AutoVision“ in Projektphase II 81
5.3.6 Konzeptumsetzung der „AutoVision“ in Projektphase III 84
6. Vergleichende Bewertung der drei Fallbeispiele 85
7. Zur Gestaltbarkeit von Clustern durch die regionale Wirtschafts-
f örderung. 88
8. Schlussbetrachtung 93
Anhang 99
Erkl ärung zur Diplomarbeit gemäß § 26 Abs. 6 DiplPrüfO. 103
Literaturverzeichnis 104
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Organisationsstruktur der regionalen Wirtschaftsförderung im WR Hannover ........................................................................................16 Abbildung 2: Projektphasen des Wirtschaftsförderungskonzeptes „Region Braunschweig“ ........................................................................................ 44 Abbildung 3: Aufbau der Wolfsburg AG nach Geschäftsbereichen zu Beginn der Phase II (Stand: März 2004).......................................................... 68 Abbildung 4: Hannover, Braunschweig, Wolfsburg: Clusterbasierte Wirtschaftsförderung im Vergleich .................................................................. 77 Abbildung 5: Organigram der Hannoverimpuls GmbH.......................................102
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Volkswirtschaftliche Kernindikatoren in der Region Hannover.......... 12 Tabelle 2: Überschlagsbetrachtung des Arbeitsplatzpotenzials in der Region Hannover zwischen 2002 und 2012.................................................. 19 Tabelle 3: Volkswirtschaftliche Kernindikatoren für den Großraum Braunschweig nach Städten und Landkreisen ........................................... 38 Tabelle 4: Beschäftigungseffekte in der Stadt Wolfsburg durch WM der Wolfsburg AG während der Projektphase I................................................ 73 Tabelle 5: Branchen mit Cluster- und Branchen ohne Clusterpotenzial ............. 99 Tabelle 6: Einwohner und Arbeitslose in den Städten und Gemeinden der
Region Hannover..............................................................................100 Tabelle 7: Kernindikatoren für die deutschen Verdichtungsräume ....................101
Abkürzungsverzeichnis
BIP -Bruttoinlandsprodukt CMT -City Marketing & Tourismus Gesellschaft Wolfsburg mbH DLA -touristische Dienstleistungsagentur DLR -Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum EG -Europpäische Gemeinschaft EU -Europäische Union FDL -Finanzdienstleistungen FuE -Forschung und Entwicklung GA -Gemeinschaftsaufgabe GG -Grundgesetz GIZ -Gründungs- und Innovationszentrum GRW -Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaft GWB -Gesellschaft für Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung HMG -Hannover Marketing Gesellschaft IuK -Informations- und Kommunikationstechnologie IAA -Internationaler Automobilaustellung IT -Inforationstechnologie KMU -kleinere und mittlere Unternehmen KWF -kommunale Wirtschaftsförderung LZH -Laserzentrum Hannover MHH -Medizinische Hochschule Hannover MST -Mikrosystemtechnik MW -Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr NDW -Norddeutsches Wasserzentrum NGO -Niedersächsische Gemeindeordnnung NIHK -Niedersächsischer Industrie- und Handeskammertag NIW -Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung NST -Niedersächsischer Städtetag OD -Ostdeutschland PPP -Public Private Partnership PSA - Personal Service Argentur
PZH -Produktionszentrum Hannover Reson -Region Südostniedersachsen ROG -Raumordnungsgesetz RWF -regionale Wirtschaftsförderung SON -Südostniedersachsen SVB -sozialversicherungspflichtig Beschäftigte TCH -Technologiezentrum Hannover TiHo -Tierärztliche Hochschule Hannover TTLab -Telecommunications Technology Labor USD -United States Dollar TMN -Tourismus Marketing Niedersachsen GmbH VR -Verdichtungsraum WBG -Wirtschafts- und Beschäftigungsgesellschaft WD -Westdeutschland WF -Wirtschaftsförderung WIN -Wachstum Innovation Nachfrage WM -Wirtschaftsfördernde Maßnahmen WRH -Wirtschaftsregion Hannover ZAA -Zeitarbeitsagentur ZEW -Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZFKS -Deutsches Zentrum für Fahrzeugkomponenten und - systeme ZGB - Zweckverband Großraum Braunschweig
1. Einleitung
Der anhaltende Strukturwandel 1 wirkt nicht nur auf Branchen und einzelne Unternehmen, sondern zeigt seine Auswirkungen mittlerweile auch in weiten Teilen der westlichen Industriestaaten. Ebenfalls beeinflussen im nationalen und internationalen Wettbewerb die globalen Rahmenbedingungen den Handlungsspielraum von Wirtschafts- bzw. Lebensräumen. Folglich werden betroffene Regionen zukünftig stärker gezwungen sein, sich den damit verbundenen Entwicklungs- und Umstrukturierungsprozessen zu stellen.
