INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG 2
1. Problem- und Aufgabenstellung 2
2. Biologische und pharmakologische Grundlagen 4
2.1. Zur Botanik der Cannabaceae 4
2.2. Drogenhanf 7
2.3. Inhaltsstoffe der Hanfpflanze 8
2.4. Tetrahydrocannabinol - Pharmakologie und Pharmakokinetik 9
2.5. Cannabinoid Rezeptoren 13
2.6. THC- Wirkung und seine Beziehung zwischen Dosis und Konzentration 14
3. Cannabis im Straßenverkehr 17
3.1. Wirkungen und Gefahren 17
3.2. Merkmale cannabisbeeinflusster Verkehrsteilnehmer 18
3.3. THC-Plasmakonzentrationen und Wirkungen 19
3.4.Beweismittelsicherung 20
4. Gesetzliche Grundlagen 22
4.1. Ordnungswidrigkeitstatbestand 22
4.2. Straßenverkehrsgesetz (STVG) 23
4.3. Strafrecht 24
4.4. Grenzwertkommission 24
II. WIEDEREINFÜHRUNG DES NUTZHANFS 25
1. Faserhanf 25
2. Zur Inkrimierung und Rehabilitierung des Hanfanbaus 27
3. Nahrungs- und Genussmittel auf Hanfbasis 29
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1.1.1. Enzymimmunoassay (EMIT) 34
1.1.2. Mikrotiterplatten (MTP)-Immunoassay 35
1.2. Gaschromatographie und Massenspektrometrie 36 1.2.1. Gaschromatographie 36 1.2.2. Massenspektrometrie 37
2.3.1. Vorbereitung zur GC-MS-Messung 46
1.3.1. Trinkversuch mit aufgebrühtem Hanftee 67
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I. Einleitung
1. Problem- und Aufgabenstellung
Tetrahydrocannabinol (THC) ist die primär psychoaktive Substanz im Hanf (Cannabis sativa L.).
Bisher konnte man bei einem positiven THC- bzw. THC-Carbonsäure-Befund in Blut- oder Urinproben von einer vorangegangenen bewussten Aufnahme der Droge Cannabis, in der Regel von Haschisch oder Marihuana, ausgehen. Wenn ein Beschuldigter jedoch zu seiner Verteidigung angibt, er habe Hanfbier oder ein anderes frei verkäufliches Hanfprodukt konsumiert, und den positiven THC-Befund in seinem Blut bzw. im Urin dadurch zu erklären versucht, wäre die zweifelsfreie Widerlegung einer solchen Schutzbehauptung ohne Kenntnis der wissenschaftlich analysierten Gehalte an psychoaktiven Substanzen in diesen Produkten nicht möglich.
Daraus könnten Unsicherheiten bis hin zu Gutachterstreitigkeiten entstehen, die medizinische Fragestellungen unmittelbar berühren. Zugleich wird die Frage der Strafbarkeit und der strafrechtlichen Schuld bei Drogenkonsum zu einem medizinisch zu untermauernden Fachurteil, z.B. wenn der Verlust des Führerscheins zur Diskussion steht. (1)
Aus bisherigen Untersuchungen zum Problem der Differenzierung zwischen legalem Faser- und illegalem Drogenhanf ist bekannt, dass es möglich ist, allein durch die Aufnahme von Lebensmitteln auf Hanfbasis, wie Öl, Samen oder Müsliriegel im Urin, ebenso wie im Blut, Cannabinoide nachzuweisen. (2-6)(7)
Aufgrund dieser doch recht beunruhigenden Resultate und der daraus resultierenden Ungewissheit über die pharmakologischen Effekte der „harmlosen“ Hanfprodukte wurde die Notwendigkeit evident, durch genauere Untersuchungen der hanfhaltigen Lebensmittel und deren Wirkungen konkrete Erkenntnisse für die medizinische Gutachtertätigkeit zu gewinnen.
