Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 2
1 Allgemeines zur Konversationsanalyse 3
1.1 Entstehungsgeschichte und Kontext 3
1.1.1 Harvey Sacks: Lectures 3
1.1.2 Harold Garfinkel: Ethnomethodologie 4
1.1.3 Jörg R. Bergmann: Rezeption in der Bundesrepublik 5
1.2 Ziele und Leitfragen der Konversationsanalyse 7
1.3 Kritik 8
2 Vorgehensweise der Konversationsanalyse 9
2.1 Auswahl des Forschungsobjektes/Aufzeichnung 9
2.2 Transkription 10
2.3 Analyse 12
2.3.1 Auffinden eines Ordnungselementes 12
2.3.2 Problem-Hypothese 13
2.4 Gültigkeitsüberprüfung 13
3 Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis S. 16
1
Einleitung
Täglich lesen, sehen und hören wir in den Medien von Statistiken, die uns sagen wie viel Prozent unserer Mitbürger was zu welchem Thema denken. Selten hört man etwas darüber wie diese Meinungen zu Stande kommen. Die akteurszentrierte Soziologie geht davon aus, das Meinungen interaktiv hergestellt werden. Wie dies geschie ht, möchte die Qualitative Sozialforschung herausfinden.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Konversationsanalyse, einer Methode der qualitativen Sozialforschung. Darüber hinaus enthält sie die Auswertung von im Rahmen einer Methodenpraktischen Übung erhobenem Datenmaterial. Diese Daten, ein aufgezeichnetes Gespräch zwischen Studenten, sollen mit konversationsanalytischen Methoden analysiert werden und gleichzeitig die Vorgehensweise und Prinzipien der Konversationsanalyse und der damit verbundenen F orschungsrichtung der
Ethnomethodologie verdeutlichen.
Der hier vorliegende theoretische Teil der Hausarbeit widmet sich den beiden Aspekten der Konversationsanalyse, welche zum einen eine Theorie ‚sozialen Handelns’ und zum anderen eine praktische Methode darstellt. So beschäftigt sich der erste Oberpunkt ‚Allgemeines zur Konversationsanalyse’ mit der zugrunde liegenden Theorie und der geschichtlichen Entstehung derselben. Neben Harvey Sacks (Punkt 1.1.1), der als Begründer der Konversationsanalyse gilt, wird auch auf das von Garfinkel entwickelte theoretische Rahmenprogramm eingegangen (1.1.2). Weiter werden allgemeine Maxime (1.1.3), Ziele und Leitfragen (1.2) und Kritikpunkte an dem Ansatz (1.3) behandelt. Unter dem Oberpunkt zwei ‚Vorgehensweise der Konversationsanalyse’ sollen die einzelnen Arbeitsschritte dieser Methode erklärt werden. Nach der Auswahl des Forschungsobjekts (2.1) erfolgt erst einmal die Transkription (2.2). Die Analyse (2.3) ist der Hauptteil der Methode und wird von der Gültigkeitsüberprüfung (2.4) als letztem Schritt abgerundet.
2
1 Allgemeines zur Konversationsanalyse
Konversationsanalyse ist die Bezeichnung für einen Forschungsansatz, der sich auf einem strikt empirischen Weg der Untersuchung von sozialer Interaktion als einem fortwährenden Prozess der Hervorbringung und Absicherung sinnhafter sozialer Ordnung widmet. Sie gibt sich nicht mit der Einsicht zufrieden, dass die Individuen durch Werte und Normen immer schon in die soziale Wirklichkeit eingepasst sind, sondern will auch zeigen, wie eine solche Einpassung von den einzelnen in einer Gesprächssituation praktisch vollzogen wird. (Brüsemeister, 2000, S. 235)
Begrüßungsrituale, Streitereien, Beratungsgespräche, Bitten und ihre verbale Erfüllung, Frage-Antwort-Spiele, T elefongespräche, Witze erzählen und Lachen, Alltagsunterhaltung, Verkaufsgespräche, gewöhnlicher Klatsch, Notrufe bei der Feuerwehr und ähnliche Kommunikationserscheinungen sind typische Objekte und Themen, mit denen sich die Konversationsanalyse beschäftigt.
Methodisch setzt die Konversationsanalyse bei der möglichst verlustarmen Dokumentation (audiovisueller Aufzeichnung und späterer Transkription) realer und ungestellter sozialer Vorgänge an und fraktioniert aus diesen durch vergleichend-systematische Analyse einzelne Strukturprinzipien sozialer Interaktionen - sowie deren praktische Handhabung durch die Interaktionsteilnehmer.