Vor diesem Hintergrund kommt es entscheidet darauf an, wie sich die wirtschaftsfördernden Akteure einer Volkswirtschaft unter den verändernden Wettbewerbsbedingungen profilieren bzw. positionieren können. Diejenigen, die ihre Potenziale nur unzureichend nutzen, werden im Vergleich zu denen, die ihre traditionellen Stärken in einem kontinuierlichen Innovationsprozess weiterentwickeln können, zukünftig stärker zurück fallen. Die wirtschaftlichen Folgen eines negativen Szenarios sind unter anderem der Rückgang der Wirtschaftskraft sowie der Abbau von Arbeitsplätzen. In Relation zu erfolgreicheren Räumen führt diese Entwicklung zu einem nachhaltigen Attraktivitätsverlust der gesamten Region. Damit auch Regionen im internationalen Wettbewerb um die besten Standort-faktoren weiter bestehen können, wird es immer wichtiger echte wirtschaftliche, wissenschaftliche, soziale und kulturelle Profile zu entwickeln. Ziel dieser Bemühungen ist es, attraktive Rahmenbedingungen für die Unternehmen sowie die Bevölkerung zu schaffen. Damit vorhandene Stärken ausgebaut bzw. besser nutzbar gemacht werden können, ist es daher notwendig, die wirtschaftsfördernden Aktivitäten einer Region in einen ganzheitlichen konzeptionellen Rahmen einzubinden.
Vor diesem Hintergrund entwickelten die Wirtschaftsräume Hannover, Braunschweig und Wolfsburg zwischen 1998 und 2004 drei umsetzungsfähige Konzepte zur Verbesserung der Wirtschafts- und Beschäftigungssituation vor Ort. Die vorliegende Diplomarbeit zur Erlangung des Hochschulgrades „Dipl. Kaufmann (FH)“ befasst sich aus gegebenem Anlass beispielhaft mit der Analyse dieser Wirtschaftsförderungskonzepte.
1 Massiver Arbeitsplatzabbau in den westlichen Industrienationen verursacht durch den weltweit schrumpf-
enden Industriesektor bei gleichzeitig schwacher Dienstleistungsdynamik speziell in Deutschland
2. Theoretische Grundlagen
Zu den wirtschaftsfördernden Akteuren in der Bundesrepublik Deutschland zählt auf regionaler Ebene neben der EU vor allem:
• der Bund • die Länder • die Kommunen
Diese Impulsgeber verwenden unterschiedliche Begrifflichkeiten für ihre wirtschaftsfördernden Maßnahmen (WM). So nennt die EU ihre Bemühungen auf diesem Gebiet Regionalpolitik, während die Bundes- bzw. Landesebene von Wirtschafts- und Strukturpolitik spricht. Die Kommunen beschreiben ihre Aktivitäten in diesem Bereich als kommunale Wirtschaftsförderung (KWF). Städte mit raumordnungspolitisch angeschlossen Gemeinden oder Landkreisen sprechen hingegen von regionaler Wirtschaftsförderung (RWF). Trotz der differenzierten Wortwahl, verfolgen die genannten Institutionen das gemeinschaftliche Ziel der strukturellen Förderung von Wirtschaftsräumen.
2.1 Rechtsgrundlagen der kommunalen Wirtschaftsförderung
Die Rechtsgrundlage für KWF in den Gemeinden der Bundesrepublik Deutschland ist der Art. 28 Abs. 2 des Grundgesetzes 2 (GG). Demnach ist es den Gemeinden freigestellt, die Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetzgebung in eigener Verantwortung und somit in Selbstverwaltung zu regeln. Die unterschiedlichen „Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft“ werden in § 4 Abs. 1 der Niedersächsischen Gemeindeordnung (NGO) genauer formuliert, aber nicht explizit aufgezählt. Da die KWF, nach Aussage des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, eindeutig einen örtlichen Charakter aufweist, 3 zählt sie laut GG zu den Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft, und kann somit als eine sog. Selbstverwaltungsaufgabe der Gemeinden angesehen werden. Bei diesen ist zwischen freiwilligen Aufgaben und solchen, die per Gesetz zur Pflicht werden, zu unterscheiden. Die KWF gehört zu den freiwilligen Selbstverwaltungsaufgaben. Es liegt im Ermessen der Gemeinde, ob sie die Aufgabe als gemeinschaftliches Ziel definiert und daher wahrnehmen muss.
2 Vgl. Anhang Nr. 1
3 So bleibt der örtliche Charakter der KWF erhalten, auch wenn die Ursachen für WM extern begründet sind,
oder ihre Wirkung auf Nachbargemeinden abstrahlt.