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Hinsichtlich der Hanfproblematik ergeben sich folgende konkrete Fragen:
• Welche Lebensmittel bzw. Produkte können ein positives Blut- oder Urin Testergebnis hervorrufen und wie viel müsste man davon verzehren?
• Wenn bestimmte Hanfprodukte ein positives Testergebnis erzeugen, könnten dann auch relevante Wirkungen und Nebenwirkungen des Cannabis beobachtet werden?
• Welche Menge von diesen Lebensmitteln müsste man verzehren, um cannabistypische Wirkungen zu erzeugen?
• Schließt der von dem Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) vorgegebene Grenzwert wirklich ein positives Ergebnis im Drogentest sowie psychotrope Cannabiswirkungen aus?
• Muss nach Verzehr von großen Mengen hanfhaltiger Lebensmittel mit Leistungseinschränkungen am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr gerechnet werden?
• Könnten Personen, die illegales Cannabis konsumiert haben, den Verzehr von frei verkäuflichen Hanfprodukten als Schutzbehauptung verwenden?
• Haben die THC-Werte der Hanflebensmittel sich in den letzten Jahren tendenziell verändert? In welcher Dimension?
• Gibt es Möglichkeiten, durch Messergebnisse die Einnahme von legalen Hanflebensmitteln und dem Cannabiskonsum illegaler Drogen zu unterscheiden?
• Wären bestimmte Grenzwerte als Toleranzkriterium denkbar, wie z.B. beim Passivrauchen?
• Haben Hanflebensmittel trotz bestimmter Nachteile eine Chance auf eine weitere Existenz auf dem Markt?
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In der vorliegenden Arbeit werden THC-Gehalte verschiedener frei verkäuflicher Hanfprodukte sowie von Blut- und Urinproben nach der Aufnahme dieser Lebensmittel untersucht. Besonderer Wert wurde dabei auch auf eine Vielzahl verschiedener Getränke - vor allem Bierprodukte - gelegt, da hier ein verstärkter Konsum besonders bei Jugendlichen zu erwarten ist.
Die gezogenen Schlussfolgerungen dienen der allgemein gültigen, tatsächlichen und rechtlichen Einordnung verschiedener Grenzfälle des Drogenkonsums.
2. Biologische und pharmakologische Grundlagen
2.1. Zur Botanik der Cannabaceae
Hanf (Cannabis sativa L.) ist eine zweihäusige, einjährige Pflanze. Sie stammt aus der Familie der Hanfgewächse, welche in zwei Gattungen untergliedert wird, nämlich Hopfen (Humulus) und Cannabis (Hanf). (8) Letztere vermehrt sich durch Samen, so genannte einsamige Nüsschen und gedeiht besonders gut auf nährstoffreichen, feuchten Böden in sonniger Umgebung. (9)
Innerhalb einer 4-5 monatigen Wachstumsperiode kann sie eine Höhe von bis zu 5 Metern erreichen und etwa ein Kilogramm Samen produzieren. Hanf ist in der Regel eine diözische Pflanzenart: Beide Geschlechter der zweihäusigen Pflanze bedingen unterschiedliche Geschlechtsindividuen, die jedoch anatomisch nicht zu unterscheiden sind.
Die pollentragenden männlichen Blüten (Rispen) sind mit Staubbeuteln versehen. Sie dienen der Weitergabe des genetischen Materials und gehen nach der Pollenabgabe zugrunde. Das andere Geschlecht dagegen bleibt erhalten bis die Samen herangereift sind.
