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In nh ha al lt ts s v ve e r rz ze e i ic c h hn ni is I
In nh ha a l lt t s s v ve er r z ze e i ic c h hn ni is s 3 I
1. Einleitung 4
2. Lessings Laokoon’ vs. Arnheims Neuer Laokoon’ 5
2.1 Laokoon - Priester im Schmerz 5
2.2 Zu Lessings Werk Laokoon’ 6
2.3 Zu Arnheims Aufsatz Neuer Laokoon’ 6
3. Zum ästhetischen Programm - Kunstauffassungen 7
3.1 Lessings Bestimmung von Poesie und Malerei. 7
3.2 Arnheims Kunstauffassung 9
4. Zum Sprechfilm 10
4.1 Der Sprechfilm als Kunst? 10
4.2 Warum der Sprechfilm nach Arnheim kaum als Kunst zu gelten hat 11
5. Lessings Laokoon’ - Ein Regelwerk mit Bestand? 13
5.1 Der Sprechfilm - Ein neuer Laokoon’? 13
5.2 Lessings Laokoon’ durch den Film überholt? 14
6. Fazit 15
7. Anhang - Literaturliste 16
4
1. E Einle i itung 1
Anlässlich vieler Diskussionen, was man unter Kino zu verstehen hat, das heiß t was wir unter wissenschaftlicher Betrachtungsweise des ‚Apparates’ Kino zu erwarten haben, nämlich die Multimedialität des „kinematographischen Spektakels“ 1 , erscheint es angebracht, essentielle kunsttheoretische Betrachtungen des Dispositivs anhand des wohl am kinospezifischsten Mediums, des Filmes, einzubeziehen.
Da wir es beim Film mit einer Reihe verschiedener Mittel (Bild, Sprache, Geräusche) zu tun haben - zumindest seit der Erfindung des Tonfilmes - nämlich mit einer „Verkopplung der künstlerische n Mittel“ 2 (eben Bild mit Ton/Sprache) - ist es von großer Bedeutung, eine der wohl wichtigsten Schriften des 18. Jahrhunderts (zumindest was die ästhetischen Diskussionen der damaligen Zeit angeht), Gotthold Ephraim Lessings ‚Laokoon’ 3 , als eine Art Maßstab und Analyseverfahren zur Untersuchung heranzuziehen.
Einen interessanten Ansatzpunkt zur kunsthistorischen oder kunsttheoretischen Untersuchung der filmischen Kunst bietet Rudolf Arnheims Aufsatz ‚Neuer Laokoon’, in dem er versucht, die wie oben schon genannte Kopplung von künstlerischen Mitteln anhand des Sprechfilms zu untersuchen.
Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, anhand Lessings kunsttheoretischer Schrift ‚Laokoon’ und Arnheims Aufsatz ‚Neuer Laokoon’, die Eigenheiten der Kunst, im Speziellen des Bildes (oder der „Malerei“ wie Lessing sie bezeichnet 4 ) und der Sprache als poetische Kunst (bei Lessing „Poesie“) aufzuzeigen und sie auf den Sprechfilm anzuwenden, so wie Arnheim es tut, um die Frage nach der Gültigkeit von Lessings Regeln für neuere Kunst (wie eben der Sprechfilm) zu prüfen und somit den künstlerischen Anspruch des Sprechfilmes zu klären: Entsteht durch die Realisierung des Sprechfilms und der damit verbundenen Kopplung der künstlerischen Mittel Bild und Sprache ein ‚neuer Laokoon’?
Zunächst soll ein kurzer historischer Abriss Klarheit über die Figur des Laokoon bringen und Lessings Werk sowie Arnheims Aufsatz kurz vorgestellt werden. Danach sollen die Kernpunkte und die ästhetischen Auffassungen über Kunst geklärt, erläutert und in Bezug zum Sprechfilm gesetzt werden, um die Bedeutsamkeit von Lessings Werk zu klären.
_______________
1 Metz 1997, S. 72
2 Arnheim 1977, S. 81
3 Der volle Titel lautet: „Laokoon: oder über die Grenzen der Malerei und Poesie“. Der Einfachheit halber im weiteren Text nur noch „Laokoon“ genannt.