Für die Landkreise der Bundesrepublik Deutschland (im GG auch „Gemeindeverbände“ genannt) hat ebenfalls das Recht der Selbstverfaltung Gültigkeit. Das GG trifft hier jedoch bei der Wahrnehmung der öffentlichen Aufgaben keine räumliche Aussage, sondern schränkt die Selbstverwaltung durch den Rahmen an gesetzlichen Aufgabenbereichen ein. Gemeinden und Landkreise sind rechtlich nicht gleichgestellt, da die Aufgabenverhältnisse zwischen ihnen unterschiedlich verteilt sind. 4 Die NGO gesteht den Landkreisen in § 2 Abs. 1 die Aufgaben von „überörtlicher Bedeutung“ zu und garantiert dadurch deren Selbstverwaltung. Die so genannten überörtlichen Aufgaben 5 sollen an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden. Lediglich ist hier anzumerken, dass es sich um Aufgaben des öffentlichen Interesses handelt, die von den Gemeinden entweder aus technischen, finanziellen oder organisatorischen Gründen nicht oder nur teilweise ausgeübt werden können und in den Aufgabenbereich der Kreise übergehen müssen. Der Grund für eine Übertragung dieser Aufgaben auf die Kreisebene, ist die definierte Selbstverwaltungsaufgabe (z.B. KWF) der Gemeinden. Bei kreisfreien Städten besteht das beschriebene Problem der „doppelten“ Zuständigkeiten nicht. Sie vereinen alle kommunalen Aufgabenbereiche (auch KWF) auf sich und sind alleiniger Entscheidungsträger beim Ausführen der freiwilligen Verwaltungsaufgaben. 6
2.2 Rechtsgrundlagen der staatlichen Wirtschafts- und Strukturpolitik
Staatliche Wirtschafts- u. Strukturpolitik erhält den Auftrag und die Legitimation aus der im Grundgesetz verankerten „Verpflichtung zur Sicherung einheitlicher Wirtschafts- und Lebensverhältnisse“ in allen Regionen. 7 Die staatliche Strukturpolitik ist auf die regelmäßige Kompensation struktureller, sektoraler und regionaler Unterschiede angelegt. Nach Art. 30 GG ist die WF aber ausschließlich eine hoheitliche Verwaltungsaufgabe der Bundesländer. In Artikel 91a Abs. 1 wurde die Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) festgeschrieben. Der Bund kann auf diese Weise an der Regionalförderung der Länder mitwirken. Zunehmende Bedeutung
4 Vgl. Faber, 1992, S. 38 ff.
5 ebenda
6 Vgl. Püttner, 1983, S. 6 f.
7 Vgl. Raumordungsgesetz, §§ 1-2
erlangte die GRW durch die deutsche Wiedervereinigung und die notwendig gewordene Angleichung der Wirtschaftsstrukturen in Ost- und Westdeutschland. Diese Form der Subventionsverteilung (2001: 155,6 Mrd. €) durch die öffentliche Hand, 8 greift zwar in die marktwirtschaftliche Wettbewerbsordnung eines Landes ein, legitimiert sich allerdings durch die im GG verankerte Verantwortung des Staates, die Gemeinschaftsaufgabe auch großflächig umzusetzen. Zu diesem Zweck ist die Bundesrepublik Deutschland auf Basis der Artikel 87 und 88 des EG-Vertrages nach Art und Intensivierung der Beihilfen in unterschiedliche Fördergebiete unterteilt. 9 Für die Durchführung der GA-Fördermaßnahmen in den ausgewiesenen Regionen 10 sind wiederum die Länder verantwortlich. WF auf kommunaler bzw. regionaler Ebene ist, wie aus Punkt 2.1 hervorgeht, nur auf den örtlichen Wettbewerbsvorteil ausgerichtet. Mögliche Zielkonflikte 11 zwischen den wirtschaftsfördernden Aktivitäten des Staates und der kommunalen WF können die Folge sein.
2.3 Grundzüge der europäischen Regionalpolitik
Hauptziel der EU-Regionalpolitik nach Art. 158 EG-Vertrag ist es, die Entwicklungsunterschiede in den europäischen Regionen zu verringern, um so zum wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft beizutragen. Die EU fördert daher entsprechende Anstrengungen der Mitgliedsaaten, eine harmonische Entwicklung der Gemeinschaft als Ganzes voranzutreiben (Agenda 2000). Die Budgets der EU-Strukturfonds 12 stehen hierbei im Zentrum der europäischen Förderpolitik. Aus diesem Grundgedanken lassen sich drei Förderziele 13 ableiten, die das EU-Gebiet für die aktuelle Planungsperiode 2000 - 2006 in Fördergebiete einstuft. Hierbei sind die Ziele 1 und 2 regional ausgerichtet, Ziel 3 wird außerhalb der Zielgebiete verfolgt:
Ziel 1: Förderung der Entwicklung und der strukturellen Anpassung der Regionen mit Entwicklungsrückstand (Ziel 1 Fördergebiete)
8 Vgl. Boss/Rosenschon, 2002, S. 25 f.
9 Vgl. Deutsche Bundestag, 2003, S. 1 ff.
10 ebenda, 2003a, S. 1 ff.
11 Vgl. Lange, 1981, S. 107ff.
12 Vgl. Europäische Union, 2004
13 Vgl. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft, 1999
Ziel 2: Unterstützung der wirtschaftlichen und sozialen Umstellung der Gebiete mit Strukturproblemen (Ziel 2 Fördergebiete) Ziel 3: Unterstützung der Anpassung und Modernisierung der Bildungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungspolitiken und -systeme
Zu berücksichtigen ist an dieser Stelle auch das verschärfte Wettbewerbsrecht der Europäischen Kommission. Die EU beabsichtigt die nationalen Handlungsspielräume, durch eine zunehmende Zentralisierung der Befugnisse, auch im Bereich der Wirtschaftspolitik (z.B. WF), weiter einzuschränken. Eine Intensivierung der EU-Beihilfekontrollen ist die logische Konsequenz. 14 Staatliche WF jenseits der „De-minimis“ und KMU-Regelungen sind bei der EU-Kommission immer anmeldungs- und genehmigungspflichtig. 15 Somit wird nationale WF zukünftig stärker kontrolliert werden als bisher und bei drohenden Wettbewerbsverzerrungen mit Beihilfe- und Genehmigungsvorbehalten 16 belegt. Verstoßen Nationalstaaten gegen diese Bestimmungen und erwächst daraus ein unternehmerischer Wettbewerbsvorteil, so werden den Profiteuren der unerlaubten WF hohe Konventionalstrafen auferlegt.