Laut van Treeck sind nur die weiblichen Blütenstände Ausgangsstoff für die Drogengewinnung: „Sowohl das von der Pflanze abstreifbare Harz als auch die getrockneten weiblichen Blütenstände enthalten Tetrahydrocannabinol (THC) und werden als Rauschmittel konsumiert.“ (10);(11)
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Abb. 1. Männliche (links) und weibliche (rechts) Hanfpflanze (12)
Die Hanfpflanze wird in den meisten Schriften in drei Subspezies: Cannabis sativa ssp. sativa, Cannabis sativa ssp. indica und Cannabis sativa ssp. ruderalis bzw. Cannabis sativa ssp. spontanea, eingeteilt. (13;14) Nach van Treeck ist es strittig, ob es sich bei der Spezies Cannabis sativa um drei verschiedene Arten von Hanfpflanzen einer Spezies oder drei Varietäten einer einzigen Art handelt. Die Übergänge sind fließend, da alle drei Sorten uneingeschränkt miteinander kreuzbar sind. (15);(8)
Der indische Hanf (Cannabis sativa ssp. indica) wurde ursprünglich zu schamanischen Ritualen in Nordindien und Mesopotamien verwendet und kam erst im 19. Jahrhundert nach Europa. (16;17)
Mitte dieses Jahrhunderts ist er als Rauschmittel durch die Hippie-Bewegung immer beliebter geworden und wird mittlerweile weltweit kultiviert. (16;17) Die indische Hanfpflanze kann eine Größe von 0,8 bis 2,5 m erreichen und ist ein eher buschiger, gedrungener Typ mit kurzen Internodien. In Drogenkreisen gilt sie einerseits aufgrund ihrer raschen Blütezeit (6-9 Wochen), andererseits wegen ihrer enormen Harzproduktion als „international populär“. (18)
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Die kleinste Unterart der Cannabaceae, Cannabis sativa ssp. ruderalis, stammt ursprünglich aus dem südöstlichen Russland und soll von den Skythen verbreitet worden sein. Der „Wilde Hanf“ erreicht nur eine Höhe von 30 bis 80 cm und wächst heute vorwiegend im Kaukasus und in China. (18)
Cannabis sativa L. oder Faserhanf wurde 60 v. Chr. von dem griechischen Kannabis und dem lateinischen sativa abgeleitet, was „nützlich“ bedeutet. Er zählt zu den ältesten ökonomisch genutzten Pflanzen der Erde und liefert je nach Sorte Fasern, essbare Samen aber auch Drogenharz.
In ca. 5500 Jahre alten neolithischen Bandkeramik-Schichten im thüringischen Eisenberg wurden älteste Funde der Hanfpflanze geborgen. (9;15);(19) Heute befinden sich Anbaugebiete von Cannabis sativa auf feuchten Standorten oder Niederungsmooren insbesondere in Deutschland, Ost-, Südosteuropa und Italien.
Mit einer Höhe von drei und mehr Metern ist der 5-7 zählig gefiederte Nutzhanf der größte der drei Hanfarten.
Während die männlichen Blüten rispenartig wachsen, sind die weiblichen grün blühenden mit einem zweiblättrigen Fruchtknoten und einer verkümmerten Blütenhülle ausgestattet. Bei der Ernte wird die kleinere männliche Pflanze (Femel) durch Ausraufen (Femeln) früher geerntet als die Weibliche (Mastel oder Maskel). (8)
Während man aus den Fasern Hanfgarn, Langfaser-(Hechel) und Kurzfasergarn (Werg) herstellen kann, wird der Hanfsamen, welcher rund 32 % Hanföl enthält, zur Seifenherstellung, Ernährung oder mit Leinöl gemischt, als Firnis verwendet. Rückstände der Ölfabrikation (Presskuchen, Hanfmehl) sind als Kraftfutter geeignet. Hanfsamen wird häufig als Vogelfutter ausgestreut und dient als altes Hausmittel reizmildernd bei Herpes, dermatologischen Erkrankungen oder Wunden. (9;20);(21)
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2.2. Drogenhanf
Unter dem Oberbegriff Cannabis versteht man heute alle psychoaktiven Betäub-ungsmittelformen der Hanfpflanze Cannabis. Diese weisen einen süßlichen Geruch auf und zählen zu weltweit am häufigsten konsumierten illegalen Rauschmitteln. (22)
Der Konsum ist in den letzten Jahren erheblich angestiegen. Etwa jeder fünfte Europäer hat Cannabis mindestens einmal im Leben probiert. In der Bundesrepublik geht man von 2,1 Mio. Drogenkonsumenten und etwa 270.000 Dauerkonsumenten aus.