4 Lessing versteht unter „Malerei“ die bildenden Künste allgemein , vgl. Lessing 1998, S. 6.
5
2. L Lessings ‚ ‚Laokoon’ v vs. A Arnhe i ims ‚ ‚Neue r r L Laokoon’ 2
2.1 Laokoon - Priester im Schmerz
Abbildung: Plastik der Laokoon-Gruppe 5
Die Person mit dem Namen Laokoon taucht in der griechischen Mythologie, der Sagenwelt, auf. Laokoon war der Priester Appollons und Poseidons in Troja, der beim Untergang Trojas zusammen mit seinen Söhnen qualvoll dem Kampf mit zwei Schlangen erlag 6 : „[...] Vergeblich versuchte er die Umschlingungen zu lösen. Furchtbar waren seine Klagelaute, die sich zum Himmel erhoben.“ 7
Diese Begebenheit - die Geschichte - des Laokoon wird bis heute noch durch poetische Kunst und bildende Kunst repräsentiert: Vergils Erzählung der Laokoon-Begebenheit im zweiten Buch der Aeneis und die Skulptur der spätantiken Laokoon-Gruppe der rhodischen Bildhauer Hagesandros, Polydoros und Athanodoros. 8 Diese Skulptur wurde 1506 in der Nähe Roms gefunden und „[...] sofort identifiziert[e] man die Skulptur mit der von Plinius [...] beschrieben Laokoon-Gruppe, welche dieser als Kunstwerk bezeichnet, das allen anderen vorzuziehen sei“. 9 Man sah in diesem Kunstwerk einen Gipfel der Kunst überhaupt, dessen Ruhm über Jahrhunderte unangefochten blieb und bleibt, wie Monika Fick (2000) anmerkt.
________________
5 Abbildung entnommen von der Internetseite: www.gutenberg.aol.de/lessing/laokoon/laokoon.htm
6 vgl. hierzu Carstensen „Griechische Sagen“ 1954, S. 205-208
7 Ebd., S. 208
8 vgl. hierzu Kindlers neues Literaturlexikon 1990, S. 320 und Schülerduden 1998, S. 246
9 Fick 2000, S. 222
6
2.2 Zu Lessings Werk ‚Laokoon’
Gotthold Ephraim Lessings Werk ‚Laokoon’ erschien 1766. Es handelt sich um eine sogenannte kunsttheoretische Schrift, eine Darlegung, die „die Frage nach der Eigenart des Poetischen in Abgrenzung zu den übrigen schönen Künsten“ 10 beantworten, das heißt eine Differenzierung, „die das Wesen der Einzelkünste“ 11 klären soll. 12 Lessing bedient sich hierzu des Vergleiches des poetischen Werkes von Vergil und der Laokoon-Plastik. Wie schon in Kapitel 2.1 angedeutet, galt die Plastik des Laokoon als eine Art absolute Regel, ein Ideal der Kunst. Nach Monika Fick (2000) trage Lessing mit seiner Titelwahl ‚Laokoon’ der „exzeptionellen Bedeutung“ 13 dieser Skulptur Rechnung.
Lessings Schrift wendet sich gegen die „blendende Antithese [...], dass die Malerei eine stumme Poesie und die Poesie eine redende Malerei sei.“ 14 Dieser Kernsatz verwischt nach Lessings eigenen Ausführungen gerade die von ihm geforderten eindeutigen Grenzen der Künste und animiert ihn zur Klarstellung: „Bald zwingen sie die Poesie in die engeren Schranken der Malerei; bald lassen sie die Malerei die ganz weite Sphäre der Poesie füllen: [...] Diesem falschen Geschmacke [...] entgegenzuarbeiten, ist die vornehmste Absicht folgender Aufsätze.“ 15 Großen Anlass zur Kritik bot Lessing Winckelmanns Schrift „Versuch einer Allegorie“ verbunden mit der Deutung der Plastik der Laokoon-Gruppe. 16 Lessing schafft es in seinem Werk sowohl die Grenzen 17 der bildenden Künste und der Poesie zu bestimmen als auch die Dichtkunst vom Diktat der Malerei zu befreien. Demnach wurde dieses Werk stark für die Literaturkritik richtungsweisend. 18
2.3 Zu Arnheims Aufsatz ‚Neuer Laokoon’
Rudolf Arnheim wurde am 15. Juli 1904 in Berlin am Alexanderplatz geboren 19 . Nach seinem Abitur studierte er an der Berliner Universität Philosophie mit Schwerpunkt Psychologie und die Nebenfächer Kunst- und Musikgeschichte. Seine späteren Arbeiten als Filmkritiker waren demnach sehr durch die Gestaltpsychologie, die den Besonderheiten der visuellen Wahr_______________
10 Kindlers neues Literaturlexikon 1990, S. 320
11 Barner et al. 1975, S. 207
12 Lessing versucht Malerei und Poesie von ihren Gesetzmäßigkeiten der Darstellung her zu unterscheiden
13 Fick 2000, S.222
14 Lessing 1998, S.4
15 Lessing 1998, S. 4/5
16 vgl. Harenberg, Lexikon der Weltliteratur 1995, S. 1730
17 Unterscheidung und Grenzziehung der Künste nach Material, Funktion und Wirkung
18 Harenberg, Lexikon der Weltliteratur 1995, S. 1731
19 alle biographischen Angaben beziehen sich auf Diederichs Vortrag 1997 anlässlich des Bonner Arnheim-Symposions
Arbeit zitieren:
M.A. Andreas Reichard, 2001, Der Sprechfilm - Ein neuer Laokoon?, München, GRIN Verlag GmbH
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