2.4 Erläuterungen zum Begriff der „Wirtschaftsförderung“
Unter WF werden im Allgemeinen „die Maßnahmen der Wirtschaftspolitik zur selektiven Begünstigung bestimmter wirtschaftlicher Tatbestände oder Verhaltensweisen“ verstanden. Sie sind insofern von anderen gesamtwirtschaftlich wirkenden Maßnahmen, wie etwa der Konjunktur- und Wachstumsbelebung abzugrenzen. 17 Die Vielzahl der in der Praxis vorkommenden Ansatzpunkte zur WF lassen sich unter verschiedenen Hauptmaßnahmen zusammenfassen:
• Sektoral oder branchenbezogen z.B. Bergbau, Schiffbau, Wohnungswirtschaft (sektorale Strukturpolitik, Industriepolitik)
• Regionale Wirtschaftsförderung (regionale Strukturpolitik)
14 Als Beispiel ist hier die jüngste Klage der EU-Kommission gegen den Volkswagen Konzern, wegen nicht
genehmigter Beihilfen durch das Land Niedersachsen zu nennen. Die Wettbewerbslage des Unternehmens
wurde so gegenüber der Branche deutlich verbessert, was nach Meinung der Kommission Verzerrungen
des Wettbewerbs zur Folge hat.
15 Vgl. Haug, 2004, S. 77 f., nicht genehmigungspflichtige Beihilfen im Sinne von De-minimis und KMU
16 Vgl. EG-Vertrag, 2001, Artikel 87 & 88
17 Vgl. Stichwort: Wirtschaftsförderung, Gabler 1997,
• Fördermaßnahmen zugunsten bestimmter Unternehmensgruppen oder wirtschaftlicher Tätigkeiten; z.B. Existenzgründungsförderung, Mittelstandsförderung, Förderung des Fremdenverkehrs, Filmförderung, Forschungs- und Entwicklungsförderung, Umweltschutz, betriebliche Ausbildung, Bildung und andere.
Begründet wird diese Vorgehensweise der wirtschaftsfördernden Akteure damit, dass die gewünschten volkswirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Effekte 18 unter den Funktionsbedienungen des Marktes nicht eintreten würden. Es wird m.a.W. von der Notwendigkeit einer Korrektur der Marktmechanismen ausgegangen. 19
Wie die dargestellten Rechtsgrundlagen zeigen, sind die Bundesländer die Hauptträger der WM. Der Bund wirkt aber über die Subventionsmittel in höherem Masse auf die WF ein, als das die Länder tun. Besonders wichtige Maßnahmen der WF werden im Rahmen der GA von Bund und Ländern gemeinsam wahrgenommen. Die konkrete Durchführung dieser Maßnahmen wird häufig speziellen Wirtschaftsförderungsinstituten 20 übertragen. Sie sind i. d. R. nicht erwerbswirtschaftlich orientiert und handeln überwiegend in öffentlichem Auftrag. In ihren Organisations-formen unterscheiden sie sich wie folgt:
• Als Teil der öffentlichen Verwaltung, z. B. Wirtschaftsförderungsgesellschaften (teils auch in privater Rechtsform der GmbH, aber in öffentlichem Besitz)
• Körperschaften oder Anstalten des öffentlichen Rechts mit Bankgeschäften der KfW, der Landesaufbaubanken sowie der Landesentwicklungsgesellschaften (die beiden Letzteren können u. U. auch privatrechtlich organisiert sein)
• Privatrechtliche Unternehmen (häufig mit Beteiligung von z. B. der Industrie-und Handelskammern, der Handwerkskammern, ggf. aber auch der öffentlichen Hand)
Zu den regelmäßigen Aktivitäten der Wirtschaftsförderungsinstitutionen gehören unter anderem; die Unternehmensberatung, das Standortmarketing, die Gewerbeflächenpolitik, die Steuer- und Entgeltpolitik, die Förderung von Standortgemeinschaften (Technologie- und Gründerzentren), die lokale Arbeitsmarktpolitik, und
18 Vgl. Haug, 2004, S. 48, Abb. 1.1
19 Vgl. Müller, 2000, S. 13 ff. Nach Keynes verfügt die Wirtschaft nicht über Selbstheilungsmechanismen
20 Vgl. Stichwort: Wirtschaftsförderungsinstitutionen, Gabler, 1997
schließlich die öffentliche Auftragsvergabe (bis hierhin ausschließlich Aufgaben der kommunale Wirtschaftsförderung 21 ), die Infrastrukturpolitik, die Investitionsförderung, die Vermittlung oder Bereitstellung von Kapitalbeteiligungen (Kapitalbeteiligungsgesellschaften), sowie die Übernahme von Bürgschaften zugunsten bestimmter Unternehmen (Kreditgarantiegemeinschaften). Die eigentliche Frage an dieser Stelle lautet, welche konkrete Auswahl an Maßnahmen muss von welchen Institutionen wahrgenommen werden, damit die gewünschten Effekte einer nachhaltigen Wirtschaftsförderung auch messbar werden?