Mindestens 60% aller in Deutschland sichergestellten Rauschmittel sind Drogen dieser Stoffgruppe. (22)
Der Indische Hanf, welcher insbesondere in heißen sonnigen Gebieten Indiens, Irans und Afghanistans angebaut wird, enthält relevante Mengen Tetrahydrocannabinol. Speziell für den Drogenkonsum entwickelte Zuchtformen Sinsemilla („ohne Samen“) weiblicher samenloser Blüten, die von sezernierenden Harzdrüsen bedeckt sind, besitzen den höchsten Gehalt psychoaktiver Cannabinoide. (11);(19)
Die getrockneten Blätter und Blüten THC-reicher Cannabissorten mit einem
Abb. 2. Rauschmittelformen von Cannabis Indica (22)
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2.3. Inhaltsstoffe der Hanfpflanze
Nach Grotenhermen gibt es über 60 verschiedene Cannabinoide, die als Wirkstoffe im Harz der Hanfpflanze enthalten sind. (21;26) Sie stellen Verbindungen mit 21 Kohlenstoffatomen und ähnlichen Struktur-Formeln dar. Die wichtigsten Cannabinoide Cannabinol, Cannabigerol, Cannabichromen bzw. Cannabidiol sind im Hanf in unterschiedlicher Zusammensetzung enthalten und können auseinander entstehen. (21;27)
Bei der Synthese wird aus Geranyl-Pyrophosphat und Olivtol-Säure Cannabigerol (CBG) gebildet. Daraus kann entweder Cannabichromen (CBC) oder Cannabidiol (CBD) entstehen. Letzteres ist die Vorstufe für die zwei wichtigsten Verbindungen: Cannabinol (CBN) und Tetrahydrocannabinol (THC). Die Umwandlung zum THC ist abhängig vom Genotyp der Pflanze und wird durch UV-Licht beschleunigt. Deshalb ist auch der THC-Gehalt einer Pflanze unter anderem von der Sonneneinstrahlung abhängig. (28) Das endgültige Oxidationsprodukt ist Cannabinol. Diese Verbindung besitzt im Gegensatz zum THC keine psychoaktiven Eigenschaften und wird daher nicht als Betäubungsmittel eingestuft.
Das Verhältnis der Cannabinoide zueinander ist zum einen vom Genotyp, also der Hanf-Sorte, zum anderen aber von den Umwelt- und Standortsbedingungen abhängig. Da die Cannabinoide sich zum Teil auseinander bilden, verändert sich während der Reifung, aber auch nach der Ernte, ihre Zusammensetzung bei jeder Pflanze in bestimmten Maßen. (27);(26)
Das spezifische Cannabinoid-Profil kann daher die Wirkungen beeinflussen. Folglich scheint der Cannabis-Rausch auch durch das Zusammenwirken verschiedener pflanzlicher Inhaltsstoffe veränderlich und somit je nach der regionalen Herkunft verschieden zu sein. (29)
Die Cannabinoide sind in großen Mengen im Harz der weiblichen Pflanze enthalten und werden von Drüsen ausgeschieden, die an den Tragblättern der weiblichen Blütenstände sitzen. (16);(1) Sie stellen eine Anpassungsleistung zur Reduzierung von Angriffen durch Insekten und Pilze dar. (30) Hanf ist deshalb so widerstandsfähig gegen zahlreiche natürliche Antagonisten wie kaum eine andere Kulturpflanze. (30)
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2.4. Tetrahydrocannabinol - Pharmakologie und Pharmakokinetik
Tetrahydrocannabinol ist die primär psychoaktive Substanz der Hanfpflanze, die man die für die psychischen und physischen Effekte des Cannabis verantwortlich macht. (31;32)
THC, welches in Form von mehreren isomeren Verbindungen vorkommt, unterliegt in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz. Labormedizinisch ist Tetrahydrocannabinol die Substanz, deren Nachweis in Körperflüssigkeiten einen statt-gefundenen Konsum von Dogen des Cannabistyps beweist. Chemisch gesehen ist das THC ein Alkohol. Es löst sich gut in Fett oder andern Alkoholen und ist bei Temperaturen unter 20°C eine feste Substanz. (33)
Tetrahydrocannabinol ist eine hochwirksame Verbindung. Bereits die Menge von 2 mg, direkt ins Blut eingeführt, erzielt ein Rauscherlebnis. (25)
Die gängigste Konsumform von Cannabisprodukten ist das Rauchen, „Kiffen“, einer Marihuana-Tabak- bzw. Haschisch-Tabak-Mischung im Joint oder einer Pfeife. THC wird nach Inhalation durch Kondensation an den reich durchbluteten Alveolen der Lunge schnell resorbiert.