1.1 Entstehungsgeschichte und Kontext
1.1.1 Harvey Sacks: ‚Lectures’
In ihren Grundzügen wurde die Konversationsanalyse zu Beginn der 60er Jahre von Harvey Sacks (1935-1975) in den USA entwickelt und durch Vorlesungen (‚Lectures’) von Sacks an verschiedenen kalifornischen Universitäten verbreitet. Diese Vorlesungen befassten sich unter anderem „mit den Mechanismen des Geschichtenerzählens, dem Sprecherwechsel in Gesprächen, Verfahren der Kategorisierung von Personen, Abfolgesequenzen von Äußerungen, Hörermaximen, Funktionen von Pronomen und einer Fülle anderer Themen.“ (Bergmann, In: Flick, 2000, S. 525)
Sacks orientierte sich unter anderem an dem wenige Jahre zuvor begründeten sozialwissenschaftlichen Forschungsprogramm von Harold Garfinkel, der
Ethnomethodologie. Sein wissenschaftliches Interesse richtete sich auf das was die
3
Mitglieder einer Gesellschaft bei der Abwicklung alltäglicher Angelegenheiten wissen, denken und tun. Das von Harvey Sacks verfolgte Ziel der Konversationsanalyse ist die empirische Erforschung alltäglicher Praktiken des Mitteilens und Verstehens. „Als Sacks (...) damit begann sich für Alltagsgespräche zu i nteressieren, stand (ihm) keine einfach anwendbare Methode zur Verfügung. Unter Bezug auf vielfältige theoretische Überlegungen wurden diese Methoden im Umgang mit Ton- und Bildaufzeichnungen von Allerweltshandlungen entwickelt, die in ihrer rohen Form belassen, also noch nicht unter didaktischen oder ästhetischen Gesichtspunkten z u Lehr- oder Dokumentarzwecken geschnitten und montiert worden waren. Materialien dieser Art den Status von soziologisch relevanten ‚Daten’ zuzuerkennen, war zu diesem Zeitpunkt höchst ungewöhnlich.“ (ebd. S. 530) Neuartig war, dass diese Daten einen momentan ablaufenden Vorgang auf registrierende Weise konservierten während für herkömmliche Daten ein rekonstruierender Konservierungsmodus charakteristisch war. Sacks selber hat sich allerdings immer geweigert „die Verfahrensregeln des Ansatzes zu explizieren und im Rahmen einer Methodenlehre verbindlich zu machen“, (ebd. S. 57) um nicht den Blick auf den Gegenstand zu versperren. Seit Anfang der 70er Jahre wurde die Konversationsana lyse auch zunehmend außerhalb der USA rezipiert und stieß in einigen Nachbardisziplinen auf Resonanz, vor allem in den Sprachwissenschaften.
1.1.2 Harold Garfinkel: Ethnomethodologie
Neben den Arbeiten Erving Goffmans zu einer Analyse der Interaktion und der Sprach-Philosophie Ludwig Wittgensteins, beeinflusste vor allem das von Harold Garfinkel entwickelte Theoriegebäude der Ethnomethodologie Sacks Überlegungen zur Konversationsanalyse. Das von Garfinkel 1967 veröffentlichte Buch ‚Studies in ethnomethodology’ beschäftigt sich mit dem praktischen Alltagshandeln (‚methodology’) gesellschaftlicher Gruppen (‚ethnos’).
Garfinkel knüpft dabei an Talcott Parsons Handlungstheorie an. Bei Parsons werden Situationsdefinitionen, Bedeutungen, Norme n und Werte der Handelnden einfach als gegeben (durch Sozialisation internalisiert) vorausgesetzt und ein ‚kognitiver Konsens’ unterstellt. Garfinkel dagegen beschäftigt die Frage, wie es in sozialen Interaktionen zu intersubjektiver Verständigung kommen kann, wie die alltägliche Sinnkonstitution funktioniert - und damit: wie Werte- und Bedeutungswandel möglich ist. In seiner Kritik an Parson stützt sich Garfinkel vor allem auf Alfred Schütz, anders als diesen interessiert ihn
4
Arbeit zitieren:
Peter Neitzsch, 2003, Konversationsanalyse - Vorgehensweisen, Theorien und Ziele , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das Andalusische - Ein heterogener Dialekt des Kastilischen
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 16 Seiten
Mittelstandsfinanzierung mit Mezzanine Capital - Eine theoretische Ana...
BWL - Investition und Finanzierung
Diplomarbeit, 81 Seiten
Kinder und Werbung. Über die manipulative Macht der Reklame
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 25 Seiten
Über den Dualis - Der Einfluss Wilhelm von Humboldts auf die Ich-Du Ph...
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Hausarbeit, 24 Seiten
Das "real maravilloso" im Werk Alejo Carpentiers
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Interkulturelle Pädagogik in Integrationsklassen
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Seminararbeit, 27 Seiten
Am Ende der blauen Magie. Das lyrische Spätwerk Else Lasker-Schülers a...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 31 Seiten
Ethnische Ungleichheit im internationalen Vergleich
Statistische Probleme innerhal...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Seminararbeit, 26 Seiten
Beschreiben Sie die Grundlagen des Gruppenverhaltens und stellen Sie B...
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 24 Seiten
Systemtheoretischer Begriff der Öffentlichkeit: Öffentlichkeit und öff...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Untersuchung dreier Länder und ihrer Regelung zum Mindestlohn – Ein Vo...
Hausarbeit (Hauptseminar), 47 Seiten
Peter Neitzsch's Text Konversationsanalyse - Vorgehensweisen, Theorien und Ziele ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Peter Neitzsch hat den Text Konversationsanalyse - Vorgehensweisen, Theorien und Ziele veröffentlicht
Peter Neitzsch hat einen neuen Text hochgeladen
Einführung in die Film- und Fernsehwissenschaft
Nils Borstnar, Eckhard Pabst, Hans Jürgen Wulff
0 Kommentare