Die Dr. Heuser Unternehmensberatung ist eigenen Studien zu Folge der Auffassung, dass Bund und Länder bei der Beantwortung dieser Fragestellung lediglich für die Rahmenbedingungen sorgen können, um eine Strukturangleichung in den unterschiedlichen Wirtschaftsregionen voranzutreiben. Längerfristig betrachtet lässt sich Wirtschaftswachstum und somit die Schaffung neuer Arbeitsplätze, 22 nach Einschätzung der Dr. Heuser AG, nur auf regionaler Ebene umsetzen. Die Maßnahmen 23 der wirtschaftsfördernden Akteure zur Erreichung der wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Ziele lassen sich demnach in drei Schwerpunkten bündeln: 24
1. Regionale Wirtschaft entwickeln; über den Hebel Neugründungen, Wachstum und Erhalt der bestehenden und Ansiedlung neuer Unternehmen. 2. Bildung und Ausbildung mit regionalem Schwerpunkt fördern 3. Attraktive Wirtschafts- und Lebensräume in den Regionen schaffen
Diese allgemeinen Überlegungen, regionale Wachstumskonzepte zu entwickeln, die auf Basis der genannten Schwerpunkte zur Steigerung der „Wirtschaftskraft vor Ort“ und zur Beseitigung von „Problemen in der regionalen Wirtschaft“ beitragen, bilden den theoretischen Hintergrund für die gewählte Themenstellung. Der Hauptteil dieser Arbeit befasst sich daher mit der Darstellung von Wirtschaftsförderungskonzepten in den Regionen Hannover, Braunschweig und Wolfsburg und analysiert deren Zielerreichungsgrad.
21 Vgl. Haug, 2004, S. 52 ff.
22 Dieses sind die primären Ziele der Wirtschaftsförderung
23 Vgl. Niedersächsischer Industrie- und Handelskammertag, 2003, S. 2
24 Vgl. Dr. Heuser, 2004
2.5 Clusterbildung als Konzeptansatz für regionale Wirtsförderung
Die Unternehmensberatung McKinsey hat eigenen Angaben zu Folge in den vergangenen sechs Jahren unter anderem für die Region Wolfsburg (1998), Hannover (2002), und Braunschweig (2004) clusterbasierte Wirtschaftsförderungskonzepte zur regionalen Strukturentwicklung erarbeitet. Da sich diese Konzepte nach Aussage der zuständigen Wirtschaftsförderer in der Umsetzung befinden, ist es zum weiteren Verständnis notwendig, den Begriff des „Clusters“, wie McKinsey & Co. ihn interpretiert, kurz zu erläutern.
Mckinsey & Co. bewertet Cluster nach Porters Definition als geographische Konzentrationen miteinander verbundener Unternehmen, spezialisierter Zulieferer, Dienstleistern, Unternehmen in verwandten Branchen und unterstützenden Organisationen (z.B. Universitäten, Hochschulen, Kammern und Verbänden) in bestimmten Branchen, die im Wettbewerb stehen und miteinander kooperieren. 25 Brenner und Fornahl verstehen unter lokalen branchenspezifischen Clustern eine Ansammlung von Firmen einer oder weniger in Beziehung zueinander stehender Branchen, bei denen eine deutlich überdurchschnittliche Zahl an wertschöpfungsintensiven Arbeitsplätzen aufgrund positiver Wechselwirkungen zwischen den Firmen entsteht und aufrechterhalten wird. 26
Die Unternehmensberatung beschreibt die Vorteile, die durch die räumliche Nähe der Akteure innerhalb des Cluster entstehen, allgemein als sinkende Transaktionskosten und positive externe Effekte. Die Unternehmen innerhalb des Clusters erzielen durch den engeren Informationsaustausch eine höhere Produktivität und Innovationsfähigkeit. Sinkende Beschaffungskosten durch die Nähe zu Zulieferern und Dienstleistern der Branche, sowie eine ausgeprägte Wettbewerbsfähigkeit durch die intensivere Konkurrenz sind weitere positive Ergebnisse. 27 Denkbar sind hier aber auch nachteilige Effekte, die aus einer monostrukturellen, spezialisierten Clusterregion erwachsen können. Regionen mit einem oder wenigen Clustern sind sehr krisenanfällig, da im Falle branchenspezifischer Probleme nicht nur die betreffende Branche (Cluster), sondern gleich die gesamte Region in Mitleidenschaft gezogen wird. Zudem sind solche Regionen wesentlich anfälliger für konjunkturelle Krisen ausgelöst durch exogene Schocks, als