Die geringe Bioverfügbarkeit (nur 10-20 %) bedingt, dass als wirksame Rauschdosis 10-20 mg angesehen werden. (35);(19)
Nach Grotenhermen erreichen bei ungeübten Konsumenten nur etwa ein fünftel des THC pro Cannabis- Zigarette den systemischen Kreislauf. Erfahrene Raucher können durch bessere Effizienz der Inhalationstechnik jedoch eine mehr als doppelt so hohe Bioverfügbarkeit erlangen. (36)
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Die rasche Resorption über die Lunge bedingt schnell ein steiles Ansteigen des THC-Blutspiegelwertes mit hohem Maximum sodass der Rauschzustand bei inhalativer Aufnahme gegenüber der oralen etwa zwei- bis dreimal so intensiv erlebt wird. Schon 30 bis 60 Minuten nach dem Rauchen beginnt die Wirkung wieder abzuklingen. (31)
Die orale Aufnahme erfolgt meist unter Verwendung eines lipophilen Trägermediums, beispielsweise Gebäck oder Schokolade. (35) Obwohl dadurch eine fast vollständige Absorption erreicht werden kann, wird aufgrund des extensiven First-Pass-Metabolismus der Leber nur eine systemische Bioverfügbarkeit von etwa 10% angegeben. (36)
Nachteilig ist, dass die Absorption über den Magen-Darm-Trakt schwer steuerbar ist und langsamer erfolgt. Geschwinde geht davon aus, dass die Wirkungsdauer dann 3- 5 Stunden beträgt und bis zu 10-12 Stunden anhalten kann. (31)
Abb. 4. Dosis-Wirkungsbeziehung des THC nach inhalativer Aufnahme (37)
Nach der Aufnahme durchdringt THC gut durchblutetes Gewebe und reichert sich besonders im Körperfett, welches der wichtigste Ort der Langzeitspeicherung ist, aber auch in Organen wie Gehirn, Herz, Leber, Lunge, Darm, Nieren, Milz, Brustdrüse und Plazenta an. Durch die Ansammlung in tieferen Kompartimenten, liegt das Verteilungsvolumen bei etwa 10 Liter pro Kilogramm Körpergewicht. (36) Die schnelle Kumulation in fettreichem Gewebe bedingt, dass die Wirkstoffkonzentration im Blut nach Konsumende schon abnimmt, während die maximale
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THC-Wirkung noch nicht erreicht ist. Aufgrund dessen gestaltet es sich toxikologisch schwierig, eine Korrelation zwischen THC-Serumkonzentration und Wirkung zu ermitteln. (25);(32)
Abb. 5. THC-Serumkurve und THC-Wirkungskurve in Abhängigkeit
von der Zeit (Stunden) nach Konsumende (25)
Die Biotransformation des Tetrahydrocannabinol im Körper erfolgt zum größten Teil in der Leber, wo Mischoxygenasen das Molekül hydroxylieren. Während des Abbaus der Cannabinoide, welche im Körper überwiegend Plasmaproteine wie Lipoproteine und Albumin binden, kann es hier zu Interaktionen mit anderen Wirkstoffen, insbesondere Pharmaka, kommen. (32) Bei der Metabolisierung, an der sich neben der Leber auch andere Organe wie Darm und Lunge beteiligen, können bis zu 100 verschiedene Stoffwechselprodukte entstehen. (38;39) Von forensischer Bedeutung sind jedoch nur drei dieser Metaboliten:
11-Hydroxy-∆9-THC (11-OH-THC), 11-Nor-∆9-THC-9-Carbonsäure (THC-COOH) und das aus dieser Carbonsäure entstehende Glucuronid. (25)