25 Vgl. Porter, 1998, 197 f.
26 Vgl. Brenner/Fornahl, 2001, S. 4
27 Vgl. McKinsey & Co., 2002, S. 13
Wirtschaftsregionen mit einer differenzierteren Branchenstruktur. Beispiele für den Niedergang von „Monoclustern“ sind sicherlich die Stahl-, Kohle- und Eisenkomplexe des Ruhrgebietes. Allerdings sind bei dieser Überlegung auch erfolgreiche Monocluster, wie beispielsweise das Silicon Valley (Kalifornien, USA), der Shinjuku-Park (Tokio, Japan) oder das Silicon Isle (Dublin, Irland) zu nennen. Sie reagieren auf Herausforderungen des Wettbewerbs besser, als die meisten anderen spezialisierten Clusterregionen und können auf Nachfrageschwankungen mit erfolgreicheren Anpassungsstrategien antworten. Solche spezialisierten Hot Spots 28 , wie Pouder sie nennt, bilden jedoch angesichts der Vielzahl von gescheiterten monostrukturellen Clusterregionen (z.B. Messer- und Besteckwarenindustrie in Solingen, Schweizer Uhrenindustrie) weltweit eher die Ausnahme und leiden ebenfalls zunehmend an Überhitzung. 29 Folgende Voraussetzungen müssen daher gegeben sein, damit ein branchenspezifischer Cluster entstehen kann, bzw. ein bereits ansässiger Cluster in der Region erhalten bleibt. 30 Hierbei sind die ersten drei Punkte als Voraussetzungen in der Branche und die folgenden Punkte als notwendige Rahmenbedingungen in der Region zu verstehen, damit eine clusterbasierte Wirtschaftsförderung zielgerichtet ist:
1. Branchenbezogene Voraussetzungen; diese Branchen verfügen über ausreichend Human Kapital und einen hohen regionalen Beschäftigungsanteil, haben eine Vielzahl von Neugründungen aus der Branche zu verzeichnen, nutzen Synergieeffekte untereinander und treten selbst als Risikokapitalgeber auf, um weitere Ansiedlungen und Neugründungen zu ermöglichen. In Deutschland existieren zahlreiche Branchen mit Potenzial zur Clusterbildung. 31 2. Vorhandensein von zukunftsfähigen Branchen mit ausreichend Nachfragepotenzial und überdurchschnittlicher Wachstumsdynamik gemessen an der Beschäftigungsentwicklung zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, sowie vorhandene Exportfähigkeit der produzierten Güter- und Dienstleistungen. 3. Stetige Bereitschaft der Unternehmen zur Kooperation, um regional ausgebildete Netzwerkstrukturen zwischen den Akteuren nutzbar zu machen, zu erhalten und bei Bedarf zu erweitern. Bei der Pflege und dem Ausbau dieser Struk-
28 Vgl.Pouder / John, 1996, S. 1192, […] Hot Spots are fast-growing geographic clusters of competing firms.
29 Vgl. Marx, 2002, S. 3 f.
30 Vgl. Brenner / Fornahl, 2001, S. 11 ff., sowie McKinsey & Co., 2002, S. 13 ff., teilweise erweitert
31 Für eine umfassende Auflistung der Branchen mit bzw. ohne Potenzial zur Clusterbildung in Deutschland
siehe Anhang Nr. 2
turen müssen sich Persönlichkeiten innerhalb der Netzwerke herausbilden, die diesen Prozess vorantreiben und eine Vorbildfunktion einnehmen können. Dynamische face-to-face Netzwerke können in einer Region entstehen. 4. Das Vorhandensein von entsprechenden Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen für die Akquirierung von qualifiziertem Personal mit gebündeltem, nicht transferierbarem Know-how vor Ort, um den FuE-Intensitäten der Unternehmen gerecht zu werden.
5. Schaffung der verwaltungstechnischen und fiskalen Voraussetzungen, die eine schnelle Ansiedlung bzw. Neugründung ermöglichen (z.B. wirtschaftsfreundliche Verwaltungsstrukturen und individuelle Steuer- und Abgabenpolitiken) 6. Einstellung und Möglichkeit von lokalen Akteuren, neue Firmen zu gründen bzw. den Aufbau von Netzwerkstrukturen zu unterstützen 7. Zur Verfügung stehende geeignete Gewerbeflächen, bedarfsorientierte Infrastruktur, sowie Risikokapital- bzw. Bürgschaftsgeber aus der Region
Diese Voraussetzungen sind entscheidend für die Entstehung (Punkt 1-3) und Ansiedlung (Punkt 4-7) von Clustern. Leider zeigt die Literatur an dieser Stelle keinen schematischen Zusammenhang zwischen den identifizierten Voraussetzungen für die Bildung eines Clusters und der Ansiedlung einer spezifischen Branche. Es ist dagegen unumgänglich, die regionalen Strukturen im Rahmen von clusterbasierten Wirtschaftsförderungskonzepten auf jede Branche individuell zuzuschneiden und gegebenenfalls zu ergänzen. Der Region muss es auf diese Weise gelingen, sich als Zentrum für eine oder mehrere Branchen zu profilieren, um zu einem der wichtigsten nationalen besser internationalen Standorte für diese Branchen zu werden. Ist ein Branchencluster entstanden, so gilt es ihn langfristig zu erhalten. Folglich ist es notwendig die relevanten Rahmenbedingungen für brachenspezifische Clusteransiedlungen zukünftig aufrecht zu erhalten und deren Strukturen regelmäßig an die veränderten „Bedürfnisse des UN-Clusters“ anzupassen.
3. Status der Wirtschaftsregion Hannover im nationalen Vergleich
Am 16.Mai 2001 beschloss der niedersächsische Landtag das Gesetz zur Bildung der Region Hannover. 32 Zum 01. November 2001 wurde die Region Hannover als öffentlich rechtliche Körperschaft gegründet. 33 Das Gebiet, dass im Weiteren Verlauf auch Wirtschaftsraum Hannover (WRH) genannt wird, umfasst die folgenden 20 eigenständigen Städte und Gemeinden 34 , sowie die kreisfreie Landeshauptstadt Hannover und ist das größte Teilgebiet des Regierungsbezirkes Hannover:
Städte: Barsinghausen, Burgdorf, Garbsen, Gehrden, Hemmingen, Laatzen,
Gemeinden: Burgwedel, Isernhagen, Uetze, Wedemark und Wennigsen
Der Wirtschaftsraum Hannover, der geographisch mit der Region Hannover identisch ist, wird als einer der 20 deutschen Verdichtungsräume (VR) verstanden. In den Verdichtungsräumen leben auf einem Drittel der Fläche der Bundesrepublik etwa 50% aller Einwohner und Erwerbstätigen, die fast 60 % der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung erarbeiten. Der VR Hannover belegt bei der Gegenüberstellung der hervorgehobenen Kernindikatoren Rang 13 im bundesweiten Vergleich aller Verdichtungsräume 35 und hält somit auf der Datenbasis von 2000 einen Platz im unteren Mittelfeld. Schlechter schneiden nur die ostdeutschen Ballungsräume Chemnitz, Dresden und Leipzig, sowie die westlichen Regionen um Bremen, Aachen, Karlsruhe und Saarbrücken ab. Spitzenreiter sind im bundesweiten Vergleich das Rhein-Main-Gebiet, das Ruhrgebiet sowie der Großraum Berlin. Werden einzelne Kennzahlen gesondert betrachtet, so zeigt sich, dass die Region Hannover bei der Bruttowertschöpfung pro Kopf einen besseren, nämlich achten Platz belegt und bei der Arbeitsproduktivität auf Rang 9 liegt. Hervorzuheben ist der Anstieg der Beschäftigung um 12.000 Erwerbspersonen zwischen 1995 und 2001 (Expo-Effekt). Die Beschäftigtenzahlen stiegen im WRH
32 Vgl. Niedersächsisches Gemeindeverwaltungsblatt., 2001, §§ 1-2
33 Vgl. Region Hannover, 2004, Die Region Hannover ist Rechtsnachfolgerin des aufgelösten Landkreises
Hannover sowie des Kommunalverbandes Großraum Hannover. Sie übernimmt alle Aufgaben, die bisher
vom bisher vom Landkreis und vom Kommunalverband wahrgenommen wurden.
34 Für Einwohner- und Arbeitslosenzahlen siehe Anhang 3
35 Das Gesamtranking zu den Kernindikatoren in Deutschlands Verdichtungsräumen zeigt der Anhang Nr. 4
mit durchschnittlich 0,6% pro Jahr stärker, als im arithmetischen Mittel der westdeutschen VR. Der Großteil der neuen Jobs wurde allerdings nicht in der Stadt Hannover, sondern im Umland geschaffen (Disurbanisation). Dieser Effekt führte bei der regionalen Arbeitslosenquote nur kurzzeitig zu marginalen Veränderungen. 36 Aktuell liegt sie in der Region Hannover wieder bei 10,2 % (Sept. 2004) und somit über dem niedersächsischen, aber noch knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt. Begründen lässt sich der erneute Anstieg mit dem fortschreitenden Wandel der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft, der in Deutschland, anders als in den USA, nicht vollzogen ist und weitere Arbeitsplätze auch in der Region Hannover gefährdet. Die nachfolgende Tabelle 1 zeigt nun abschließend die wichtigsten Kernindikatoren der WRH und vergleicht sie über einen Zeitraum von 10 Jahren mit dem Landes- bzw. Bundesdurchschnitt: 37
Tabelle 1: Volkswirtschaftliche Kernindikatoren in der Region Hannover
Neben den genannten Größen spielt die Bevölkerungszahl und deren Entwicklung, sowie die Zusammensetzung nach Altersgruppen eine entscheidende Rolle
36 Vgl. NIW / Nord/LB, 2002, S. 28 - 46. Aktuelleres Zahlenmaterial wird erst im Regionalbericht 2004 zum
Ende des Jahres veröffentlicht. Bei der Betrachtung einzelner Kennzahlen sind die ostdeutschen
Verdichtungsräume aufgrund der schlechten Datenlage nicht berücksichtigt worden.