Während THC und Hydroxy-THC psychotrop aktiv sind, zeigen THC-Carbonsäure und ihr Glucuronid keine Wirkung mehr. Die Elimination von THC und seinen Stoffwechselprodukten wird durch enterohepatische Zirkulation, renale Reabsorption und Speicherung im Fettgewebe protrahiert. Aufgrund dessen variiert die Halbwertszeit des THC stark:
Während sie in den ersten Stunden mit 30-60 Minuten relativ kurz ist, verlängert sie sich aber auf Werte um 24 Stunden, je länger das Konsumende zurück liegt. (25)
Insgesamt kann man davon ausgehen, dass etwa 80-90% einer aufgenommenen THC-Dosis in den ersten fünf Tagen eliminiert werden, während der Rest in
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geringer Konzentration über einen längeren Zeitraum nachweisbar ist. (32) Daher können durch regelmäßigen Konsum die Abbauprodukte im Körper kumulieren und zu sehr hohen Metabolit-Konzentrationen im Blut und Urin führen. Ebenso ist es auch nach Beendigung eines dauerhaften Konsums möglich, dass ein Nachweis von THC-Stoffwechselprodukten in Körperflüssigkeiten länger als drei Monate gelingt. (36);(25)
Die Metaboliten werden in unterschiedlichen Mengen im Urin, in Faeces, Speichel und Schweiß ausgeschieden.
Insbesondere die psychotrop aktiven Inhaltsstoffe selbst werden aufgrund ihrer kompletten tubulären Rückresorption, im Gegensatz zu den Stoffwechselprodukten Carbonsäure und THC-Glucuronid, im Urin nur sehr selten gefunden. (39) Die orale Aufnahme von Cannabisprodukten weist eine signifikante interindividuelle Variabilität auf. Die langsamere Absorption aus dem Gastrointestinaltrakt bedingt eine verlängerte, weniger betonte Plasmakurve mit niedrigeren THC-Maxima. Außerdem wird die Wirksamkeit von oral zugeführten Dosen durch den starken hepatischen First-Pass-Effekt verringert. (24;32;36)
2.5. Cannabinoid Rezeptoren
Im Körper entfalten Cannabinoide ihre Wirkung über spezielle Rezeptoren (CB-Rezeptoren). (40)
Das Cannabinoid-System, welches erst Ende der 80er Jahre durch Howlett et al. entdeckt wurde, ist evolutionsgeschichtlich sehr alt. Es dient der Wahrnehmung sowie der Informationsverarbeitung und regelt die Bewegungskoordination, die Feineinstellung der Schmerzschwelle im Körper und steuert das Kurzzeitgedächtnis. (41);(42)
Erst 1992 konnten körpereigene Liganden (Arachidonylethanolamide), welche auch an diese spezifischen Rezeptoren angreifen, nachgewiesen werden. Die so genannten Anandamide sind vergleichbar mit THC, wirken jedoch erheblich schwächer und haben eine kürzere Halbwertszeit. Es wurden Effekte insbesondere auf das limbische System und auf die Motorik beschrieben. (42);(40) Heute ist bekannt, dass es zwei verschiedene Rezeptoren, CB1 und CB2 gibt. (42)
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CB1-Rezeptoren befinden sich bevorzugt in Hirnregionen, die Wahrnehmungen, Gedächtnis- und Bewegungsabläufe steuern. Dazu gehören vor allem die Basalganglien, die Großhirnrinde, der Hypothalamus und der Hippocampus. Speziell das lipophile THC bindet bevorzugt an diese Rezeptoren.