37 Arbeitslosenstatistik d. Regionaldirektion Niedersachsen/Bremen der BA für Arbeit, volkswirtschaftliche
Gesamtrechnung des statistischen Bundesamt Wiesbaden, Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für
Arbeit, div. Statistiken des niedersächsischen Landesamtes für Statistiken, eigene Darstellung
bei der regionalen Wirtschaftsentwicklung. 38 Die Alterspyramiden für die Stadt und die Region Hannover zeigen eine vergleichsweise schwache natürliche Entwicklung der Bevölkerung, verursacht durch einen relativ ungünstigen Altersaufbau. Zu erkennen ist eine deutliche Überalterung der Bevölkerung, sowie eine ausgesprochen niedrige Quote an Kindern und Jugendlichen im Schul- und ausbildungsfähigen Alter. Beide Bevölkerungsgruppen liegen deutlich unter dem Durchschnitt der westlichen VR. Lediglich bei den Personengruppen im studentischen Alter verzeichnet Hannover überdurchschnittliche Zuwächse, was auf attraktive Hochschuleinrichtungen schließen lässt, und das qualitative Angebot an Arbeitskräften in der Region bestimmt. 39
Ein weiterer wichtiger Standortfaktor im Wettbewerb der Regionen ist die Verkehrsinfrastruktur. Hier trugen die Ausbaumaßnahmen u. a. in Vorbereitung auf die Weltausstellung dazu bei, dass die Region Hannover im Infrastrukturbereich zu den wettbewerbsfähigeren Zentren in Deutschland zählt. Die Verkehrsträger Strasse, Schiene, Wasser und Luft bilden Schnittpunkte zu wichtigen Verkehrsachsen. Der öffentliche Personennahverkehr ist mit S-Bahn, Stadtbahn und Busverkehr flächendeckend ausgebaut. 40 Ein Effekt, der auch dem künftigen Messe-Standort Hannover entgegen kommt. Hannover zählt weltweit zu den bekannten Messeplätzen mit namhaften nationalen und internationalen Ausstellungen (z.B. EXPO 2000, Cebit, IAA). Zahlreiche Branchen nutzten diese Art der Unternehmensplattformen für Ihre Aktivitäten und steigern so den Bekanntheitsgrad der Region (Imagebildung).
Für gewerbliche Ansiedlungen in der Region Hannover stehen in 2004 ca. 80 Gelände mit einer Gesamtfläche von 400 Hektar und Quadratmeterpreisen je nach Lage und Verkehrsanbindung von 30 € bis 120 € zur Verfügung. Der Mietpreis für Gewerbeflächen liegt zwischen 3,00 € (Umland) und 4,10 € (Stadt) je m². 41 Zu den attraktivsten Flächen 42 gehören das EXPO-Gelände, das Pelikan-Viertel, der Lister Hafen sowie der Gehry Tower. Bereits angesiedelt haben sich große Konzerne wie Continental AG, Preussag AG, TUI Group GmbH, Preussen Elektra AG,
38 Vgl. Schätzl, 2001, S. 56, Die Zusammensetzung der Bevölkerung in einer Region dient als grundlegende
Bestimmungsgröße für das Angebot an Arbeitskräften (quantitativ) und prägt in wesentlichen Zügen die
Nachfrage der priv. Haushalte in einer Region nach Gütern und Dienstleistungen.
39 Vgl. Nord/LB, 2002, S. 17 f., Abb. 2.2-2a / 2b Alterspyramiden, sowie NIW / Nord/LB, 2002, S. 37 f.
40 Vgl. Region Hannover, 2004a, S. 22-25
41 ebenda S. 44 f.
42 genauere Informationen zu Standorten und Immobilien in der Region sind im Immobilienbericht 2004 der
Region Hannover veröffentlicht
NORD/LB, Hapag-Lloyd, VARTA AG, HDI, Solvy Deutschland Gruppe oder Bahlsen. Von den 59 größten Unternehmenszentralen in Niedersachsen beherbergt die Region Hannover knapp ein Drittel. An der gesamten Bruttowertschöpfung in Niedersachsen sind die 19 Unternehmen 2000 mit etwa 8,5 % (13,9 Mrd. €) beteiligt. 43
Nach der Bewertung der sozialen Lage und des Wohlstandes in Bezug auf Lebenshaltungskosten, Einkommenssituation, Freizeitgestaltung, Kultur und Sport in den 439 Kreisen und kreisfreien Städten Deutschlands liegt die Region Hannover im Ranking aktuell nur auf Platz 314. 44 Diese Parameter werden auch als Indikator für die überregionale Attraktivität verstanden und prägen somit das Gesamtbild der Region in der öffentlichen Meinung. Im Rahmen der WF gilt es nun die skizzierten Stärken der Region zu kommunizieren und auszubauen, um die vorhandenen Schwächen entweder neutralisieren bzw. abbauen zu können.
3.1 Ziele und Maßnahmen der Wirtschaftsförderung
Um die Entwicklung der Region Hannover als Wirtschafts-, Wohn-, und Touris-musstandort voranzutreiben, werden nach Aussage des Wirtschaftsdezernates durch die Träger der WF folgende Zielsetzungen verfolgt:
• nachhaltige Stärkung und Sicherung des Wirtschaftsstandortes
• Erhalt und Aufbau eines attraktiven Wirtschafts- und Lebensraumes
• Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen
• Abbau der Arbeitslosigkeit sowie der Ausbau des Humankapitals
Diese Ziele sollen durch die Erarbeitung eines Maßnahmenkataloges wie folgt erreicht werden:
• Förderung der regionalen Infrastruktur
• Verbesserung der weichen Standortfaktoren
• Förderung und Unterstützung von Existenzgründungen
• Bestandspflege- und Bestandsentwicklung
• Förderung von Neuansiedlungen
43 Nord/LB, 2002, S. 42, eigene Berechnungen
44 Prognos AG, 2004, S. 17
Arbeit zitieren:
Torsten Hendrik Wirth, 2004, Analyse der Wirtschaftsförderungskonzepte in den Regionen Hannover, Braunschweig, Wolfsburg, München, GRIN Verlag GmbH
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Studyguide for Global Business Today by Hill, ISBN 9780072855562
3rd Edition Hill, Cram101 Textbook Reviews
Studyguide for Global Business Today by Hill, ISBN 9780072973716
4th Edition Hill, Cram101 Textbook Reviews
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