CB2-Rezeptoren dagegen sind nur peripher anzutreffen. Sie befinden sich vor allem in Zellen und Organen, die Teil des Immunsystems sind. Ihnen werden hauptsächlich immunologische Eigenschaften (z.B. antibiotische Wirkung, Multiple Sklerose, Krebs) zugeschrieben.
Neuroprotektive Einflüsse verschiedener Cannabinoide, die beispielsweise bei Hypoxie oder Ischämie wirksam sind, können auch rezeptorunabhängig entfaltet werden. (41;42)(43;44)
2.6. THC- Wirkung und ihre Beziehung zwischen Dosis und
Konzentration
Nach Geschwinde lässt sich das Wesen des Cannabis-Rausches so verstehen, dass eine Verstärkung einzelner Komponenten der bereits zuvor vorhandenen Einsichten und Einstellungen, abhängig von der jeweiligen Gestimmtheit des Konsumenten eintreten soll. So kann es zu einer Verknüpfung verschiedener Erlebnisqualitäten kommen, nicht aber zu tatsächlich neuen Einsichten in Sinneszusammenhänge. (45)
Cannabis hat sowohl halluzinogene als auch stimulierende und sedierende Wirkungen, die sich je nach „setting“, also der „Summe aus psychischer Gestimmtheit des Konsumierenden und den Umgebungsfaktoren“, unterschiedlich zusammensetzen. Der Konsument erlebt eine subjektive Leistungssteigerung, vor allem in auditiven, aber auch in sensorischen Bereichen. Intensivierte Wahrnehmungen und eine Steigerung des Selbstwertgefühls werden angegeben. Objektiv betrachtet treten jedoch nur eine veränderte Wahrnehmung und eine Verminderung der Kritikfähigkeit auf. Cannabis ist eine bewusstseineinschränkende Droge, die Konzentration und Gedächtnisleistung behindert. Der Berauschte erlebt „mikroskopische“ Details ohne deren Sinneszusammenhänge zu erkennen. Abhängig von
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der Erwartungshaltung kann die Erlebnisqualität des Rausches stark variieren, völlig ausbleiben oder plötzlich umschlagen. Andererseits ist es auch möglich, dass der Cannabisrausch auf künstlerischen Gebieten zu Spontaneität und Aufgeschlossenheit, Entspannung sowie zu euphorischer und verständnisvollerer Haltung führt. (45;46)
Tabelle 1. Wirkungen von Cannabis und THC (46;47)
Arbeit zitieren:
Sabine Rosenstock, 2004, Untersuchungen zu cannabishaltigen Lebensmitteln - Grenzfälle des Drogenkonsums, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Drogenpolitik in Deutschland und der Schweiz - ein Vergleich
Seminararbeit, 20 Seiten
Auffällige Merkmale bei Fahrzeugführern im Straßenverkehr - Die Drogen...
Jura - Strafprozessrecht, Kriminologie, Strafvollzug
Ausarbeitung, 57 Seiten
Sabine Rosenstock hat den Text Untersuchungen zu cannabishaltigen Lebensmitteln - Grenzfälle des Drogenkonsums veröffentlicht
Sabine Rosenstock hat einen neuen Text hochgeladen
T. O. Immisch, Olaf Kische, Sylvia Pollex, Gerhard Zwickert, Eberhard Klöppel, Peter Leske, Werner Schulze, Heinz Dargelis, Bernd-Horst Sefzik
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